Dresden: Postplatz - Planung und Bebauung

  • Im Jahr 2021 wurde eine Baufertigstellung für Ende 2025 besagt - also jetzt. Tja. Gut, daß es jetzt weiterzugehen scheint.

    Ich erinnere nochmal an meinen Favoriten: eine Applikation des ehem. Palasthotel Weber - also ich meine den zweiten Bau an der Stelle.

    Im Post #814 (Mai 2021) hatte ich zwei Visualisierungen zur groben Vorstellung gebastelt, die ich hier nochmal anekdotisch vorbringe.

    Wie vermutet, passt es hervorragend. Freilich würde die Kubatur den heutigen Straßenverläufen angepasst.

    Es wäre auch ein moderner Entwurf auf genau dieser Basis gut machbar. Jetzt kommt quasi ein etwas besseres Pendant zum Wilsdruffer Kubus.

    (Quelle: Postkarten aus altes-dresden.de - A.Hartmann 1912 (li.), M.Köhler 1924 (re.))

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  • Ziegel ein Mansardflachdach? Auf einem expressionistisch anmutenden Neubau? Das würde einfach nur lächerlich aussehen...

    Und auch ein Staffelgeschoss würde bei dem Neubau hier nicht passen.

    Einfach so bauen und dann passt des :)

    Weiß jemand ob das ne Naturstein- oder gar Sandsteinvorhangfassade wird?

  • Dekoratives Anführungszeichen

    ein Mansardflachdach? Auf einem expressionistisch anmutenden Neubau? Das würde einfach nur lächerlich aussehen...

    Das Stadthaus nebenan, ein großartiger Vertreter expressionistischer Architektur, ist mit einem Schrägdach versehen. Und das Stadthaus macht auch vor, wie man eine Fassade gliedert (unter anderem mit Rücksprüngen) und auch, wie man eine steinerne Oberfläche so gestaltet, dass sie monolithisch und nicht nur vorgehangen wirkt.

    Auch wenn ich den neuen Entwurf überdurchschnittlich gut finde, gegen das hundert Jahre alte Stadthaus stinkt er gewaltig ab.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Weiß jemand ob das ne Naturstein- oder gar Sandsteinvorhangfassade wird?

    Es ist noch nicht einmal klar, ob das Haus überhaupt gebaut wird. Die genaue Ausgestaltung wird geklärt, wenn ein Bauherr gefunden ist. Vorgabe im B-Plan, der oben verlinkt ist, ist "Natur- oder Betonwerkstein".

  • ^ Na na, das Weber würde den heutigen Postplatzentwurf am Platze grundlegend ändern, und den Blick zum Zwinger verriegeln.

    Der Platz an sich ist ein mE guter Entwurf, den sollte und kann man jetzt nicht mit Baukörpern der Historie garnieren - ausser dem Adamschen Haus.

    Das Adam ist tatsächlich möglich und sinnvoll, nur baurechtlich dürfte es sehr schwierig sein, denn der Kubus müßte zustimmen, sich zu verbauen.

    Das Palasthotel Weber stand zudem schief nach hinten und bildete einen städtebaulich hässlichen offenen Winkel zum Schauspielhaus.

    Überhaupt war die ganze Westflanke des alten Vorkriegs-Postplatzes städtebaulich überhaupt nicht fertiggebaut, es war Kraut und Rüben.

    Also wenn schon, dann müßte das Weber als Adaption und als längliche Vorblendung vor Schauspiel und Post-Kontor längsgestellt werden, also eine

    völlig andere Form haben als ehedem. Ich wäre vermutlich dagegen, denn die eigentliche kleine Platzfläche des Postplatzes würde verkleinert (nicht die riesige Verkehrsfläche), der Platzeindruck wäre eng und verbaut. Genau deshalb sah ich es als einzige Möglichkeit, hier am MK4-Baufeld eine Neuaufführung des Weber hinbekommen zu können. Insofern sollte man sich künftig höchstens noch am Adamschen Hause abkämpfen, weil es das Gesamtbild doch enorm aufwerten und verschönern würde. Auf die Gastro-Umbauung könnte man in Teilen verzichten, sofern es räumlich sein muß.

    Kann mal jemand das Adamsche Haus vor dem Wilsdruffer Kubus visualisieren?

  • Schnelle Visualisierung (das Adamsche Haus steht allerdings verkehrt herum, zu sehen ist die Vorderseite zur Sophienstraße hin):

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    Bildnachweis: Jörg Blobelt, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

    Dekoratives Anführungszeichen

    Na na, das Weber würde den heutigen Postplatzentwurf am Platze grundlegend ändern, und den Blick zum Zwinger verriegeln.

    Der Blick zum Zwinger würde von der Nordecke des Postplatzes inszeniert werden. Das täte der v. a. durch den Motel-One-Riegel zerklüfteten Platzfläche gut, denn dann wäre sie klarer gefasst, wenn Richtung Zwinger sowieso keine Platzwand existiert und somit eine Art Theater entsteht (mit dem Zwinger auf der Leinwand sozusagen).

    Dekoratives Anführungszeichen

    Das Palasthotel Weber stand zudem schief nach hinten und bildete einen städtebaulich hässlichen offenen Winkel zum Schauspielhaus.

    Überhaupt war die ganze Westflanke des alten Vorkriegs-Postplatzes städtebaulich überhaupt nicht fertiggebaut, es war Kraut und Rüben.

    Die Form des Palast-Hotels Weber folgte der Großen Zwingerstraße, wie sie auch vor dem Bau des Schauspielhauses bestand. Wenn, dann ist also das Schauspielhaus der Übeltäter. Ich fände die beidseitig gewölbte Fläche des kleinen Platzes zwischen Post-Kontor und Palast-Hotel Weber sogar schlüssig und keinesfalls hässlich, zumal das Schauspielhaus an seiner Südostecke ja selbst mit diesem Motiv spielt. Das Palast-Hotel Weber hat die "Kraut und Rüben"-Situation (eigentlich ja eine Rückseite mit Gärten) erstmals städtebaulich zum Postplatz hin geordnet, in Zusammenspiel mit dem Schauspielhaus, deren Architekten ja für beide Gebäude verantwortlich zeichneten - die städtebauliche Wirkung des Gebäudes sieht man an dieser Nachkriegsaufnahme noch recht gut:

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    Bildnachweise: Brück & Sohn Kunstverlag Meißen, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

    Dekoratives Anführungszeichen

    die eigentliche kleine Platzfläche des Postplatzes würde verkleinert (nicht die riesige Verkehrsfläche), der Platzeindruck wäre eng und verbaut.

    Was war und ist der Postplatz denn anderes als ein Verkehrsknotenpunkt - seit dem Wilischen Tor war hier Verkehrsinfrastruktur. Das, was hier an sonstiger Nutzung stattfindet (Winterdorf, Riesenrad, Café-Außenbereich) hat mit dem Platz an sich doch überhaupt nichts zu tun und existiert nur, weil hier eben Platz ist und die Käseglocke (ein Verkehrsbauwerk!) keine andere Nutzung zulässt. Ein kleinerer und enger gefasster Platz könnte sogar zur Belebung beitragen.

  • Beide Gebäude, Weber und Adam, sind zwei fantastische Einzelbauten, deren Architektursprache ich liebe. Doch beide Gebäude passen nicht mehr zum modernen Postplatz und würden wie Fremdkörper wirken. Auch wenn ich noch so ein großer Verfechter und Freund historischer Rekonstruktion bzw. historisierenden Aufbaus bin, so finde ich den modernen Postplatz doch mittlerweile recht gelungen und ziemlich stimmig.

    Auch die Visualisierung des zu bauenden Post-Kontors halte ich für das Gesamtkonzept Postplatz sehr gelungen.

    Nur sollte man m.E. die einzelnen Platzbereiche zu den Verkehrswegen mit Baumreihen abgrenzen, die Marienstraße direkt auf die Annenstraße führen und das Verbindungsstück zum Postplatz diesem hinzufügen (Baumreihen/Begrünung, Außenrestauration). Die Zufahrt zu den Tiefgaragen (Uhrhaus, Altmarktgalerie) sollte dann über Marienstraße - Annenstraße - Hertha-Lindner-Straße führen. Dies würde den Gesamtbereich aufwerten und die Aufenthaltsqualität erhöhen.

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    Schnelle Visualisierung (das Adamsche Haus steht allerdings verkehrt herum, zu sehen ist die Vorderseite zur Sophienstraße hin)

    Bist du dir sicher, dass das Adamsche Haus so weit gen Süden stand und ergo den Kubus so wenig verdecken würde? Auf http://www.altesdresden.de sieht es zwar so aus, aber die Überlagerung der Karten stimmt dort nicht ganz. Ich gehe davon aus, dass der Grundriss im Pflaster und die Erinnerungs-Pfeiler der Sophienkirche, die dort heute stehen, an der korrekten Stelle errichtet wurden.

    Joe "Passen nicht mehr zum modernen Postplatz" - das mag stimmen, aber dafür passen sie zum historischen Postplatz, nämlich dem Schauspielhaus und dem Zwinger. Und beide scheinen mir dann doch bedeutender als die Seltsamkeiten, die dort in den letzten 30 Jahren entstanden sind. Vielleicht kommt man eines Tages doch dazu, etwas an diesen Ort zu bauen, das zu diesen historisch bedeutsamen und zum Glück erhaltenen Denkmälern passt.

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    Bist du dir sicher, dass das Adamsche Haus so weit gen Süden stand und ergo den Kubus so wenig verdecken würde?

    Ja, ziemlich. Ich habe den alten Stadtplan und die heutigen Flurstückgrenzen (die dort noch so bestehen) übereinandergelegt. Es bleiben die nördlichen drei Fensterachsen des Kubus frei und auf der Visualisierung sieht man vier, weil der Aufnahmestandort etwas versetzt ist. Die Collage ist aber natürlich trotzdem freihändig entstanden und könnte um ein paar wenige Meter ungenau sein - es ging mir um den Eindruck. Das Adamsche Haus ist aber nur ungefähr halb so breit, wie der Kubus und würde auch die südlichste Fensterachse desselben fast vollständig frei lassen.

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    [...] "Passen nicht mehr zum modernen Postplatz" - das mag stimmen, aber dafür passen sie zum historischen Postplatz, nämlich dem Schauspielhaus und dem Zwinger. Und beide scheinen mir dann doch bedeutender als die Seltsamkeiten, die dort in den letzten 30 Jahren entstanden sind. Vielleicht kommt man eines Tages doch dazu, etwas an diesen Ort zu bauen, das zu diesen historisch bedeutsamen und zum Glück erhaltenen Denkmälern passt.

    Da gebe ich Ihnen absolut Recht.

    Man hätte nur vorher bereits in den 90er Jahren mit der historischen Rekonstruktion beginnen müssen (Stichwort Sophienkirche statt Avanza-Riegel). Zur besseren bzw. moderneren Platzfassung hätte man auch gegebenenfalls modernere Baukörper wie am Neumarkt gestalten können. Das wäre ein Traum gewesen. Aber dieser Zug ist (leider) abgefahren. Und wenn der Postplatz in Zukunft umgestaltet werden sollte, so bin ich schon lange nicht mehr am Leben.

    Aber ich hoffe noch zu meinen Lebzeiten den Postplatz als Ort mit Aufenthaltsqualität erleben zu dürfen.

  • zum Adamschen Haus: Falls es wirklich von der Grundfläche nicht so groß sei, dann - das schätzte ich mal vor Ort grob ab - könnte sogar die eine Reihe Platanen stehen bleiben. Ein "Argument" weniger gegen einen Reko-Neubau. Ich jedenfalls mache mir den stets kolportierten Vorsatz nicht mehr zu eigen, daß man in einem (modernen) Neubauumfeld keinen Altbau zulassen könne, da jener nicht "reinpaßte". Früher glaubte ich der Erzählung, nach Überlegung vertrete ich den gegenteiligen Ansatz: Doch!, man kann einzelne Rekos oder adaptive (historisierende) Neubauten neben oder in gänzlich moderne Umfelder stellen. Der Kontrast (und ggf Schmerz) ist auszuhalten, eine Auseinandersetzung mit Baukultur wäre angereizt und nicht apriori ausgeschlossen/vermieden.

    Hier am konkreten Beispiel wäre es die Rückgewinnung von Würde und Schönheit am Platz, sowie eines wunderbaren Barockbaus samt Strahlwirkung.

    Und kleine Erinnerung: wir sind hier in der ALTSTADT, und nicht an einem City-Entlastungsgebiet mit vielen Büroklötzern. Die Vielfalt fehlt heute.

    Die genaue Grundrißgröße des Adam müßte man mal im Stadtplan von heute eintragen, dann könnte man ggf etwas schieben, oder es mit kleinem Sockel gar größer als anno errichten. Es muß ja keine 1:1-Reko sein, sondern kann ein adaptiver Nachbau in eigener Größe paßgenau sein.

    Auf der anderen Postplatz-Seite ist im EG der Mary-Ann-Apps eine italienische Großgastro-Kette eingezogen, sofort wirkt es hier belebter und gemütlicher.

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  • Hier eine Überlagerung auf altesdresden.de mit os.maps dort vermischbar. Am Taschenbergpalais sieht man die kleine Verschiebung der Karten zueinander.

    Das Adam müsste also noch 5mm nach links und 4mm nach oben. Im Grunde entsteht problemlos das alte Stück Sophienstrasse.

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    Man sieht, daß der alte Postplatz kein Platz war sondern lediglich eine Verkehrskreuzung, hinzu kam die baulich unfertig-zerfranste Westseite.

    Das Palasthotel Weber nahm quasi die mögliche echte Platzfläche ein. Das würde ich heute nicht mehr für vorteilhaft bewerten.

    Unten der echte Standort des alten Adam sowie die echte Umrandung des Wilsdr. Kubus. Das Adam paßt ohne Gastrosockel überall hin, es war nicht groß.

    Mit Sockel wäre es entweder an der südwestlichen Ecke abzuschneiden, was baulich machbar ist. Besser aber ist eine Verschiebung nach Norden sowie eine leichte Drehung zur Parallele zum Kubus. Das Adam blickte dann etwas mehr zum Zwinger, was ich gut fände. Da sich die alte Sophienstraße als Zwischenraum ergäbe, scheint dies baurechtlich ggf einfacher als anfangs gedacht. Es gibt auch keinen Anspruch auf Unverbaubarkeit seitens des Kubus.

    Aber es ist sicherlich ein politischer Beschluß zum B-Plan-Verfahren nötig, um den Willen der Stadt zur Reko/zum Neubau darzulegen, unter Inkaufnahme der Blicknachteile für den Kubus. Da wir uns in einer Stadtmitte befinden, halte ich Klagen wegen Preisverfall bzw Vermarktungsproblemen für kaum durchklagbar, denn dann müßte es ja ständig und überall solche Klagen vor Gericht geben, daß irgendwer neben einem baut und irgendwas sich verschlechtert.

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    Grafikquelle: altesdresden.de + openstreetmaps

  • Post Kontor - jetzt Offenlage des Bebauungsplanes bis 27. Februar

    Link zur Offenlage. Dort sind unten die Unterlagen einsehbar. TG-Zufahrt ist hinten zur Theaterstrasse. Architektur by Henning Larsen, Büro München.

    Im Erschließungsplan sieht man ein GUW (?Gleichrichterumspannwerk?) mit heutigem Treppenzugang dann innerhalb des Neubaus.

    Hier mal ein Schnitt aus dem Vorhabenplan. Der Innenhof ist doch recht klein, eher ein Lichthof, da kommt vermutlich nix Besonderes raus.

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    ^ quelle Abb.: aus der Offenlage der LHD, Amt für Stadtplanung