Berliner Stadtverkehr (Straße, Bus und Bahn, Gebäude)

  • Übrigens nutze ich gerne die Zeit im Bus oder der Bahn zum Lesen oder Umschauen. Dies und vieles andere lässt sich als Autofahrer nur sehr schwer und unter Gefährdung der eigenen Sicherheit und/ oder der anderer erledigen. Das ist für mich gegenüber Autofahrten sogar gewonnene Zeit. Und: Nach der Arbeit noch die Konzentration zum Autofahren aufzubringen/ ggf. gar Stress dabei zu haben ist auch nicht für jeden gleichbedeutend mit Lebensqualität.


    Dies ist mal ein wichtiger Punkt, den ich einfach mal hervorheben möchte. Wir sollten alle ganzheitlicher denken und weniger reduktionistisch. Auch die dummen Polemiken à la "Im Regen und bei Schnee radfahren" nerven. Da könnte ich hier mal schön auf ein Fahrradblog verlinken. Das ist alles eine Frage der Einstellung und Ausrüstung. Und dann gibt es ja noch den ÖPNV, auf den man ausweichen kann. Und sogar das Auto.


    Die Infrastruktur für's Fahrrad ist einfach grottenschlecht. Die Prioritäten des Geldausgebens sollten auf dem ÖPNV und der Radinfrastruktur liegen. Dann werden im übrigen auch die Straßen entlastet. Nicht nur von Verkehr, sondern auch von Schäden.


    Man kann für oder gegen den Stadtring sein. Einen Ausbau bis über die Frankfurter Allee hinaus halte ich für völlig utopisch - oder besser: dystopisch.


    Bei allem Pro&Contra: Die Gesamtentwicklung wird sowieso in die von mir geschilderte Richtung gehen. Und da sollte man sich schon fragen, ob man den Stadtring so sehr forcieren möchte.

  • Ergänzend zu jan85s Beitrag zum Thema "völlig überfüllte Busse und Züge":


    Die Qualität der einzelnen Verkehrsträger hängt nun mal ganz entscheidend von deren Finanzierung ab. Würde man genug Geld in den ÖPNV stecken, könnte eine komfortable und ausreichend hohe Taktfrequenz, genügend Wagen/Fahrzeuge, mehr Reinigung und Wartung usw. anbieten, und das bei attraktiven Fahrpreisen - so dass jeder bequem und gerne damit fahren würde. Nur leider wird hier lieber Geld eingespart mit den bekannten Konsequenzen.


    Wäre dann noch der politische Wille da, den ÖPNV bei Ampelschaltungen konsequent zu bevorzugen und Halten/Parken auf Busspuren rigoros zu unterbinden, wäre der ÖPNV auch für viele bisherige Nicht-Nutzer hochattraktiv.


    Baut man hingegen eine neue Autobahn, wird dort das Autofahren wieder attraktiver.


    BTW: Ich glaube sogar, viele Autofahrer würden die 500 Mio. Euro lieber in die Reparatur bestehende Straßen investiert sehen.

  • Ja, das Geld ist nicht umwidmungsbar. Allerdings ist dieses Argument, auch wenn man man das Geld als Hauptargument anführt, nicht wirklich zulässig, meiner Meinung. Nur weil man das Geld dafür bekommt, muss man es ausgeben, reicht mir nicht als Argumentation für den Autobahnbau, hört sich nach Trotz an. Vorzeitige und weitsichtige Planungen könnten Vorraussetzungen dafür sein, dass die Summen für solche Projekte nicht unumwidmungsbar sind.

  • ^
    Das ist durchaus richtig. Trotzdem ist doch zu unterscheiden zwischen:
    1. Wird die Autobahn gebaut, kommt das Geld vom Bund.
    2. Wird die Autobahn nicht gebaut, geht das Geld in andere Bundesaufgaben (das schließt Berlin ÖPNV und andere Straßen aus).

  • Dank der schönen Oppositionsarbeit meiner Lieblingspartei wissen wir, daß der Weiterbau der A100 bis Treptow Berlin mindestens 13,3 Mio € kosten wird.


    A100-VERLÄNGERUNG KOSTET BERLIN MINDESTENS 13,3 MIO. EURO


    Im Text schaut es so aus, daß es eigentlich noch mehr sind, aber ein Teil schon bezahlt ist.


    Die Berliner Verkehrspolitik ist einfach nicht zukunftsgewandt. Da kann man sagen, was man will.

  • Man muss die Prioritäten richtig setzen.Wer im gut ÖPVN versorgten Innenstadtbereich weiter teure und sehr zweifelhafte Straßenbahnenentze bauen will,hat IMHO das falsche Konzept.Wir brauchen die Erschliessung des Märkischen Viertel,den Weiterbau der S-Bahn über den Bahnhof Spandau hinaus und direkte,ohne Umwege fahrende,schnelle Buslinien aus der Perepherie ins Zentrum. Da steht zum einen die Landesgrenze im Weg.Es muss doch möglich sein,mit klimatisierten Expressbussen aus Falkensee oder Schöneiche direkt ins Berliner Zentrum zu gelangen,mit nur wenigen Halts an Umsteigeknoten und Endziel.


    Solange man glaubt,mit Strassenbahnen die vom Alex nach Steglitz gondeln ,irgendeine Verbesserung herbeizuführen ist man auf dem Holzweg.



    Ganz klar.Man muss mehr Busspuren einrichten und diese an Ampeln mit Vorzugsschaltung ausstatten,so wie es an vielen Ampeln bereits jetzt der Fall ist (z.B. Haupt Ecke Domenicusstraße oder an der Heerstraße.) Mit dem parken in der Busspur ist das so eine Sache. Der Lieferverkehr hat meist doch gar keine andere Möglichkeit,als in der Bus oder Fahrspur zu parken.

  • Auch die dummen Polemiken à la "Im Regen und bei Schnee radfahren" nerven.


    Das ist weder 'dumm' noch polemisch. Es ist schlicht und ergreifend eine Tatsache, dass das Fahrradfahren bei widrigem Wetter wohl nur dem ganz harten Kern noch Freude bereitet. Natürlich ist dies ein sehr reales Problem für viele Menschen, schließlich gehen die meisten nicht nur bei schönem Sommerwetter vor die Tür.
    Abgesehen davon ist es für das Thema A100 und Autobahnerweiterung auch vollkommen irrelevant, da wohl kaum jemand diese Distanzen tagtäglich mit dem Rad absolvieren wird. Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen.

  • @ Hobbyist: es ging mir nicht um eine Umwidmung des Geldes, das ist schon klar, dass das nicht geht.


    Es ging mir um die generelle Finanzierung durch die öffentliche Hand. Hier müsste der ÖPNV wesentlich besser ausgestattet werden, statt immer weitere Sparvorgaben zu machen. Dies führt nicht nur zu den genannten Angebotsdefiziten, sondern auch zu schlechteren Löhnen für die Mitarbeiter im ÖPNV. (Z. B. Auslagerungen in externe GmbHs, die Fahrer schlechter bezahlen usw.)


    Der ÖPNV (und auch der Fernbahnverkehr) muss m. E. wesentlich stärker subventioniert werden. Der Autoverkehr finanziert sich ja auch nicht selbst. Hier könnte die Politik durchaus die Weichen etwas anders stellen, wenn sie denn wollte.

  • @ Kleist:


    Beim Thema Straßenbahn gab es schon immer unterschiedliche Meinungen. Du hast recht, es gibt falsche Prioritäten. Für mich gehört da eher die U5 Unter den Linden dazu, die einfach zu viele Mittel bindet.


    Straßenbahnen sind nur dann zweifelhaft, wenn sie sich auf langer Stecke die Trasse mit dem Autoverkehr teilen müssen. Haben sie ihr eigenen abgetrenntes Gleisbett, sind die vom Kosten-Nutzen Verhältnis wunderbar. Wenn dann noch die Ampel-Vorrangschaltung wirklich mal konsequent umgesetzt wird, wären sie sogar richtig schnell. Leider wird das in Berlin nur halbherzig bis gar nicht gemacht, wie man an den Trassen auf der Prenzlauer Alle oder Greifswalder Straße sehen kann. Nach Bedienung einer Haltestelle fährt die Bahn an, um dann erst mal brav an der nächsten Kreuzung den Auto-Querverkehr abzuwarten zu müssen.


    Schnellbuslinien können durchaus sinnvoll sein, nur fehlt hier doch der Wille und die Einsicht, Busspuren a) breit genug einzurichten, das Radfahrer und Busse bequem nebeneinander passen und b) konsequent frei zu halten. Für die viele Autofahrer und noch mehr Lieferanten sind Busspuren (und Radfahrstreifen) doch nur Kurzzeit-Parkstreifen, wobei kurz ein sehr dehnbarer Begriff ist. Hinzu kommt auch hier das Problem der Nicht- Umsetzung von Ampel-Vorrangschaltungen. Durch das bedienen von Haltestellen kommt der Bus aus dem grüne-Welle-Rhythmus für die Autos und muss an fast jeder Ampel wieder halten. das macht ihn langsam und damit unattraktiver. Er müsste also ein physisch abgetrennt Spur bekommen, was sich aber nur selten und sehr schwer realisieren lässt - höchsten auf den breiten Alleen, wo aber dann die Straßenbahn besser ist.


    Natürlich ist weder die Straßenbahn noch der Bus noch die U-Bahn allein ein Allheilmittel. Je nach Gegend und Streckenführung kann mal das eine, mal das andere sinnvoller sein. Auf breiteren Straßen und bei hohem Fahrgastaufkommen ist die Straßenbahn (mit dann eigener Trasse) schon aus Kapazitätsgründen m. E. dem Bus überlegen.


    Bei der Erschließung des Märkischen Viertels, beim Weiterbau der S-Bahn über Spandau hinaus und generell bessere, klimatisierten Busse gebe ich die absolut recht. Ich bis auch bei dir, dass eine Straßenbahn von Mitte nach Steglitz tatsächlich schwer sinnvoll umzusetzen ist, da dort eine abgetrennte Trassenführung aus Platzgründen zwar möglich (zulasten der Autospuren), aber doch sehr schwierig ist. Allerdings sind Busse auf der Stecke genauso schlecht dran.


  • Der Wunderknabe aus #1105 braucht ja nur deshalb mit dem Motorrad nur halb so lang als mit dem Auto, weil er fortwährend gegen die Straßenverkehrsordnung verstößt und ständig andere Verkehrsteilnehmer gefährdet.


    Woher willst du wissen wie ich mich durch die Stadt bewege?


    Es ist durchaus völlig gefährdungsfrei eine breite Lücke mit einem Zweirad zu durchfahren durch die ein zweites Auto nicht passen würde und sich halt vorne
    an die Ampel zu stellen.
    Abgesehen davon gefährde ich weniger Leute als so mancher Autofahrer.


    Es ist abgesehen davon auch nicht unrechtens. Man überholt ja niemanden, sondern fährt nur vorbei.

  • ^Mit Verlaub, aber um etwa 50% kannst Du auch bei besserer Beschleunigung etc. gar nicht schneller sein, wenn Du allein die vorgesehenen und zugelassenen Spuren benutzt (die gelten von schmalen Motorrädern bis hin zu LKW) und nicht sehr liberal Lücken definierst und letzteres ist sehr wohl "unrechtens" und das mE ganz zu Recht...


    Passend zum Thema gibt es übrigens einen Artikel im Tagesspiegel über die voraussichtliche Verkehrsnutzung der Zukunft. Danach werden die Menschen flexibler die Verkehrsmittel je nach Situation wählen ("multimodal") und/oder wechseln ("intermodal"). Daher werde es immer wichtiger die verschiedenen Verkehrsmittel miteinander zu "harmonisieren". Generell sei es hilfreich, wenn man in Konzepte wie die Stadtbahn oder ein gutes und sicheres Radwegenetz investiere. Es gebe aber stadtspezifische Unterschiede und kein universales Patentrezept. Berlin werde wohl künftig noch mehr Radverkehr und auch mehr elektrische PKW aufweisen. Gefallen hat mir noch die Aussage, dass sich unsere Mobilität eher evolutionär als revolutionär verändere. Dieser Wandel dauert mE oft länger und ist dann oft umso nachhaltiger.


    Alles weitere unter http://www.tagesspiegel.de/ber…wegen-werden/8205292.html

  • Empfangsgebäude Bahnhof Gesundbrunnen

    Seit Anfang des Jahres baut die DB ein neues Empfangsgebäude am Bahnhof Gesundbrunnen (siehe #1044) - d. h., sie baut derzeit nicht. Seit langem tut sich nämlich nichts hinter den Bauzäunen.


    Die Berliner Woche berichtet, dass laut eines Bahnsprechers zusätzliche Untersuchungen und Verzögerungen bei der Ausführungsplanung durch die beauftragte Baufirma Schuld an den Verzögerung sind. Die ursprünglich geplante Fertigstellung im Dezember ist damit hinfällig. Einen neuen Termin gibt es noch nicht. BER lässt grüßen.


  • Ich bin schon seit längerem auf der Suche nach einer Dokumentation, die ende der 30er mit einem damals beeindruckendem technischen Aufwand über die Errichtung der Nord-Süd S-Bahn erstellt wurde.
    Laut Wikipediaartikel ist der Film verschwunden....


    Ist er aber gar nicht :-)


    Vielmehr ist er sogar online auf youtube zu finden, als Teil einer "Eisenbahn Romantik" Folge von 1994 über die Berliner S-Bahn.


    Die eigentliche Doku mit beeindruckenden Bildern über den Bau dieser Strecke beginnt ca. bei Minute 5:00


    https://www.youtube.com/watch?v=gOPd739TqVc


    Interressantes Detail am Rande bei Minute 13:00 " Würde man den im Nord-Süd Tunnel verbauten Beton und den Baustahl in einem Würfel zusammengiessen, so würde dieser das Volumen des Berliner Stadtschlosses haben"

  • ^vielen Dank, ein schöner Fund. Es ist sehr beeindruckend, wie bereits unsere Altvorderen innerhalb von 5 Jahren den 6 km langen Tunnel quer durch die Innenstadt getrieben haben.

  • Ja, und wie wenig sich das Bauprinzip in all den Jahren verändert hat. Abgesehen davon, dass heute mehr automatisierte Maschinen verwendet werden und alle Bauarbeiter Helme und Westen tragen, hat sich nicht viel getan.

  • Übrigens bewerben sich sowohl Bombardier als auch Siemens darum künftig die S-Bahn-Züge der Ringbahn zu liefern und auch selbst zu warten. So soll künftig vermieden werden, dass es Streit zwischen Hersteller und Wartungsbetrieben über die Gründe der Zugausfälle gibt (und natürlich wäre das auch eine zusätzliche Einnahmequelle für die Hersteller). Siemens etwa will dafür dann aber auch 99% Zuverlässigkeit versprechen, aktuell liegt die Quote bei etwa 95%.


    http://www.morgenpost.de/berli…en-um-Berlins-S-Bahn.html
    http://www.berliner-zeitung.de…ie,10809148,23300342.html

  • tel33


    vielleicht ist dann doch hinzuzufügen, dass bei den hastig durchgeführten Bauarbeiten, politisch motiviert durch den Termindruck zu den Olympischen Spielen 36, immerhin 17 Menschen ihr Leben ließen.


    d.

  • Update: S-Bahnhof Gesundbrunnen

    Seit Anfang des Jahres baut die DB ein neues Empfangsgebäude am Bahnhof Gesundbrunnen (siehe #1044) - d. h., sie baut derzeit nicht. Seit langem tut sich nämlich nichts hinter den Bauzäunen. [...]


    Wie die Berliner Zeitung berichtet, wird hier ab morgen zumindest mit den bauvorbereitenden Maßnahmen begonnen. Nach Auskunft eines Bahn-Sprechers soll im Zuge dessen der Vorplatz des künftigen Empfangsgebäudes aufgemeißelt werden, um so wenigstens den Weg für die Gründungsarbeiten frei zu machen.


    Im Übrigen habe die von der DB beauftragte Baufirma immernoch keine vollständige Ausführungsplanung vorgelegt mit der Folge, dass nach wie vor kein Montageplan für das Vorhaben existiere.