Rund um den Ostbahnhof / Werksviertel (1.150 WE/6.700AP) [im Bau]

  • Festzuhalten ist erstmal dass Luftaufnahmen, Fotos aus der Distanz/Panoramasicht oder gar Computervisualisierungen immer viel besser als die triste alltägliche Realität ausschauen. Und wenn dann noch die Witterung nach drei Wintern auf Sichtbeton, Fassadenfertigteilen etc. entsprechende Spuren hinterlassen hat wirken ach so leicht wirkende große Komplexe nicht mehr leicht sondern dunkel und trist. Manches aus den 70ern was wir heute ablehnen sah auf Zeichnungen - und auch durchaus bei der Eröffnung - noch gut aus. Architektur des 20. Jahrhunderts scheint die Fähigkeit verloren haben, in Würde zu altern und das zu entwickeln was wir oft "Patina" nennen, sie wirkt eher einfach heruntergekommen nach längerer Abnutzung. Das ist und bleibt ein Problem, zudem können wir uns, meine ich, diese Art von Wegwerfarchitektur auch nicht mehr leisten, alles immer schnell mit Fertigteilen hochziehen, nach 30 Jahren wieder abreißen.. eine ökologische und ökonomische Katastrophe, enorme Ressourcen- und Energieverschwendung. Ich meine durchaus dass die Lösung teilweise in der Vergangenheit liegt, München hatte einst eine dezidiert eigene Architektur, z.B. wurde der Jugendstil maßgeblich in München geprägt, die heute am Immobilienmarkt im modernisierten Zustand (damit ist freilich nur der technische Zustand gemeint!) die mit Abstand höchsten Preise erzielen. Die Leute stimmen halt mit den Füßen ab.


    Und kennt noch wer Architekten die gerne Betonwürfel lobhudeln, aber privat im sanierten Altbau mit Stuck wohnen? ;)

  • Wie wäre es denn, einen Mindestsatz an neuen Jugenstilbauten in München einzuführen?


    Die extremen Kosten wären immer noch ein Witz im Gegensatz zu den Renditen, die die Investoren mit den Büro/Wohnungen verdienen würden.


    :lach:

  • Ich fände zumindest wirklich eine Überlegung wert, das wäre auch mal eine Innovation mit der man sich hervortun könnte, wenn Architektur demokratisiert werden würde. In einem Prozess indem z.B. bei Bauen im Bestand das ganze Umfeld eingeladen wird in einer Planungswerkstatt mitzuwirken, auch sehe ich nicht ein dass Jurys bei Architekturwettbewerben immer nur aus Fachleuten bestehen sollen, die ihre Kollegen bewerten, aber die Bevölkerung nicht vertreten ist. Mir würde da eine basisdemokratische Abstimmung, mit Delegierten aus den Nachbarschaften, vorschweben, die von Fachleuten lediglich beraten werden. Ich denke das würde spannende Lösungen ermöglichen, die auch den entsprechenden Rückhalt in der Bevölkerung haben.

  • Ein solches Verfahren macht das Bauen gerade für private Bauherren natürlich extrem interessant. Ich hätte unglaublich viel Laune, mich bei den Planungen für mein Haus erst monatelang mit der Nachbarschaft auseinandersetzen zu müssen.

  • Bei Großprojekten macht das durchaus Sinn. Muss ja nicht bei jedem Einfamilienhaus so gehandhabt werden.


    Aber so weitergehen kann ja wohl nicht. Es ist teilweise erschreckend was heute hier gebaut wird.

  • ...natürlich geht es dabei nur um Projekte einer Größenordnung die auch jetzt schon einem komplexen Planungsprozess mit Architekturwettbewerb unterzogen werden, wo aber die Bürger direkt seltenst eingebunden werden. Dieser komplexe Prozess soll meiner Meinung nach manchmal auch den Anschein eines basisdemokratischen Prozesses erwecken, ähnlich den häufigen Politikeräußerungen bzgl. Gegnerschaft bei Großprojekten man müsse die Menschen lediglich "noch besser informieren" - die Leute wollen mitbestimmen und nicht nur vor vollendete Tatsachen gestellt werden, ich denke das ist gerade bei den Verantwortlichen nicht durchgedrungen bzw. falsch angekommen.

  • Sehe ich sehr skeptisch. Hier entscheidet ja dann die Öffentlichkeit darüber, wie ein Nutzer in seinem Haus eingeschränkt wird. Wenn die Öffentlichkeit z.B. eine Lochfassade haben will, am Besten mit Fensterläden, und der Nutzer maximale Tageslichtausbeute benötigt, haben wir den ersten klassischen Interessenskonflikt.


    Wenn man Architektur einen künstlerischen Aspekt zuschreibt, wirds noch härter. Wo kommen wir denn hin, wenn Staat und Öffentlichkeit künstlerische Aussagen selber in die Hand nehmen? Da geht die Vielfalt unserer Demokratie eher vor die Hunde und die kulturrelle Innovation ebenso.

  • Wie die SZ berichtet, können wohl nur rund 900-1000 anstatt der ursprünglich veranschlagten 1500 Wohnungen im Werksviertel gebaut werden.


    Grund dafür seien die mangelnden Grundschulplätze. Die Bestehenden sind voll, für Neue zu wenig Platz.


    Grundstücke in der näheren Umgebung sind schwer aufzutreiben, ein potentielles wurde vor zehn Jahren an den griechischen Staat verkauft, ein Rückkauf scheint derzeit schwer vorstellbar.


    Der Schulplanung wird seitens der CSU "Träumerei" und "Verplantheit" vorgeworfen.


    Da frag ich mich doch, ob die im Rathaus noch alle Tassen im Schrank haben. Wie blöd muss man denn sein, um schon nach nicht mal 2 Monaten nach offizieller Vorstellung des Projektes eine Korrektur um ein Drittel des Wohnraumes zu machen zu müssen...:Nieder::nono::Nieder:

  • Willkommen in München! Das Unvermögen des Rathauses lässt sich ins unendliche steigern. Und obwohl man immer wieder denkt "schlimmer geht's nimmer" ist die einzige Gewissheit in München die, dass man immer mit schlimmer fest rechnen muss.

  • Einfach unvorstellbar...aber eine richtige Alternative die die Probleme besser meistern könnte gibt es doch auch nicht? Gerade in dem Beispiel ist es einfach erschreckend wie engstirnig die Stadtverwaltung arbeitet.

  • Willkommen in München! Das Unvermögen des Rathauses lässt sich ins unendliche steigern. Und obwohl man immer wieder denkt "schlimmer geht's nimmer" ist die einzige Gewissheit in München die, dass man immer mit schlimmer fest rechnen muss.


    ... und das, nachdem dieses Viertel und das Paulanerareal inkl. Welfenhöfe etc. vor Ort seit Jahren in der Planung sind...:nono:

  • In der Überschrift ist von 400 Wohnungen die Rede. Jedoch werden im Text nur 900 bis 1000 Wohnungen gegenüber ursprünglich 1500 aufgeführt. Macht 500 bis 600 Wohnungen weniger. Heftig. Dazu wird noch mit "großzügigen Grünzügen geworben" und fertig ist der Arnulfpark V2.0 Das Versagen Münchener Stadtplanung wird immer abenteuerlich.

  • kann es denn wirklich sein, dass die Stadtverwaltung eine Reduktion um 500 Wohnungen damit rechtfertigt, dass es für Kinder nicht genügend Grundschulplätze geben wird weil man es mal wieder verpennt hat daran zu denken, und damit ungeschoren davon kommt??


    und das ganze in München wo es vorne und hinten an Wohnraum fehlt!


    es nimmt langsam bizarre Ausmaße an, hat man denn vom Arnulfpark gar nichts gelernt :confused:


    was ist nun der Plan, werden stattdessen dann mehr Büros gebaut oder wird der frei gewordene Raum anderweitig genutzt beispielsweise durch eine Schule?

  • In der Überschrift ist von 400 Wohnungen die Rede. Jedoch werden im Text nur 900 bis 1000 Wohnungen gegenüber ursprünglich 1500 aufgeführt. Macht 500 bis 600 Wohnungen weniger. Heftig.


    Immer wird die Grundschulinfrastruktur und Kinderbetreuung als Grund angegeben. Man könnte ja genauso Singlewohnungen schaffen für die weggefallenen. Schließlich sind wir ja Singlehauptstadt.


    Dazu wird noch mit "großzügigen Grünzügen geworben" und fertig ist der Arnulfpark V2.0 Das Versagen Münchener Stadtplanung wird immer abenteuerlich.


    Mal sehen was die anstehenden Wahlen so bringen. Aber nun ist es eigentlich ja eh zu spät weil die meisten Flächen verplant sind und was draußen in Freiham passiert interessiert (fast) niemanden.


    In anderen Städten wird es übrigens sehr wohl besser gemacht, auch wenn das von den Verantwortlichen immer bestritten wird.


    :nono:

  • Sehr schade, dass man überall das immergleiche Arnulfpark/Messestadt Riem/Parkstadt Schwabing Konzept mit seinen vortstadtmäßigen Langeweile-Grünflächen, Bürokisten und Parkstadt-Wohnblöcken durchdrückt. Gerade in so zentraler Lage, wie hier am Ostbf. ist das ziemlich unpassend.


    Ich habe mir erlaubt, den allgemeineren Austausch hier fortzusetzen


    P.S. Warum muss denn hier schon wieder alles vom Büro Steidle gebaut werden??? So sind nicht nur die städtebaulichen Vorgaben immer die gleichen, auch die Gestaltung der Fassaden wird seit über 20 Jahren immer von denselben gamacht! Armes, ideenloses München!

  • Immer wird die Grundschulinfrastruktur und Kinderbetreuung als Grund angegeben. Man könnte ja genauso Singlewohnungen schaffen für die weggefallenen. Schließlich sind wir ja Singlehauptstadt.


    Bitte nicht. Die Unfähigkeit der Stadt soll nun nicht darin münden, dass man sie aus ihrer Verwantwortung für die Kinderbetreuung entlässt. Was ist das für ein Armutszeugnis?

  • Wieso hat man das eigentlich nicht entwickelt?
    http://www.immobilienreport.de/gewerbe/Ostbahnhof-Areal.php


    Stattdessen gammeln auf der stadteinwärts gesehen rechten Seite jetzt zahlreiche unseriöse Autohändler herum...
    Peinlich ist sowas!


    Die Fläche an der Orleansstraße mit den Autohändlern ist Baustelleneinrichtungsfläche für die Zweite Stammstrecke und kann deswegen nicht entwickelt werden. Gleiches gilt für das Brachland Richtung Leuchtenbergring.