Berliner Stadtverkehr (Straße, Bus und Bahn, Gebäude)

  • ^ Darüber wurde in fast allen Berliner Medien berichtet. An und für sich eine gute Idee.


    Inzwischen wird das Thema auch von ZEIT und SZ aufgegriffen.


    Das Kostenargument sehe ich nicht so tragisch. Mit 9km mitten durch die Stadt wäre es schon ein wirklich spürbarer Beitrag zur Radinfrastruktur, die den Anteil dieses Verkehrsmittel ohne spürbare Nachteile der anderen Verkehrsteilnehmer weiter ausbauen könnte - und somit ein starkes Argument für weitere (Anschluss-)Investitionen bilden könnte. Die Frage wäre eben, wie realisierbar bspw. die "Hängebrücke" wäre, aber eine Stadt die ernsthaft über ein Freibad bei der Museumsinsel nachdenkt, sollte auch das bewältigen können. Und wenn man erst überlegt, was für die Stadtautobahn investiert und möglich gemacht wird (was ich auch befürworte), dann darf man mE auch hier nicht zu kleinlich sein. Denn hier könnte ein echter Mehrwert zu halbwegs realen Kosten entstehen.


    Und in der Tat würde ich dort aber keine Fußgänger etc. zulassen, weil es sonst bei der vorhandenen Breite nicht flüssig funktionieren kann. Es wird schon so eng genug, wenn viele Radler und verschiedene Geschwindigkeiten aufeinander treffen. Es müsste aber wohl schon vereinzelte Fußgängerübergänge (mit gewisser Sicherheitsüberwachung) geben. Hofft man allein auf Rücksicht, wird das meinen Erfahrungen nach leider ein künftiger Unfallschwerpunkt.


    Ich bin auch gespannt, ob es überhaupt durchkommt. Das ist ohne starke Unterstützung kaum vorstellbar. Die Chance wäre wohl größer, wenn die Grünen aktuell in der Regierung wären. Aber genau wenn man sie mal braucht, sind sie natürlich nicht da ;)

  • ich glaube das sind 2 verschiedene strecken. Das eine ist der Rad-Highway auf der Stammstrecke nach Zehlendorf, das andere ist eine 9km Trasse quer durch die innenstadt unter den viadukten der U1

  • Tatsächlich, ich war auch erst etwas verwirrt, weil ich einen anderen Verlauf im Kopf hatte. Scheinbar plant der Senat selbst die erste Variante, während die zweite erst jetzt von einer privaten Initiative vorgeschlagen wurde...

  • Die Radbahn ist in der Tat erst einmal ein Projektvorschlag einer privaten Initiative, eher eine Projektskizze die noch weiter präzisiert werden müßte.
    Aber ich halte die Idee auch für hochinteressant einen innerstädtischen Radschnellweg nach Kopenhagener Vorbild unter Ausnutzung einer für Berlin spezifischen Ressource, nämlich den Hochbahnviadukten zu verwirklichen.
    Es wäre schön, wenn beide Projekte, die von der CDU vorgeschlagene Strecke im PPP-Modell und die Radbahn verwirklicht werden.
    Am Gleisdreieckpark könnten beide Strecken zu einem "Radbahnkreuz" verknüpft werden und so den Kern eines später die ganze Stadt erschließenden Radbahnnetzes bilden.
    Den Namen Radbahn finde ich jedenfalls viel schlüssiger als den depperten Begriff "Fahrradautobahn", unter dem die CDU die von ihr vorgeschlagene Strecke propagiert.

  • Tatsächlich, ich war auch erst etwas verwirrt, weil ich einen anderen Verlauf im Kopf hatte. Scheinbar plant der Senat selbst die erste Variante, während die zweite erst jetzt von einer privaten Initiative vorgeschlagen wurde...


    Also ich kenne niemanden, der gerne unter der Hochbahn zwischen den Autos herumradeln möchte. Da gibt es sicher deutlich gesündere, risikoärmere Streckenführungen... von den Tauben mal abgesehen.

  • ^Ne, am liebsten würden die ganz ohne Autos auf den breiten Straßen radeln, aber das wäre ja illusorisch. Im Zweifel würde ich jedenfalls lieber unter den Gleisen als zwischen den Autos und Bussen fahren - und darum geht es: Um einen tragfähigen Kompromiss, der am Ende sogar allen nutzt. Ich bin mir absolut sicher, dass so ein Angebot auch rege genutzt würde, falls es denn geschaffen wird. Man muss mal betrachten, wie der Radverkehr zunimmt, obwohl die Bedingungen an sich an vielen Stellen unattraktiv sind. Dem muss man mE irgendwann auch mal Rechnung zollen. Dass man auch Bereiche unter Brücken weitgehend taubenfrei halten kann, ist mE bekannt und eine entsprechende Investition sicher im Interesse der Allgemeinheit (die sch... ja auch gerne parkende Autos zu).

  • Ich finde die Idee der Radbahn auf der Strecke der U1 ziemlich gut. Berlin sollte sich unbedingt ein Netz von Radbahnen zulegen, die konsequent geplant und realisiert werden sollten. Das sollten gut ausgebaute, durchgängige Radwege, mit streckenweise unabhängig von den Straßen geführten Trassen sein.


    Beispielsweise wäre es hochgradig sinnvoll eine Trasse von Schöneberg über das Tempelhofer Feld durch Neukölln nach Treptow zu ziehen. Die Strecke ist bereits jetzt großenteils vorhanden ist aber durch Schleichwege und Barrieren sehr unattraktiv und langsam. Sie müsste - ähnlich wie bei dem Vorschlag für die U1 - systematisch für Radfahrer durchgängig gemacht werden. Auch entlang von S-Bahn-Gleisen und Wasserwegen sollte man suffiziente Radwege schaffen. Was passiert aber? Nichts! Im hintersten Brandenburg geht da mehr als in Berlin. Wobei der Radweg Berlin-Leipzig offensichtlich ein erster Lichtblick ist.

  • ... ein Radwegh unter der U 1 Hochbahn ? IMHO keine wirklich gut durchdachte Idee. Im Bereich Hallesches Tor, Möckernbrücke liegt der Gehweg dttulich niedriger als die Straße, die Zufahrt müsste über Rampen geschehen. Das häufige Kreuzen von Straßen / Fußwegen in der Mitte der Straße dürfte der Verkehrssicherheit nicht dienen. Zwischen Schlesischem Tor und Halleschem Tor würden auch hunderte Parkplätze wegfallen.


    wäre es hochgradig sinnvoll eine Trasse von Schöneberg über das Tempelhofer Feld durch Neukölln nach Treptow zu ziehen


    Das sehe ich auch so. Ansätze dazu gibt es auf Schöneberger Gebiet bereits, von der Naumannstaße bis nach Neu Tempelhof gibt es bereits einen Radweg. Der Neubau der Alfred Lion Steg Brücke verbindet Schöneberg und THF. Und die Torgauer Straße wurde bis zur Cheruskerstraße als Fahrradstraße ausgebaut.

  • ^Ne, am liebsten würden die ganz ohne Autos auf den breiten Straßen radeln, aber das wäre ja illusorisch. Im Zweifel würde ich jedenfalls lieber unter den Gleisen als zwischen den Autos und Bussen fahren -


    Im Zweifel fahren die meisten Radfahrer dort, wo die Konfrontationswahrscheinlichkeit am geringsten und die Fahrerei am Entspanntesten ist. Der Bereich unter der Hochbahn ist da so ziemlich der letzte Ausweg, den man freiwillig wählen würde. Zu schmal, zu dreckig, Abgase von links und rechts, alle paar Hundert Meter Querverkehr bzw. Überführungen mit Steigung (nach Plan), Reduktion der wenigen Parkplätze im Areal... Es gibt schlichtweg keine echten Vorteile gegenüber der aktuellen Lösung (Radstreifen je Fahrtrichtung), nur kaum überschaubare Kosten.

  • Tatsächlich, ich war auch erst etwas verwirrt, weil ich einen anderen Verlauf im Kopf hatte. Scheinbar plant der Senat selbst die erste Variante, während die zweite erst jetzt von einer privaten Initiative vorgeschlagen wurde...

    Die Idee der Radautobahn auf der Stammbahn-Trasse wurde jetzt vom Senat gestoppt, da man hoffentlich auf den Trichter gekommen ist, die Bahn doch wieder aufbauen zu wollen. Ein parallel verlaufender Rad-Schnellweg wäre aber natürlich trotzdem wünschenswert, so es die Platzverhältnisse denn zuließen.

  • Zum Radweg unter dem U1 Hochbahnviadukt:


    Prinzipiell stehe ich ja jeder Verbesserung der Radverkehrsinfrastruktur positiv gegenüber. Allerdings bewerte ich diese Idee als kaum sinnvoll umsetzbar.


    Der Platz wäre zwar da, aber alle max. paar Hundert Meter gibt es eine vielbefahrene Auto-Querstraße. Hier stünden die Radler dann jedes mal an einer roten Ampel (die sie hier auch kaum ignorieren werden). ;) Ein zügiges Vorankommen ist also nicht möglich. U. a. am U-Bf. Görlitzer Bahnhof sehe ich keine realistisch machbare Lösung, den Rad(schnell)weg dort vorbeizuführen, ohne auf die Straße auszuweichen. Am Schlesischen und Kottbusser Tor eigentlich auch nicht. Konflkite mit den zahlreichen Fußgängern, die zur U-Bahn wollen, wären vorprogrammiert.


    Und wenn es dann nur ein "normaler" Radweg wird, der immer wieder Verengungen, Haltezwänge, Langsamfahrabschnitte usw. hat, ist der Verlauf unter dem Viadunkt auch noch subjektiv unattraktiv. Relativ dunkel, durch die Säulen unübersichtlich, der Taubendreck kommt als Negativpuzzleteil dazu... Im Prenzlberg sind ja Teile des Magistratschirms als Fußgängerweg hergerichtet, aber aus genau den genannten Gründen gehen die meisten Leute lieber auf den engen Gehwegen an der Schönhauser Allee.


    Zur "Radautobahn" auf der Stammbahn-Trasse:


    Das ist mal wieder typisch. Die Reaktivierung der Stammbahn kommt sein Jahren bzw. schon Jahrzehnten nicht voran. Zu teuer, zu wenig Bedarf, keine Einigkeit über ein "ob überhaupt" und wenn, die Art der Umsetzung (nur Regios? Auch andere Züge? Welche Taktfrequenz? usw.), Lärmsorgen der Kleinmachnower Wohlstandsbürger, kein echter politischer Wille...


    Kommt dann jemand mit einer interessanten Idee, die Trasse zwischenzeitlich andersweitig sinnvoll zu nutzen, will man auf einmal wieder die Stammbahn aufbauen...


    Ich schätze mal, es passiert auf unabsehbare Zeit folgendes: Gar nichts. Es gibt weder eine Stammbahn, noch einen Radweg.

  • Es ist doch eigentlich immer das gleiche in Berlin.
    Man spricht davon die Infrastruktur für Fahrradfahrer zu verbessern aber letztendlich tut man das nicht.


    Es geht um eine prinzipielle Einstellung zur Verkehrspolitik.
    Es werden immer nur Maßnahmen durchgeführt, die niemand anderem (Auto, Fußgänger, ÖPNV) beeinträchtigen, das heißt also wenn man es niemand anderen stört - wie jetzt bei diesem schwachsinnigen Vorschlag des Fahrradweges unter der Hochbahn - , oder man pinselt ein paar Fahrspuren rot an um das Abbiegen zu erleichtern (Moritzplatz)
    Es ist eine verlogene Politik.
    Der Straßenraum ist nun mal begrenzt, wenn man also die Fahrradfahrer fördern will, kommt man nicht umhin irgendjemand anderem etwas an Platz wegzunehmen, das ist einfach so und das will man aber nicht.
    Ob die Breite von Bürgersteigen, Parkplätze und -buchten, dämliche Straßenbahnen oder die Anzahl der Fahrbahnen für Autos, - egal - irgendwer müsste beeinträchtigt werden und das wird nicht getan.


    Diese ganzen Bekenntnisse zu Verbesserung der Fahhradmobilität sind reine Lippenbekenntnisse, völlig hohl und ohne echte Substanz, das fällt alles unter Marketing für mich, das zeigt sich auch in den veranschlagten Mitteln, die geradezu lächerlich sind im Vergleich zu Ausgaben für ÖPNV, Straßenausbau etc.
    Es geht dem Senat nur ums Image aber nicht um eine echte Veränderung.

  • Wille alleine kann keine Berge versetzen.


    Ich habe die entsprechende Quelle leider nicht mehr zur Hand, aber vor ein paar Wochen ging ein anschauliches Diagramm durch die Presse, wo die kommunale Investitionen pro Einwohner in den 16 Ländern verglichen wurden. Berlin war Schlußlicht - hinter allen Flächenländern, auch hinter allen Ostländern, auch hinter allen anderen Stadtstaaten. Mit Abstand sogar, großem Abstand.


    Was du sicher ganz berechtigt forderst wäre nun einmal klassische Kommunalaufgabe. Nur, woher das Geld nehmen? Berlin hat besonders viele Langzeitarbeitslose und Geringverdiener, die entweder "aufstocken" oder zumindest unter den Lohnsteuerfreibeträgen liegen und abgesehen von den Sozialversicherungsbeiträgen, von denen der Fiskus ja nichts hat, somit "Brutto für Netto" arbeiten, entspechend lausig ist das eigene Steueraufkommen Berlins. Analog im Gewerbebereich, v. a. Kleinunternehmer die an der Untergrenze der Steuerpflicht wirtschaften. Und keine noch so großen Finanzausgleiche können eine Kommune mit immerhin 3,5 Mio. Einwohnern auf eine pro Kopf Budgetkraft heben, die mit Oberbayern vergleichbar wäre (multiplitziert man die Differenz der Investition pro Kopf mit 3,5 Mio. Berlinern, um überschlägig einen Eindruck zu bekommen, was da an Ausgleich nötig wäre, dann würde das Volumen über der Hälfte des gesamten Bundeshaushaltes entsprechen, was Berlin noch zusätzlich an Subventionen bräuchte, wie in einem Zeitungsartikel vorgerechnet wurde - das ist natürlich illusorisch).


    Sei froh, dass da überhaupt noch ansatzweise Geld da ist, den allgemeinen Verfall der berliner Infrastruktur zumindest zu verlangsamen. Und geh mal zu lokalen Bürgerinfoveranstaltungen in deinem Bezirk, wie da teilweise um vierstellige Summen aus den knappen Budgets gerungen und diskutiert wird. Und dann schau dir mal an, was so ein paar Meter Asphalt oder Pflasterung kosten. Es ist einfach illusorisch, illusorisch!, den Stadtverkehr in Berlin fahrradfreundlich umzukrempeln, denn dazu wären eben mehr als die von dir kritisierten punktuellen Maßnahmen, die in der Tat letztlich nur Pfusch und Kosmetik sind, notwendig. Nicht in 1.000 Jahren gibts dafür die nötigen Gelder. Arrangier dich lieber damit, das schont deine Nerven. Höchstens wenn Berlin irgendwann vielleicht einmal "reich und sexy" ist.

  • Sei froh, dass da überhaupt noch ansatzweise Geld da ist, den allgemeinen Verfall der berliner Infrastruktur zumindest zu verlangsamen


    Selten so einen Quatsch gelesen.
    Berlin hat Millionen (die Schätzungen bewegen sich zwischen 13 Mio und 50 Mio) für 3,5 Kilometer sinnlose Stadtautobahn-Verlängerung übrig.
    Allein mit diesem Geld könnte die komplette Fahrrad-Infrastruktur auf ein gutes Niveau gebracht werden und dazu etliche Straßen saniert werden.

  • [B]... diese Idee als kaum sinnvoll umsetzbar.


    Der Platz wäre zwar da, aber alle max. paar Hundert Meter gibt es eine vielbefahrene Auto-Querstraße. Hier stünden die Radler dann jedes mal an einer roten Ampel (die sie hier auch kaum ignorieren werden). ;) Ein zügiges Vorankommen ist also nicht möglich. ...


    Dieses Problem könnte man dadurch wenigstens entschärfen, in dem man Amplen aufstellt, die eine grüne Welle für Radfahrer schaffen, die mit einer durchschnittlichen & vernünftigen Fahrgeschwindkeit unterwegs sind. Der Autoverkehr müsste dann häufig noch nicht mal wegen den Radfahrern ruhen, wenn man die parallel verlaufenden Straßen & Ampeln analog zu diesen schaltet und nur den Querverkehr während dieser Grünphasen unterbindet.


    Ganz lösen kann man dieses Problem sicherlich nicht, aber eine 100%ige Verträglichkeit von Auto- mit Fahradfahrerverkehr kann es nun man auch nicht geben und gibt es auch nirgendwo ... auch nicht in den Fahrradfahrer-Hochburgen wie Kopenhagen oder Amsterdam.


    Und gerade v.a. zu den Stoßzeiten (also Zeiten mit viel Autoverkehr) würde man vielfach mit dem Fahrrad dennoch schneller sein als mit dem Auto.

  • Selten so einen Quatsch gelesen.
    Berlin hat Millionen (die Schätzungen bewegen sich zwischen 13 Mio und 50 Mio) für 3,5 Kilometer sinnlose Stadtautobahn-Verlängerung übrig.
    Allein mit diesem Geld könnte die komplette Fahrrad-Infrastruktur auf ein gutes Niveau gebracht werden und dazu etliche Straßen saniert werden.


    "Selten so einen Quatsch gelesen" gebe ich nur gerne zurück.


    Selbst wenn keinerlei Grundstücke angekauft werden müssen, kein Tiefbau notwendig ist (Brücken etc.) - also quasi bestehender, gegründeter, öffentlicher Verkehrsraum für den Radverkehr umgebaut wird, dann kriegt man für 13 Mio € gerade einmal ein kleines Teilstück für einen einzelnen Bezirk. Wenn wir hier über "komplette Fahrrad-Infrastruktur auf ein gutes Niveau" und dazu noch wie von dir behauptet "etliche Straßen saniert werden" reden, dann sind wir bei Milliardenbeträgen. Zusätzlich zu allem, was sonst so von Bürgern begehrt wird. Wenn man keinerlei Gefühl dafür hat, was Straßenbau so kostet, dann könnte man ja mal googlen, bevor man solchen "Quatsch" postet. Alleine der Sanierungsstau beim Bestandsnetz beträgt bereits 1,3 Mrd. € - und dabei ist nur berücksichtigt Straßen auf das gesetzliche Mindestniveau zu bringen, a lá keine Kommunalhaftung durch tiefe Schlaglöcher und Schäden an KFZ in Folge mehr, keine Sturzgefahr für Motorradfahrer durch Spurrillen mehr, etc. Siehe http://www.fg-bau.de/aktuelles…t-forderungen-der-fg.html (Landesrechnungshof und Fachwelt haben diese Zahl ausgegeben, die habe ich mir nicht aus den Fingern gesogen).


    Und wenn nun 1,3 Mrd. irgendwo aufpoppen oder vom Himmel fallen würden - dann wäre erstmal dieser Sanierungsstau, gesetzlich vorgeschriebene Standards wieder einzuhalten, an der Reihe, bevor auch nur ein Meter zusätzlicher Radweg (für dessen späteren Erhalt ja auch kein Geld da sein wird...) geplant wird.


    Wie man sieht ist dein Einwand also schlicht QUATSCH.

  • .. es geht schon aus rein baulichen Gründen nicht. Am U-Bahnhof Kottbusser Tor sind zum Beispiel die Treppenaufgänge zu den Bahnsteigen genau in der Mitte des Streifens, es würde unweigerlich zu großen Konflikten mit den Fußgängern führen, die die Gitschiner Str. queeren oder zur Hochbahn oder von ihr runter gehen wollen. Ebenso am Halleschen Tor wo der U-Bahnhof die volle Fläche des Streifens einnimmt. Wenn man ein bisschen die baulichen Gegebenheiten kennt, kommt man sehr schnell zu dem Schluß, dass die an sich schöne Idee daran scheitert. Ich kann mir viel eher eine andere Idee vorstellen, nämlich auf einer Seite des Landwehrkanals, die die nicht von der Hochbahn blockiert wird, also direkt an der befestigten Uferkante eine Art Fahrradbahn zu konstruieren. Weniger Hindernisse und wahrscheinlich auch günstiger zu haben. Ab der Zossener Str. gibt es ja eh einen schönen Radweg direkt am Ufer entlang.

  • dann kriegt man für 13 Mio € gerade einmal ein kleines Teilstück für einen einzelnen Bezirk


    Oh man. Es geht doch nicht um Luxus-Infrastruktur.
    In den meisten Fällen genügt es schon, Radwege auf die Straße zu verlegen, Markierungen aufzumalen und Bordsteine abzusenken.
    Sowas wie z.B. in der Kastanienallee würde ich schon als übertriebenen Umbau bezeichnen.


    Der Etat für den Radverkehr betrug 2015 weniger als lächerliche 3 Mio Euro.
    Da ist es kein Wunder dass es nicht mit der Infrastruktur vorangeht.
    Es ist am Ende auch eine Haltungs-Frage.
    Will man moderne Verkehrspolitik oder will man weiterhin die autogerechte Stadt.
    Der Senat steht leider eindeutig für letzteres und so verteilt er auch seine Mittel.

  • Radbahn

    Der Name ist gut gewählt, die Idee überzeugt mich nicht. Wie schon von Camondo erwähnt wäre eine Strecke entlang des östlichen Teils des Kanals attraktiver. Sie könnte von der Schlesischen Straße bis zur Zossener Straße führen. Von da aus könnte man quer über den Blücherplatz, dann durch die Obentrautstraße direkt zum Gleisdreieck.
    Die Strecke entlang der Stammbahn sollte gebaut werden solange die Wiedereröffnung des Bahnverkehrs in de Sternen steht.
    Einen weiteren Vorschlag für eine Radbahn hätte ich auch: Von der "Spitze" (Prenzlauer Allee/Ostseestraße) über Heinersdorfer Straße, Am Steinberg und dann weiter auf der ehemaligen Trasse der Industriebahn bis nach Blankenburg an der Panke. Weiter gehts dann auf dem Radweg Berlin-Usedom.
    Auf dieser Strecke plant der Senat teilweise einen Autobahnzubringer. Attraktive Fahrradverbindungen nach Nordosten fehlen dagegen völlig.

  • Attraktive Fahrradverbindungen nach Nordosten fehlen dagegen völlig.


    Eben. Weil man für "kleines Geld" eben nur punktuelle Projekte anschieben kann. Um tatsächlich leistungsfähige Verbindungen zu bauen reicht es nicht, vorhandene Verkehrsflächen einfach bischen anders abzumarkieren usw., da muss neuer Grund erworben werden, da braucht es Tiefbaumaßnahmen, usw. Und das geht ordentlich ins Geld. Was nicht da ist und perspektivisch nicht da sein wird. Ich möchte das Geld daher lieber gar nicht erst in blaue Schilder und Markierungen stecken, die ohnehin v. a. eine Sicherheit vorgaukeln die gar nicht da ist. Vgl entsprechende Verkehrsstudien, nach denen Radler und Autofahrer gleichermaßen weniger defensiv fahren, wenn sie aufeinander treffen, sobald ein paar Markierungen zwischen ihnen sind, "mit denen ja alles geregelt ist" und schwups passiert mehr - ebenso auch mit Fahrradhelmen, die Radler nachgewiesenermaßen zu agressiverem Fahrverhalten animinieren und damit das genaue Gegenteil zum Ergebnis haben, weniger Sicherheit; Verkehrspsychologie ist nicht umsonst längst eine eigene Teildisziplin geworden, so einfach, wie wir uns das hier als Laien vielleicht für uns schlüssig zusammen reimen können, ist die Sicherheit für Radler nämlich nicht erhöht. Ein bischen Markierung und ein paar Schilder bringen im Zweifel eher das genaue Gegenteil.


    Radfahrer würden aber beispielsweise enorm davon profitieren, wenn die typischerweise am Fahrbahnrand vorhandenen Straßenschäden und Schlaglöcher besser und schneller repariert würden, dann müssten diese nicht wiederholt und für KFZ Lenker vergleichsweise unvorhersehbar nach links ausscheren, um den Straßenschäden auszuweichen, was regelmäßig Radler auf die Motorhaube eines Autos befördert. Dann würden sie auch weniger ohne Fremdeinwirkung, nur aufgrund von Straßenschäden, stürzen.


    Radfahrern ist nicht geholfen, aus den ohnehin schon viel zu kleinen Regelbudgets für den Straßenbau noch etwas abzuknapsen um hier und da Symbolpolitik für Radler zu betreiben. Jeder Cent, der in Fahrbahninstandhaltung für alle Verkehrsteilnehmer investiert wird, da ist da besser investiert. Und darüber hinaus lehne ich natürlich "den großen Wurf" nicht ab, aber man irrt sich einfach, wenn man denkt, dass das schon irgendwie nebenbei zu machen ist. Damit nimmt man im Übrigen auch den Druck von der Politik, die offensichtlich diese Symbolpolitik ganz erfolgreich einsetzt und die Radlerfreunde gar nicht begreifen, dass sie eigentlich nur Placebos verabreicht bekommen.