Staatsbibliothek Unter den Linden

  • Im Bildindex Foto Marburg findet sich eine Fotografie der Vorhalle um 1920:

    https://www.bildindex.de/docum…0894002?medium=mi03690f12

    Ebenso vier Fotografien der Freitreppe, darunter auch zwei Bilder, die die abgehängte Decke zeigen:

    https://www.bildindex.de/docum…0894001?medium=mi03690f09

    Die Freitreppe 1933 auf einer Fotografie aus den Beständen des Landesarchivs Berlin:

    http://www.landesarchiv-berlin…45379d54977e2;startDoc=21

    Aus der Deutschen Fotothek der Sächsischen Landesbibliothek:

    https://fotothek.slub-dresden.…_hauptkatalog_0156731.jpg

    Drei Abbildungen des ursprünglichen Zustandes bei der Bildagentur der Kulturinstitutionen:

    https://www.bpk-bildagentur.de/ (die zu suchenden Bildnummern lauten: 70144992, 70144985 & 70144984)

  • Letztlich scheint mit Ausnahme der Gewölbe alles soweit vollständig. Bei meinem nächsten Besuch in Berlin werde ich mir die Stabi auf jeden Fall anschauen.


    Bei aller Freude ist es natürlich schade, dass gerade das Herz des gesamten Komplexes fehlt. Der historische Lesesaal war in diesen Dimensionen wohl einmalig in Deutschland und obwohl die Kuppel eingestürzt war, war der Rest des Saales in relativ guter Verfassung und wäre relativ leicht zu retten gewesen. Wie so oft kam es leider anders und man hat sich schon damals für eine moderne Variante entschieden.


    Im Einzelfall kann man solche Entscheidungen zur damaligen Zeit vielleicht verstehen. In der Summe sind diese Maßnahmen aber verheerend. Egal ob der Lesesaal der Stabi, die Oper in Köln, das Schauspielhaus in Frankfurt oder die unzähligen Gründerzeithäuser an so vielen deutschen Prachtstraßen vom Kurfürstendamm in Berlin bis zum Hohenzollernring in Köln. Es ist einfach eine Entscheidung wider der Ästhetik und gegen die Urbanität unsere Städte gewesen.


    Was wir heute in Paris, London oder Wien bewundern, ist in Deutschland durch bewusste Entscheidungen der Verantwortlichen bis in die 80-er und 90-er Jahre hinein systematisch vernichtet oder bis zur Unkenntlichkeit entstellt worden. Daher ist es so schön, dass diese aus meiner Sicht verheerenden Fehlentscheidungen zumindest im Fall der Stabi etwas korrigiert wurden. Trotzdem bleibt noch sooo viel zu tun. Wie solche Entscheidungen eine Stadt nach vorne katapultieren können, sieht man in Leipzig. Klar ist die weitgehende Rekonstruktion der Gründerzeitviertel nicht der alleinige Grund für den Boom von Leipzig. Aber aus meiner Sicht ein gewichtiger Faktor warum diese Stadt aktuell so beliebt ist. Dies sollte beispielhaft auch für andere Städte werden.

  • Die behutsame Sanierung komplettiert damit auch die historische Mitte.


    Findet man irgendwo eigentlich noch Bilder vom Zustand vor dem Beginn der Sanierungsarbeiten?

  • Was für ein herrlicher Prachtbau, die "Preußische Staatsbibliothek"! Ich bin immer wieder überrascht, welche verborgenen Architekturschätze diese Stadt doch zu bieten hat. Auf den Fotos ist mir übrigens aufgefallen, dass die netzförmige Oberfläche des neuen Tonnengewölbes große Ähnlichkeiten zur Nachhallgalerie der Staatsoper Unter den Linden aufweist, die auch vom Büro HG Merz stammt:


    http://hgmerz.com/projekte/dso


    Minuspunkte gibt es aber für den Ruinenkult, der bei den abgeschlagenen Adlerfiguren in der Treppenhalle und bei dem zerbrochenen Schmuckring im Vestibül betrieben wurde. Trotzdem ist das Ergebnis dank der rekonstruierten Außenkuppel, der sanierten Fassaden bzw. Innenräume und des neuen Tonnengewölbes sehr gelungen!

  • Ich würde es vielleicht nicht so bezeichnen, aber dass muss ja jeder selbst für sich entscheiden, bin aber bei Dir es ist ein 'architektonischer Prachtbau' erbaut vom einstigen "preußischen Staat". Geschmack hatte man seiner Zeit und früher wie heute sind große Projekte auch von großer Bedeutung. Ob im kulturellen, diplomatischen oder anderen Instanzen. Die Staatsbibliothek erstrahlt zu recht im alten Glanz und das ist auch gut so.

  • Zur Schlüsselübergabe am 4. November 2019 hieß es noch, die Staatsbibliothek Unter den Linden sei nun für 6 Monate geschlossen bis zur Wiedereröffnung. Offizielle Begründung für die 6 Monate: "In dieser Zeit beziehen wir das komplette Gebäude, Mitarbeiter*innen und Bestände ziehen um, neue Bereiche werden in Betrieb genommen und vereinzelt müssen auch noch Umbau- und Reparaturmaßnahmen durchgeführt werden." (Quelle s.u. im Internetlink) Wiedereröffnung wäre danach Anfang Mai 2020 gewesen. Jetzt heißt es ganz aktuell:


    "Das Haus Unter den Linden ist noch bis zum Herbst 2020 geschlossen."


    War jemand von Euch in letzter Zeit vor Ort und kann die Situation in den Seitenstraßen Universitätsstraße und Charlottenstraße beschreiben? Stehen die Container dort immer noch?

  • Der Hof der Staatsbibliothek ist noch immer abgesperrt, man kann aber hineinblicken und, wenn auch mit Mühe, fotografieren. Der Efeu ist gewachsen, der Hof wunderschön. Hier ein Eindruck von letztem Donnerstag:


    2020-06-1815.29.20khjlq.jpeg


    Von der Nationalbibliothek Richtung Schloss schauend wirkt Berlin sehr elegant und großstädtisch:


    2020-06-1815.31.18arkqs.jpeg


    Bilder von mir.

  • Statt Mai 2020, dann Herbst 2020, dann Ende 2020 wird die Staatsbibliothek Unter den Linden nach der langen Sanierung jetzt erst am 1.2.2021 endgültig geöffnet: Link


    Hoffentlich sind dann auch in den Seitenstraßen Universitätsstraße und Charlottenstraße endlich die Baucontainer weg.

  • ^

    Wegen der Baucontainer der Staatsbibliothek Unter den Linden in den Seitenstraßen Universitätsstraße und Charlottenstraße und der Frage, ob sie zur Eröffnung am 1.2.2021 weg sind, hat sich inzwischen das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung wie folgt geäußert Link (in den Kommentaren ganz unten):

    “Die Baustelleneinrichtung in der Charlottenstraße soll im Frühjahr 2021 abgebaut sein, im Anschluss finden in diesem Bereich noch Arbeiten am Stromnetz statt. Bis voraussichtlich Sommer 2021 wird das Bezirksamt Mitte von Berlin den Gehweg und die dazugehörige Straßenseite provisorisch mit Asphalt wiederherstellen. Provisorisch deshalb, weil der Senat von Berlin eine Neugestaltung der Charlottenstraße plant – bitte wenden Sie sich bei Fragen hierzu an die zuständige Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz.

    Die Universitätsstraße wird mindestens noch 2021 für die Baustelleneinrichtung zum Ausbau des Bibliotheksmuseums gebraucht. Durch die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie besteht das Risiko einer Verlängerung bis Mitte 2022.”

    Ein anderer Kommentator auf der o.g. Internetseite kennt die Gegend dort seit 1972 und meinte, "ich habe diese Straße nie in meinem Leben ohne Bauwagen/Baucontainer gesehen."

  • Am 25. Januar soll die "digitale Wiedereröffnung" der Staatsbibliothek, Haus unter den Linden stattfinden:


    https://blog.sbb.berlin/25-jan…-hauses-unter-den-linden/


  • ^ Die "Eröffnung" ging wie geplant über die Bühne - auch wenn sie derzeit nur in eine andere Form von Geschlossenheit überführt. Einen Mitschnitt des virtuellen Festaktes mit vielen wichtigen Leuten gibt es hier, einen kleinen Rundgang durch das sanierte Haus hier. Freue mich auf meinen ersten Besuch.

  • Der neue Büchersaal der Stabi mit dem orangenen Teppichboden, der fahlen Neon-Beleuchtung und den IKEA Regalen ist ist unterirdisch mies designt. Es ist als hätte man in Schloss Neuschwanstein eine Aldi Filiale hineingebaut.


    Als ich die Bilder der Fassade und der renovierten Eingänge gesehen habe war ich noch voller positiver Ehrfurcht ob der klassischen Bauqualität. Umso mehr war ich tief schockiert über die billige Innengestaltung des Lesesaals.

  • Danke für die Links Architektenkind. Der Rundgang gefällt mir. Insgesamt wirkt alles sehr stimmig und hochwertig. Freue mich darauf das Gebäude mal nach Corona Zeiten betreten zu dürfen.

  • ...Als ich die Bilder der Fassade und der renovierten Eingänge gesehen habe war ich noch voller positiver Ehrfurcht ob der klassischen Bauqualität. Umso mehr war ich tief schockiert über die billige Innengestaltung des Lesesaals.

    ... Vielleicht hilft Dir ja weniger Ehrfurcht vor Machtarchitektur, Dich vor Enttäuschung und Schocks zu bewahren.

    Die Farbgebung und speziell die Leselampen sind natürlich Kinder ihrer Zeit. Und dann muss man auch so ehrlich sein und sagen, ja, auch diese Stilepoche hatte retrospektiv gesehen ihre Schwächen. Wenn man das umgehen will muss man alles grau streichen und ein möglichst neutrales Design wählen, das quasi nichts aussagt als Sachlichkeit. Ich befürchte aber, selbst dann hättest Du was zu meckern.

  • Es ist als hätte man in Schloss Neuschwanstein eine Aldi Filiale hineingebaut. [...] Umso mehr war ich tief schockiert über die billige Innengestaltung des Lesesaals.

    Es handelt sich natürlich keineswegs um Ikea-Regale, sondern um Maßanfertigungen. Außerdem ist der neue Lesesaal seit fünf Jahren in Betrieb - also tun Sie nicht so überrascht. Und wenn Ihnen als Beispiel für gelungene historische Architektur ausgerechnet Neuschwanstein (!) einfällt, lässt das tief blicken.


    Ja, ich könnte mir den historischen Lesesaal als Krönung der Raumfolge gut vorstellen. Ja, auch für zeitgenössische Lesesäle gibt es bessere Beispiele. Aber solange die Kritik daran auf diesem Niveau läuft, habe ich keine Lust auf die Debatte.

  • Ich war auch vom großen Büchersaal zunächst, insbesondere hinsichtlich der orangen Bodenverkleidung, schockiert, hab mich dann aber an den Anblick gewöhnt, obwohl ich einen Holzboden bevorzugt hätte. Das Schloss Neuschwanstein kenne ich nicht persönlich. Was mir an den gezeigten Bildern aber auch nach mehrmaliger Sichtung nicht gefällt, sind die modernen Tischlampen im gezeigten historischen Lesesaal. Das passt weder als Bruch, noch als Ergänzung zusammen und dürfte maßgeblich auf eine Kostensenkungsmaßnahme zurückzuführen sein.

  • Der neue Büchersaal der Stabi mit dem orangenen Teppichboden, der fahlen Neon-Beleuchtung und den IKEA Regalen ist ist unterirdisch mies designt. Es ist als hätte man in Schloss Neuschwanstein eine Aldi Filiale hineingebaut.

    Dieser Leesesaal ist ja schon länger geöffnet, ich habe auch schon darin gearbeitet. Der Saal ist -- zumindest im Gegensatz zu weiten Teile des restlichen Gebäudes -- wirklich misslungen, mir fällt da eher ein Amazon-Bücherlager als Vergleich ein. Er ist praktisch eine Kopie der 70er-Jahre-Schachtel-UB, in der ich studiert habe.

  • Und wenn Ihnen [Arty Deco] als Beispiel für gelungene historische Architektur ausgerechnet Neuschwanstein (!) einfällt, lässt das tief blicken.

    Nun ja, Neuschwanstein zieht ja mehr Besucher an als, zum Beispiel, das Hansa-Viertel oder die meisten anderen Zeugnisse moderner Architektur in Berlin. Dass darüber in gewissen Kreisen die Nase gerümpft wird, weiß ich. Die meisten Leute trinken halt auch gerne Kaffe oder Tee zum Frühstück, selbst wenn das alles andere als moderm oder innovativ ist.


    Aber auch der hier kritisierte Lesesaal wird kaum neugierige Fremde anziehen, das wird für den Saal der Stabi am Potsdamer Platz nur wenig anders sein (dort dürften auch eher Cineasten hinziehen). In Paris und London hingegen habe ich mir bewusst die historischen Leesesäle angeschaut, weil mich schon die Fotos begeistert haben, die ich zuvor einmal gesehen hatte. In Paris habe ich übrigens auch die Bibliothèque François-Mitterrand besucht, also den zweiten (neuen) Standort der Bibliothèque Nationale im Südosten mit seiner ... praktischen Architektur (die aber immerhin ein wenig beeindruckend ist). Der Besuch dort war dann doch ernüchternd, dass ist also (natürlich) kein rein deutsches Problem.

  • Die Lesesäle sind auch Orte der Bildung und des Arbeitens. Wenn man diesen Aspekt in Betracht zieht, kann man zum Beispiel wertschätzen, dass der nicht mehr ganz so neue zentrale Lesesaal ein sehr angenehmes Licht zum Arbeiten hat.

  • Er ist praktisch eine Kopie der 70er-Jahre-Schachtel-UB, in der ich studiert habe.


    Das war exakt mein erster Gedanke. Es wirkt wie ein Lesesaal einer kleinen Vorortbibliothek, die immer mal wieder hinzugebaut hat. Kostengünstig.


    Man hat hier den DDR Mief, einfach so belassen bzw. aufgefrischt.


    Und das bei einem 500 Millionen Projekt. Unfassbar.