Potsdam: Wiederaufbau der Garnisonkirche

  • Alles, was den Potsamern und ihren Besuchern an markanten stadtbildprägenden Bauten wieder gegeben werden kann ist doch nur zu begrüßen. Das dies Geld kostet ist ebenfalls klar. Man kann doch aber hierbei nicht ständig mit dem Zeigefingereinwand kommen, ... "das braucht man nicht... oder dies und das wären viel wichtiger" ... Denn wenn es darum geht, braucht man städtebaulich fast nichts, Zelte und Trampelpfade würden auch reichen, wie man in vielen Gegenden der Welt ja sehen kann...Soviel zum Geld und dem Kosten-Nutzen-Verhältnis. Das andere Argument, das des Bürgerentscheides, ist gerade dann mit Vorsicht zu genießen, wenn nur eine verschwindende Minderheit sich zu Wort gemeldet hat und dies im Nachhinein als ... die Bürger haben entschieden... verkauft wird. Gerade bei solchen Entscheiden, ist die Dagegen-Fraktion immer mobilisiert und daher überproportional vertreten. Selbiges sieht man ja beim Bürgerentscheid in Friedrichshain gegen die Spreebebauung. Ständig lese ich hier, die Bürger haben entschieden und darum darf dies und jenes nicht gebaut werden. Weder Die Bürger und schon gar nicht Die Berliner haben hier entschieden, sondern eine kleine Aktivistengruppe "Gegenalles" hat sich durchgesetzt und ihren Willen nun allen anderen aufgezwungen, so dass entlang der Spree außer Wagenburgen, Clubkultur und Möhrchenparadiese fast nichts baulich möglich ist. Ich hoffe in Potsdam wird die Vernunft siegen und eines Tages die Glocken der Garnisonkirche wieder vom Turm Richtung Stadtschloss schlagen...

  • @nordklinker


    nur dass es sich bei der garnisonkirche nicht NUR um eine x-beliebige schöne stadtbild-prägende kirche handelt sondern um sagen wir es mal so, ein historisch vorbelastetes gemäuer geht. wenn dir die geschichte der ganisonkirche nicht auf anhieb präsent ist.. einfach mal nachlesen.

  • Was ist denn bitte an der Geschichte der Garnisionkirche "historisch vorbelastet"? Diese passt doch sehr gut zur gesamten Deutschen Geschichte, mit all' ihren Tief- und Höhepunkten, positiven und negativen Seiten. Wenn wir uns von allen "vorbelasteten" Gebäuden getrennt hätten wäre die sozialistische Wüstenei noch protosibirischer geworden.

  • Mir ist die Geschichte, und hier geht es um einen einzigen Tag der durchaus längeren Geschichte dieser Kirche, die ein gewisser aus Österreich stammender Irrer einmal betreten hat, sehr wohl bekannt. Wenn du das historisch belastet nennst und darum ein Wiederaufbau nicht gewünscht ist, muss man ganz Berlin abreißen, denn da hat sich besagter Herr wesentlich öfter aufgehalten.

  • Stimme aus dem Off: Herrlich mal wieder, das Demokratieverständnis der Heraldikliebhaber zu beobachten. Wenn 20 Hanseln in Berlin-Mitte gegen die Bebauung am Schinkelplatz demonstrieren, dann ist das natürlich eine relevante Größe, wenn sich nur ein geringer Anteil der Potsdamer am Bürgerhaushalt beteiligt, wird dagegen sofort die mangelnde Repräsentativität beklagt. Dass es den Nichtbeteiligten vermutlich schlicht schnurzpiepe ist, weil sie andere Prioritäten haben und dass der bedingungslose Reko-Liebhaber dann doch nur eine Minderheit darstellt, passt da natürlich nur schwer ins Weltbild.


    Im Übrigen wurde hier, sofern ich das richtig verstanden habe, nicht für ein Verbot der Reko, sondern für den Nichteinsatz städtischen Geldes gestimmt. Das nur zur Erinnerung. Eine wunderbare Gelegenheit, bürgerliches Engagement zu zeigen, anstatt reflexhaft nach Staatsgeldern zu rufen :)

  • Das irgendein Gebäude, dass schon über 200 Jahre stand bevor Hitler dort ein Theaterstück inszenierte, "historisch belastet" sein kann, ist der größte Unsinn der sich in die Diskussion um ein Für und Wider eingeschlichen hat. Leider ist der omnipräsent. Im Grunde versuchen diejenigen, die das Befürwortern vorhalten, zu unterstellen, sie würden die Bedeutung dieser Episode relativieren oder gleich der rechten Ecke angehören. Bei der Rekonstruktion geht es ausschließlich um den bau- und stadthistorischen Wert des Gebäudes. Wenn die Kirche einmal steht werden sich sicherlich etliche Möglichkeiten ergeben, vor Ort angemessen an das Geschehen zu erinnern. Jedenfalls besser und eindrücklicher als das jetzt der Fall sein könnte.


    Man will hier schließlich nicht die Reichskanzlei rekonstruieren obwohl die architektonisch wohl mindestens genauso interessant wäre. Darüberhinaus hat man sogar Nazi Bauten rekonstruiert, wie die Langemarckhalle oder den Glockenturm auf dem Reichssportfeld.

  • Stimme aus dem Off: Herrlich mal wieder, das Demokratieverständnis der Heraldikliebhaber zu beobachten. Wenn 20 Hanseln in Berlin-Mitte gegen die Bebauung am Schinkelplatz demonstrieren, dann ist das natürlich eine relevante Größe, wenn sich nur ein geringer Anteil der Potsdamer am Bürgerhaushalt beteiligt, wird dagegen sofort die mangelnde Repräsentativität beklagt.


    Ich wüsste nicht, DaseBln, dass ich mich zu der "Demonstration" von 20 Personen auf dem Schinkelplatz geäußert hätte. Aber grob nach Gehör schiessen ist auch einfacher als argumentieren.


    P.S. Der Garnisonkirchenvorschlag war von der der Stadt auf dem Platz 1. von 40 zur Abstimmung angeboten worden. Honi soit qui mal y pense.


    P.P.S. Der Vorschlag erhielt 8.072 Punkte, wobei jeder Abstimmungsberechtigte 1 bis 5 Punkte vergeben durfte. Es haben also 1.600 bis maximal 8.000 Leute dafür gestimmt - wahrscheinlich um die 2.500. Das ist kaum eine Bürgerbewegung.

  • @nordklinker


    ich wollte hier garnicht auf dieses spezielle ereignis und diese spezielle figur abheben. aber interessant dass du das gleich machst.
    für mich ist es eher die gesamte geschichte der kirche die ja auch in einigen kreisen explizit als symbol des preussischen militarismus gehandelt wird. von daher ist sie schon ein anderes kaliber als die nicolaikirche oder andere potsdamer kirchen. so sollten wir auch die frage des wiederaufbaus und die entscheidung darüber den potsdamern überlassen, findest du nicht? :-)

  • Dieser eine Tag ist aber generell das Argument. Dann wird sie eben "in einigen kreisen explizit als symbol des preussischen militarismus gehandelt"...Und weiter? In anderen Kreisen nicht...Diese Kreise sähen wohl auch das Schloss auf der Pfaueninsel als militaristisch, einfach weil es preußisch ist. Und wenn die Potsdamer sich für die Kirche einscheiden, wär der angebliche militaristische Charakter nicht mehr von Bedeutung bzw. verschwunden? Interessante Logik...
    Was gibt ihr denn diesen milit. Charakter? Weils eine Kirche für Soldaten war? Wieso hätten sie nicht eine eigene Kirche bekommen sollen? Haben Feuerwehrwachen doch auch...Sie haben sicher kein freies Wochenende oder Urlaub bekommen, um den Gottesdienst in ihrer Heimatstadt zu besuchen. Dort wurden ja schließlich keine Kriege geplant. Es gibt keine Langen Kerls o.ä. mehr, die einer neuen Gemeinde (falls überhaupt eine vorgesehen ist) wieder einen "militaristischen" Charakter verleihen könnten. Sie war ja nicht mal gefallenen Soldaten gewidmet...Und wenn schon, in anderen Kirchen gibt es auch Gedenksteine für gefallene Gemeindemitglieder (in welchem Krieg auch immer), es gibt Kapellen auf ehem. Schlachtfeldern und die Bundeswehr hat schließlich seit ein paar Jahren auch so ein Denkmal. Ja ja, die Bundeswehr ist nicht die preußische Armee. Wie denn auch? Es gibt ja kein Preußen mehr...

    Einmal editiert, zuletzt von Ben ()

  • Ich finde die Bewertung von Bauwerken aufgrund eines einmaligen oder temporären Missbrauchs durch Diktaturen o. ä. eher albern. Was kann denn das Bauwerk dafür?


    Olympiastadion, Rohwedderhaus oder Flughafen Tempelhof werden/wurden trotz ihre Nazi-Vergangenheit genutzt und z. T. aufwändig restauriert bzw. modernisiert. Dazu gibt es noch unzählige weiter Beispiele.


    Im Neuen Palais hat Kaiser Wilhelm II. die Kriegserklärung zum 1. Weltkrieg unterzeichnet. Die Nazis sind durchs Brandenburger Tor marschiert. Soll man diese Bauten deswegen abreißen oder ächten?


    Die Garnisonkirche war eine stadtbildprägende barocke Kirche in Potsdam. Trotz des Tages von Potsdam spricht für mich aus ideologischen Gründen absolut nichts gegen einen Wiederaufbau.


    Ob man dafür Geld ausgeben will, ist etwas anderes. Und dass dies die Potsdamer Bürger entscheiden sollen - absolut einverstanden.

  • Ich finde die Bewertung von Bauwerken aufgrund eines einmaligen oder temporären Missbrauchs durch Diktaturen o. ä. eher albern. Was kann denn das Bauwerk dafür?


    Das sehe ich auch so.

    Zitat

    Olympiastadion, Rohwedderhaus oder Flughafen Tempelhof werden/wurden trotz ihre Nazi-Vergangenheit genutzt und z. T. aufwändig restauriert bzw. modernisiert. Dazu gibt es noch unzählige weiter Beispiele.


    Wobei die hier aufgezählten Bauwerke eher aufgrund des damaligen Bedarfs erhalten wurden.


    Vielleicht sollten die Wiederaufbaupläne erstmal noch etwas mehr reifen bevor man wieder Mittel in den Bürgerhaushalt einbringen will. 2 Jahre sollten dafür eigentlich genug sein damit Fördergesellschaft und Stiftung sich über Gestaltungsfragen einig werden.

  • nur dass es sich bei der garnisonkirche nicht NUR um eine x-beliebige schöne stadtbild-prägende kirche handelt sondern um sagen wir es mal so, ein historisch vorbelastetes gemäuer geht. wenn dir die geschichte der ganisonkirche nicht auf anhieb präsent ist.. einfach mal nachlesen.


    Die Kirche stand für ca. 233 Jahre (umgerechnet also in etwa 85.000 Tage). Warum jetzt gerade der "Tag von Potsdam" als der eine Tag herausstechen soll, der die Zukunft dieses Bauwerks entscheidet, erschließt sich mir nicht wirklich.


    Dass die Kirche als Symbol des "preußischen Militarismus" gilt, sehe ich auch nicht unbedingt als überzeugendes Argument für den Nichtwiederaufbau an. Ist der Arc de Triomphe zB ein Friedensmonument?

  • Kampflamm


    ich verstehe deine message nicht. in meiner stellungnahme schreibe ich nichts zu „diesem einem tag“ auch in meiner 2ten message beziehe ich mich auf die „übrigen“ jahre. schreiben tun andere sehr ausgiebig über diesen ”einen tag“, wende dich also bitte an jene mit deiner kritik. also bitte erstmal die messages lesen bevor du hier anderen was andichtest, danke!

  • ^
    Ist halt auch schwierig da deine Formulierungen so konkret unkonkret sind. Welche speziellen Ereignisse meinst du denn nun eigentlich die die Kirche so historisch vorbelastet machen?

  • Kampflamm


    ich verstehe deine message nicht. in meiner stellungnahme schreibe ich nichts zu „diesem einem tag“ auch in meiner 2ten message beziehe ich mich auf die „übrigen“ jahre. schreiben tun andere sehr ausgiebig über diesen ”einen tag“, wende dich also bitte an jene mit deiner kritik. also bitte erstmal die messages lesen bevor du hier anderen was andichtest, danke!


    Deine "Message" zum "historisch vorbelasteten Gemäuer" ist doch relativ klar (zumindest erschien das mir so), denn warum ist der Wiederaufbau der Garnisonkirche so kontrovers? Aufgrund des Tages von Potsdam. Natürlich kann dazu noch der preußische Militarismus erwähnt werden aber auch dieses Argument finde ich immer sehr scheinheilig (siehe Arc de Triomphe oder Gebäude/Denkmäler der britischen Monarchie, die deren Expansionskriege zelebrieren). Nur hier in Deutschland scheint man anzunehmen, dass bestimmte Gebäude auch politische Ansichten haben.

  • Es geht ja hier nicht darum, die Kirche abzureißen, weil sie historisch vorbelastet ist, sondern um sie wieder aufzubauen, vor allem darum, Geld dafür auszugeben.
    Geschenkt würden sie die Potsdamer sicher ohne murren nehmen, aber vom Staat her Geld für eine religiöse Einrichtung auszugeben, wo die Mehrheit nichts mit der Kirche am Hut hat, ist schwer zu vermitteln, vor allem wo die Kirche über den Tag von Potsdam hinaus keine große historische Bedeutung hat.

  • Auch geschenkt würden sich "manche Kreise", wie Arcadia so schön sagt ;), eben mit diesem Argument dagegen wehren, s. Spendendiskussion vor ein paar Wochen mit Günther Jauch oder diese "Toleranzglocken" fürs Fortunaportal.
    Dass der Gebäudetyp "Kirche" nicht zwangsläufig etwas mit ihrer Funktion als Gotteshaus zu tun hat bzw. sich auch religiöse und säkulare Nutzung verbinden lassen. Das sollte man manchen (bezieht sich nicht auf dich, ouyawei) auch mal klar machen. Im "Schloss" sitzt ja heute auch nicht mehr zwangsläufig ein König. Gelegentliche Gottesdienste zu irgendwelchen Anlässen einerseits, sonst mal Vorträge und Konzerte und natürlich eine Dauerausstellung zur Geschichte des Gebäudes und - natürlich - Preußens glorreicher Militärgeschichte :D, für die man vielleicht auch 1€ Eintritt verlangen kann.

  • also klartext:
    ich bin für den wiederaufbau, aber nur weil ich barock liebe. ;-) was ich sagen wollte ist, dass es halt schwierig ist wegen der historie der kirche und für mich nicht wegen diesem einen tag, sondern da sie in bestimmten gruppen der bevölkerung entweder als positives symbol preussens (tugenden, glockenspiel... etc, für die anderen als absolutes symbol des militaristischen preussens (königliche grablege, soldatenkirche, dieser eine tag..etc.) gilt. so haben wir wieder eine völlig polarisierte situation. sicherlich ist es immer schön wenn mann die möglichkeit hat das stadtbild zu reparieren wie es nordklinker möchte, aber wie alles ist es immer etwas komplizierter in deutschland und es ist halt auch müssig sich von aussen dort einzumischen denn letztendlich entscheiden es die potsdamer denn es ist ihre stadt.
    ich hoffe ich war jetzt verständlicher? :-) und manche hier sollten nicht so heiss baden. ;-)

  • Je älter ein Gebäude, umso mehr hats erlebt. Bei öffentlichen Gebäuden ist die Wahrscheinlichkeit natürlich größer, als bei nem einfachen Wohnhaus. Das muss man eben in Kauf nehmen.


    Gratuliere zu deinem Coming-out als Barock-Fan :D! Entscheide dich für eine Position. Soll mans doch einfach rekonstruieren, weils schön ist :D.

  • Mal abgesehen davon, was die Kirche für Teile der heutigen Bevölkerung bedeutet, werden künftige Generationen völlig anders darüber denken. Vielleicht gibt es in hundert Jahren einen jüdischen Hitler-Kult, der sich dann über die Auslöschung dieses Teils der Geschichte aus dem Stadtbild ärgert.