Unter den Linden

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    Danke für das Update. Ich frage mich allerdings, ob man dieses Projekt nicht zeitlich und vom Ablauf her umdenken muss: Im Saal ist ja schon länger ein Sicherheitsnetz gespannt, hat man da die Zeit einen weitere Jahre dauernden Rechtsstreit auszusitzen oder könnte man nicht die Sanierung zumindest des Saales vorziehen?? Herr Kosky wollte ja auch unter allen Umständen vermeiden ins Schillertheater umzuziehen! Also die Gunst der Stunde nutzen, die Innenräume jetzt sanieren und die Neubauten später angehen...nunja, ist sicher sehr naiv von mir gedacht...in Düsseldorf hat es mit der Opernsanierung so ähnlich geklappt...

  • Wenn ich es richtig verstanden habe, wird bei den Planungen ein entscheidender Schwachpunkt nicht gelöst. Die Nahtstelle zwischen der Komischen Oper und dem Westin Grand ist eine städtebauliche Katastrophe. Es gibt keinen richtigen Übergang. Es kann doch nicht ganz ernst gemeint sein, dass das so bleiben soll.

  • Der Abstand zwischen Straße und Gebäudekante ist beim Westin Grand größer als bei der Oper. Das Westin Grand ist stärker eingerückt als die Oper. Die Folge ist, dass es keine einheitliche Gebäudekante zur Behrenstraße hin gibt. Und das sieht sehr bescheiden aus.

  • ... niemand wird der Oper zwei Meter absäbeln.

    Ich verstehe ohnehin nicht, warum man die Fassade an der Behrenstraße erhalten möchte. Soll mir niemand erzählen, die Fassade sei erhaltenswert.


    Lösung: Die Fassade kommt weg. Man rückt die Gebäudekante ein, damit diese bündig ist mit dem Westin Grand. Das Innere wird natürlich erhalten. Außen wird alles neu gemacht.

  • ^ Nein, die Gebäudekante war kein Vorwand, um ungeliebte DDR-Architektur zu beseitigen. Ich brauche keinen falschen Vorwand, um meine Interessen zu verfolgen. Wenn mich was stört, sage ich es direkt. Dazu muss ich keine Nebelkerze zünden.


    Es sind halt zwei Dinge:

    1) Die Fassade steht zu weit vorne.

    2) Ich würde das Äußere gerne ersetzen.

  • Soso, nun ist aber das Konzept, gerade die Fassade und das Foyer denkmalgerecht wiederherzustellen ( incl. Rückbau der letzten Einbauten und Auswechseln der Fassadenplatten) 2 Meter vom Gebäude wegzunehmen wäre schon ein sehr gegenteiliges Konzept....

  • Die Oper steht im historischen Blockrand, das Hotel ist eingerückt (um Platz für eine repräsentative Auffahrt zu schaffen, nehme ich an). DDR-Architektur sind beide – die Oper aus den Sechzigern, das Hotel aus den Achtzigern.

  • Ok. Dann müsste im Grunde das Westin Grand vorgerückt werden. Das wäre nur verrückt, weil das Westin das beste Gebäude ist, welches die DDR hervorgebracht hat. Das ist übrigens mein Lieblingsgebäude in Berlin. :-)


    Wenn die Oper im historisch "richtigen" Blockrand steht, dann soll sie halt da bleiben, wo sie ist. Dennoch plädiere ich dafür, um das Innere herum alles neu zu bauen.

  • Wenn die Oper im historisch "richtigen" Blockrand steht, dann soll sie halt da bleiben, wo sie ist.

    Das historische Gebäude im Blockrand...

    ...hier klicken


    Zum Vergleich das heutige Gebäude im Blockrand...

    ...hier klicken



    Dennoch plädiere ich dafür, um das Innere herum alles neu zu bauen.

    Dieses Vorgehen ist gerade bei der Komischen Oper nicht neu.


    Nachdem der Krieg nur in Teilen den Theatersaal und Fragmente des Portals übrig ließ (siehe hier)

    wurde schon bald der Theatersaal repariert und das Portal (zwar vereinfacht, aber) recht ansprechend wieder aufgebaut (siehe hier und auch hier).


    Beim letzten (großen) Umbau wurden dann sämtliche Ergänzungsbauten hinzugefügt und der bestehende Theatersaal und das Portal umbaut.

    Sieht man sich das heutige Portal genauer an (siehe hier und auch hier)

    kann man hinter Glas die alten Bogenfenster und im Eingangsbereich die alten Strukturen (z.B. Treppe) noch gut erkennen.



    Gruß, Jockel

  • Also doch Abriß, sags doch gleich. 8)

    Abriss ist eigentlich nicht das passende Wort. Schließlich sollen die Innenräume (Saal und Foyer) ja erhalten bleiben. Aber man sollte wirklich darüber nachdenken, die Fassade zu ersetzen. Die Fassade im aktuellen Zustand hat aus meiner Sicht keinerlei gestalterischen Wert. Diese Fassade ist wertlos! Ja, ich weiß, das klingt hart. Aber manchmal muss man die Dinge beim Namen nennen.

  • ^ Als Vertreter einer rationalen und adaptiven Postmoderne in der DDR-Architektur finde ich die Fassade der Komischen Oper geradezu außergewöhnlich. Die gerasterte Sandsteinfassade ist in der Tat in der Fläche etwas spröde und tot. Aber der bronzene Risalit mit seiner durchscheinden doppelten Ebene, ist doch ganz schick. Vieleicht sollte man dieses Material aufnehmen, um vielleicht mit einem neuen plastischeren Schriftzug das Ganze noch etwas zu pimpen.


    Für den Wettbewerb sehe ich mit dem Juryvorsitzenden Stefan Behnisch hinsichtlich einer adäquaten Antwort für den Blockrand allerdings schwarz.

  • Naja, das Portal macht ein paar m² der Fassade aus. Der Rest hat den Charme eines Lagerhauses. Würde also auch reichen, das durchaus interessante Portal zu erhalten.


    Finde ja solche "Negativfassaden", wie die Säulen beim Umweltministerium oder Betonabgüsse, wie beim Naturkundemuseum ganz interessant. Oder son geätztes Glas wie...fällt mir grad nichts ein. Jew. mit den hist. Formen natürlich. Wäre ne Mischgung aus alten Formen und neuen Techniken und auch etwas ungewöhnlicher, als ner klassischen Reko, vom jetzigen Zustand ganz zu schweigen.

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  • Also der Charme des Foyers scheint mir auch recht überschaubar zu sein. Mir ist völlig schleierhaft, warum nicht die Gelegenheit genutzt wird, die Komische Oper mit einem offenen, hellen, einladenden und auch freundlichen Entree baulich aufzuwerten, künstlerisch gehört das Haus ja schon zu den Leuchttürmen, die mir schon einige wundervolle Abende beschert hat ... auch wenn die großen Stars und die großen Namen ein paar Meter weiter abgefeiert werden ...


    Das aktuelle und wohl auch zukünftige Foyer glänzt lediglich mit seiner fensterlosen und unpassend verspiegelten Club-Ästhetik, die dann wohl als ganz besonders metropolig empfunden wird, mag ja vielleicht sogar so sein, repräsentative und festliche Foyers gibts ja in anderen Metropolen schon genug ... Im Gegensatz zur sonstigen Qualität des Hauses wirkt das alles dann aber doch eher etwas arg banal. Wie auch die sogenannte Fassade, die nur aus einer monotonen Ansammlung von Natursteinplatten besteht, die wahrscheinlich nicht geeignet ist, den Ruf der Postmoderne nachhaltig zu verbessern.


    Ok, dieser mit Zierrat umrankte Glaskasten wirkt irgendwie positiv spooky und könnte vielleicht in eine aufgebrochene Fassade integriert werden, aber Erhalt der Fassade und des Foyers empfinde ich als eine vertane Chance auf Öffnung des Hauses zur Behrenstraße ...


    Wie sagte Goethe: Mehr Licht!

  • ^ Als Vertreter einer rationalen und adaptiven Postmoderne in der DDR-Architektur finde ich die Fassade der Komischen Oper geradezu außergewöhnlich. ... Aber der bronzene Risalit mit seiner durchscheinden doppelten Ebene, ist doch ganz schick.

    Nur weil eine zweite Ebene durchscheint, soll die Architektur außergewöhnlich sein?


    Ein durchschnittlicher Gimmick, und die Leute frohlocken, als ob es etwas Besonderes wäre. Ich werde dieses architektonische Konzept nie verstehen: Man stellt einen einfachen Brei auf den Tisch. Und die Leute tun dann so, als ob es sich um ein 5-Gänge-Menü in einem renommierten Spitzen-Restaurant handeln würde.


    Ein weiterer Punkt ist die zeitliche Einordnung. Du bezeichnest dich als Vertreter einer adaptiven Postmoderne. Aber die Komische Oper ist keine Postmoderne, sondern Moderne (ohne das Wörtchen "Post") Ein kleines Wörtchen, das einen großen Unterschied ausmacht. Die Komische Oper ist klassische Moderne, wie es klassischer nicht mehr sein kann. Sie ist modern, wie es moderner gar nicht mehr möglich ist. Erst in der später folgenden Postmoderne hat man wieder zunehmend auf Schmuckelemente zurück gegriffen, auf die man in der Moderne komplett verzichtet hat. Und genau diese Schmuckelemente vermisse ich hier schmerzlich. (Das minimalistische Portal ist weder Schmuck, noch verfügt es über Schmuck.) Daher verstehe ich auch nicht, warum du als erklärter Vertreter der Postmoderne ein modernes Gebäude als außergewöhnlich bezeichnest. Der Verweis auf die Postmoderne läuft hier komplett ins Leere.