Dresden: Postplatz - Planung und Bebauung

  • Man muss doch mal ganz ehrlich sein und festhalten, dass dieser Entwurf nichts anderes als eine architektonische Bankrotterklärung darstellt. Nur mal zur Einordnung, wir befinden uns in der Dresdner Altstadt, Semperoper, Zwinger und co. sind nur ein paar Meter entfernt.


    Es ist kaum zu glauben, was außerhalb des Neumarktgebiets hier ununterbrochen für ein trivialer Müll entsteht (sorry, aber manchmal muss man es auch mal so sagen, wie es ist). Dies hat auch nichts mehr mit Moderne vs. historisierender Architektur zu tun, es ist faktisch keine Architektur mehr.


    Alles immer noch billiger zu machen, das treibt man in Dresden aktuell auf die Spitze. Egal ob Wiener Loch, Postplatz oder jetzt dieses Ungetüm, es entstehen nur banalste Kisten, die jeden Anspruch vermissen lassen. Und ich rege mich deshalb so darüber auf, weil man ein paar Kilometer in Leipzig sieht, wie man vieles viel besser machen kann und in Leipzig sprudelt auch nicht das Geld aus dem Boden. Während in Leipzig viel in die richtige Richtung läuft, läuft in Dresden fast alles schief. Für diese einst wundervolle Stadt kann einem das nur noch leid tun.

  • Und ich rege mich deshalb so darüber auf, weil man ein paar Kilometer in Leipzig sieht, wie man vieles viel besser machen kann und in Leipzig sprudelt auch nicht das Geld aus dem Boden. Während in Leipzig viel in die richtige Richtung läuft, läuft in Dresden fast alles schief. Für diese einst wundervolle Stadt kann einem das nur noch leid tun.


    So so, ich empfehle hierzu einen tieferen Blick in den Leipziger Wohnungsbaustrang, insbesondere die letzten Beitrage sollten ausreichen, um diese vermeintliche Feststellung nachhaltig zu entkräften. Im übrigen muss für das angesprochene "Bauwerk" auch kein Gründlerzeitler weichen, sondern ein paar Postcontainer - ohne dass ich damit sagen will, dass die zu erwartende "Architektur" irgend jemanden vom Hocker reißen sollte. Sie ist banal und anspruchslos. Ich finde nur das immer wieder aufgegriffene Lamento vom tollen Leipzig und ach so armseligen Dresden etwas...ermüdend, da es bei nüchterner Betrachtung nicht den Tatsachen entspricht.

  • Alte Oberpostdirektion - Baufeld MK 6

    CG-Gruppe hat Grundstück und Altbauten von der Telekom gekauft
    und plant Investition von 60 Mio Euro in Um+Neubau am Postplatz


    standort und heutiger zustand hier


    fotos vom winter: nach links die seite zur annenstrasse, nach rechts die seite zur strasse "am see"


    auf der über einen hektar großen fläche sollen drei gebäudeteile mit 230 wohnungen entstehen. es sollen auch geschäfte, büros und gastronomie entstehen - zur annenstrasse wie sicherlich auch zum postplatz hin. die nicht unter schutz stehenden reste der alten postdirektion sollen in den komplex integriert werden. der altbauteil (am see) soll 6200 m² wohnfläche, der neubauteil an der marienstrasse (promenadenring) 7600 m² aufweisen. die dritte gebäudefront zur annenstrasse könnte 100 wohnungen aufnehmen. genaueres gibts zum jetzigen zeitpunkt nicht, da man erst im frühstadium der planungen steckt und gespräche mit der stadt erst begonnen haben. die gestalterische planung übernehmen pott architects aus berlin.


    natürlich forciert dieser bisher v.a. aus berlin und leipzig bekannte großinvestor nun sein projekt. man möchte sich endlich auch in dresden engagieren und setzte mit den "marina gardens" auf ein nun scheiterndes projekt als einstand. da die stadt am postplatz oberste priorität sieht, ist anzunehmen, dass der CG-gruppe bereits vor monaten nahegelegt wurde, doch auf anderen riesigen leerarealen der innenstadt bauen zu können. CG möchte bis ende dieses jahres den bauantrag stellen und im nächsten jahr frühestmöglich loslegen.


    ob es dazu kommen kann ist noch unklar, da ein gültiger b-plan auf dem areal liegt und für uns noch offen ist, ob die CG-planungen von diesem abweichen. die stadt möchte auf einem seitenabschnitt den promenadenring umsetzen, die neue bauflucht soll in verlängerung der benachbarten plattenzeile verlaufen (analog schürmann-plan). sollte es differenzen geben und der investor auf seinen absichten beharren, dann ist erneut stress programmiert und verzögerung. ggf müsste erst ein neuer b-plan erarbeitet werden, was zeit kostet. mir unbekannt ist auch, ob die teilfläche für den promenadenring nicht schon längst der stadt gehört. mal sehen ob hier alles seinen gang geht.


    desweiteren plant die CG-gruppe auch einen wohnbau an der cottaer strasse 17-19 (gambrinusviertel in friedrichstadt-süd).

  • Postplatz im Stadtmodell



    das CRT-projekt wurde bereits vorwegnehmend grob-modelliert. erst wenn die gebäude errichtet sind, werden genaue detailmodelle in weiß angefertigt.


    die unmodellierten reinen baumassen im modell müssen natürlich nicht 1:1 so kommen.


    besonders hofseitig wird es sicher andere lösungen geben wie noch hier zu sehen


    den kleinen gastro-würfel auf dem postplatz sollte man entweder nahe am schauspielhaus errichten oder gar nicht - der weitgefasste zwingerblick wäre sonst verstellt

  • Ich hätte nicht gedacht, dass man die bisherigen Planungen vom Postplatz noch schlechter machen kann.
    Und siehe da, es geht doch. Man nehme ganz einfach den noch schönsten Blickwinkel, wenn man auf dem Postplatz steht, mit Blick auf Zwinger und Schauspielhaus und füge in 0815-Manier einen Klotz zum Fressen hinzu! Ich freu mich schon, wie sich die "Lade Zone+Personaleingang" macht. Wir können ja mal wetten, zu welcher Seite diese zeigen wird, Zwinger oder Schauspielhaus, ich tippe auf ersteres!


    Ist dieser Würfel eigentlich erst vor kurzen mit in die Planungen aufgenommen worden oder stand dieser schon länger fest??? Mir ist er zumindest recht neu.


    MfG

  • ^ macht euch mal keinen kopf um den "fresswürfel", der gehörte schon seit beginn zum schürmann-plan, wird aber mE nie kommen . die neue zentrale touri-info wird ja in den kulturpalast einziehen und neben dem schauspielhaus sollen ja demnächst einige dauerhafte bäume hinkommen - also ist weder platz noch bedarf. den dresdnern wäre der würfel wohl auch durchweg ein dorn im auge - also auch politisch kaum durchsetzbar.
    die modellbilder sollten vielmehr die wirkung dieser terrassenartigen komplexe an der wallstrasse zeigen sowie etwaiger diskussion um den grünzug entlang der marienstrasse vorgreifen. ausserdem sieht man gut den nun von CG beplanten komplex (MK 6), der im modell mE noch viel zu massiv ausgeformt ist - mit zwischengasse sogar. mal sehen, wie die CG-baumassenverteilung letztlich ausschaut und wie die querverbindung am plattenbauende gelöst wird.

  • Na wollen wir mal hoffen das er wirklich nicht kommt, denn nur weil es den Dresdner nicht passen würde muss das ja noch nichts bedeuten.
    Aber wenn man wirklich vom Bedarf ausgeht hast du recht Elli, sowas wird dort nicht im geringsten gebraucht also dürfe sich auch kaum ein Investor oder Mieter finden.
    Somit bleibt wenigstens eine interresante Blickbeziehung erhalten.

  • 3 Dinge auf der Abschussliste


    hier einmal die drei bauten, die demnächst vergangenheit sein könnten - endlich:
    der postcontainer (vorn), teile der alten oberpostdirektion und das ddr-fernmeldeamt (hinten)



    Blick in die heutige Marienstrasse mit dem Stück "Altstadtring-West"



    Blick über den Plattenriegel "Am See" zum Postplatz

  • SäZ-Postplatz-Rundschau


    Unser Lokalblatt brachte erneut ein paar Infos zu Tage: Artikel hier


    - beide CTR-Projekte (98 Millionen) gelten als sicher (300 WE), jeweils ca. 2 Jahre Bauzeit
    - dort Baubeginn "Merkur 1" im Oktober und archäologische Grabungen auf der Fläche "Merkur 2"
    - Merkur 2-Pläne werden auf der Expo-Real-Messe vorgestellt, voraussichtlicher Baubeginn ist 2015
    - "Kaufhaus" an der Platzfront (Nordende MK 9) ist gescheitert - bereits neue Optionen durch den Projektentwickler in Prüfung - also Verzögerung
    - Bühnenzentrum auf MK 3: Bodenumlegung schon im April 2014 durch Einsprüche gescheitert (siehe Post 28) - daher größere Verzögerung anzunehmen
    - auch die paar Bäume für 2014 sind zunächst gescheitert, weil doch kein Geld da war. Nun hofft man auf den Doppel-Haushalt. Also da kann es noch dauern.
    - CG-Gruppe geht auf MK 6 von Baubeginn in 2015 aus, aber wie man sieht: je konkreter es wird, desto kritischer wird es auch - Scheitern inbegriffen.


    Süffisant: die Stadt ist immer noch dabei, den bisherigen B-Plan zu ändern - auf die Möglichkeit für Wohnnutzung, da muss jedes Popelamt dazu Stellung nehmen. Das kann dauern. Es ist zu hoffen, dass die bis 2015 mal fertig werden.
    Im Übrigen wird auch an der Busmann-Kapelle mitnichten gearbeitet, wie es ab Juli 2014 pressegemeldet wurde.


    Achtung: missverständliche Wiedergaben von Aussagen durch die Zeitung sind nicht ausgeschlossen.

  • Umbauprojekte der CG-Gruppe in Leipzig und anderswo

    Dankwart Guratzsch singt in der Welt ein Loblied auf die CG-Gruppe (Leipzig/Berlin). Neben dem Umbau von 70er-Jahre-Großbauten und Hochhäusern in Berlin, vor allem dem Steglitzer Kreisel, wird in dem Welt-Artikel vor allem auf den Kaiserleikreisel zwischen Frankfurt/Main und Offenbach eingegangen.


    Welt, 13.09.2014
    Stadtumbau
    Warum nicht wohnen im Büro?
    http://www.welt.de/kultur/arti…icht-wohnen-im-Buero.html

    In Leipzig "entwickelt" die CG-Gruppe gerade das Interdruck-Gebäude an der Prager Straße, das Gebäude des Kommissions- und Großbuchhandels (LKG) ebenda, die Bleichertwerke in Gohlis (200 exklusive Wohnungen, ein Biomarkt, Gewerbeflächen, ein Parkhaus, ein Schwimmbad für die Bewohner und gastronomische Einrichtungen..., Zielmiete der Wohnungen reicht von 8,50 bis 12,00 EUR/m² - http://www.deutsches-architekt…m/showthread.php?p=417867 ) und anderes mehr. Im „LKG-Carré“ beläuft sich die Mietkalkulation beläuft im Gewerbe auf 9 bis 10 Euro, im betreuten Wohnen auf 9 Euro und im normalen Wohnungsbereich auf 9,50 Euro pro Quadratmeter. Geplant ist der Umbau des Umbau des in den späten 70er Jahren errichteten Büro-Elfgeschossers an der Prager Straße, in dem früher das Technische Rathaus angesiedelt war, etwa ein Gebäude mit etwa 400 Wohnungen und Gewerbe und Handel in den unteren Etagen ( http://www.deutsches-architekt…m/showthread.php?p=355390 ).
    Dem Vernehmen nach hat die CG-Gruppe auch die ehem. Zentrale der Staatssicherheit in der Großen Fleischergasse, die sogenannte Ohrenburg, erworben und plant eine Sanierung mit Umnutzung zu Wohnungen ( http://www.deutsches-architekt…m/showthread.php?p=407152 ).


    Da paßt die Alte Oberpostdirektion in DD doch genau ins Programm.

  • ^ @LEmon: das umfangreiche engagement der cg-gruppe in leipzig und berlin ist sehr beeindruckend und mir bekannt. bisher war unklar, warum dresden nicht auch im fokus liegt. umso erfreulicher ist daher, dass mit dem postplatz-projekt ein neuer einstand angestrebt wird, jedoch parallel die "marina gardens" ziemlich sicher hinweggespült wurden bzw. werden.


    die ctr-immo hat an der sporergasse ein vermarktungsbüro eingerichtet, wo modelle und ansichten ihrer projekte ausgestellt sind. es ist ein schweizer unternehmen aus zürich, nur der zuständige für dresden ist ein tscheche aus prag. derzeit konzentriert man sich auf den verkauf der wohnungen der zwinger-residenz. hier nochmal das projekt "merkur 1" im modell.

  • Promenadenring

    Gibt es eigentlich mal wieder etwas Konkretes zum Thema Promenadenring? Leider habe ich schon lange nichts aktuelles mehr dazu gefunden. Wollte man nicht ursprünglich am Postplatz beginnen?

  • Fassadenentwurf Oberpostdirektion Dresden

    Die Fassade der Teilrekonstruktion bzw. des Anbaus der Oberpostdirektion Dresden ist nun auf der Seite 53 des CG Magazins zu sehen. Zum Download hier. Entworfen von pott architects, London/Berlin.

  • erster Entwurf Oberpostdirektion Dresden



    ansicht "am see"



    planung der quartierbildung (blick vom postplatz)


    der altbauriegel im hof soll in diesem plan erhalten bleiben und ergibt durch integration in die neubauflügel einen rücksprung von der marienstrasse. im quartier hingegen gibts keine querstrasse, wie im schürmannplan beabsichtigt. auch ist eng an den plattenriegel angebaut, sodass dort vermutlich nur ein durchweg für fuß+rad besteht.

    alle visuals: CG-magazin (quelle)

  • so wie es aussieht, könnte der neue postbank-container (wallstrasse) ab morgen in betrieb gehen und der alte in kürze endlich vom ersten bauplatz verschwinden.


    derweil beginnen nördlich davon die freilegungen für die archäologischen grabungen auf einem teil des zweiten und größeren baufelds.

  • Die SZ berichtet zu 2 Projekten am Neumarkt:


    Oberpostdirektion Am See/Annenstraße/Marienstraße - CG-Gruppe

    Es wird noch am Bauantrag gearbeitet. Man möchte aber noch im Frühjahr 2015 loslegen.
    60 Mio für einen Geschäfte und 230 Wohnungen.
    Die Längsbauten an Marienstraße und Am See sollen erhalten und eingearbeitet werden.
    Nördlich soll ein Neubau an der Annenstraße entstehen und südlich zum Plattenbau wird der Altbau auch durch einen Neubau ersetzt. Beide sollen zurückhaltend gestaltet werden und nicht historisierend sein..


    DDR Fernmeldeamt zwischen Annenstraße und Freiberger Straße - Berliner Investor


    Der DDR-Bau soll abgerissen werden und durch einen Neubau ersetzt werden.
    Hier entstehen für 30 Mio Geschäfte, 125 Wohnungen und 300 Tiefgaragenplätze.
    Der Investor zeigt sich erst der Öffentlichkeit wenn rechtlich alles für den Abriss und Neubau durch ist.
    Verzögerung gibt es durch die Neubesetzung der Gremien der Stadt, denn der Investor möchte noch das Flurstück zum Postplatz kaufen. Die Stadtverwaltung hat die Vorlage für den Verkauf schon freigegeben. Der Ausschuss für Finanzen und Liegenschaften muss jetzt entscheiden. In der nächsten Sitzung ist es aber noch nicht auf der Tagesordnung.
    Außerdem muss hier der Bebauungsplan von Büronutzung auf Wohnen geändert werden. Es gibt ein Verfahren dazu, aber wann es soweit ist, ist noch nicht absehbar.
    Was die Gestaltung angeht, ist man noch in Abstimmung mit der Stadt.

  • ^ Danke fürs Reinstellen. Ich füge noch die Ansicht aus der Zeitung hinzu:


    Oberpostdirektion - Ansicht Marienstrasse

    Visualisierung: Pott Architects

  • Wenn man so sieht, was die CG-Gruppe so in Berlin oder Leipzig zustande bringt, ist es wirklich schade, was hier in Dresden entstehen soll. Reiht sich ein in die baulichen Belanglosigkeiten in den anderen Postplatzquartieren. Der Mittelteil mit dem Erhalt des Fassadenrestes mal als löbliche Ausnahme.

  • Ehrlich gesagt, auch wenn ich die klotzige Kubatur etwas bedenklich finde, so wirklich aussagekräftig finde ich die platten Fassadenabwicklungen nicht, sie lassen keinen Rückschluss auf die Farbigkeit und Materialwahl der Neubauteile zu, die zudem hier so wirken, als wären sie von einem Gerüst mit Wellblechverbau umstanden. Was sind das z. B. für ominöse diagonale Verstrebungen in den mutmaßlichen Fensteröffnungen?


    Interessant wäre eine 3D-Visualisierung, bei der auch die starke Gliederung der Front zur Marienstraße erkennbar wäre, müsste es sich hier doch um eine von drei Seiten umbaute, zur Straße hin offene platzähnliche Hofanlage handeln.