Regierungsviertel

  • Ich muss meinen Vorrednern absolut Recht geben.
    Allerdings, wenn man überlegt wie sich der Architekt das dachte, ist das ganze Schlamassel sogar einigermaßen nachvollziehbar: Das Teil brauchte einen Vollwärmeschutz, der aussen aufgetragen wurde (wer weiß ob die Räumlichkeiten von innen nicht das ein oder andere Schmuckstück bergen, Kasettentüren, Stuckdecken, oä.). Damit überdeckt man zwangsläufig das bisschen Aussenstuck: die Fenstereinfassung und die Rosetten. Man müsste die paar Schmuckelemente wieder neu aufkleben. Was zwar kein Problem wäre, aber wirklich schön war's vorher damit auch schon nicht - Architekt und Bauherr sagten sich dann wohl: bevor wir dürftigen 40er Charme ranklatschen, der sowieso nur halbwegs überzeugt, lieber gleich modern. Dass das aber auch grandios in die Hose ging, müssen sie verantworten.

  • Andi_777: meinst du mit "40er Charme ranklatschen" so eine Lösung?

    ich fände das durchaus ertragbar als die realisierte Situation.


    Wie man mit einfachsten Mitteln der Gestaltung das vorherige Aussehen zumindest andeuten kann, haben wir bereits in diesem Beitrag von Backstein gesehen.

    (...)



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    Vor allem die neuen Fenster nehmen dem Objekt seine Ausstrahlung. Man hätte auf jeden Fall mehr draus machen müssen, allein aus Rücksicht auf den Altbau nebenan.


    Und wenn man sich für eine glatte einfach Putzfassade entscheidet, kann auch dort im kleinen Detail die Liebe stecken (ok, das ist ein Neubau, aber trotzdem).

  • Entstuckung in Jahre 2011 traurig aber in Berlin kein Einzelfall.
    Dieser Trend wird sich wohl in Zukunft durch weitere energietechnische Sanierungen verstärken.

  • Du hast schon Recht Beschty. Man (oder ich) dachte beim Einrüsten des Gebäudes: Gottseidank, das ist nötig, das erstrahlt bald in frischem Glanz. Wobei ich dachte mit "auf"gefrischtem. Die Verwandlung des Gebäudes in einen Klotz mit Nix hat mich auch geschockt. Aber wenn ich dann drüber nachdenke (der Vollwärmeschutz war ja klar), wundert mich das Ergebnis nicht. Nur ausgebesserter Putz und Farbe haben wir garnicht zu erwarten brauchen.
    Ich bin generell ein Fan von Putzfassaden mit Schmuckelementen. Ich bin auch so offen um mir das bei Neubauten nicht zu verbieten. Insofern hätte mich ein Ergebnis wie auf deinem zweiten Bild vielleicht zwar etwas mehr zufriedengestellt, und recht viel mehr Struktur hatte die Fassade zuvor ja auch nicht, aber wirklich gelungen ist dein Bild Zwei nicht. Und eine potemkinsche Aufmalung nach deinem ersten Bild gefällt mir (grundsätzlich) nicht. Im Nachhinein hätte ich mir eine komplett neue "Klassizierung" der Fassade gewünscht. Das würde auch der Epoche (ich deute das Baujahr jetzt einfach mal in's Dritte Reich) auch am Nähesten kommen.

  • Als ich heute mit der S-Bahn vorbeigefahren bin, war ich wirklich erschüttert. Dagegen ist selbst jeder beliebige berliner Durchschnittsbau besser. Das Gebäude wurde so stark entstellt, dass man es auch gleich hätte abreißen können. Alle an diesem Projekt beteiligten Leute sollten sich einfach nur in Grund und Boden schämen. :nono:

  • Was ich ganz besonders schlimm finde sind diese dunklen Fensterrahmen.. dadurch wirkt alles so zusammengepresst wie bei einem schlechten Neubau aus den 70ern.


    Mit unterteilten Fenstern (so wie beim Zoofenster vielleicht) und einer helleren Rahmung würde es meiner Meinung nach schon besser aussehen weil der farbliche Kontrast zwischen der einfallslosen Fassade und den Fenstern dann nicht so frappierend wäre. Aber so drängt sich die gähnende Langeweile ja förmlich ins Auge.


    Wirklich grottig! :Nieder:

  • Hab das Ding schon vor zwei Tagen ausgepackt gesehen und konnte mich bisher noch nicht fassen, um etwas zu posten. Ich bekomme ganz schwache Finger beim tippen, so entsetzlich ist das Ergebnis, welches ich nur mit Vokabeln aus der Kriminalsprache bezeichnen kann. Es tut einfach unglaublich weh....
    :ripthread


    Kann die Entrüstung verstehen, aber so langsam wiederholen sich die Beiträge...
    Bato

  • Die Heiterkeit verheißende Baumasse wird der Umgebung auf unnachahmliche Weise gerecht, ohne zu die eigene Identität zu verbergen. Der spannungsreiche Kontrast erzeugt beim Betrachter ein produktives lebensnahes Unbehagen, indem an die individuelle Lebenswelt jedes Vorübergehenden angeknüpft wird. Die einladend wirkende Auflockerung steht hier im Zeichen des Dienstes der Architektur am Menschen, wobei die Funktionalität natürlich im Vordergrund steht. Die Negation jedweder Bildhaftigkeit schafft Räume, die moderne Menschen aller Altersstufen begehren, indem die Wunden im Stadtbild offen bleiben. Die freie Entfaltung menschlicher Schaffenskraft ist White Cube und Black Box zugleich, wobei der Vorteil dieser Lösung ist, dass sie nicht einfach stillschweigend von allen als gut befunden wird.


    Schwallomat

  • Nix da mit Papierkorb

    Wer die Sanierung des Gebäudes Luisenstrasse 35 entscheidend mitgestaltet hat,der darf auch genannt werden.Schiesslich führt Anne Lampen Architekten auf ihrer Seite u.a.dieses Objekt als Referenz an.


    Also nochmal.Falls der eine oder andere Eigentümer seine historische Immobilie nach dem Vorbild der Luisenstrasse 35 energetisch aufmöbeln will,so wende er/sie sich an folgende Adresse.


    http://www.anne-lampen.de/

  • Solche Fälle sind m. E. immer ein Versagen des Denkmalschutzes.
    Man kann nicht von den Investoren erwarten, dass sie dem Denkmalschutz oder auch nur der Ästhetik einen großen Wert beimessen. Es geht nur um Rendite, so abgedroschen es klingt. Und da steht Ästhetik eigentlich nur im Wege. Es zählt ausschließlich die Lage, nicht die Optik der Immobilie.
    NUR Politik und Denkmalschutzbehörden können und müssen hier eingreifen und haben in der Luisenstraße (mal wieder) versagt.

  • War das Gebäude denn überhaupt denkmalgeschützt? Da habe ich meine allergrößten Zweifel dran. Beim Denkmalschutz wird nämlich auch gerne als Schuldigen gesucht, obwohl er oft gar nix damit zu tun hat. Bei weitem nicht jedes Gebäude aus der Zeit, aus den frühen 1950ern, aus denen das Gebäude wohl ebenfalls stammen dürfte, ist denkmalgeschützt. Wenn man sich die Webseite des tätigen Büros mal anguckt, bei dem ich eher die Verantwortung suchen würde, ist man aber schon stutzig: offenbar haben die in der Vergangenheit schon mit Altbauten zu tun gehabt, ohne sie in so etwas zu verwandeln, was man da jetzt zu Gesicht bekommt.

    Es stand nicht unter Denkmalschutz.
    Bato

  • Sanierung und Erweiterung des Hauses Wilhelmstraße 64

    Nach einer Meldung von Baunetz soll das Gebäude zwischen der Botschaft Ungarns (Ecke Unter den Linden / Wilhemstr.) und dem Neubau an der Ecke Wilhelmstraße / Dorotheenstr. (vgl. http://www.deutsches-architekt…hp?p=302972&postcount=776) nach den Plänen von Abelmann Vielain Pock Architekten saniert und erweitert werden.


    http://www.baunetz.de/meldunge…ng_in_Berlin_2270585.html


    Somit verschwindet ein weiterer Schandfleck im Regierungsviertel :daumen:

  • Schön auch, dass der Bau eine Erdgeschosszone zur Straße bekommt. Bei Preis 2 und 3 wäre das nicht der Fall gewesen.
    Der Bau soll übrigens für die Verwaltung des Bundestages genutzt werden.

  • Auf der Seite http://www.ansichtskarten-cent…Ziel_ID=818445#Ziel818445 erkennt man auf einer Vorkriegsansicht des Gebäudes, wie überaus unglücklich die Originalfassade proportioniert war. Eine ausgearbeitete Dachlandschaft hätte zu Sockelzone und Kolossalordnung ein unbedingt nötiges Gegengewicht gebildet. Alles in allem finde ich den zu erwartenden Neuzustand dann sogar attraktiver als den unbeholfenen Vorkriegsentwurf.

  • Bewag-Haus Luisenstraße

    Da nun auch das Erdgeschoss und die Brandwand gerüstfrei sind, hier noch einmal Bilder des Bewag-Hauses (zuletzt #781) in der Luisenstraße. Der Kontrast zum Altbau ist schon frappierend:




  • Fortführung der 60er-Jahre!!

    Zum Neubau "Bewag-Haus" Luisenstrasse


    Der Kontrast ist erschreckend!


    Der Bau schafft es nicht nur vor lauter Langeweile und Mutlosigkeit in der architektonischen Bedeutungslosigkeit zu verschwinden sondern zudem -und das ist viel schlimmer- den Nachbarbau in seiner Wirkung zu beeinträchtigen und herabzuwerten.


    Das erinnert doch stark an die zahlreichen Sünden der 60er-Jahre!


    Bei solch einem Beispiel wundert es nicht das die historisierende und postmoderne Architektursprache von einem Großteil der Bevölkerung favorisiert wird und der modernen Architektur grundsätzlich mit Skepsis begegnet wird.


    Traurig.

  • Schwede hat leider Recht. Das ganze wäre als Solitär oder mit entsprechender Umgebung vielleicht garnicht mal so schlimm. Aber die negative Wirkung auf den Nachbarbau ist leider unverkennbar. Es hat mich selber überrascht, wie sehr der Neubau doch den Blick lenkt und die Gesamtwahrnehmung negativ dominiert. Ich hätte das nicht gedacht.

  • Erweiterung Marie-Elisabeth-Lüders Haus

    Um ein Haar dachte ich, dass die Erweiterung einen eigenen U-Bahnanschluss bekommt. Da ist Platz für mindestens drei unterirdische Ebenen:




  • Reichstag - Neues Besucherzentrum

    Wolfgang Thierse, Bundestagsvizepräsident verkündet das Vorhaben, vor dem Reichstag ein unterirdisches Besucherzentrum zu bauen. Vorbild hierfür soll das ebenfalls unterirdische Besucherzentrum des Kapitols in Washington in den USA sein (Bildergalarie: Im Keller des Kapitols).
    So soll ein ungestörter Blick auf den Reichstag gewährleistet sein.


    http://www.berliner-zeitung.de…kt,10809148,11458242.html


    http://www.morgenpost.de/berli…sch-erweitert-werden.html


    Gegenüber der Morgenpost erhofft sich Thierse, dass durch dieses Bauvorhaben auch das angedachte Bürgerforum zwischen Kanzleramt und Paul-Löbe-Haus wieder neuen Auftrieb bekommt und in das Besucherzentrum miteinbezogen wird.




    @bato:
    Was soll das denn jetzt wieder? Dieses Bauprojekt doch viel zu groß und spektaktulär als dass es hier in einem 55-seitenstarken Thread wieder in der Versenkung verschwindet.