Kulturmeile/City-Boulevard

  • Was mich am Siegerentwurf allerdings wirklich stört – die vermutlich für den Gewinn ausschlaggebende neue Bebauung im Bereich zwischen paulinenbrücke und charlottenplatz ist auf absehbare Zeit überhaupt nicht realistisch. Denn dafür müsste praktisch erst ein kompletter Straßenzug abgerissen werden um anschließen hier einen geschlossen blockrand zu ermöglichen. Zumindest für einen absehbaren Zeitraum sehe ich da wenig Chancen das das passiert. Die Realisierung des siegerentwurfs dürfte dann wohl auch einen Horizont von 10–20 Jahren haben. Am schnellsten wird sicherlich der Rückbau der Spuren zwischen Marienplatz und Paulinenbrücke zu machen sein.

  • Da der Heslacher Tunnel auch nur zweispurig ist sollten sich die negativen Auswirkungen in Grenzen halten...

    Stimmt für die Strecke Marienplatz bis Österreichischer Platz, aber nicht für den Rest bis zum Charlottenplatz. Wenn man nun also nur die Strecke zwischen Marienplatz und Österreichischer Platz auf 2 Spuren zurückbauen würde, würde ich dir ja vielleicht sogar Recht geben...


    Aber so glaube ich einfach, dass das in einem riesen Chaos endet. Der Rückbau am Neckartor ist übrigens auch dazu geeignet ziemliche Probleme zu verursachen, das läuft heute ja auch nicht flüssig.

  • Ich denke auch das ab dem Österreichischen Platz wieder 4-spurig geführt werden sollte – schließlich handelt es sich hier um den Cityring! Was man nicht vergessen sollte, bei nur 1 Fahrspur je Richtung genügt ein kleiner Unfall um einen Verkehrskollaps auszulösen, was in der Konsequenz auch heißt das weder Feuerwehr noch Rettungswägen hier durchkommen würden. Davon abgesehen würden neben den Autos auch Busse im Stau stehen. Was ich mir vorstellen könnte wären wenn dann vielleicht 2 Fahrspuren je Richtung, wobei eine Fahrspur für Busse, Taxis, Rettungswägen und PKW mit mindestens 3 Personen reserviert wären, ähnlich den Carpool-Lanes in den USA.

  • ... die vermutlich für den Gewinn ausschlaggebende neue Bebauung im Bereich zwischen paulinenbrücke und charlottenplatz ist auf absehbare Zeit überhaupt nicht realistisch.

    Ich würde es tatsächlich eher umgekehrt betrachten: Verglichen mit z.B. dem Zweitplatzierten wird viel wertvolle BGF in extrem zentraler Lage geschaffen, die den Umbau, der auch für die Grundstückseigner lukrativ sein dürfte, refinanzieren könnte.

    Darüber hinaus ist es eine - denke ich zumindest in Teilen der Stadtbevölkerung - sehr willkommene Möglichkeit, sich in ungeahntem Ausmaß wenig geliebter Architektur der 90er Jahre zu entledigen und somit der Stuttgarter Innenstadt ein sehr effektives "Facelift" zu verpassen.;)


    Der Zeithorizont ist dabei auch eher mittel- als langfristig, da die Baumaßnahmen auf Grund der Verkleinerung des Straßenquerschnittes halbwegs gut zu phasieren sein dürften. Wenn man sich die Planung im Detail anschaut, sind zudem doch überraschend viele Bestandsbauten integriert - insbesondere im Bereich Neckartor-Stöckach.

    Für Anwohner sicherlich super, insgesamt wird der Stadtraum davon sicher profitieren. Aber für alle die durch Stuttgart durchpendeln müssen der Horror! Stuttgart wird so noch mehr zum Nadelöhr, der Druck auf Arbeitnehmer und Arbeitgeber vor allem in der Region noch größer!

    Ich neige auch dazu diesen Aspekt umgekehrt zu betrachten: erst durch die Vision einer lebenswerteren Stadt - die sich in diesem Wettbewerb erstmals besser greifen lässt - entsteht der nötige politische Druck, der zu einem (überfälligen) stärkeren Ausbau des Nahverkehrs führen wird.


    In der weiteren Ausarbeitung ist letztlich ja ein Verkehrsgutachten unerlässlich und wird den Verantwortlichen Schwarz auf Weiß und fachlich fundiert die Anforderungen an den ÖPNV aufzeigen. Das ist der Preis dieses Gewinns an Lebensqualität, der ja langfristig aus ökologischen Gründen sowieso gezahlt wird werden müssen.


    In dem Zusammenhang finde ich es im Übrigen schade, dass die Preisträger es nicht verstanden haben, die Qualitäten ihres Entwurfes in bessere (und für Laien verständliche) Bilder zu übersetzten.

  • Danke für die interessante Perspektive, Goanna. Ich kann nachvollziehen und verstehen, dass man das auch umgekehrt betrachten kann. Wollen wir hoffen, dass du Recht hast und es dann auch in diesem großen Vision umgesetzt wird, wie du es dargelegt hast. Nur diese Pläne umzusetzen, ohne über Alternativen für den Verkehr nachzudenken, wäre fatal. Noch bin ich allerdings nicht überzeugt, dass die Stadtverwaltung und der Gemeinderat das so denken, wie du das gerade dargelegt hast. Man sollte solche Pläne in diesem Ausmaß eben nur Umsetzen, wenn die Verkehrsplaner (und eben nicht die Politiker) von den Alternativen überzeugt sind.

    In Stuttgart wird oft, meiner Erfahrung der letzten Jahr nach zumindest, der Verkehr fast sabotiert, ohne Alternativen zu schaffen.