Kulturforum

  • ^^ Das ist nicht wenig.

    Eine der größten Herausforderungen der Planung war, zwischen solch ikonischen Gebäuden der Architektur wie Philharmonie, Staatsbibliothek und neuer Nationalgalerie einen Baukörper zu setzen, der sich selbstbewusst und dennoch nicht aufdringlich präsentiert. Dann auf diesen Archetypus zu setzen halte ich für eine großartige Idee. Ob es dann gelingt hängt aber von mehr ab, als der groben Form eines Satteldaches. Nach der Enttäuschung am Tacheles, wo HdM meiner Meinung nach schließlich in der Detailierung versagt haben, warte ich hier lieber noch ab.

  • ^^ Ich muss wirklich sagen, dass ich mich immer weiter davon entferne, keinen großen architektonischen Mehrwert in dem Gebäude zu sehen. Ich glaube, selten bin ich Schritt für Schritt immer wärmer mit einem Entwurf geworden, den ich anfangs nicht mochte – jetzt würde ich mich sogar langsam als Fan bezeichnen.

    Das abgeflachte Spitzdach, die Öffnungen, die Offenheit per se, das reduzierte Design (die „Supermarkt-Form“) – ist halt Mid-Century-Modernismus pur! Eigentlich ziemlich passen für das neue Museum der MODERNE, oder?

  • ^ gute Entscheidung klangraum.

    Auch ich behalte mir ein Urteil vor. Dennoch neige ich den Skeptikern zu.

    Ich finde es nicht gut und sowieso nicht Ressourcen schonend, dass man alles unsichtbar verbuddelt und den Stadtraum von der Investition kaum profitieren lässt. Es wäre schlicht viel mehr möglich gewesen - mit mehr Mut.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Wem es hier nicht gefällt, der kann doch zur Museumsinsel gehen.

    Genau das passiert ja auch. Zu den unterdurchschnittlichen Besucherzahlen des Kulturforums hatte ich hier bereits Zahlen zusammengetragen. Alle paar Jahrzehnte baut man ein neues Haus nach den gleichen Kriterien dorthin und hofft, dass dies nun der große Befreiungsschlag wird.

    Zum Vergleich: Die Angebote des Humboldtforums haben 1,7 Mio. Besucher, das Stadtschloss als Gebäude hat 3,3 Mio. Besucher. Kann man sich ein ähnliches Verhältnis für den neuen Museumsbau vorstellen?

    Nur mal so: Die Neue Nationalgalerie, als Ikone der Moderne, hat nach der Sanierung zuletzt 600.000 Ausstellungs-Besucher begrüßen können.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Der architektonische Benefit verbirgt sich im Inneren. Weil die Sohle so tief liegt, waren die Baukosten vergleichsweise hoch.

    Das kann man so ausdrücken.

    Berliner Stadtschloss

    Baukosten: 670 Millionen Euro

    Nutzfläche: 44.000 m²

    berlin modern

    Baukosten: 526 Millionen Euro (Stand 2025)

    Nutzfläche: 16.000 m²

  • ^ Ja geil. Wieviel Konzerte, Lesungen finden in den Höfen statt. Wieviel Unterabteilungen, wieviel eigenständige Museen etc befinden sich im Forum?

    Es macht doch keinen Sinn die Besucherzahlen schon jetzt zu vergleichen, obwohl das Museum noch nicht mal eröffnet wurde. Es ist wirklich zum Verzweifeln.

  • Am 18. und 19. Oktober kann man sich für 6€ über die Baustelle führen lassen. Hier gehts zu mehr Infos und zur Buchung der Zeitfenstertickets.

    Edit: Ah, das wurde schon von Merlin gepostet, habe ich beim Bilder-schauen wohl übersehen. Dann kann der Post hier weg.

    Einmal editiert, zuletzt von million (1. Oktober 2025 um 13:53)

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Es macht doch keinen Sinn die Besucherzahlen schon jetzt zu vergleichen, obwohl das Museum noch nicht mal eröffnet wurde.

    Da hast du mich nicht verstanden.

    Es ging einerseits um den zuvor gebrachten Vergleich zwischen Kulturforum und Museumsinsel, den ich noch um das Humboldtforum erweitert habe. Diesen Vergleich nach Besucherzahlen kann man sehr wohl ziehen, denn das Kulturforum gibt es ja schon seit Jahrzehnten. Mag sein, dass "berlin modern" der große Heilsbringer sein wird, der das Ruder endlich herumreißt, aber was spricht denn dafür?

    Andererseits ging es um das Kosten-Nutzen-Verhältnis des Neubaus. Wenn der teuerste Teil der Architektur darin besteht, sie unsichtbar zu machen, finde ich das bei dieser Bausumme schon fragwürdig. Ich will gar nicht sagen, dass das Haus dort nicht hinpassen wird und auch nicht, dass es besonders hässlich sein wird. Es wird den Ort schon aufwerten, sich integrieren und die Sammlung aufnehmen. Mehr nicht. Kaum jemand wird kommen, um das Gebäude selbst zu sehen. Das ist aber ein Mehrwert von Architektur, den ich persönlich bei dieser Bausumme erwarte.

  • Für mich ist das Ganze eine architektonische Enttäuschung. Es wirkt wie der neue Flagship Store von ALDI Süd bei der Eroberung des Nordens: Massig, beliebig, uninspiriert. Wird es dort Kunst im Sonderangebot geben? Wird man auch bei Nebel noch den Weg zur Gemäldegalerie finden?

    Hier geht es um fehlgeschlagene Selbstdarstellung, Konzeptlosigkeit und reine Masse. Mit einer architektonischen Aufwertung des Kulturforums hat das nichts zu tun, hierfür hätte man endlich die auch als Piazzetta bekannte Skateboardrampe abreißen müssen. Die Architekturikonen Philharmonie und Neue Nationalgalerie hätten in ihrer Mitte etwas Besseres verdient.

    Die einzige Hoffnung bleibt, dass gute Ausstellungen die schlechte Architektur überdecken werden.

    Einmal editiert, zuletzt von Der Kritiker (1. Oktober 2025 um 15:36)

  • ^^ Ich hab dich schon richtig verstanden.

    Du vergleichst aber ein Ist-Wert Humboldt Forum und dem noch nicht eröffneten Museum der Moderne. Das kann keine Grundlage sein.

    Und warum ein Museum grundsätzlich ein sichtbares Bauwerk sein muss, leuchtet ja auch nicht ein. Zumal es da ganz hervorragende Beispiele gibt, wie das Amos Rex in Helsinki oder die unterirdische Erweiterung des Reijksmuseum in Amsterdam. Wichtig sind doch die Ausstellungsräume.

  • Man kann den Baukörper nicht getrennt von den Sammlungen betrachten, die dort einziehen werden.

    Die Funktion des Gebäudes ist es, dass die Sammlungen angemessen präsentiert werden können. Das kann man meiner Ansicht nach jetzt noch gar nicht beurteilen, wie gut dies gelingt.

    Allerdings will ich betonen, dass die Sammlungen so interessant und reich bestückt sind, dass sie keinen Baukörper benötigen, der selbst nach Aufmerksamkeit strebt und womöglich in Konkurrenz zur Sammlung tritt.

    Zudem muss sich das Gebäude in die Umgebung einfügen, darf die Neue Nationalgalerie nicht dominieren oder die Berliner Philharmonie in ihrer Wirkung nicht beeinträchtigen. Auch das "Einfügen" will ich abwarten, bis das Gebäude mitsamt der Sammlungen eröffnet wurde.

    Den Baukörper auf "Aldi" oder "Lidl" zu reduzieren allerdings sagt dann etwas über den Horizont desjenigen aus, der diese Form auf die Discounterfilialen reduziert. Diese Form eines Baukörpers ist aber viel älter, es ist eine Urform von Gebäuden.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Du vergleichst aber ein Ist-Wert Humboldt Forum und dem noch nicht eröffneten Museum der Moderne.

    Klar, in Bezug auf Baukosten und Fläche. Warum auch nicht?

    Bei den Besucherzahlen vergleiche ich lediglich den Ist-Wert Kulturforum mit seinen zahlreichen und hervorragenden Institutionen mit den Ist-Werten von Museumsinsel und Humboldtforum.

    Die große Frage ist nun, ob sich die Besucherzahlen in der Zukunft annähern könnten. Was also wird das "berlin modern" anders machen als die weitgehend gescheiterten Nachbarn? Und da ziehe ich den Schluss: nichts.

    Zu deinen Beispielen: Das Amox Rex hat eine durchaus spektakuläre, zumindest künstlerische Architektur und das Reijksmuseum wirst du hoffentlich nicht als unscheinbaren Bau bezeichnen. Dort gibt es meines Wissens nur eine kleine unterirdische Passage, im Wesentlichen hat man zuletzt den ursprünglichen, überaus prächtigen Ursprungsentwurf (auch im Inneren) rekonstruiert und durch moderne Zutaten ergänzt.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Allerdings will ich betonen, dass die Sammlungen so interessant und reich bestückt sind, dass sie keinen Baukörper benötigen, der selbst nach Aufmerksamkeit strebt und womöglich in Konkurrenz zur Sammlung tritt.

    Damit kann ich gar nichts anfangen. Wie könnte die äußere Fassade in Konkurrenz zu den Werken im Inneren der modernen Ausstellungsräume treten? Und hast du persönlich Schwierigkeiten mit dem Kunstgenuss im Louvre, im Bodemuseum, in der Dresdner Gemäldegalerie oder gar in den Vatikanischen Museen?

    Nein, ich finde, ein Bauwerk dieser Bedeutung sollte selbst ein Kunstwerk sein und sich gleichzeitig in die Umgebung einfügen. Stand Jetzt gelingt dem de Meuron bestenfalls letzteres und das finde ich eben schade. Für eine reine Verwahranstalt ist mir die Bausumme einfach zu hoch.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Die Funktion des Gebäudes ist es, dass die Sammlungen angemessen präsentiert werden können.

    Folgt man dieser Logik, wären Standort und architektonische Gestaltung irrelevant. Der Anspruch und auch die Kosten scheinen mir hier aber in eine andere Richtung zu gehen, sonst hätte man ja auch eine Bestandsimmobilie umfunktionieren könne. Gibt da in Berlin so einiges: Flughafen Tempelhof, ICC, Galeries Lafayette etc.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Besucherzahlen in der Zukunft annähern könnten. Was also wird das "berlin modern" anders machen als die weitgehend gescheiterten Nachbarn? Und da ziehe ich den Schluss: nichts.


    Zu deinen Beispielen: Das Amox Rex hat eine durchaus spektakuläre, zumindest künstlerische

    Ich versteh immer noch nicht worauf Du hinaus willst. Du vergleichst die Besucherzahlen der Museumsinsel plus Humboldt Forum mit dem Kulturforum ohne Museum der Moderne. Das kann man nicht machen. Das ist Nonsense.

    Des Weiteren möchtest du in die Zukunft schauen und weißt ganz genau wie sich das Kulturforum entwickelt. Glaskugel?

    Was möchtest du also, einen Patzschke zwischen NN und Kammersaal? Erklären es mir bitte. Die Parameter für den Neubau sind ja bekannt.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Damit kann ich gar nichts anfangen. Wie könnte die äußere Fassade in Konkurrenz zu den Werken im Inneren der modernen Ausstellungsräume treten? Und hast du persönlich Schwierigkeiten mit dem Kunstgenuss im Louvre, im Bodemuseum, in der Dresdner Gemäldegalerie oder gar in den Vatikanischen Museen?

    Nein, ich finde, ein Bauwerk dieser Bedeutung sollte selbst ein Kunstwerk sein und sich gleichzeitig in die Umgebung einfügen. Stand Jetzt gelingt dem de Meuron bestenfalls letzteres und das finde ich eben schade. Für eine reine Verwahranstalt ist mir die Bausumme einfach zu hoch.

    Architektur ist ja mehr als die Fassade. Geht es Dir jetzt um die Fassade? Da warte ich mal ab bis diese fertig ist. Es hängt sehr davon ab wie der verwendete Stein wirken wird. Ich fürchte, dass die letzten Veränderungen gegenüber der ursprünglichen Planung, die im Auswhalverfahren gewonnen hatte, keine Verbesserung darstellen. Aber abwarten.

    Die Baukosten jedoch haben wenig mit der Fassade zu tun. Sie begründen sich in der Entscheidung mit einem Großteil der Ausstellungsfläche in die Tiefe zu gehen. Ich finde diese Entscheidung ist nachvollziehbar, weil im Vergleich zu den anderen Wettbewerbsentwürfen so das Einfügen in die Umgebung am besten gelingt, meiner Ansicht nach.

    Der Baukörper mit dem Giebeldach und seiner Schlichtheit passt inhaltlich gut zur Sammlung. Es ist ja eine Sammlung der Moderne und keine Sammlung der Romatik oder des Impressionismus, wie z. B. bei der Alten Nationalgalerie, bei der die gezeigten Werke gut mit dem Ausstellungsgebäude harmonieren. Da die Sammlung der Moderne einen anderen Charakter hat, so finde ich es angemessen, dass auch das Museumsgebäude an einen anderen Charakter bekommt, einen der zur Sammlung passt. Ich bin darauf gespannt wie weit das gelingen wird.

    Den Renderings und aktuellen Baustellenansichten nach, wird die Seite zur Philharmonie ganz gut werden, offen und großzügig mit dem Raum davor harmonieren. Zumindest hoffe ich das.

    Die Einfassung der Plantane zur Piazetta hin wird auch interessant. Schön finde ich auch, dass der Baukörper mit der Höhe die benachbarte Kirche St. Matthäus nicht erdrückt und vom verwendeten Stein her hoffentlich gut harmoniert.

    Die Seite zur Neuen Nationalgalerie wird schwieriger, hier bin ich weniger optimistisch und zur Potsdamer Straße hin geht es mir ähnlich und hoffe, dass das Gebäude auf dieser Seite nicht verschlossen und abweisend wirken wird, bis hin zu wandartig.

    Aber abwarten.

    Das wichtigste aber sind die Innenräume zur Präsentation der Sammlung der Moderne. Das bedeutet Großformate wie z. B. von Barnett Newmans 'Who’s Afraid of Red, Yellow and Blue IV', der Zyklus 'Birkenau' von Gerhard Richter, der Fries für die Kammerspiel von Max Reinhard von Edvard Munch oder Skupturen wie 'Capricorn' von Max Ernst müssen angemessen präsentiert werden. Dabei konservatorisch bewahrt, das heisst klimatisch und bez. der UV-Strahlen gut aufgehoben sein.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Du vergleichst die Besucherzahlen der Museumsinsel plus Humboldt Forum mit dem Kulturforum ohne Museum der Moderne.

    Das habe ich nicht gemacht. Lesen, verstehen, dann kommentieren. Die Zahlen habe ich einzeln aufgeschlüsselt genannt. Zur Zeit haben alle Museen und Ausstellungen auf dem Kulturforum sowie die Philharmonie zusammengerechnet weniger Besucher als das erst wenige Jahre alte Humboldtforum. Dessen Sammlung hatte zuvor nur ein paar zehntausend Besucher. Dass viel mehr Menschen das Haus besuchen als die Ausstellungen, zeigt, dass die Architektur eine eigene Anziehungskraft hat, von der aber auch die Wahrnehmung der Sammlungen und Angebote profitiert. Ganz ähnlich funktionieren auch andere große Museen dieser Größenordnung. Mir fällt keines ein, dessen Sammlung vom Understatement des Gebäudes profitiert.

    Ich habe auch nicht behauptet, in die Zukunft schauen zu können. Vielmehr habe ich gefragt: was bringt das Gebäude mit, um die Menschen neugierig zu machen, um sich ins Bildgedächtnis einzugraben? Was begründet die Hoffnung, dass dieses Haus besser angenommen wird als die Häuser im Umfeld?

    Den Eindruck, dass es nicht stören wird, teile ich ja und das muss nicht nochmal im Detail ausgeführt werden, Dunning-Kruger. Und ja, das ist durchaus auch schon eine Leistung. Vielleicht wäre ein anderer Ort für die benötigte Geschossfläche tatsächlich besser gewesen.

    Das 20. Jahrhundert war so schrill wie kaum eines zuvor, "Schlichtheit" ist nur eine der Strömungen, daher legt die Kunst dieser Epoche den Bau auf keinen Stil fest und keiner ist besonders naheliegend. Dass Ausstellungsorganisation und konservatorischer Schutz funktionieren müssen, ist selbstverständlich und unabhängig vom architektonischen Ausdruck. In der schlichten Neuen Nationalgalerie, die ja ursprünglich als Unternehmenssitz für Barcadi im kubanischen Dschungel entworfen wurde, ist beides sehr schwierig. Aber der Museumsbetrieb geht doch irgendwie über die Bühne und von den immerhin 600.000 Besuchern kommen sicher auch einige, weil sie durch das ikonische Haus angezogen werden. Das Haus macht Werbung für die Sammlung. Überall auf der Welt folgen Museumsbauten, aber auch Oprn usw. diesem Prinzip, repräsentativ, herausgehoben, interessant zu sein. Letztlich ist das auch eine Würdigung des Inhalts. Understatement für eine halbe Milliarde, das passt für mich einfach nicht. Ich will sehen, dass hier etwas Besonderes steht, was richtig wertvoll ist. Etwas, nebenbei bemerkt, das auch außerhalb der Öffnungszeiten besuchenswert ist. Ein teures Wegducken ist vielleicht dem Ort angemessen, aber weder gegenüber der Sammlung noch der Bausumme.

  • Damit werden mE dennoch Äpfel mit Birnen verglichen: Die Museumsinsel war seinerzeit ein noch viel ambitionierteres Projekt als später das Kulturforum, der Standort ist noch zentraler und prominenter sowie besser erschlossen und auch städtebaulich besser eingebettet. Dazu sind sie UNESCO-Weltkulturerbe, was zumal bei kulturaffinen Menschen ohnehin zusätzliche Aufmerksamkeit zieht. Von den Sammlungen ganz zu schweigen. Wie hieß es früher oft so schön: Nofretete als berühmteste und attraktivste Berlinerin?

    Das Humboldtforum fügt sich dort wunderbar ein, äußerlich wie innerlich - profitiert aber enorm von dem etablierten Standort. Hinzu kam dort noch der Status als Prestigeprojekt: Es war inhaltlich DAS nationale Vorzeigeprojekt, es gab sehr großzügige Budgets, viel Werbung, zeitweise kostenlosen Eintritt, viel begleitendes Kulturprogramm. Auch die Angebote für Schulklassen sind mE top (selbst ausprobiert: da kommen für relativ wenig Geld internationale Forscher mit den Kindern zusammen und stellen eine persönliche Vermittlung zu spannenden Exponaten her). Wenn das der Anspruch sein soll, dann wird diesen in Berlin unter den heutigen Voraussetzungen niemand erfüllen können.

    Das Kulturforum als Alternativkonzept hat mE auch tolle Ansätze, es krankt mE trotzdem als Standort an einer ganzen Reihe von Problemen/ Herausforderungen. Das ist mE aber vom äußeren Rahmen her mehr eine städtebauliche Problematik als dass es schlechter Architektur läge oder gar daran, dass moderne Architektur generell nicht ziehen könnte (das Gegenteil ist mehrfach belegt).

    Hinzu kommt aber noch, dass es auch vom Inhalt her im direkten Vergleich eher einen elitären Kulturgeschmack anspricht und somit eine deutlich kleinere Klientel bedient. Auch ich muss mich schuldig bekennen: Trotz der relativ frischen Eröffnung des Humboldtforums war ich dort öfter gezielt mit Schülergruppe als in all den Jahren davor am Kulturforum (obwohl die Kinder den Potsdamer Platz sogar recht attraktiv finden).

    Beim Museum der Moderne erwarte ich ehrlich gesagt auch nicht zwingend Besuchermassen, wobei es ähnlich wie MoMA oder Centre Pompidou schon eine gewisse Strahlkraft entwickelt könnte (vielleicht zunächst einmal für sehr kunst- und kulturinteressierte Menschen und dann im zweiten Schritt bei der etwas breiteren Masse). Und auch da ist viel abhängig vom Marketing: Die MoMA-Leihausstellung "Die schönsten Franzosen kommen aus New York" hat damals für riesige Schlangen (und dadurch mE auch einen Imagegewinn für die gesamte Stadt) gesorgt. Man muss es eben richtig aufziehen.

    Und klar verstehe ich die Vorstellung, dass man eine gute halbe Milliarde auch im Bau sehen und diesen als optischen Anker fungieren haben will. Nur finde ich es in diesem Fall inhaltlich schlau aber optisch-städtebaulich kompliziert/komplex, noch so einen riesigen Bau auf das Kulturforum zu setzen.

    Inhaltlich schlau, weil es einfach immer mehr zum modernen Gegenentwurf der Museumsinsel wird und in Summe auch zunehmend eine kritische Masse erreichen könnte. Der Standort muss sich einbrennen.

    Optisch anspruchsvoll und komplex ist es, weil wir da kein harmonisch aufeinander abgestimmtes Gesamt-Ensemble wie bei Museumsinsel, Gendarmenmarkt (oder in modern beim Potsdamer Platz) haben. Da hätte man auch viel falsch machen können (und auch ein Alternativstandort hätte ja dem Kulturforum nicht genützt - ganz im Gegenteil).

    Wie nun mehrfach zu lesen war, wurde diese Aufgabe im Grunde hervorragend gelöst. Ich selbst muss nach jetzigem Stand zunehmend meine Worte schlucken (vorbehaltlich der Außengestaltung): Die Kubatur an sich wirkt nicht billig oder wie ein aufgeblasener Discounter, sondern funktioniert optisch gut und fügt sich sogar richtig elegant ein. Die zurückfallenden Schrägen des Satteldachs und das Versenken von Volumina waren tatsächlich ein geschickter Kniff, auch wenn es mir auf den Visualisierungen nie überzeugend vorkam.

    Trotzdem versteckt sich der Bau ja nicht. Er wird ja erst noch gestaltet und auch medial bespielt (ähnlich wie das Foyer des Humboldtforums - nur hier eben sogar außen, was bei historischen Fassaden so gar nicht ginge - da wird ja schon über dezent gestaltete Werbeplanen geschimpft). Alleine das wird mE etwas von dem vermeintlich fehlenden "Bling bling" bringen.

    Und bau der Neuen Nationalgalerie beschwert sich doch auch niemand, dass es einen oberirdischen Schaubau und eine unterirdische Ausstellung gibt. Zumal man so die Kunstwerke besser schützen kann.

    Erstmals überhaupt verspüre ich nun so etwas wie Neugier und Vorfreude bei diesem Projekt, bei dem ich zuerst sogar zu den schärfsten Kritikern gezählt hatte. Ich hoffe daher sehr, dass nach der Kubatur auch der ebenso wichtige Feinschliff sitzen wird. Dann wird das durchaus eine neue Attraktion und vielleicht ja sogar die Rettung oder zumindest ein Rettungsanker für das Kulturforum, das sich bisher einfach noch weit unter Wert verkauft.

  • Die Giebelseite zum Kammermusiksaal wurde für kurze Zeit vom Baugerüst befreit.

    Es ist und bleibt ein sehr spannendes Gebäude. Gerade durch die archaische Form, die die Feinheiten des Inneren mit seiner Einfachheit versteckt und normalisiert.

    meinebilder

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Eine der größten Herausforderungen der Planung war, zwischen solch ikonischen Gebäuden der Architektur wie Philharmonie, Staatsbibliothek und neuer Nationalgalerie einen Baukörper zu setzen, der sich selbstbewusst und dennoch nicht aufdringlich präsentiert. Dann auf diesen Archetypus zu setzen halte ich für eine großartige Idee

    Dekoratives Anführungszeichen

    Es ist und bleibt ein sehr spannendes Gebäude. Gerade durch die archaische Form, die die Feinheiten des Inneren mit seiner Einfachheit versteckt


    Man wollte ein gravitatives Kraftzentrum für das Kulturforum, zudem gab es die Richtungsentscheidung, dass dieses neue zentrale Haus die anderen Bauten nicht übertrumpft, sondern sich buchstäblich in die Erde eingräbt. Eine fast widersprüchliche Aufgabenstellung, die meines Erachtens HdM mit ihrem Gewinnerentwurf meisterlich lösten. Der archaische Bautypus überzogen mit dicken Backsteinen bis übers Dach, welches Nachts lichtfunkelnd erstrahlt hätte. Massige Tore zu allen Seiten als wolle das Gebilde sagen, hereinspaziert in den Kunststall… - bei soviel archaischen Mut und auch entwürflicher Überzeugungsstärke musste ich fast an Peter Zumthors nie (fertig) gebauter Topographie des Terrors denken.

    Nach der ersten Überarbeitung wurde das Gebäude zwar realistischer, behielt aber dennoch seine Stärken.

    Doch das Unglück kam mit der dritten Überarbeitung, wobei eine Grünenpolitikerin auf Egotrip und ein allzu willfähiger Architekt die Stärken des Entwurfs und damit auch sein Ethos als Architekt auf den Altar der Politischen Korrektheit opferte. Sämtliche Prägnanz des Entwurfs ist verschwunden. Die Tore sind weg, dafür kommt man nun durch eine Art Unterschlupf über der Potsdamer Straße in das Gebäude – Kommunikation rüber zur StaBi – Fehlanzeige! Es kommt sogar noch Gebüsch davor, dass man noch weniger vom Bauwerk sieht. Das Dach, welches man von überall her wahrnimmt und welches bei dieser Gebäudehöhe in dieser Zentralität die eigentliche dritte Fassade des Baus darstellt bekommt nun schnöde Photovoltaik draufgepappt. Gerade die Anmut des Klinkers über die Dachschrägen hätte Zentrierung und Vermittlung im Kulturforum erzeugt.

    Dass diese Bauform in unserem Breitengrad Assoziationen mit Aldi, Lidl oder einem Bierzelt erzeugt ist erstmal kein Problem, solange die Architektur dieser Bauform sich deutlich von diesen Assoziationen abhebt. Dass wir hier kein Bilbao und auch kein Tate Modern (Berlin Modern) erhalten sollte spätestens nach der zweiten Überarbeitung klar sein. Das Gebäude wird im Inneren sicher seine Stärken ausspielen, im Außen wird es nach meiner Einschätzung mit der blassen Fassade maximal die Fortführung der unseligen Gutbrod-Bauten in das Zentrum des Kulturforums hinein darstellen. Denkt man sich jetzt anstatt Katharina Sieverdings Kunstwerk am Haupteingang ein Werbebanner von Paulaner oder Spaten Bräu, so könnte die Assoziation Bierzelt nicht nur bei manchem Bayern aufkommen.

    Zumindest können wir Berliner prahlen, dass wir das Museum mit den niedrigsten Heizkosten gebaut haben. Dass man auf Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit bei einem Neubau setzt sollte keine Besonderheit darstellen, dafür allerdings die entscheidenden Kriterien für den Wettbewerbssieg zu opfern halte ich einen Skandal. Dann hätte man lieber einen anderen Entwurf ausgewählt, mit dem man diese Kriterien einfacher hätte umsetzen können.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Das Gebäude wird im Inneren sicher seine Stärken ausspielen, im Außen wird es nach meiner Einschätzung mit der blassen Fassade maximal die Fortführung der unseligen Gutbrod-Bauten in das Zentrum des Kulturforums hinein darstellen.

    Wenn das Gebäude nach Fertigstellung (die man natürlich erstmal abwarten sollte) zu uninspiriert, langweilig erscheint, könnte man davor, entlang der Fassaden, doch noch einige große, wirklich herausragende Skulpturen moderner Kunst platzieren.

    Zur Bereicherung des Forums und um Interesse am Inneren zu wecken.

    Nebenbei wäre es sicher auch niveauvoller als alle Seiten nur mit großflächigen Werbebannern zu überfrachten.