Technisches Rathaus und Umfeld - Neugestaltung nach Abriss

  • Besten Dank für die Infos und Bilder. Beim Betrachten des Fotos stellt sich mir aber die Frage, warum man ausgerechnet vor den Kunstvereinwürfel diese beiden Bäume gepflanzt hat... :D

  • Also mir stellt sich beim Betrachten des Fotos (RMA) eher die Frage, was daran nicht harmonisch sein soll. Ich habe selten ein Gebäude aus dieser Zeit gesehen, dass einem anderen einen so hohen Stellenwert einräumt, und das sich so stark zurück nimmt, damit der alte Bestand besser wirkt. Es ist doch gerade für die damalige Zeit vorbildlich, dass man so sensibel mit der Umgebung umgegangen ist, und sogar die beiden Bäume genutzt hat, um den Wert des steinernen Hauses heraus zu heben.
    Der Vorschlag dem Kunsverein ein rekonstruiertes Haus zu geben, kann man nicht ernst meinen. Der Kuntverein würde das sicher nicht wollen, und die Räume wurden für einen komplett anderen Nutzen konzipiert, und werden nicht so leicht für den Kunstverein nutzbar sein.

  • Also ich weiß ja nicht, ob ich Tomaten auf den Augen habe. Aber mal als Gegenfrage, wie müsste man bauen, um noch einen stärkeren Kontrast zwischen Steinernem Haus und Kunstverein herauszuarbeiten? Mir fällt da kaum etwas ein, außer vielleicht den Kunstverein noch kackbraun anzustreichen oder so. Für mich ist der Kunstverein ein wunderbares Beispiel der von Mäckler so gescholtenen "Look-at-me-Architecture" - bauliche Qualität ist hier nicht zu finden, Aufmerksamkeit kriegt das Gebäude nur dadurch, dass es eben nicht zum Bestand passt. Das ist eine Form von Städtebau, die man wenigstens mal als kindisch bezeichnen darf.


    Wie schon mehrfach erwähnt, vielleicht bin ich aber auch nicht intellektuell genug zu verstehen, wozu man jahrelang Architektur studiert, um dann einen Kubus wie diesen hinpflanzen zu dürfen. Und der im Gegensatz zu einem Zweckbau plötzlich kein Kubus, sondern Kunst sein soll, nur weil er von einem Künstler = Architekten stammt?! :confused:

  • Reicht das als Antwort? Man hätte genuaso gut ein gebäude bauen könen, dass eine Kubatur hat, die nicht wort-wörtlich zurück-tritt, sondern einen hervor-springenden Bau, etwas das sich profilieren will. Der Kulturverein will das nicht, und das kann man ihm auf keinen Fall unterstellen.
    Vielleicht fändest du eine historisierend barocke Schlossfassade weniger aufdringlich?

  • Auf mich wirkt das so: Durch den nach hinten versetzten Baukörper des Kulturvereins und die Bäume davor, wird der Würfel quasi versteckt. Oder "nimmt sich zurück". Gut finde ich den Ist-Zustand allerdings nicht.


    Man sollte meiner Meinung nach schauen, wie die Kubatur des Würfels auf die rekonstruierten Häuser wirkt. Vielleicht schafft entsteht durch den Kontrast des Würfels mit den rekonstruierten und historisierenden Häusern, die ja Hinter dem Lämmchen entstehen sollen, einen ansprechenden Straßenraum, der durch das Zusammenspiel von Gotik, Barock, Moderne und Postmoderne gerade interessant wird. Schließlich wäre er dann ja das einzige moderne Gebäude. Vielleicht wirkt er aber einfach nur deplatziert....

  • Meines Erachtens wäre es das beste gewesen, man hätte den modernen Anbau völlig weggelassen. Das Steinerne Haus besteht zu 95 % aus Bausubstanz der 50er Jahre, nachdem die wenigen Reste, die zwei direkte Sprengbombentreffer übrig gelassen hatten, auch noch durch Witterungsschäden der Nachkriegsjahre abgeräumt werden mussten. "Original" ist an dem Gebäude eigentlich nur noch das kleine Gewölbe im Erdgeschoss, das sich dort hinter dem Cafe befindet. Beim Wiederaufbau wurde ausser den Geschosshöhen auch die gesamte ursprüngliche Einteilung aufgegeben, wozu brauchte es dann bitte noch diesen Anbau? Sobald man in das Haus eintritt, ist klar, dass es ein Produkt des Wiederaufaufbaus ist, einen Anbau zwecks Aussage à la "Wir haben hier nicht nur rekonstruiert, sondern auch der grandiosen Moderne eine Chance gegeben!" hätte es nicht gebraucht. Und einen barrierefreien Zugang (z. B. Fahrstuhl) hätte man auch im Haus direkt installieren können...


    Aber nachdem man in diesen Jahren in Frankfurt anderswo heiter völlig unbeschädigte Jugendstilbauten zertrümmert oder im Westend Gründerzeitler gesprengt hat, wundert mich diese ästhetische Stilblüte des Anbaus ohnehin nicht mehr.

  • In der Rhein-Main-Zeitung (= Regionalteil der FAZ) vom vergangenen Freitag ist ein kurzer Artikel mit dem Titel "Nicht noch mehr Rekonstruktionen" erschienen. Die wesentlichen Inhalte:


    - Mäckler fordert, dass auf dem Areal wirklich nur die 7 bereits genannten Häuser rekonstruiert werden sollen. Der Aufbau weiterer Häuser werde nur "zu endlosen Streitereien" führen.
    - Weiterhin plädiert Mäckler für einen Gestaltungsbeirat mit höchstens 5 Mitgliedern. Letztere sollten aber keine "dogmatischen Modernisten" sein, sondern interessiert an einer "Weiterentwicklung der Moderne". Als Beispiel führte Mäckler Rafael Moneo an.
    - Damit eine "abwechslungsreiche Gestalt" entstehe, sollten laut Mäckler unterschiedliche breite Parzellen und unterschiedliche Geschosshöhen vorgesehen werden.
    - Mäckler betonte zudem wieder, dass sich mit der Absenkung des Krönungsweges auch die Frage nach der Umgestaltung der Schirn stelle. Auch der Leiter des Historischen Museums, Jan Gerchow, sei der Ansicht, die geplante Bebauung des Areals und der jetzige Zustand der Schirn seien "nicht vereinbar". Anders als Mäckler zieht Gerchow jedoch daraus nicht den Schluss, dass in die Gestalt der Schirn eingegriffen werden müsse, sondern dass die Pläne für die Bebauung des Areals so nicht umsetzbar seien.

  • Tja, der Herr Mäckler hat halt seine eigene Meinung zur neuen Altstadt. Zum Glück gibts da aber auch noch andere,
    die für Rekonstruktionen einstehen und diese auch bauen wollen! :daumen:
    Aus einem Bericht der Rhein-Main-Zeitung vom 26.06.:
    - Franz Albrecht, Präsident des Einzelhandelverbands, bestätigt, dass er als Bauherr von zwei Häusern tätig werden wolle. Die Parzelle, auf dem das Stammhaus seines Unternehmens stand, wolle er aber nur neu bebauen, wenn er es originalgetreu wiederherstellen dürfe. (Weiß jemand, um welches Gebäude es sich dabei handelt?)
    - Otto Völker, Vorstand der Binding-Brauerei, sagte, womöglich wolle man das Traditionshaus "Grüne Linde" wiederherstellen.
    - Ähnlich äußerten sich Günter Possmann (Apfelwein-Unternehmer), Richard Kling (Bäcker) und ein Vertreter der Metzgerei Dey. (Wobei hier nicht klar wird, ob man sich nur generell auf den Areal engagieren wolle oder ob man Rekonstruktionen bevorzuge).


    Wenn die Investoren rekonstruieren wollen wird ihnen das wohl keiner verwehren und dann kann können die Bedenkenträger soviel dagegen sagen wie sie wollen ...

  • Das Stammhaus vom Herrn Albrecht ist das Haus Würzgarten, Markt 28.
    Beim Herrn Possmann kannst du definitiv, bei den anderen höchstwahrscheinlich von Rekonstruktionen ausgehen. Fragt sich halt nur welche Parzellen das wären.

  • Danke Restitutor und Gizmo. Franz Albrecht meint das Haus Würzgarten, Markt 28. Erstmals urkundlich erwähnt 1292. Ein verputztes Fachwerkhaus mit zweigeschossigem Giebel (verschiefert) und Frankfurter Nase. Steinernes Erdgeschoss und drei Obergeschosse. Besonderheit waren geschnitzte Eselsrücken über den DG-Fenstern.


    Edit: Oh - doppelt!

  • Diese Broschüre der Frankfurter CDU vom Januar 2007 (http://www.cduffm.de/bilder/pdf/Altstadt_Broschuere_CDU.pdf) zeigt u.a. auf Seite 28 eine Simulation der Goldenen Waage im Zusammenspiel mit der Schirn. Hier sind, abweichend von der späteren Magistratsvorlage zur Altstadt, auch die beiden an die Goldenen Waage angrenzenden Gebäude Höllgasse 11 und 9 zu sehen.
    Ist damit eigentlich ausgeschlossen, dass an dieser Stelle wieder Häuser gebaut werden, ob rekonstruiert oder nicht? Oder hat man diese beiden Parzellen nur weggelassen, weil das in den Bereich für den Wettbewerb über die Bebauung des Archäologischen Gartens fällt?
    Ich hoffe doch mal, dass da noch Gebäude hinkommen! Ansonstens müsste die original rekonstruierte Goldene Waage, weil dann nach Süden freistehend, ja eine historisch nicht korekte Fasade an der Südseite bekommen :nono:

  • Ein Artikel der Frankfurter Neuen Presse
    http://www.rhein-main.net/sixc…2_news_article&id=3811012
    über den ersten "Altstadt-Nutzer-Stammtisch" (vom 25.06.)


    - Etwa ein Dutzend Teilnehmer haben den Wunsch unterstrichen, möglichst viele Gebäude originalgetreu wiederaufzubauen.
    - Jürgen Aha, Gründer des Altstadtforums, wies Behauptungen zurück, nach denen die Rekonstruktion von historischen Gebäuden etwa doppelt so teuer sei wie herkömmliche Bauwerke. Tatsächlich seien es etwa 20 Prozenz Mehrkosten.
    - Aha und Albrecht stellten heraus, dass die Gebäude nicht nur außen, sondern auch innen orignalgetreu rekonstruiert werden sollten, zumindest in den Erdgeschossen.
    - Momentan haben sich mehr als 30 Firmen vom Altstadtforum als Interessenten registrieren lassen.

  • Hier findet sich ein interessantes Interview in der "Welt" mit dem diesjährigen Büchnerpreisträger Martin Mosebach und seiner Kritik an der Heimatstadt Frankfurt aufgehängt an den Rekon-Plänen auf dem Areal des techn. Rathauses. Für ihn ist Frankfurt eine Stadt der halben Sachen oder der Kompromisse, nichts wird "Ganz" gemacht, man will ein bißchen Rekonstruieren, es jedem Recht machen und kommt seiner Meinung nach damit immer nur zu einer mittelmäßigen Lösung:
    Interview in der Welt
    Interessant finde ich den letzten Satz über Frankfurt, seine Architektur und seine Bewohner (Zitat): "....Das hat sicher viele Gründe. Darunter wohl auch den, dass ein relativ kleiner Stadtorganismus sich zu einer Finanzmetropole wandelte, in der viele Menschen nur sehr vorübergehend leben, bevor sie dann in andere Städte weiterziehen. Das heimatliche Element, das Beharrende, das typisch Frankfurterische ist fast nicht mehr vorhanden. " --- "...Ich will deshalb gar nichts bejammern. Ich will nur feststellen, dass diese Stadt Voraussetzungsloser, Geschichtsloser ist als viele andere. Umso wichtiger wäre es, historische architektonische Haltepunkte wiederherzustellen."

  • Dem kann man nur zustimmen. Bedenkt man, welchen Anteil die Bausubstanz des 20. Jahrhunderts (vor allem der zweiten Hälfte) in Frankfurt hat, erscheint es absurd bis bizarr, ausgerechnet bei dieser Gelegenheit zur Stadtreparatur gerade einmal 7 von 48 Häusern (also knapp 15 %) explizit historisch bauen zu wollen. Zumal ja gerade von Seiten des Stadtplanungsamtes mit allerlei seltsamen Tricks versucht wird, weitere Rekonstruktionen auszuschliessen - obgleich eben diese durch die Magistratsvorlage eigentlich zu bevorzugen sind.


    Das Ende vom Lied wird dann wieder sein, dass keiner, weder Traditionalisten noch Modernisten mit dem Ergebnis zufrieden sind. Die Idee von den angeblich so interessanten Brüchen oder Kontrasten wird sich auch hier wie überall als Totgeburt erweisen. Zumal die "rekonstruierten Brüche" einzig dem Seelenfrieden der Altlinken dienen. Fazit: entweder alles modern oder traditionell - aber bitte nix dazwischen.

  • SPD will die Rekonstruktionen weiterer sieben Altstadthäuser

    Die SPD-Fraktion im Römer will einen Änderungsantrag zum Rahmenplan des Magistrats einreichen, der die Rekonstruktion der Häuser am Hühnermarkt vorsieht. Damit sollen dann nicht sechs oder sieben, sondern 13 oder 14 historische Gebäude rekonstruiert werden. Dies berichtet heute die Rundschau. Es handelt sich um


    • Haus zur Flechte (Markt 20/Neugasse 2), Baujahr unbekannt, erstmals 1387 urkundlich erwähnt
    • Haus Schildknecht/Haus Spiegel (Markt 18), erbaut im 17. Jahrhundert
    • Kleines Seligeneck (Markt 16), vor 1935
    • Neues Paradies/Mayreis (Markt 14), klassizistisches Gebäude, um 1800 erbaut
    • Schlegel (Markt 26), klassizistischer Steinbau, um 1830
    • Eichhorn/Goldene Schere (Markt 24) um 1800
    • Goldene Schere (Markt 22/Hinter dem Lämmchen 1) aus dem 18. Jahrhundert
  • "Wenn schon Rekonstruktionen", meinten die Stadtverordneten Klaus Oesterling und Elke Sautner am Donnerstag, "dann müssen sie auch erlebbar sein", also einen Zusammenhang bilden.
    aus dem oben verlinkten FR-Artikel

    sehr vernünftig!

  • Also bei der Lage wird es sich für jeden Investor noch rentieren zu bauen, auch wenn er rekonstruieren muss!


    So zwischen 12 und 15 Rekos wären genau nach meinem Geschmack!
    Wenn das durchging... Wahnsinn!


    Jetzt müssen die restlichen Häuser nur noch im Rahmen einer Bauausstellung "moderner Holz und Lehmbau im urbanen Kontext" realisiert werden und ich bin glücklich bis ans Ende meiner Tage :daumen: