Kulturforum

  • Braunfels Vorschläge das Kulturforum betreffend fand ich alle besser als die Scheune, schon allein, weil er sich Mühe gibt, einen neuen städtischen Rahmen zu schaffen, der diese verödete Ecke tatsächlich etwas beleben könnte. Der Platz wirkt auch besser, wenn die einzelnen Ikonen atmen können. Die Planung von de Meuren nimmt sich zuviel Raum und wirkt auf mich auch formsprachlich absout bider und konservativ, eigtl. eher zu München oder Stuttgart passend, als zu Berlin. Warum diese optische schwere? Warum nicht etwas leichteres, moderneres?


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    Änderung von 2017

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  • Diese mit nichts und niemandem abgestimmten städtebaulichen Vorentwürfe, die zudem die gerade noch in Bau befindliche Freiraumgestaltung negieren, mit einer detailierten Bauplanung zu vergleichen, der kurz vor dem Baubeginn steht, führt zu nichts, außer, dass die Zeitungen was zu schreiben haben.


    Die Sichtachse zwischen Nationalgalerie und Philharmonie ist doch nie Thema gewesen, oder steht die auf irgendeiner Liste der berühmtesten Aussichten. Meinetwegen, dann fällt die weg, dafür ergeben sich neue. Mies van der Rohe hat einen Solitär errichtet, der diese Sichtachse selbst nicht beachtet und braucht. Die Sichtachse ist ein Zufallsprodukt, das der Unvollständigkeit des Kulturforums geschuldet ist.


    Das ist also m.E. ein reichlich konstruiertes Problem.

  • Du magst es aus dem fernen Gummersbach nicht mitbekommen haben, aber die Braunfels-Entwürfe dürften älter sein als die aktuell im Bau befindliche "Freiraumgestaltung".


    Und seit wann ist es einem Architekten verboten, seine gestalterischen Visionen für einen solchen Unort der Allgemeinheit kundzutun?


    Du hast doch auch zu allem hier eine Meinung und teilst sie hier jedem (gefühlt) im Minutentakt mit ;-)


    Ich bin alles andere als ein Fan von Braunfels Sichtbetonburgen. Insbesondere das Paul-Löbe-Haus empfinde ich am Platz der Republik als gruselig. Seine Ideen, das Kulturforum architektonisch neu zu fassen, sehe ich aber als durchaus gelungen an.

  • ^ Jetzt frag ich mich aber schon, wo denn die Lebendigkeit angesichts der 2017er Visualisierung herkommen soll? Dieser Enrwurf zementiert. M nach den Status Qou.

  • Finde ich auch. Der erste Entwurf gefällt mir städtebaulich mit dem Kreisel und den zusätzlichen, Struktur schaffenden Bauten sehr gut (nur was ist das treppenartige Gebäude anstelle des jetzt geplanten Museums? Da gewinnt Herzog de Meuron ganz klar).


    Im Vergleich zum zweiten Bild bin ich dann doch froh, dass es so nicht kommen wird - alleine schon weil die Matthäikirche für alle Ewigkeit verloren rumstehen würde.


    Marco

  • "BER der Museumslandschaft"


    In der heutigen Online-Ausgabe der FAZ hat Niklas Maak einen Angriff auf die Pläne für das Museum der Moderne gestartet. Zwar hat das Ganze kampagnenartige Züge (der Artikel ist z.Z. sehr prominent an erster Stelle gesetzt, schon gestern hatte sein Kollege Nikolaus Bernau den Bau als "Skandal" bezeichnen können); zwar ist noch unvergessen, wie die gleiche FAZ eine (erfolgreiche) Kampagne gegen die Überführung der Gemäldesammlung in einen Neubau auf der Museumsinsel betrieben hat, was mit dazu beitrug, dass diese reizvolle Idee fallen gelassen wurde.


    Dessen ungeachtet ist der Artikel von Maak gegen ein "BER der Museumslandschaft" sehr kraftvoll, weil er nicht nur rhetorisch glänzend geschrieben, sondern auch sehr gut argumentiert ist. Maak kritisiert dabei wohlgemerkt nicht die Architektur der "Scheune", schon gar nicht die Architekten, sondern den Standort, der zum teuren und aufwändigen Bauen in die Tiefe zwinge, den eigentlichen städtebaulichen Sündenfall, die "Zersäbelung" des Kulturforums durch die breite Autoschneise, aber unangetastet lasse und die Möglichkeit einer "freien Piazza" zerstöre. Stattdessen plädiert er für einen günstigeren und stadtreparierenden Bau an der Sigismundstraße hinter Mies van der Rohes Nationalgalerie.


    Ob dieses etwas unscheinbar gelegene und relativ kleine Grundstück geeignet ist, scheint mir zwar fraglich; auch hat Maak keine Argumente gegen den "angeblich" drohenden Verlust von milliardenschweren Kunstsammlungen, falls das Museum jetzt nicht gebaut würde. Aber zurecht weist er auf den geringen Ausstellungsetat, den sich über ein Dutzend Berliner Museen schon jetzt teilen müssten, sowie die sehr geringen Gehälter überqualifizierter MitarbeiterInnen und kommt zum Schluss, dass das Geld für einen solch finanzaufwändigen Bau (mit Gefahr der Kostenexplosion) gar nicht da sei.

  • ^ Dass - wie du schreibst - Maak keine Argumente gegen den "angeblich" drohenden Verlust von milliardenschweren Kunstsammlungen, falls das Museum jetzt nicht gebaut würde, hat, kann man so nicht stehen lassen; in einem (von mir unter #993 bereits verlinkten) FAZ-Artikel vom 22.09.2019 hat Maak genau diese bereits angeführt.


    Andererseits ließ der "Tagesspiegel" in einer Reihe von Gastbeiträgen (vom 04.11.2019, vom 08.11.2019 und vom 12.11.2019) Fürsprecher zu Wort kommen.


    So führt nun eben jeder seine Argumente an...

  • Das Geld ist da weil der Bund es bereitstellt. "Angeblich", jaja. Die Stifter haben es angekündigt. Eine Tatsache. Da gibt's nichts zu angeblichen. Weil das aber jede Gegenrede in diesem Stadium sinnlos macht muss man wohl von angeblich "angeblich" schreiben. Das ist schon unfreiwillig komisch.


    Letztlich greift der Autor zu jedem Strohhalm und mir vergeht die Lust auch die restlichen Punkte zu zerpflücken. Dass dem Autor bei all dem nichts handfesteres als Polemik eingefallen ist spricht eigentlich für das Projekt.

  • ^ Das "angeblich" stammt wohlgemerkt von Maak, nicht von mir. Und es bezieht sich auf die Frage, was geschieht, wenn das Museum jetzt nicht gebaut wird, ob dann die Sammlung immer noch zur Verfügung steht.


    ^^ Mit meiner Aussage, dass er keine Argumente gegen den drohenden Verlust der Sammlung habe, bezog ich mich (wie in meinem ganzen Beitrag) selbstredend auf den Artikel, den ich verlinkt habe, nicht auf das, was Maak sonst irgendwo geschrieben haben könnte. Daher kann man, eine minimale hermeneutische Wohlgesonnenheit vorausgesetzt, meine Aussage sehr wohl so "stehen lassen" (weil sie für den Artikel stimmt) und zugleich ergänzen. Und dann kann auch ich mich darüber freuen, dass Du auf einen Artikel verweist, wo Maak ein solches Argument vorlegt.

  • "BER der Museumslandschaft"


    In der heutigen Online-Ausgabe der FAZ hat Niklas Maak einen Angriff auf die Pläne für das Museum der Moderne gestartet.

    Wie lauten denn die anderen Kritikpunkte ? Durch die Bezahlschranke kann man den Artikel nicht lesen.


    (Falls Jemand den gesamten Text per PN schicken will wäre das auch sehr willkommen )


    :thumbup:

  • Da kam Niklas Maak mit seiner Kritik aber reichlich spät oder besser: zu spät. Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hat heute 364,2 Millionen Euro für den Neubau des Museums des 20. Jahrhunderts bewilligt.


    Die Pressemitteilung der Bundesregierung hier, die der Stiftung Preußischer Kulturbesitz hier.

  • Was ist denn das jetzt für ein Quatsch? Ich dachte das Ding sollte mindestens 480Mio. teuer werden, in letzten Berichten war gar von 600Mio. die Rede. Jetzt geben sie 364Mio. frei und reden euphimistisch davon, dass dies ein enger Kostenrahmen sein soll. Das kann doch nur zwei Dinge bedeuten:


    a) Der Entwurf wird massiv abgespeckt und verbilligt. (Wäre bei dem eh schon für seine Plumpheit kritisierten Gebäude wohl ein Fanal)

    b) Die 364Mio. sind politische Heuchelei, weil jeder weiß, dass es am Ende weit teurer wird, aber alle zu feige sind es dem Bürger zu sagen.


    Was ist es nun, a oder b?

  • ^ Weder noch. Abgestimmt wurde im Haushaltsausschuss über die 364,2 Millionen Euro als bewilligte Baukosten. Zudem gibt es aber eine Zusage des Finanzministeriums, Baukostensteigerungen von 52 Millionen und 34 Millionen Euro Risikokosten zu tragen. Das macht insgesamt 450,2 Millionen Euro.

  • Ich weiß eh nicht was das immer soll. So zu tun, als würde nur Berlin das "Geld hinterhergeschmissen".


    Die Sanierung der Stuttgarter Staatsoper wird mit knapp unter 1 Mrd. Euro beziffert, da bekommt man fast 2 Lindenopern dafür!


    Die sanierte Kölner Oper wird 570 Millionen kosten und erst 2022 fertig. Komisch aber, da kommt keiner und sagt "Na ditt is eben Köln!"

  • "Grüttoleum"

    ^.^


    Die mediale Entrüstung um Kostensteigerungen bei öffentlichen Bauten ist nur noch zum Gähnen.

    In demokratischen Systemen, wo die veröffentlichte Meinung inclusive politische Oppositionsarbeit jede Entscheidung zu Bauvorhaben kritisiert und bekämpft, MÜSSEN die Regierungsverantwortlichen die zu erwartenden Kosten anfangs Kleinrechnen, da sie sonst gar nicht die ersten Hürden in Entscheidergremien nehmen können.


    Wenn Deutschland eine Monarchie oder ein Wirtschaftsunternehmen mit einzelnem Geschäftsführer wäre könnte man Basta-Politik betreiben mit Top-Down Entscheidungen. Ist aber nicht so.


    Es ist nicht die Kostensteigerung, die systemimmanent ist. Es ist das erzwungene Runterrechnen der Baukosten vor Baustart was im politischen Prozedere vorherrscht.


    Ich finde das übrigens sehr richtig.