Karlsruhe: Kombi-Lösung (in Bau)

  • Wenn man eh Muehe haben wird, zu erfassen, worum es geht, warum dann nicht ein anderes harmloseres Thema nehmen?
    Die These, dass Kunst, die allen gefaellt, keine Kunst sei, duerfte auch sehr gewagt sein. Definiert sich Kunst tatsaechlich darueber, auf Widerstand zu stossen?
    Es ist eine haeufige Begleiterscheinung, aber doch keine Voraussetzung.
    Ansonsten waere eine Skulptur, die den unwahrscheinlichen Effekt hat, allen zu gefallen weniger kuenstlerisch als wenn jemand seinem Nachbarn einen Betonklotz vors Fenster stellt, weil ja zumindest dieser Nachbar nicht begeistert waere.
    Gerade wenn es um langfristige bzw dauerhafte Installationen geht, sollte man den Buerger mitreden lassen.
    Nur weil ich es nicht bezahlen muss, will ich auch nicht iwelchen religioesen Motiven vor meinem Wohnzimmerfenster ausgesetzt sein muessen.
    Es geht mir beim Mitspracherecht auch nur um die oeffentlichen Raeume, alles andere sollte selbstverstaendlich frei sein.

  • Was häufig vergessen wird: Die Kunst am Bau wurde ordnungsgemäß ausgeschrieben, den Zuschlag erhielt eine Lichtkunstinstallation; das Demokratieprinzip wurde gewahrt. Die Lüpertz-Kunst interferiert in keinster Weise mit diesem Kunstkonzept. Aber der Umstand, dass alle über Lüpertz diskutieren, und die meisten nicht einmal wissen, wie das Lichtkunstkonzept überhaupt aussieht, spricht für sich. Ich finde es positiv, wenn über Kunst gestritten wird und Gemüter erregt werden. Alles andere ist langweilig.
    Außerdem kann man dem Lüpertz-Projekt kein Demokratiedefizit vorwerfen, schließlich hat der Gemeinderat ja zugestimmt. Ich habe das Gefühl, dass all jene Künstler und Kunstschaffende, die sich jetzt gegen Lüpertz positionieren, sich ärgern, nicht selbst eine gute Idee vorgebracht zu haben. Aber das können sie dann ja in sechs Jahren. Lüpertz und Goll waren einfach am schnellsten.
    Aber am Ende gibt es ja zwei Künstler, die in den Haltestellen konkurrieren. Dann kann der Zuschauer entscheiden, was ihm besser gefällt.

  • Es mag ja eine Art demokratischer Entscheidung gegeben haben durch die Abstimmung, dennoch gab es vorher keine oeffentliche Diskussion oder sie ist an mir und all den Kritikern unbemerkt vorbei gegangen.
    Dass es da bei dieser Thematik des Projektes massive Kritik geben wuerde, sollte ja wohl verstaendlich sein.
    Aber vllt darf man ja auch kein irgendwie geartetes Mitspracherecht erwarten, wenn einem ein solches Projekt geschenkt wird, jemand den oeffentlichen Raum der Haltestellen quasi fuer seine Zwecke kauft ...

  • Kunst soll nicht gefallen, sie soll was bewirken. Wenn dein Betonklotz nur Frust erzeugt, sollte man ihn weg sprengen, so einfach ist das. Kunst ohne Wert, Wert der aus dem bewirken entsteht, sollte keinen öffentlichen Raum besetzen. Soll sie gefallen ist es eher Handwerk, denn Kunst.


    @Bewirken (Gefühle freisetzen)
    Das gilt insbesondere für die abstrakte Kunst, wie sonst könnte man Werke gut heißen auf denen der Künstler nur einen Schnitt mit dem Tapeziermesser gemacht hat (Lucio Fontana), was gab es damals für Diskussion in Stuttgart, als das Kunstwerk für mehr als 1 Mio erworben wurde.

  • Die Argumentation ist doch aeusserst schwammig.
    Wenn Kunst etwas bewirken, aber nicht gefallen soll, inwiefern passt denn da der Betonklotz nicht hinein?
    Er gefaellt nicht, bewirkt aber Ablehnung, vllt sogar ein rabiates Handeln, wie das Wegsprengen.
    Wenn das nicht ein Freisetzen von Gefuehlen ist, weiss ich auch nicht.
    Man kann sich natuerlich auch Dinge zwanghaft schoen argumentieren ...

  • Ich verstehe die ganze Aufregung über diese "Kunstwerke" auf einem relativ kleinen Bereich der Haltestellenwände nicht. Ich finde es schön, dass es noch Menschen gibt, die der Allgemeinheit etwas schenken möchten. Auch wenn einem dieses Geschenk nicht unbedingt gefällt, braucht man sich doch nicht so dagegenstellen. Es entsteht doch keinem ein Schaden dadurch (abgesehen von den Ausfällen der Werbeeinnahmen, was ca. 2 Cent pro Jahr pro Karlsruher Bürger wären).
    Obwohl ich kein Fan von Lüpertz-Kunst bin, lasse ich mich gerne überraschen was dabei rauskommt.
    Manche scheinen bedenken wegen dem religiösen, semitischen Hintergrund zu haben. Das kann ich gar nicht nachvollziehen, da die Erzählung der Schöpfungsgeschichte in erster Linie ein wichtiges Erbe der Menschheitsgeschichte ist, ähnlich wie andere Historische Erzählungen (Ob nun wahr oder erfunden). Außerdem verbindet die Schöpfungsgeschichte die drei großen Religionen, das Judentum, das Christentum und den Islam. Ich bin aber davon überzeugt, dass Lüpertz den religiösen Hintergrund weitgehend aussparen wird.

  • Die Antwort selbst geliefert und mal etwas bescheidener, wer bin ich, dass ich hier dir mit ein paar Zeilen erklären kann, was Kunst ist. Ich beende den Ausflug mit meinem persönlichen Lieblingszitat von Friedrich Schiller

    Zitat

    Kannst du nicht allen gefallen durch deine Tat und dein Kunstwerk,
    mach' es wenigen recht; vielen gefallen ist schlimm.

  • Wer Mottos braucht lebt NICHT,
    das ist ein wahrer Spruch über den man nachdenken könnte, insbesondere wenn man sich überlegt, warum der Parlamentarische Rat damals weise entschieden hat keine Volksbefragungen für Deutschland vorzusehen.
    Schiller hat dies schon um 1800 erkannt, also ganze 150 Jahre vorher.

  • Ein paar Eindrücke vom Tag der Offenen Baustelle am 16. September 2017:



    Die Rampe in der Ettlinger Straße:




    Die Station Kongresszentrum:






    Die Tunnelstrecke vom Kongresszentrum in Richtung Ettlinger Tor:




    Die Station Marktplatz des Südabzweiges:




  • KOMBILÖSUNG

    Das wohl beeindruckendste Bauprojekt unserer Zeit in Karlsruhe nähert sich der Zielgeraden.


    Leider hat die Kombilösung hier im Forum viel zu wenig Aufmerksamkeit erhalten.


    Wer selbst noch keine Gelegenheit hatte durch die neuen U-Bahn Tunnel in Karlsruhe zu laufen bekommt hier in der Galerie schon ganz gute Eindrücke von den zukünftigen Haltestellen, den Zwischenebenen usw.


    https://bnn.de/lokales/landkre…ruher-u-bahn-momentan-aus

  • Ja, das Thema geht gemessen an seiner Bedeutung fuer die Stadt hier nahezu unter. Aber das mag auch daran liegen, dass es hier nicht allzu viele Karlsruher gibt.
    Ich selbst kann es kaum erwarten, endlich durch den Tunnel zu fahren. Schienenmaessig muesste das ja schon jetzt moeglich sein, da waehrend der Sommerferien die Rampen an das Schienennetz angeschlossen wurden, zumindest die westliche.
    Insofern ist es schon ein wenig frustrierend, dass wir noch mindestens bis 2021 warten muessen. Klar ist aber auch, dass zuvor noch ausfuehrlich getestet und geschult werden muss.
    Insofern waere ich ja schon zufrieden, mal etwas Konkretes zum kuenftigen Liniennetzplan zu lesen. Aber auch da werden wir uns noch gedulden muessen.