Berliner Stadtverkehr (Straße, Bus und Bahn, Gebäude)

  • Nach Angaben der Berliner Morgenpost hat das Verwaltungsgericht einem Eilantrag der AfD gegen temporäre Radwege in Berlin stattgegeben und die Verkehrsverwaltung verpflichtet, die Schilder abzubauen. (Durch eine zügig nachgelieferte, detaillierte Begründung könne allerdings womöglich verhindert werden, dass die Pop-up-Radwege vorläufig weg müssten. Zudem könne die Senatsverkehrsverwaltung Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg einlegen.)


    Es geht um folgende Radwege:

    - Gitschiner Straße/ Skalitzer Straße

    - Hallesches Ufer

    - Kottbusser Damm/Kottbusser Straße

    - Lichtenberger Straße

    - Petersburger Straße

    - Tempelhofer Ufer

    - Schöneberger Ufer

    - Kantstraße und Neue Kantstraße


    Für mich ist das eine sehr schlechte Nachricht, aus eigener Erfahrung kann ich sagen, das z.B. der Radweg am Kottbusser Damm eine Riesenverbesserung gegenüber dem gefährlichen Vorzustand darstellt. Ich hoffe daher sehr, dass zügig Schritte unternommen werden, damit die bestehenden Popup-Radwege nicht wieder entfernt werden müssen und wir hier irgendwann rechtlich unanfechtbare Radwege haben werden.


    In diesem Zusammenhang sind auch die Reaktionen der siegreichen AfD bemerkenswert, die der Tagesspiegel anführt. AfD-Verkehrsexperte Frank Scholtysek habe demnach von einem "Sieg der individuellen Mobilität gegen den Autohass" gesprochen (so als ob Radfahren keine individuelle Mobilität darstellte). Die AfD habe angekündigt, sich "weiter gegen das verkehrspolitische Umerziehungslager Berlin wehren" zu wollen. Abgesehen von der hyperbolischen Wortwahl zeigt sich hier mit Blick auf die Radikalverweigerer des Karstadtumbaus und anderer Veränderungen eine eigentümliche Situation: Wie in den 20er Jahren des 20. Jh. tauchen die Umrisse einer Querfront zwischen Links- und Rechtsradikalen auf, wobei diese neue Querfront ihre ganze Energie in ie Bewahrung von Strukturen legt und sich hauptsächlich durch die Unfähigkeit und Unwilligkeit auszeichnet, Veränderungsprozesse zu akzeptieren und dadurch gestaltend steuern zu können. Die Extremisten, könnte man pointieren, sind heute stockkonservativ.

  • Wer 60 Jahre alte Ansichten vertritt, wird kaum in diesem Forum unterwegs sein.

    Was du nicht sagst, spannende Behauptung. Ich habe schon das Gefühl, dass einige (eine Minderheit, wohlgemerkt) mit dem Hintern in der Gegenwart, mit dem Kopf allerdings in den 60ern lebt.

    Anders ist es mit 30 Jahre alten Weisheiten, die sich mittlerweile auch überlebt haben.

    Welche sollen das sein und woran machst du fest, dass diese sich überlebt haben?


    Ich propagiere bekanntermaßen eine Stadt, die so wenig Autoverkehr wie möglich hat, mit dem entsprechend notwendigen Ausbau des ÖPNV. Zumindest diese Weisheit, falls man es so nennen will, hat sich definitiv nicht überlebt, sondern ist im Gegenteil aktueller und wichtiger denn je.

  • Deine Statistik mit der Aufteilung in % der Verkehrsflächen ist in dem Fall völlig irrelevant. Was haben die Gesamtflächen Berlins mit der konkreten Situation an bestimmten Stellen zu tun? Gar nichts.

    Es geht um bestimmte Verkehrsadern und bezogen auf die Flächen in der Invalidenstrasse (als Beispiel) ist es einfach so, dass die Strassenbahn über Gebühr alle anderen Verkehrsteilnehmer einschränkt.

    Das mit dem alten Mann will ich mal nicht weiter kommentieren, so eine Aussage ist einfach nur dämlich.


    Ich denke du unterliegst dem gleichen Fehlurteil wie manch andere auch. Eine Verkehrspolitik, die Realitäten nicht anerkennt ist zum Scheitern verurteilt.


    Es gibt im Prinzip zwei Punkte, die von Dir völlig falsch eingeschätzt werden.

    Dazu gehört die Tatsache, dass Autos ein wesentlicher Bestand des Verkehrs bleiben werden, ob sie nun elektrisch sind, oder mehr Sharing Modelle existieren werden, das wird man sehen. Es ist einfach nicht hilfreich, das zu verdammen, weil es an den Realitäten vorbeigeht und zudem ohne Not polarisiert und damit kontraproduktiv ist.


    Die zweite Fehleinschätzung liegt darin, dass man mit restriktiven Massnahmen allein, in welcher Form auch immer, den Autoverkehr nur sehr bedingt reduzieren wird. Ein wirklich effizienter Nahverkehr erst da sein muss, bevor das geschieht. Dabei - und das ist das Entscheidende - geht es nicht darum, was Du als zumutbar empfindest, sondern die Menschen, die es betrifft. Auch wenn es vielen missfällt, aber Menschen werden keine Strassenbahnen benutzen um 40 Minuten zur Arbeit zu fahren. Ein dichtes Ubahnnetz ist also Vorraussetzung. Akzeptanz kann man nicht verordnen , das ist dieser Bevormundungs- und Besserwisseransatz, der bei vielen gleich eine berechtigte oder unberechtigte Trotzreaktion hervorruft.


    Natürlich wird es ohne Verteuerung des Autofahrens - ob Citymaut, Parkgebühren, Kfz Steuer usw - und ohne Verringerung des gegenwärtigen Strassenraumes für Auto nicht funktionieren, aber das allein bringt wenig und zudem nur relativ begrenzt durchführbar.

    Alle Massnahmen, die eine Verteuerung beinhalten, sind natürlich immer mit den Vorwurf verbunden, es diskriminiere die Armen, das ist also nur sehr bedingt möglich und wird gerade in Berlin nicht durchsetzbar sein.


    Massentransporte gehören in hochtechnisierten urbanen Räumen also unter die Erde, soso. Wie kommst du dazu, das als Fakt zu verkaufen und was qualifiziert dich zu so einer Aussage? Zumal du dir gleich im darauffolgenden Satz widersprichst, indem du das Berliner S-Bahnsystem nennst, was als Massenverkehrsmittel größtenteils nicht unter der Erde liegt. Auch nicht im Innenstadtbereich.


    Das ist natürlich auch Humbug.

    Wenn man sich nicht darüber einig wäre, dass Massentransporte unter die Erde gehören, wären niemals Ubahnen gebaut worden. Ganz einfach.

    Diese wurden notwendig, weil die bestehende Alternative - nämlich oberirdische Gleisanlagen eher als Zubringer für etwas weiter entfernte Vorstädte gebraucht wurden und das System einfach nicht genügend Kapazitäten besitzt und in Grossstädten nur selten Eisenbahnstationen im Zentrum gebaut wurden, sondern eher drumherum, wie Berlin oder London und Paris.

    Ein Widerspruch liegt hier nicht vor. Bestehende oberirdische Bahnlinien tangieren nicht den Strassenraum und nehmen niemand was weg, von daher müssen sie auch nur dort unterirdisch geführt werden, nur wo es nötig ist , Bahngleise zu verbinden ( S21. Nord Süd Tunnel, in München die Stammstrecke) Ist doch nicht so kompliziert.


    Was nun das Konzept der Feinerschliessung betrifft, gibt es verschiedene Möglichkeiten, die - Achtung Dein Auftritt - auch eine Strassenbahn mitunter sinnvoll machen kann. Paris und das damalige Westberlin haben sich aus guten Grund dagegen entschieden. Man muss die konkrete Situation vor Ort sehen, dort wo Platz und eine bestehende Trasse vorhanden ist, spricht nicht soviel dagegen, Neubau von Strassenbahntrassen (wie diese unselige Verbindung von Alexanderplatz zum Potsdamer Platz) bringen gar nichts.


    In Paris wurde beschlossen, in der Innenstadt müsse innerhalb - die konkrete Zahl weiss ich nicht mehr - 500 oder 800 Meter eine Ubahnstation zu erreichen sein, um eben die Feinerschliessung sicher zu stellen. Das ist auch so und wurde umgesetzt. Ähnlich in der Innenstadt von Londen. ich habe dort Jahre gelebt und eine Strassenbahn habe ich nicht vermisst.

    Das ist natürlich in Berlin weitaus schwieriger, aber in Westen der Stadt hat der massive Ausbau der Ubahn sehr viel geholfen. Im Osten gab es keine finanziellen Mittel, also Strassenbahn und dieses Defizit ist eben heute noch sehr präsent und hat es in dreissig Jahren nicht geschafft auch nur eine Linie zu bauen.

    Was nun Deine Aussagen zu Bussen betrifft, ist das auch mehr ein Statement als die letzte Wahrheit und verleugnet die Realität Elektrobusse können in verschiedenen Grössen gebaut werden und machen vielfach Sinn. Es gibt wahrscheinlich viel mehr Öffentliche Busse als Strassenbahnen, also gegenwärtig sind Busse nicht ersetzbar. Lösungen in der Zukunft - egal welche - werden immer nur im Verbund erfolgreich sein, es hilft nichts das eine Verkehrsmittel gegen das andere auszuspielen.


    Die Verkehrspolitik muss sich weiter ändern, aber so wie Du Dir das vorstellst, wird es nicht funktionieren.

  • Dieses Urteil ist vollkommen absurd. Wieso muss die Verkehrsverwaltung eine "konkrete Gefährdung" z.B. am Kottbusser Damm nachweisen, um das Straßenland neu aufzuteilen? Ich bin mir sicher, dass die nächste Instanz das wieder kassiert.

  • Naja freut mich ja wenn’s Dir gefällt Backstein. Nachvollziehen kann ich es allerdings nicht. Ich dachte, es gäbe einen gewissen Konsens zu gestalterischen Mindestansprüchen, die hier mE klar gerissen werden. Ich glaubte aber auch mal, dass Fußgängerzonen nicht mehr angesagt sind. Ich finde auch das Konzept temporärer Versuche unsinnig und überflüssig. Bäume braucht die Friedrichstraße auch nicht. Dank einigermaßen solider gärtnerischer Kenntnisse wage ich zu behaupten, dass die Bäume über den Sommer so nicht überlebt hätten. So kann man sie nach dem Versuch hoffentlich doch noch erfolgreich Pflanzen.

  • S21-Anbindung an die Ringbahn am Nordufer

    Zuletzt hier


    Zurzeit ist die nördliche Ringbahn unterbrochen, da u. a. Weichen für die Anbindung der S21 eingebaut werden. Das ist südlich des S-Bf. Wedding der Fall und unmittelbar östlich des S-Bf. Westhafen.


    Auf der letzteren Verbindung vom Westhafen zum Hbf. werden nach letzten Medienberichten erst frühestens 2026 Züge fahren. Der Hauptgrund dafür ist wohl, dass der Interimsbahnsteig am Hbf. nördlich der Invalidenstraße, nur eine Bahnsteigkante hat und daher für mehr als den zunächst geplanten Pendelzug Hbf-Gesundbrunnen mit 10-Min.-Takt keine Kapazität vorhanden ist.

    Ob das den nun eingebauten Weichen am S-Bf. Westhafen gut tut, mindestens 6 Jahre lang (erfahrungsgemäß sicher noch länger) ungenutzt rumzuliegen, weiß ich nicht.


    Zu den Arbeiten am S-Bf. Westhafen (auch abends bei Dunkelheit) hier zwei Bilder, von der Putlitzbrücke aus aufgenommen:


    weiche_westhafen01.jpg


    weiche_westhafen02.jpg

  • Der Tagesspiegel berichtet. dass die Bergmannstraße in Kreuzberg jetzt endgültig autofrei werden soll. Das BA Friedrichshain-Kreuzberg hat dazu auch eine Pressemitteilung herausgegeben, in der auf eine Ausstellung hingewiesen wird. Vom 17.9. bis 2.10. ist die Ausstellung „Zukunft Bergmannkiez – Öffentlicher Raum, Mobilität, Lebensqualität“ im ehemaligen Rathaus Kreuzberg, Yorkstr. 4-11 zu sehen.


    Bei aller Liebe zur Verkehrsberuhigung. Problematisch finde ich hier - wie schon in der Friedrichstraße - der Zweirichtungsradweg in der Mitte. So kommt es zu neuen Konflikten zwischen Fußgängern und Radfahrern. Zumal nicht zu erwarten ist, dass die Radfahrer hier gemütliches Bummeltempo an den Tag legen werde.


    In einer Glosse des Tagesspiegel wird das Projekt auch auch etwas auf die Schippe genommen. Als eine Art eierlegende Wollmilchsau soll es nicht nur den Verkehr beruhigen sondern auch "alle Lasten der Gegenwart tragen", z.B. Regenwasser filtern, die Temperatur lokal regeln und Lebensräume für Insekten bieten. Resumee des Autors: "Aber wenn es einfach wäre, wäre es nicht Kreuzberg".

  • ^ Nun, das ist doch ein gutes und ambitioniertes Projekt. Wenn man immer nur die einzelnen (möglichen) Problemchen raussucht, wird man nie was ändern.

    Und falls es wirklich zu Konflikten mit zu schnell fahrenden Radlern kommt, kann und sollte man da mit entsprechenden regulativen und/oder baulichen Maßnahmen gegensteuern. Ich fahre sehr viel Rad und halte hier eine Vmax von 15 km/h für sinnvoll.


    In der Friedrichstraße scheint es ja so schlecht nicht zu laufen und als ich zuletzt dort war, fuhren die Radfahrer auch alle in recht gemütlichem Tempo.

  • In Friedrichshain-Kreuzberg hat man wie hier im Bild gleich dreimal hunderte! Gullydeckel abgesperrt, wegen Einsturzgefahr nehme ich an. Vermutlich bleibt das jetzt über viele Jahre und behindert Fußgänger und Radfahrer. Es gibt überall einen Investitionsstau gerade für Fahrradwege und Grünflächen und ihr bejubelt Schaufensterprojekte, die nie überzeugen werden und enorme Kosten verursachen.

  • ^ Niemand "bejubelt" hier was, sondern du suchst permanent Haare in der Suppe.

    Ja, Schultoiletten sind marode, Straßen haben Schlaglöcher und in Kalifornien brennen die Wälder. Bevor wir die ganze Welt gerettet haben, dürfen einzelne Verbesserungen nicht realisiert werden? Oder was?

  • naja, Prioritätensetzung ist schon wichtig - insbesondere bei einer Stadt, die sich nicht selbst ernähren kann. Stecke ich das Geld in Software für funktionierende Bürgerämter, in die Pflege von Grünanlagen, in Toiletten fürs Dritte Geschlecht, in die Ansiedlung von Unternehmen oder in Sozialarbeiter im Görli? RRG macht nunmal mehr Punkte bei seiner Klientel wenn man Popup-Radwege baut statt die Kanalisation zu reparieren. Für die Basics zu sorgen ist leider für viele politische Parteien unattraktiv.

  • ^

    RRG macht vor allem eines: Rechtsfehler. Es ist wohl kein Zufall, dass Entscheidungen im Kleinen und Großen ständig von Gerichten kassiert werden oder dass diverse Mandatsträger höheren Postens so ihre Problemchen mit der Justiz haben. Böse Zungen würden behaupten, das läge dran, dass z.B. bei den Linken nur noch Sozialwissenschaftler unterwegs wären und keine Leute mehr mit Wirtschafts- oder Rechtskompetenz. Auch den Grünen wird dies oft nachgesagt. Aber ist das wirklich so? Ich hab mir mal die Mühe gemacht, den beruflichen Hintergrund aller 27 Abgeordneten der Linkspartei exemplarisch zu recherchieren und aufzulisten (Berufe mit Rechtsbezug farbig markiert):


    Tatsächlich fällt auf, dass sich bei den 27 untersuchten Abgeordeten der Linken Tendenzen abzeichnen:

    -8 von 27 kommen aus den Sozialwissenschaften/Pädagogik/Lehramt

    -5 aus Publizistik/Journalismus/Philosophie

    -3 aus Politikwissenschaften

    -2 aus Ingenieurswesen

    -2 aus Recht/Verwaltung

    -2 aus Ausbildungsberufen

    /Rest= 5


    Zumindest bei der Linken scheint sich dieses alte Vorurteil zu bestätigen. Es besteht ein deutlicher Überhang zu Berufen mit Sozialbezug im erweiterten Sinne, sowie zu Hintergründen aus dem Bereich (linker) Medienschaffender und Politikwissenschaftler. Es gibt nur einen Arzt und immerhin zwei Ingenieure unter den Abegordneten. Leute mit Wirtschaftshintergrund im Sinne der klassischen BWL/VWL sind so gut wie gar nicht zu finden. Viele haben auch in der Partei Karriere gemacht bzw. Mandatsträgern assistiert.


    Zumindest bei der SPD dürften sich aber noch ein paar echte Juristen finden lassen. Vielleicht recherchiere ich das später mal, wenn ich dann noch lust dazu habe.

  • Soviel Mühe. Aber was hat das mit dem Thema zu tun?

    Vielleicht sollte man mal einen "Was ich an RRG doof finde" Thread für Berlinier eröffnen, damit uns 50% seiner Kommentare zu den Sachthemen erspart bleiben. Ich meine das im Übrigen ernst.

  • Es ging um Prioritätssetzung. Berlinier hat sich die Mühe gemacht nachzuschauen ob man aus dem beruflichen/akademischen Hintergrund der Linken-Abgeordneten ableiten könnte wie die Linke als Berliner Regierungspartei Prioritäten setzt. Eine These die Nahe liegt, leben wir doch ALLE in unserer eigenen speziellen Bubble. Dass Politiker generell nicht die Gesellschaft abbilden und daher deren Meinungen, Erfahrungen, Lebensrealitäten etc sich erheblich vom Bevölkerungsschitt und auch eben jedem einzelnen Bürger an sich unterscheiden, ist ja nichts neues.


    Ob das Ergebnis seiner Recherche jetzt irgendwas erklärt... nunja, ich bin ehrlich gesagt überrascht dass es nicht noch "klischeehafter" ausgefallen ist. Also für mich nicht wirklich. ;)

  • Regine Günther Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz im Berliner Abgeordnetenhaus ist nicht Mitglied der Linken!

    Also was soll dieser Quatsch hier?

    Und ob das Urteil des Verwaltungsgericht bezüglich der Pop up Wege Bestand haben wird, zeigt uns demnächst das Oberverwaltungsgericht.

  • Dass Politiker generell nicht die Gesellschaft abbilden und daher deren Meinungen, Erfahrungen, Lebensrealitäten etc sich erheblich vom Bevölkerungsschitt und auch eben jedem einzelnen Bürger an sich unterscheiden, ist ja nichts neues.

    Nun träumt Berlinier aber gar nicht von einer Politik, die den Querschnitt der Gesellschaft abbildet. Im Gegenteil: Er will nur BWLer und Juristen als "echte" Politiker gelten lassen. Zudem hat er es anscheinend nicht so mit Gewaltenteilung und Verwaltungsstruktur – mit den Pop-up-Radwegen hat die linke Senatsfraktion (als Teil der Legislative) gar nichts zu tun, das waren der Senat (Exekutive) und die Bezirksämter. Der Umbau der Bergmannstraße wird vom Bezirksamt Fhain-Xberg betrieben. Für Rechtssicherheit müssen dort hauseigene Verwaltungsjuristen sorgen, keine gewählten Politiker.


    Dass immer mehr politische Entscheidungen vor Gericht landen, hat auch weniger damit zu tun, dass die Entscheidungsträger zu doof wären. Es ist zum einen die Polarisierung der Gesellschaft, in der ein Konflikt um Radwege zum Glaubenskrieg werden kann; zum anderen ist es die Tendenz zur Verrechtlichung, die dazu führt, dass eigentlich politische Fragen zunehmend auf dem Klageweg ausgefochten werden.

  • Dass immer mehr politische Entscheidungen vor Gericht landen, hat auch weniger damit zu tun, dass die Entscheidungsträger zu doof wären. Es ist zum einen die Polarisierung der Gesellschaft, in der ein Konflikt um Radwege zum Glaubenskrieg werden kann; zum anderen ist es die Tendenz zur Verrechtlichung, die dazu führt, dass eigentlich politische Fragen zunehmend auf dem Klageweg ausgefochten werden.


    Ich denke, dass es weniger an der Polarisierung der Gesellschaft liegt, sondern eher daran, dass es eben in den letzten Jahren immer mehr Möglichkeiten zugelassen wurden um gegen politische Entscheidungen, den Klageweg zu bestreiten, ob bei Neubauten, Bahnstreckenerweiterungen, Flughafenlärm und allen Tätigkeiten, in denen Rechte des Individuums gestärkt werden zu Lasten der Allgemeinheit. Ob das nun gut oder schlecht ist, sei mal dahingestellt.


    Was die Verrechtlichung betrifft, so war diese schon immer vorhanden. Und Du machst es Dir schon etwas einfach, wenn Du den Verwaltungsbehörden nun den schwarzen Peter zuschiebst und im Falle der Popup Radwege ist dies - soweit ich das verstanden habe - nicht richtig.

    Die politische Verantwortung für jeden Gesetzentwurf liegt bei den entsprechend Handelnden. Eine Verkehrssenatorin ist dafür verantwortlich und muss dafür sorgen, dass ein Gesetzesentwurf auf seine Gültigkeit abgeklopft wird und wasserdicht ist.

    Laut Wikipedia: Rechtliche Grundlage für die Umsetzung bildet § 45 Abs. 9 Satz 4 der Straßenverkehrsordnung.[23] Die sachliche Zuständigkeit liegt dafür laut § 44 Abs. 1 Satz 1 StVO bei den Straßenverkehrsbehörden. In Berlin ist dies nach Nr. 11 Abs. 3 des Zuständigkeitskatalogs zum Allgemeinen Sicherheits- und Ordnungsgesetz die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz. Der jeweilige Bezirk ist als Baulastträger für die Umsetzung zuständig


    Zudem wurde Sie darauf hingewiesen, dass es problematisch ist, und Sie hat es ignoriert, man kann ihr zumindest Schlampigkeit vorwerfen. Es gibt legislative Bestimmungen (inwieweit diese vernünftig sind, steht auf einem völlig anderen Blatt) die man nicht einfach ignorieren kann. Das ist das Fundament unseres Rechtsstaates und wenn man das zur Gewohnheit macht, dann untergräbt man diese Ordnung.

  • Vielleicht sollte man mal einen "Was ich an RRG doof finde" Thread für Berlinier eröffnen, damit uns 50% seiner Kommentare zu den Sachthemen erspart bleiben. Ich meine das im Übrigen ernst.

    Wenn mir das Thema derart wichtig wäre, hätte ich wohl bereits selbst einen aufgemacht. ;) Aber nur zu..

    Nun träumt Berlinier aber gar nicht von einer Politik, die den Querschnitt der Gesellschaft abbildet. Im Gegenteil: Er will nur BWLer und Juristen als "echte" Politiker gelten lassen.

    Ich träume davon mich von dickbrüstigen Frauen mit Weintrauben füttern zu lassen, aber bestimmt nicht von Politik. Der Querschnitt der Gesellschaft wird ebenso schlecht von Sozialwissenschaftlern und Pädagogen abgebildet, wie von einem Heer aus Anwälten und BWLern. Die Mischung machts, würde ich sagen und die Mischung wollte ich objektiv für jeden prüfbar beurteilen. Würde die CDU nur aus letzteren bestehen, würde ich das Ungleichgewicht genauso kritisieren, Bürgerferne o.Ä. wäre das dann (prüfung steht aus).

    Die Linkspartei wurde von mir nicht wegen den Popup-Wegen ausgewählt, sondern weil sie die Bausenatorin stellt(e), die den Mietdeckel zu verantworten hat, die mit Abstand folgenschwerste Rechtsunsicherheit mit dem größten Gefahrenpotential für die Bürger (saftige drohende Rückforderungen), dagegen sind ein paar Fahrradstraßen Peanuts und weil sie die kleinste der Regierungsfraktionen ist und ich wenig Lust habe Vierzig oder mehr Abgeordnete durchzuscannen, nicht weil ich irgendeinem Hass Ausdruck verleihen muss. Wäre das der Fall, hätte ich für eine simple Polemik auch nicht erst aufwendig recherchieren müssen.


    Das VK-Beruhigungs-Projekt in der Bergmannstraße unterstütze ich sogar vorsichtigerweise, auch wenn ich befürchte, dass die Straßen drum herum und damit diese anderen (schlechteren?) Anwohner darunter leiden werden. Im Grunde ist es gut gedacht, aber sozial ungerecht. Warum wird den Eigentümern in dieser einen Straße ein derartiger Wertzuwachs garantiert und in anderen Straßen nicht? Was passiert denn mit den Wohnungen im Bergmannkiez, wenn die Gegend jetzt (noch mehr als eh schon) durch die Decke gentrifiziert, weil der autofreie Kiez so begehrt ist, bzw. mit den Mietern darin?