Eine triste Realität, die nur einen Zwischenstand dokumentiert. Wie bei fast allen zu bauenden Gebäude der Welt.
Kulturforum
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ibuinn -
21. April 2005 um 08:46
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In der hier geführten Diskussion fällt auf, dass es eine sehr starke Polarisierung gibt. Entweder wird der neue Museumsbau gefeiert oder als unpassend empfunden. Interessanterweise gibt es nur die Bewertung gut oder schlecht, aber kein Unentschieden. Niemand bewertet den entstehenden Museumsbau als mittelmäßig oder durchschnittlich.
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wie sollte man auch zu einem differenzierten Urteil gelangen, wen das zu beurteilende Gebäude noch garnicht existiert?
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^Ich finde, dass sich bereits die gewählte Kubatur stimmig einfügt. Das jedenfalls kann man mE schon jetzt ziemlich klar erkennen. Und alleine das überrascht mich, da es auf den Visualisierungen zumindest bei mir nie so rüber kam.
Beim Rest stimme ich aber zu, dass man dafür erst die Umsetzung der feineren Details abwarten muss. Es ist aber auch absolut nichts Neues im DAF, dass bei Rohbau- und Baustellenoptik erstmal recht starke Kritik aufkommt und dann ebenso zuverlässig etwas mehr Geduld angemahnt wird. Kurioserweise wiederholt sich dieses Muster also selbst in architekturaffinen Zirkeln ziemlich häufig, wie DerBe ja auch schon durchklingen lässt...
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Niemand bewertet den entstehenden Museumsbau als mittelmäßig oder durchschnittlich.
Doch, ich! Hatte ich eigentlich auch deutlich gemacht. Er passt sehr gut in die Umgebung, hässlich finde ich ihn auch nicht, vielleicht sogar ein bisschen schön. Den eigenen Anspruch, "etwas Alltägliches und Gewöhnliches" zu erschaffen, haben Herzog de Meuron mustergültig eingelöst. Interessanterweise genau der gleiche Anspruch und mit gleichen Mitteln umgesetzt, wie bei Gutbrods Kunstgewerbemuseum aus den 1970ern (das ja heute allgemein als gescheitert gilt).
Ich würde das Bauwerk sehr viel milder beurteilen, wenn es lediglich ein bombensicheres Archiv wäre, das nicht auf möglichst viel Publikumsinteresse angelegt ist, sondern nur auf die sichere Aufbewahrung von Dingen unter meterdicken Kellerdecken. Dann würde ich sogar schwärmen, wie viel Mühe man auf ein solches Archiv verwendet.
Übrigens bin ich der Meinung, dass man auch über noch nicht fertiggestellte Gebäude urteilen kann. Wird ja in diesem Forum bei jedem größeren Bauvorhaben seitenlang unter Beweis gestellt, auch von user klangraum. Inzwischen steht ja sogar schon der Rohbau und vermittelt einen Eindruck. Jury und Politik mussten den Entwurf bei ihren millionenschweren Entscheidungen ja auch anhand von Plänen beurteilen.
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Niemand bewertet den entstehenden Museumsbau als mittelmäßig oder durchschnittlich.
Doch ich. Baulich wird das KF unspektakulär bis belanglos. Aber seine Funktion als Bindeglied zwischen den anderen Kulturbauten könnte ein Fortschritt sein. Die Brache, die dort vorher war hat das KF über Jahrzehnte zu einem Unort ohne Aufenthaltsqualität gemacht. Die Hoffnung besteht, dass mit der Begrünung im Umfeld eine Art Komplettierung vollzogen wird. Innen hui, außen pfui gewissermaßen.
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wie sollte man auch zu einem differenzierten Urteil gelangen, wen das zu beurteilende Gebäude noch garnicht existiert?
Man kann bereits vor Baubeginn zu einem differenzierten Urteil gelangen, weil es heutzutage üblich ist, bei größeren oder teureren Projekten (was hier sicherlich der Fall ist) sehr hochwertige 3-D-Modelle zu erstellen. Digitale 3-D-Modelle oder aus Holzklötzchen gefertigte Modelle "zum Anfassen" geben i.d.R. einen ganz guten Eindruck, um abschätzen zu können, wie Bauvolumen und Architektur wirken werden. Natürlich ist das Modell etwas anderes als das fertiggestellte Gebäude. Aber man kann normalererweise schon vor Baubeginn ganz gut abschätzen, wohin die Reise geht. Es ist doch nicht so, dass man bei der Umsetzung eines Bauvorhabens völlig planlos ins Leere läuft. Und wenn das fertiggestellte Bauvorhaben am Ende nicht mit den erwarteten Vorgaben übereinstimmt, dann liegt das nicht immer an der fehlenden Geduld, sondern manchmal auch an schlechter Projektsteuerung.
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Eine triste Realität, die nur einen Zwischenstand dokumentiert. Wie bei fast allen zu bauenden Gebäude der Welt.
In der Tat: Rohbetonwände, Bauzäune und Kräne bei feuchtem Herbstwetter. Was auch immer die Realität des fertiggestellten Museums sein wird – das ist sie nicht.
Interessanterweise gibt es nur die Bewertung gut oder schlecht, aber kein Unentschieden.
Das stimmt nicht. Habe hier – wie viele andere – geschrieben, dass ich mir ein Urteil erst bilde, wenn das Gebäude fertig ist. Wer Vernichtungsurteile á la "Lidl" zurückweist, muss nicht gleich Fan sein (gilt, was mich betrifft, auch für viele andere Projekte, zum Beispiel für das Covivio-Hochhaus oder die Einheitswippe).
Was ich sagen kann: Ich vermute, die Qualitäten des Gebäudes werden im Inneren liegen. Nach außen hin hält es sich zurück. Es steht zwischen drei Ikonen und soll ergänzen, nicht strahlen. Das war eine bewusste Entscheidung von Bauherren und Architekten. Ob man sie für klug oder bescheuert hält, ist letztlich Ansichtssache.
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Ich finde es interessant, wie viele von euch das Innere des Gebäudes loben und als Trost für das belanglose Äußere betrachten. Dabei kenne ich wohl kaum ein Projekt von diesem Kaliber, in dem die Atmosphäre des Innenlebens derart unter Verschluss gehalten wird, wie hier. Mir sind jedenfalls keine Visualisierungen der Innenräume bekannt und auch nach nochmaliger Recherche bin ich nicht schlauer geworden. Nur ein Modell des Innenraums (vermutlich im Maßstab 1:200) konnte ich auf der Website des Landes Berlin finden.
Die innenarchitektonische Qualität ist demnach die größte Wundertüte dieses Projekts. Meine Hoffnung ist, dass das berlin modern leistet, was die anderen Bauten im Kulturforum nicht können: Ein offenes, aber interaktives und lebendiges Haus mit vielseitiger Bespielung zu sein. Die Neue Nationalgalerie ist zwar architektonisch beeindruckend, doch die gläserne Halle ist durch ihre extreme Offenheit sehr steril und nimmt keine urbanen Funktionen auf (Cafe und Shop sind samt Museum in den Keller vergraben worden). Die anderen Museen hingegen sind extrem verschlossen und abweisend. Das berlin modern könnte die goldene Mitte treffen, die das Kulturforum dringend benötigt.
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Da jetzt mehrfach meine Aussage zurückgewiesen wurde, wonach es in der Bewertung kein Unentschieden geben würde:
Ich will eigentlich darauf hinaus, dass dieser Museumsneubau eben sehr stark polarisiert. Dieser Umstand ist eigentlich erfreulich, weil ein Polarisieren deutlich besser ist als ein wenig beachtetes Schattendasein. Denn bekanntermaßen ist ja auch schlechte Publicity immer noch Publicity. Und vielleicht ist das auch schon ein Vorbote für einen späteren Erfolg bei den Besucherzahlen.
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Nur ein Modell des Innenraums (vermutlich im Maßstab 1:200) konnte ich auf der Website des Landes Berlin finden.
Dieses zeigt den Wettbewerbsentwurf, der inzwischen überarbeitet wurde.
"Nach dem neuen Plan seien nicht nur die Tore auf menschliches Maß geschrumpft, dank kleinerer Maßnahmen im Inneren würden sich die Räume jetzt auch besser trennen lassen, heißt es weiter."
https://www.baunetz.de/mobil/meldung.html?cid=8218311
Man darf gespannt sein, was das für die beiden riesigen Passagen bedeutet, die dem Entwurf sicherlich zum Sieg verholfen hatten.
Ein paar ältere Innen-Visus gibt es durchaus, m. E. wurde hier im Forum auch schon darauf verwiesen. Zur hier so vorwegnehmend beschwärmten "Funktionalität" des Entwurfes hat der verlinkte DBZ-Artikel auch einiges mitzuteilen, inklusive eines keineswegs schmeichelhaften Vergleichs mit Schinkels Architektur aus dem 19. Jh. Dass "moderne Architektur" immer noch so mit Funktionalität verknüpft wird, nur weil die Bauhäusler einst erfolgreich dieses Image aufbauten, wider aller realen Erfahrungen damit, verblüfft mich stets aufs Neue. Diese Art von Moderne hat zugunsten ihrer Gestaltungsprinzipien Dysfunktionalität stets diskussionslos inkauf genommen, von der Neuen Nationalgalerie bis "berlin modern".
Innenansichten:
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Vielen Dank für die aufschlussreichen Innenansichten. Ich bin leider etwas enttäuscht von den aktualisierten Plänen. Der Innenraum wirkt vor allem in der Visu auf mitte-bitte.de unruhig und karg, der durchaus interessante Dachhimmel aus perforiertem Ziegel verschwindet in seiner Wirkung beinahe hinter den vielen schweren Wänden und verschachtelten Räumen darunter.
Auffällig ist auch, dass die Wände nicht, wie es auf dem ersten Blick erscheint, allein aus Beton bestehen. Es ist offenbar eine Stützenkonstruktion, dessen Zwischenräume mit gebrochenen Ziegeln zu Wänden ausgefüllt werden - die gleiche Technik, die HdM schon an den Ziegelfassaden am Tacheles erprobt hat. Mal hoffen, dass die, sagen wir mal grobe, Ausführung am Tacheles als Testmodell für eine gelungenere Umsetzung im berlinmodern dient.
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Ich schrieb von "älteren Innen-Visus", was auch aus der Datierung der Artikel hervorgeht. Die seitdem vorgenommenen Anpassungen wurden hier auch schon verlinkt.
Es gibt keinen Dachhimmel aus "perforiertem Ziegel" (eigentlich Betonfertigteile) mehr. Auf den aktuellen Visus der Außenhülle ist schwer zu erkennen, wie man es jetzt gelöst hat. Es scheint durchaus noch ein für Tageslicht teilweise durchlässiges Dach zu geben, allerdings auf kleinerer Fläche und eher als eine Art Metallgitterkonstruktion.
Die Erschließung und Raumorganisation war tatsächlich extrem offen gedacht (klimatisch wirklich nicht sinnvoll darstellbar, erst recht nicht in einem Museum, das weiß doch jeder Laie). Ich kann mir nicht vorstellen, wie man das mit "kleinen Maßnahmen" heilen will.
Zum Eindruck des Verschachtelten: Normalerweise würde es eine Halle mit klar definierten Kanten geben, an deren Enden auch das Glasdach enden würde. Die Architekten lassen stattdessen einen Luftraum über einem Ausstellungsbereich, der wie eine geschlossene Kastenbrücke zwei durch eine Passage getrennte Bereiche verbindet. Über diesem erstreckt sich das Glasdach fort und mündet dann über dem Foyer Richtung Nationalgalerie. Damit wird die Oberseite des Betonkastens beleuchtet. Dort oben passiert allerdings nichts anderes als dass sich Staub ansammelt. Nicht wenig Staub. In jeder Hinsicht sinnvoller wäre es gewesen, dort die komplette Wand zu schließen. Man wollte aber nicht einen klassischen Innenhof modellieren, sondern eine Passage. Viel Raum für nichts ist generell die Devise im Inneren.
Bei uns in Leipzig wurde vor 20 Jahren das Museum der bildenden Künste eröffnet. Dort hat man einen Raumeindruck, der dem "berlin modern" vermutlich recht nahe kommt. Ich mag das MdbK ganz gern, aber für den Museumsbetrieb ist es weniger geeignet. Es gibt ebenfalls vier gleichwertige Eingänge, von denen die Hälfte meistens geschlossen ist. Die städtebaulichen Hoffnungen, die man damals an den Entwurf knüpfte, wurden enttäuscht. Das unmittelbare Umfeld ist unbelebt und trist. Dem versucht man jetzt mit Begrünung und Aufstellung von Kunstwerken zu begegnen (erinnert auch ans "berlin modern", oder?), aber verfehlter Städtebau lässt sich durch Kosmetik nicht korrigieren. Könnte sein, dass es in Berlin besser funktioniert, weil die kürzesten Verbindungen zwischen Kunstbibliothek, Nationalgalerie und Philharmonie durch den Neubau führen. Ich vermute aber, die Frequenz auf diesen Verbindungen ist viel zu gering für eine Belebung.
Wirklich gut klappt die Bewerbung von Ausstellungen auf den Leipziger Fassaden. Diese fällt auf, aber nur für ein paar Momente, wenn man die Straße entlangläuft und zwischen den Häusern, die es umringen, einen Blick auf das Museum werfen kann. Das hat einen gewissen Überraschungseffekt. Die Lage punktet damit, dass viele Passanten zwischen Einkaufszentrum und Marktplatz am Museum vorbeilaufen.
Museum der bildenden Künste in Leipzig | Beton | Kultur | BauNetz Wissen
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Ich habe vor kurzem nochmal die Begründung für die Entscheidung zum Siegerentwurf von Herzog & de Meuron durchgelesen. Interessant finde ich, dass wörtlich angeführt wurde, dass insbesondere die Backsteinfassade überzeugt habe. Und diese Backsteinfassade gibt es nun nicht mehr.
Ich bin zwar wie bereits erwähnt langsam ein Fan des Entwurfs, frage mich aber trotzdem, ob man in solch einem Fall den Siegerentwurf nicht hätte nochmal gänzlich überdenken müssen? Wenn die Jury sich insbesondere wegen der besonderen Fassade für den Entwurf entschieden hat, müsste man sie doch entweder zwingend umsetzen oder sich letztlich für ganz andere Entwürfe öffnen.
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Und diese Backsteinfassade gibt es nun nicht mehr.
Die Mockups bzw. Musterfassaden waren hier auch schon zu sehen. Die Außenwände werden backstein- bzw. wohl eher klinkerriemchenverkleidet, nur das Dach nicht mehr.
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^ Es ging um das löchrige Backstein-Muster, das den Stil des Erstentwurfs ausmachte.
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^^ In der Musterfassade ist das Prinzip der löchrigen Fassade ja dargestellt. Im Hofbereich und an der Südseite scheint es nach wie vor zur Anwendung zu kommen (Baunetz 04/2023). Im Übrigen, Ziegel, um deinem Namen seine Ehre zu retten
, handelt es sich wohl mitnichten um Riemchen sondern eher um Vollziegel in der Art eines Kolumba. -
Ja, ich dachte schon beim Schreiben, dass sich Herzog & de Meuron vermutlich nicht mit Riemchen abgeben werden, aber ich wollte mal gucken, was ihr so schreibt. Hat sich gelohnt, denn den "Kolumba" kannte ich noch nicht, ein flacher Ziegel, der eigens für das gleichnamige Kunstmuseum entwickelt wurde. Und dort für massive Feuchteprobleme gesorgt hat.
https://www.dbz.de/artikel/dbz_Zu…em-2833359.html
Hach, ich liebe diese funktionale moderne Architektur einfach, sie unterhält mich.
Das kölner Museum, vom ebenfalls schweizer Architekten Peter Zumthor designt, wurde 2007 eröffnet, also vor fast 20 Jahren. Die Fassadengestaltung ist jener in Berlin sehr ähnlich. Dazu noch die Kubatur eines schweizer Gemeindehauses von Tilla Theus und schon haben wir in Kombination die berliner Scheune.

Ornamentales Kleid - Gemeindehaus in Unterengstringen von Tilla Theus

Kolumba - Kolumba (Museum) – Wikipedia
Hier mal die alte Wettbewerbsvisualisierung vor der politischen Einflussnahme:

Das Museum des 20. Jahrhunderts kommt!
Man sieht auf dem Bild, dass in berlin auch nur ein umlaufendes Fensterband geplant war. Das Gittermuster setzte sich aber an den Wänden fort. Jetzt gibt es noch das durchbrochene Lichtband, die Wände werden aber ansonsten eher glatt, ohne Muster.
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Der Kolumba-Stein war bei dem Museumsbau nicht per se der Grund für die Feuchteschäden und wird nach wie vor als (teures) und in meinen Augen optisch sehr ansprechendes Fassadenmaterial verwendet, weil man aus den konstruktiven Fehlern des Pionierprojektes gelernt hat.
Dort ist vielmehr Feuchtigkeit zwischen Stein und Mörtel gedrungen, weil letzterer noch nicht auf den Ziegel optimal abgestimmt und zu hart war, was zu feinen Rissen zwischen Stein und Mörtel geführt hat. Das ist grundsätzlich noch kein direktes Problem, weil es bei einem zweischaligen Mauerwerk hinter dem Verblendmauerwerk immer eine Hinterlüftungsebene gibt, in welcher Feuchtigkeit abtrocknen kann.
Beim Kolumba-Museum wurde allerdings ein monolithisches Verbundmauerwerk aus den äußeren, sichtbaren Kolumba-Steinen und den inneren, tragenden Hochlochziegeln ausgeführt. Dadurch konnte das Mauerwerk nicht schnell genug die Feuchtigkeit abgeben, wie es sie aufgenommen hat, sodass diese bis nach Innen dringen konnte.
Das hatte eine sehr teure und aufwändige Sanierung zur Folge, in der die Risse händisch mit Feininjektionen geschlossen wurden. Die Ausführungsabteilung von HdM wird sich dieser sehr genau dokumentierten Problematik bewusst sein.
Selbstverständlich sind baukonstruktive Fehler, die bei noch unerprobten und neuen Materialien und Konstruktionen nahezu unvermeidbar sind und zu teilweisen horrenden Kosten führen unfassbar ärgerlich. Dennoch bin ich froh, wenn kontinuierlich baukonstruktive Pionierarbeit geleistet wird, aus welcher neue Fassadenmaterialien wie dem Kolumba-Stein oder gar neue Konstruktionsarten wie dem CLT-Brettsperrholz beim mehrgeschossigen Holzbau entstehen. Und für das Kulturforum kann man sich durchaus eine aufwändigere Fassade leisten.
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PRohdan Deine Ausführungen ändern nichts daran, dass die Ursache von all diesen Scherereien ästhetische Erwägungen waren. Dem tragenden Material hat man eine schmückende Schicht vorgeblendet, wie es ja auch seit Jahrtausenden Tradition ist.
Dass dabei etwas schiefgegangen ist, hätte meinerseits keinen spöttischen Kommentar provoziert, wenn es aus dem Mainstream des Architekturbetriebs nicht immer hieße:
- Architektur müsse sich ehrlich machen.
- Stuck oder gar rekonstruierte Fassaden auf Stahlbeton seien Fake.
- Architektur müsse funktional sein.
- Das Äußere müsse das Innere sichtbar machen.
Eine vorgeblendete Deko-Fassade aus Ziegel steht für mich philosophisch auf einer Stufe mit einer neoklassischen Stuckfassade, nur geschmacklich kann man vielleicht sagen, das eine oder andere gefalle besser. Es wird aber immer gesagt: wir brauchen moderne, fortschrittliche, funktionale Architektur und das wird dann unerbittlich mit einem bestimmten "Geschmackskorridor" verbunden und moralisch angestrichen.
Herrzog & de Meuron gewannen mit ihrem Museumsentwurf einen großen Wettbewerb, obwohl sie auch nur Altbekanntes nachahmen, aber niemand nennt das retro, rückwärtsgewandt oder wie auch immer. Diese ständige Doppelmoral nervt mich einfach.
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