Berliner Stadtverkehr (Straße, Bus und Bahn, Gebäude)

  • Planen: Die Planungsleistung für derartige Vorhaben wird europaweit ausgeschrieben. An Planungskapazitäten fehlt es ganz sicher nicht. Es gibt mehr als genug Tunnelbau/ Tiefbauunternehmen, Architekten, Tiefbauingenieure etc. die schon mit den Hufen scharren.

    Da ich selbst in einem Ingenieurbüro arbeite, kann ich zumindest bestätigen, dass wir uns über solche Planungsaufträge sehr freuen würden. Allerdings kämpfen auch wir mit dem großen Fachkräftemangel auf diesem Gebiet, Ingenieure wachsen leider nicht auf den Bäumen...


    Aber mit dem externen Planen ist es ja nicht erledigt. Alles was geplant wird, muss dann auch durch die entsprechenden Abteilungen, Referate und Gremien des öffentlichen Auftraggebers und da fehlen ebenfalls Fachkräfte bzw. sind in anderen Planungen gebunden.

    Nein, das letzte Argument, an dem es scheitert, ist das Geld.

    Sehe ich anders, sorry.

    Warum hat sich denn der Ausbau der Dresdner Bahn so lange hingezogen? Weil die Anwohner wegen Lärmschutz geklagt hatten. Warum? Weil die Bahn daran gespart hatte. Und warum? Wegen Geld!

    Warum ist noch immer kein Haltepunkt Perleberger Brücke bestellt? Wegen Geld!

    Warum ist die Fußgängerbrücke am umbenannten Bahnhof Johannisthal noch nicht saniert? Wegen Geld!

    Warum stehen am Ostkreuz die Reisenden am unteren Regionalbahnsteig im Regen? Weil Berlin keine Überdachung bestellt hat. Errate den Grund!


    Es scheitert immer auch am Geld!!

  • ^ Sehe ich genau so, kann man noch ergänzen um Dinge wie den Regionalbahnhof Buckower Damm, den S-Bahnhof Kamenzer Damm, die ewige Posse um den Regionalbahnhof Köpenick, etc, etc. Geld ist definitiv ein Thema, die zahlreichen Projekte, die in den nächsten Jahren angegangen werden sollen, konkurrieren da schon miteinander, auch wenn sie teilweise aus verschiedenen Töpfen finanziert werden. Die Aufgabe der Politik ist, die vorhandenen bzw. beschaffbaren Gelder so zu verwenden, dass der größtmögliche Nutzen daraus entsteht.


    Und da muss man dann schon hinterfragen, ob die Priorität auf der Verbesserung bereits vorhandener Schienenverkehrsverbindungen (denn eine U10 nach Weissensee bringt erstmal keine zusätzlichen Verbindungen, "nur" eine schnellere) oder auf der Erschließung bisher vom Schienenverkehr nicht tangierter Gebiete liegen sollte. Beispiel Blankenburger Süden: klar wäre eine direkte U10-Anbindung an die Innenstadt top, aber welchen Vorteil bringt sie gegenüber der projektierten Tram-Anbindung an den S Blankenburg, von dem man in unter 20 Minuten am S+U Friedrichstraße (und künftig dank S21 am S+U Hauptbahnhof) ist? Wenn die U10 trotzdem einen positiven KNF erreichen sollte (insbesondere die Nutzen-Seite ist hier fraglich), kann sie dann auch gerne gebaut werden, ein ja-ich-glaube-das-ist-nötig-die-M4-ist-immer-voll reicht dafür aber nicht.

  • ^ Das Umsteigen ist trotzdem immer eine Hürde, zumal, wenn es nicht optimal geregelt ist. Ich denke nur mit Schrecken an das Umsteigen U Frankfurter Allee in die Ringbahn. Auch das Umsteigen am Alex braucht viel Zeit. Da bin ich mit der U-Bahn schon mindestens 5 Stationen weitergefahren, bevor ich in der S-Bahn sitze und losfahre.


    ^^ Ich weiß nicht, ob es wirklich das Geld ist, oder die Prioritäten. Eine Landes- oder Bundesregierung , die den ÖPNV priorisiert, würde auch das Geld dafür "finden".

  • Die Bahnsteige in der Greifswalder Straße in die Mitte zu legen wie oben vorgeschlagen ist nur mit der fast kompletten Rodung der Bäume möglich.

    Die M4 am Alex in den U-Bahntunnel zu legen ist ebenfalls unmöglich, die Züge müssten dann auf entsprechende Signal- und Sicherungstechnik für Tunnelfahrten umgerüstet und zugelassen werden. Zumal für die Tiefenlage des Weißensee-Bahnsteigs gigantische Rampenbauwerke nötig wären.

    In der Greifswalder wurden in den letzten Jahren fast alle Bäume gefällt, an den Haltestellen gibt es kaum noch welche.


    In anderen Städten fahren Straßenbahnen als Stadtbahn auch im Tunnel.


    In der Otto-Braun-Straße ist reichlich Platz für eine Rampe. An den Anblick in der Schönhauser Allee hat man sich auch gewöhnt.


    Der Zeitvorteil wäre enorm. Die M4 sollte an keiner Ampel mehr halten, dann ist sie nicht viel langsamer als eine U-Bahn. Die Haltestellenabstände sind auch vergleichsweise groß.

  • Noch eine kleine Ergänzung zum Thema Geld und Zeithorizont:


    In Paris beinhaltet das Projekt Grand Paris Express den Neu- (4 Linien) und Ausbau (2 Linien) von 6 fahrerlosen U-Bahn-Linien. Zeithorizont bis 2030. Die neuen Linien sollen eine Länge von 200 Kilometern und 68 Stationen aufweisen. Kosten ca. 28 bis 35 Milliarden Euro. Da wird schon an mehreren Ecken gebaut. Nicht alles gleichzeitig aber kontinuierlich bis zur Fertigstellung.

  • Mit dem in Betrieb befindlichen Güterbahnhof am S-Bahnhof Greifswalder Straße und dem daneben ansässigen Betonwerk hätte man sogar noch eine perfekte Logistik für die An- und Abfahrt von Baumaterialien per Schiene direkt an der Neubaustrecke.

    Besser geht es gar nicht.

    Du wirst lachen: Bei beiden Anläufen zur Realisierung der Linie F Alex-Weißensee in der DDR im Jahr 1968 und 1980 wurde genau dies vorgeschlagen.

  • zur Greifswalder:

    Korrekt, viele der Bäume sind inzwischen ohne Nachpflanzung abhanden gekommen. Ganz offensichtlich weiß man hier nicht, wie es mit dem Straßenraum weitergehen soll. Die heutige Lösung mit Grünstreifen in der Mitte und äußeren Gleisen funktioniert hier meinen Meinung nach überhaupt nicht (anders als in der Warschauer). Warum? Die Fläche bietet null Aufenthaltsqualität und wäre selbst bei aufwendigster Umgestaltung doch nur wieder ein Hundeklo. Die Barrierewirkung durch die dort recht zügig verkehrende Straßenbahn mit ihren Absperrungen ist halt da und verkehrlich ja auch sinnvoll. Die von dir vorgeschlagene Lösung mit den Mittelbahnsteigen würde die unbefriedigende Situation aber in Summe nicht verbessern sondern gar noch festigen.

    Wenn die Straßenbahn hier dauerhaft bliebe, dann wäre ein Umbau nach Vorbild Prenzlauer Allee (halt dann mit Rasengleisen und Alleebepflanzung) wohl besser. Der gewonnene Platz sollte dann den Gehwegen zugeschlagen werden und würde zu einer deutlichen Aufwertung der Straße führen. Heute ist die Greifswalder ja eher eine Rennpiste...


    Zur Straßenbahn im Tunnel:

    So einfach ist das leider nicht. Ja, in anderen Städten fahren Straßenbahnen auch mal im Tunnel. Aber was sind das dann für Bauwerke? Welche die dafür ausgelegt wurden und durch die dann Fahrzeuge fahren, die dazu kompatibel sind. Klar, es wäre technisch sicher möglich, die U 5-Halle für eine Straßenbahn an den äußeren Gleisen umzubauen. Aber mit einem positiven Kosten-Nutzen-Faktor wäre es sicher nicht abbildbar. Warum? Die unterirdischen Bauwerke sind verschachtelt, alt, eng und niedrig und für Fahrzeuge mit Stromschienen ausgelegt.


    Zur Rampe:
    Mag sein das hier Platz wäre. Aber soll die M4 dann wirklich auf ewig hier enden? Eine Rampe raus kann es städtebaulich auf jedenfall im Innenstadtbereich nicht mehr geben.



    Grundsätzlich ist die Idee naheliegend. Die Option "Stadtbahn" auf der M4-Relation wurde durch die Verkehrsbehörde auch schon mal untersucht und am Ende verworfen...



    d.

  • ^Ich meinte tatsächlich die Greifswalder stadteinwärts ab der Danziger. Ostkreuzblog hat Recht mit den Bäumen hinter der Danziger stadtauswärts. Dort ist die Linienführung geradlinig in der Mitte und könnte so bleiben.

    In dem anderen Bereich gibt es immer Kurven vor den Haltestellen die verschleißanfällig sind und nur so gebaut wurden weil es früher keine Zweirichtungsfahrzeuge gab. Der Mittelstreifen ist tatsächlich nichts anderes als ein Hundeklo mit Trampelpfad. Ich denke aber eine Umgestaltung wie in der Warschauer müsste auch dort funktionieren. Dazu müssten auch die Kreuzung mit der Marienburger-/Hufelandstr. auf dem Mittelstreifen für Fußgänger überquerbar werden. Die Absperrung zu den Gleisen bleibt nötig damit keine Leute in die Gleise torkeln.


    Ich habe technisch keine Ahnung ob eine Niederflurbahn mit fast eingeklappten Stromabnehmer wie die Züge unten im Hauptbahnhof in einen U-Bahntunnel passen würden. Jedenfalls sehe ich kein Problem wenn ein oder zwei M-Linien am Alex enden würden und ein oder zwei andere oberirdisch wie bisher weiterfahren würden.

  • Ich meinte tatsächlich die Greifswalder stadteinwärts ab der Danziger

    Ja, meine auch diesen Abschnitt. Ich finde die Greifswalder hat auch zwischen Danziger und Am Friedrichshain, verglichen mit der Prenzlauer Allee, sehr wenig Aufenthaltsqualität. Und das liegt im Wesentlichen an den engen Gehwegen, dem fehlenden Grün hin zur Straße und der hohen Geschwindigkeit der Verkehrsteilnehmer auf den nur durch die Marienburger unterbrochenen "Rennpiste". Der ganze Platz liegt in der Mitte - und den sinnvoll zu bespielen ist aufgrund der Rahmenbedingungen so kaum möglich.


    Zum HBF: Das ist halt auch dafür so gebaut worden, die Tunnelparameter etc. passen zu den Fahrzeugen.


    Für mich wäre die U-Bahn hier schon richtig! Aber ein langwieriges Vergnügen wäre es schon, keine Frage...


    d.

  • Wo ist denn hier bitte ein Verkehrsproblem? So sieht eine ruhige, familiengerechte und entspannte Straße aus!

    Bis der erste Paketdienst vorbeikommt, oder ein Umzugs-LKW, oder ein Handwerker, oder ein Bus, oder...


    Ich befürchte, zwei isolierte Dienstagmittag-Bilder sind nicht wirklich repräsentativ für eine objektive Beurteilung.