Technisches Rathaus und Umfeld - Neugestaltung nach Abriss

  • Stimmt eigentlich, ist gar nicht so schlecht.
    Wenn es nicht schon bestünde, müßte man es fast rekonstruieren. Das kleinteilige Technische Rathaus.

  • Ich wuensche allen Reko-Befuerwortern Glueck und Durchhaltevermoegen.
    Diese "Disneylandargumente" gehen mir persoenlich voll auf den Sack. Wohin schleppen wir denn unsere auslaendischen Besucher voller Stolz? Welche Motive sehen wir weltweit auf deutschen Postkarten und in Deuschlandbuechern? Sind es nicht Schloesser wie Neuschwanstein und Herrenchiemsee? Es sind genau diese "Disneylandschloesser"!! Viele Leute werden jetzt argumentieren, ja aber die wurden ja auch vor 150 Jahren gebaut!!
    ABER selbst vor 150 Jahren waren dieser Schloesser nichts anderes als Kitsch. Die Werke eines vertraeumten, geisteskranken bayrischen Koenigs, der in seiner kleinen Phantasiewelt lebte (undzwar im loyalistischen Frankreich des 17. und 18. Jahrhunderts).


    Heute kann ich nur sagen, Gott sei Dank gab es diesen Traeumer. Welch ein Verlust waere es fuer Deutschland, wenn wir nicht unser "Maerchenschloss" oder "kleines Versailles" haetten.

  • Übrigens, der Artikel in der Rundschau zu der Veranstaltung im Architekturmuseum mag sachlich-zurückhaltend gewesen sein, der zugehörige Kommentar von Frau Michels wird aber in einigen Punkten deutlicher. Hier ein kleiner Auszug:


    "In der Architektur nach Geborgenheit zu suchen, hat aber nichts mit einer reaktionären Haltung zu tun. Wohnen nicht die Architekten vieler wuchtiger Büro-Maschinen, wie sie etwa die Mainzer Landstraße prägen, am liebsten in den Wohnquartieren, die die Vorväter geschaffen haben? Wer solche Emotionen überheblich überspielt, braucht sich über den Wunsch nach Fachwerk-Kulissen nicht zu wundern."

  • Zitat von Futz77

    Die Werke eines vertraeumten, geisteskranken bayrischen Koenigs, der in seiner kleinen Phantasiewelt lebte (undzwar im loyalistischen Frankreich des 17. und 18. Jahrhunderts).


    off topic


    Hmpf. Er war nicht geisteskrank.

  • Zitat von yyyves

    Vielen Dank für den ausführlichen Bericht...



    ...und das ist meine Rede seit 1840. Die Spezialisten sollten wieder anfangen geeignete Projekte im Sinne der Allgemeinheit zu planen, und Ihr Kunstverständnis an dafür vorgesehen Bauten auszulassen...


    Da ich gerade das Buch über den Wiederaufbau der Löwenapotheke zu Aschaffenburg lese, kann ich nicht anders als festzustellen, dass sich in der Tat die damalige Diskussion jetzt in Frankfurt wiederholt und die "Experten" ihre Rolle in gleicher Weise missverstehen. So berichtet dieses Buch über den Streit in Aschaffenburg in den 90ern:


    "Der 'Fachwelt' schien die Aufgabe zuzufallen, die Rationalität gegen das angeblich nur gefühlsmäßige Engagement der Laien zu verteidigen."


    Der Satz könnte genauso gut auf die Diskussion im Frankfurter Architekturmuseum vom letzten Dienstag bezogen sein. Genau in diese Rolle haben die Herrschaften auf dem Podium sich angemaßt.

  • U-Bahn und Parkhaus

    Hallo,


    ich habe die Debatte jetzt eine ganze Zeit lang verfolgt und will mich nun auch ein wenig einbringen. Ich selbst zähle mich zu den Befürwortern einer Altstadt-Rekonstruktion, wie sie von Kardinal vorgeschlagen wird und freue mich über den großen Zuspruch und die wachsende Präsenz in den Medien. Dabei habe ich aber das Gefühl, dass ein wichtiger Punkt bisher ausgeblendet wurde:


    Unter dem Gebiet befindet sich die U-Bahn Station Dom/Römer, sowie ein Parkhaus unter dem Technischen Rathaus. Insbesondere bei der U-Bahn frage ich mich, ob (nach dem jetzigen Modell) nicht die Zugänge und evtl. auch Lüftungsschächte zugebaut oder die Station gar verlegt werden müsste.


    Vielleicht gibt es dazu ja schon Ideen? Ich denke zumindest, dass es ein Drama wäre, wenn die Reko zum Schluß an solchen Detailfragen scheitern würde. Ein ähnliches Problem besteht ja angeblich mit dem Neubau des Hauses am Dom.


    Wer könnte dazu was sagen? Dominik?


    Ansonsten, weiter so und tragt euch fleißig in die Listen ein! :daumen:

  • Irgendwer hat doch auch mal gesagt, dass Architektur nicht nicht-emotional sein könne, insofern ist der Standpunkt ratio versus emotion tatsächlich schwachsinnig.

  • Also bevor man ueber UBahnverlegungen nachdenken will, sollte man auch ein bisschen flexibel bei einer Reko sein und kleine Abweichungen im Kauf nehmen.
    PS: willkommen im forum

  • Flexibel

    Es gibt offene Fragen zum Thema U-Bahn.


    So hat der Mann vom Planungsamt gesagt, eine Absenkung sei um maximal 1,80 m möglich. Das hieße 30 cm über dem historischen Niveau. Jetzt liegt aber der Vorschlag vom Büro Engel auch nur 10 cm über dem historischen...was ist da also richtig.
    Wenn dem so ist, sollte man sich fragen ob man bei 30 cm Unterschied das ganze Projekt scheitern lassen soll. Eine Umlegung ist jedoch genauso Blödsinn, wie viele andere Behauptungen auch. Und die Zugänge (den östlichen) zur U-Bahn wird man bei jeder Neubebauung berücksichtigen müssen.
    Aber eigentlich stellt sich die Frage gar nicht, da in der heutigen Ausgabe der FAZ Frau Ingeborg Flagge (Direktorin des Architekturmuseums) den Befürwortern einer Rekostruktion in einem ich-wollte-mal-witzig-sein-Artikel unterstellt, sowieso nur Phantasiekulissen zu errichten.
    Daß das Gegenteil der Fall ist, habe ich schon hinreichend erläutert. Und zwar nicht nur in diesem Forum, sondern in nahezu jedem Gespräch, so auch am letzten Dienstag in Frau Flagges Anwesenheit.


    Also wird hier wie so oft versucht, die "anderen" mit Falschinformation und Unterstellungen zu diskreditieren.:Nieder:

  • Nein, verzagen werde ich nicht...macht aber wütend, wenn man so dreist angegangen wird.


    Eigentlich hätte die FAZ da auch mehr Fingerspitzengefühl beweisen können. Nicht, weil sie eine andere Meinung abdrucken, das ist sogar ihre Pflicht. Aber ein als Satire getarntes Sammelsurium von Unterstellungen und Diffamierungen einer Person, welche...ACHTUNG, jetzt kommt es:


    Bereits 2004 ein Buch über die Architektur des Büros KSP Engel und Zimmermann veröffentlicht hat...ob da jemand beleidigt war, weil man nicht die Größe und Erhabenheit des Siegerentwurfes erkennen will?

  • @ LugPai
    Danke :)


    Kardinal


    Der Tenor sollte natürlich nicht sein, dass ich das Projekt wegen dem Eingang zur U-Bahn in Frage stelle. Ich vermute bloß, dass von den Reko-Gegnern dieses Argument irgendwann kommen wird und je umfassender wir darauf vorbereitet sind, desto besser! Stell dir mal vor, dass U-Bahn Argument wird gegen die Reko ins Feld geführt und man könnte z.B. direkt mit einem oder mehreren Entwürfen dagegen halten, in denen dieser Aspekt bereits berücksichtigt wird.


    Interessant wäre es auch, wenn mal jemand auf dem Altstadt-Entwurf einzeichnen könnte, an welchem Ort sich die (Roll-)treppen befinden würden.

  • Die östliche Rolltreppe/Wendeltreppe müsste ein Stück nach Norden versetzt werden (wenn man aus dem U-Bahnhof herausgeht, liegt diese auf der rechten Seite des, will mal sagen, Ausgang der Zwischenebene und müsste auf die linke Seite verlegt werden. Dann wäre die Rolltreppe/Wendeltreppe genau auf dem Krönungsweg.
    Der westliche Zugang liegt nach wie vor frei.
    Im Übrigen war es nicht ganz richtig, was der vom Planungsamt gesagt hat. Es liegt nämlich nicht an der U-Bahn, daß man nicht auf das ursprüngliche Niveau herabkönne, sondern an der Zufahrt zur Tiefgarage. Deshalb ist das oben beschriebene Problem mit den historischen Höhen auch meines derzeitigen Erachtens sehr gut lösbar.

  • Ich hätte mal einen unorthodoxen Vorschlag:


    Für jedes Hochhaus in Ffm. - sagen wir mal ab 80 M - verpflichten sich bisherigen Investoren freiwillig, ein Reko-Baufeld/Objekt in der Altstadt zu finanzieren, indem X% vom Investitionsvolumen in einen Förderfond eingezahlt werden (müsste man mal bei den Banken vorsprechen, Kardinal :) * . Wenn so 10 Finanzdienstleister zusammen sind, zieht die Stadt nach und macht pro neues HH eine Reko zur Pflicht. Der Förderfond sorgt dafür, dass die Rekos nicht zur Spekulation sondern die Miete in den Rekos finanzierbar bleibt. Mieter können nur werden, die auch privat "Mietglieder" des Förderfonds sind - so gäbs drei Säulen der Finanzierung aus Wirtschaft, Stadt und von Bürgern.


    Kam mir so gerade unter der Dusche ;)


    *Mal im Ernst, Förderverein Alstadt e.V. gründen, Konzept in PPT und als Broschüre, kräftig PR und Akquise bei den Finanzvorständen in Ffm. - Da mach ich mit!

  • Mal ganz etwas Anderes : In Braunschweig passiert gerade etwas erstaunlich Vergleichbares ! Dort wird ja in Verbindung mit ECE ein Teil des alten Stadtschlosses rekonstruiert - der Außenbau wird originalgetreu wieder am Bohlweg stehen - genau wie das Palais Thurn und Taxis in FFM.


    Gestern überraschte der Rat der Stadt - genauer die Fraktionen von CDU und FDP - mit dem Vorschlag das neue Rathaus, ein Betonbau von bis zu 10 Stockwerken, der an das alte gotische Rathaus aus dem 19. Jahrhundert "geklatscht" wurde, abzureissen und so die historische SIchtbeziehung zum Schloss wieder herzustellen !


    Ich bin bald umgefallen wie ich das gelesen habe und musste sofort an FFM denken !


    An der Stelle des jetzigen Rathaus-Neubauklotzes standen vor dem Kriege eine ganze Reihe kleinerer Wohn- und Geschaftshäuser wesentlich niedrigerer Bauhöhe, zum Teil auch sehr alte Fachwerkhäuser. Diese sind im Kriege zu fast 100 % vernichtet worden. Darüber war die Fassade des neugitischen Rathauses von 1894 - 1900 vom Stadtbaurat Ludwig Winter bewusst als Sichtachse zum Schluss geplant und gebaut worden - diese Beziehung ging durch den massiven Anbau verloren


    Der Neubau gehört der Stadt auch nicht allein. Sondern es gibt zehn Mitbesitzer, die Grundeigentümer der im Krieg zerstörten Häuser welche zum Bohlweg hin eine zweigeschossige Ladenzeile - die Rathaus-Arkaden betreiben.


    Seit klar ist das ECE das Schloss mit angrenzendem EInkaufszentrum baut und der gesamte Bohlweg - bis 1945 die Flaniermeile und das Zentrum schlechthin in Braunschweig - vor dem Baustart heruntergekommen zur Spielbuden- und Fressmeile, saniert und massiv verschönert wird geben sich Investoren die Klinke in die Hand !


    Ganze Baublöcke im Umfeld werden abgerissen, saniert und verschönert - und jetzt wird sogar noch das Rathaus in die Waagschale geworfen !


    Man darf sehr gespannt sein !


    Nebenbei : Die Investitionssumme aller ( laufenden udn genehmigten )Projekte in der Innenstadt von BS nagt mittlerweile an der 600-Milionen-Euro-Grenze ! ;-))


    Hier noch der Link zur Braunschweiger Zeitung : Auf dem Foto kann man den Rathaus-Neubau sehen und links am Bildrand das alte neugotische Rathaus. Die Ladenzeile in den unteren beiden Stockwerken ist auch erkennbar !


    http://www.newsclick.de/index.jsp/menuid/2046/artid/4669662


    Schaut einfach mal rein und sagt eure Meinung dazu ! Würde mich interessieren !

  • Danke für die nachhaltigen Reaktionen und positiven, mutmachenden Kommentare. War halt ne Idee. Ich geh gleich schlafen, werden morgen wieder duschen und vielleicht kommt mir ne bessere..... ;)