Berliner Stadtverkehr (Straße, Bus und Bahn, Gebäude)

  • Nach deiner Denkweise muss der Potsdamer Platz ja gut an die Autobahn angebunden sein denn sonst dürfte es dort keine Bürohochhäuser und teuren Hotels geben. Logischerweise ist dann auch der Bereich Hauptbahnhof, Europacity gut angebunden denn man muss ja nur ein paar Meter mehr durch den Tunnel fahren.
    ...


    Ich glaube,wir verstehen uns nicht richtig.Fünf Sterne Hotellerie gibt es auch in Kinshasa,Kabul und kleinen Inseln ohne Autobahn.


    Volkswirtschaftlich gesehen,kann man die Hotellerie nicht zu den Top Dienstleistern zählen.Fünf Sterne Hotellerie oder Edelboutiquen schaffen nur sehr wenige hochwertige,gutbezahlte Arbeitsplätze und wenig Gewerbesteuereinnahmen.Fünf Sterne und angestellt bei Fremdfirmen mit Löhnen von unter 12,00 €/h brutto,für Fachkräfte,dass ist die Wirklichkeit der Hotellerie.
    Mit hochertigen,industrienahen Dienstleistungen meine ich z.B.Entscheidungsebenen,die sich hier ansiedeln.Oder IT-Dienstleister;forschungsorientierte Unternehmen.
    Und das Beispiel Potsdamer Platz hinkt gewaltig.Ich arbeite in der Gegend um den Potsdamer Platz.Das Areal ist nur dank grosszügiger Abschreibungsmöglichkeiten für die Erbauer ein wirtschaftlicher Erfolg gewesen.Es hat sich keine Wertsteigerung eingestellt,der Leerstand ist bei genauen Hinsehen unübersehbar.Die kolportierten Mieten sind seit Jahren Maklerlatein.Ein Vergleich mit Geschäftsvierteln anderer Metropolen erübrigt sich.
    Ein Platz wie der Gendarmenmarkt braucht keine Autobahnnähe,der funktioniert auch so.Eine Geschäftscity braucht dies sehr wohl.Und die Berliner City um dem Alex würde ich nun wirklich nicht als geschäftig bezeichnen.Auch die Friedrichstrasse lahmt vor sich hin.
    Die Autobahn löst nicht unmittelbar einen Boom aus,sie ist aber eine notwendige Bedingung für den wirtswchaftlichen Aufschwung einer Region.


    Der Vergleich mit London hinkt.Die Stadt hat eine ganz andere Stellung in GB,als Berlin in D.

  • Eine Großstadt sollte sowohl auto- als auch ÖPNV-gerecht sein. Ich finde es geschmacklos nur weil man den Ausbau einer Straße oder Autobahn befürwortet gleich in die Ecke der Autofetischisten oder Angehörige der Fraktion "Freie Fahrt für freie Bürger" gestellt zu werden. Die meisten Argumente und Positionen liegen nicht am schwarz-weißen Rand sondern in der bunten Mitte. Ich kann als Außenstehender nichts praxisnahes zur Autosituation in Berlin sagen, aber die Argumente der Befürworter überzeugen mich eher als jene von der Fraktion "Wir wollen die autofreie Stadt und P+R-Parkplätze an jeder Haltestelle" oder so ähnlich. ÖPNV ist richtig und wichtig, aber er kann den Autoverkehr nicht komplett ersetzen.

  • Kleist
    Deine Argumentation überzeugt mich nach wie vor nicht. Die Annahme die Ansiedlung der Unternehmenszentralen von Großunternehmen in Berlin sei von einem kurzen Stück Stadtautobahn im Südosten abhängig erscheint mir weit her geholt.


    Aber unabhängig davon habe ich gar nichts gegen den Weiterbau der Autobahn. Da ich nicht in der Nähe wohne wird es mir auch weder nutzen noch schaden.


    Wenn der Chauffeur dann wenigstens 5 Minuten weniger zum Flughafen bräuchte. ;-) Naja.


    Man könnte ja auch Hubschrauberlandeplätze auf den künftigen Hochhausdächern einrichten. Während der Berlinale habe ich den Bankenkrisenfilm Margin Call gesehen. Da flogen die Bankchefs auch in Hubschraubern nach Manhattan ein.


    By the way: Die großen leeren Ex-Flughäfen Tempelhof und Tegel haben ja direkte Autobahnanbindung. Wenns was nutzt.

  • Eine Großstadt sollte sowohl auto- als auch ÖPNV-gerecht sein.


    Eine Großstadt kann per se nicht autogerecht sein, weil sämtliche Versuche aus technischen Gründen gescheitert sind. Autoverkehr braucht pro beförderte Person die zehnfache Fläche im Vergleich zum Bus und Bahn. In ländlichen Räumen ist das die Frage, wieviel Boden versiegelt wird, in Berlin steht diese Fläche nicht zur Verfügung. Man kann nicht so tun, als ob Ressourcen (wie kommunales Geld) unbegrenzt wären und alle satt werden könnten. Bei beschränkten Ressourcen muss man die effizientere Alternative wählen.


    ÖPNV ist richtig und wichtig, aber er kann den Autoverkehr nicht komplett ersetzen.


    Komplett nicht, aber in Wien ist der Anteil des Autoverkehrs seit 1995 von 33% auf 25% gesunken. Einen Anteil unter 20% in Berlin halte ich für genauso realistisch wie für Paris oder London, wo er ungefähr so liegt. Bisher ist dieser Anteil in Berlin auf 32,2% zurückgegangen.


    http://www.morgenpost.de/berli…iner-durch-die-Stadt.html


    Eine Senkung wie im kleineren Wien sollte auf jeden Fall machbar sein.

  • Der Anteil würde sicher schnell sinken, wenn die S-Bahn endlich wieder vollständig im Takt wäre. :lach: Jede deutsche Großstadt ist autogerecht, denn dem Auto wird überall ja viel Bedeutung beigemessen. Von daher sehe ich da keinen grundsätzlichen verbesserungsbedarf. Entscheidend ist halt an Engpässen nachzubessern und Alternativen zum Straßenverkehr dort zu realisieren, wo sie auch von Autofahrern genutzt werden.

  • Zur Zukunft des Stadtverkehrs ein Artikel im Tagesspiegel. Der Experte Stephan Rammler rät keine Straßen mehr zu bauen und besser in den ÖPNV zu investieren. 2050 werden Menschen v.a. mit Bahn, zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sein. Außerdem sieht er keine Zukunft für den herkömmlichen Flugverkehr und prophezeit Interkontinentalreisen mit dem Schiff (???).


    http://www.tagesspiegel.de/ber…rben-bedroht/4058516.html

  • lol... nun ja. Manch einer verdient seine Brötchen halt mit dem Propagieren absurder Zukunftsvisionen. Warum auch nicht? Die Chinesen und all die anderen, die dann mit deutscher Technik den Individualverkehr meistern wird es freuen. Vielleicht liefern sie uns dann im Austausch eine paar schmucke Drahtesel oder Ruderboote.

  • tel33: Sowas ist nicht zu unterschätzen. Wird eine Utopie und eine Angst erst einmal zum steuerfinanzierten Renditeobjekt, ist dies in diesem Land leider nicht mehr zu steuern. Siehe die erneuerbaren Energien und den Strompreis.
    Wenn man staatlich garantierte 7% Rendite aus einem ÖPNV-Fond erhält wird es bald eine Ubahn zwischen den Bauernhöfen der Familien Schulze und Müller geben. So wird halt Klimaschutz betrieben und der Induvidualverkehr zurück gedrängt :)

  • Die Chinesen und all die anderen, die dann mit deutscher Technik den Individualverkehr meistern wird es freuen.


    In Peking sollen bis 2020 850 Kilometer neuer U-Bahnen und Straßenbahnen gebaut werden. Aus 9 Linien werden 30. Deutschland liefert Straßenbahntechnik, kann also den Chinesen beim Meistern der Probleme mit dem Individualverkehr helfen.


    Die Aufgabe der Stadtplanung ist Sorge dafür, dass die Stadt nicht zur Ansammlung der nur mit dem Auto erreichbaren Bauernhöfe oder anderer frei stehenden Häuser verkommt, sondern dicht und kompakt bleibt. Mit den Linien hinter jeder neuen Reihenhaussiedlung zu laufen wäre absurd. Dieses Problem ist längst bekannt.


    "Die Zersiedelung eindämmen"
    Zersiedelung verursacht massive Verkehrsprobleme

  • Fortgeschriebener Stadtentwicklungsplan Verkehr Online


    Der vom Senat am 29.03. verabschiedete und seit 2008 fortgeschriebene Stadtentwicklungsplan Verkehr wurde heute auf den Seiten der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung veröffentlicht. Unfangreiche Unterlagen finden sich auf der Unterseite Downloads.

  • Interessant finde ich, dass im Bereich des ÖPNV die Tram schon bis Turmstraße und Kulturforum durchgebunden werden soll.
    Auch Nordbahn und Dresdner Bahn sowie die Heidekrautbahn sollen für den Regionalverkehr fertig gestellt sein. Mutig, mutig!
    Allerdings verstehe ich nicht, wieso die S-Bahn in Spandau an der Stadtgrenze enden und nicht bis nach Falkensee fahren soll. Oder berücksichtigt der Plan nur die auf Berliner Territorium zu errichtenden Äste? Dann wäre auf dem Brandenburger Plan ja wohl hoffentlich der Anschluss zu finden?!

  • Tempelhof

    Rückbau eines nie genutzten Autobahnteilstückes der ehemaligen A 102,heute A 100,Abfahrt Gradestrasse


    Der durchaus anspruchsvolle,geschwungene,nie ganz fertig gestellte Brückenbau der früheren A 102 http://de.wikipedia.org/wiki/Bundesautobahn_102 wird derzeit abgerissen.Das den Teltowkanal in beachtlicher Höhe überspannende Bauwerk wurde zu Beginn der 90er Jahre errichtet und nie fertiggestellt.Es hat bstimmt Millionen gekostet und wird jetzt,bestimmt auch nicht billig,wieder abgerissen.Das abzureissende Stück war Teil des geplanten Autobahnkreuz Tempelhof,welches nie verwirklicht wurde.Die A 102 sollte vom südlichen Berliner Ring mitten durch Berlin,bis zur A 114 verlaufen.Unter anderem war der Verlauf durch die Hasenheide,weiter über die Urbanstrasse,Oranienplatz,Platz der Vereinten Nationen angedacht.Selbst als jemand,der gern Auto fährt,bin ich froh,dass diese Planung nicht verwirklicht wurde.







    Bei der zu sehenden Bahnstreckecke handelt es sich um die Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn










    A 100 Überwerfer Aufahrt Gradestrasse von unten ,bleibt natürlich weiterhin in Betrieb




    Blick über den Teltowkanal in Richtung Hafen Tempelhof


    ganz in der Nähe der Abfahrt Gradestrasse,in der Teilestrasse,steht dieser imposante Verladekran,der zum be und entladen von Schiffen dient (e ?)



    alles eigene Bilder

  • Wenn die Brücke aus den frühen 90ern stammt, war man zu dieser Zeit wohl noch immer angetan von der autogerechten Stadt (grusel). Schade um das verschwendete Geld, aber gut, dass die Hasenheide nicht zugepflastert wurde. Warum lässt man kein Teilstück stehen als Mahnmal der Stadtzerstörung durch die autogerechte Stadt? ;)

  • Stadtentwicklungsplan Verkehr

    Hallo,


    das ist mein erster Beitrag im DAF, den ich mit einem Veranstaltungshinweis eröffnen möchte: im Zusammenhang mit dem StEP Verkehr gibt es von der Senatsverwaltung eine dreiteilige Veranstaltungsreihe zu Mobilität und Verkehrspolitik (http://www.stadtentwicklung.be…lin_In_Bewegung_bfrei.pdf). Besonders interessant scheint mir der Termin am 06. Juni - dann geht es um die Perspektiven zur Verkehrsmittelnutzung, was ganz gut zu den hier diskutierten Ansätzen passt...


    Viele Grüße


    Hobrecht

  • ^^Also ich bin mir ziemlich sicher, dass dieses Teilstück schon seit den frühen 80ern dort steht... Die A102 Pläne waren doch schon aus den 60ern und schon lange vor der Wende endgültig begraben worden?

  • Von mir auch vielen Dank für die Info, muss ich mir mal ansehen.
    Ich denke, daß die Brücke die heute nach wie vor fehlende Anbindung der 102 an die A100 in Fahrtrichtung Ost werden sollte. Diese Anbindung war wohl mit dem nachträglich geplanten Britzer Tunnel nicht mehr vereinbar.

  • Da ich es noch kenne wie es damals aussah, kann ich vielleicht ein wenig helfen.


    Ursprünglich sollte die A100 oberirdisch weitergeführt werden, dafür gab es auch bereits eine Brücke über die Gottlieb-Dunkel Straße. Der Abzweig der jetzt abgerissen wird, sollte zum einen die Verbindung in Richtung Osten herstellen und der zweite Abzweig führte unter der A100 durch und schwenkte dann auf den damaligen Anfang rüber.


    Die jetzige Auffahrt wurde dann westlich von der bestehenden dazu gebaut.

  • Nochmal Autobahnrückbau Gradestrasse

    Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen.Nur langsam geht es beim Abriss einer nie genutzten Autobahnbrücke der ehemaligen A 102,heute Abfahrt Gradestrasse, vorwärts.