Leipzig: Neubau Universität (realisiert)

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Es wurde hier glaube ich noch nicht erwähnt. Auch das Epitaph von Kurfürstin Elisabeth (1443-1484) soll nach dem Willen der Universität wieder in der Paulinerkirche aufgestellt werden. [....]

    Jetzt war es endlich soweit. https://www.l-iz.de/bildung/zeitre…paulinum-605424

    Eine moderne, aber mit der Lichtfuge doch gelungene Präsentation. Offiziell soll diese darauf hinweisen, dass dort keine Gebeine mehr liegen. Naja, da wäre ich jetzt durch die Fuge allein nicht drauf gekommen, aber seis drum.

    Jedenfalls ist die Paulinerkirche um eine künstlerische Attraktion reicher geworden.

  • Die Kanzel hingegen steht meines Wissens weiterhin im Musikinstrumenten-Museum und kann auch nicht ins Paulinum zurückkehren, weil man dieses nur zum kleinen Teil, hinter der Glaswand im östlichen Bereich klimatisiert. Das finde ich sehr schade und dieser als Provisorium angedachte Zustand sollte kein Dauerzustand bleiben.

  • Im Foyer des Augusteums - genauer gesagt an der Südwand des Auditorium maximum - hat man vor einigen Tagen den sog. Büstenhain angebracht:

    d66rrvov.jpg

    Weitere Infos zum Projekt: https://www.kustodie.uni-leipzig.de/kustodie/projekte

    Trotz ihres weitgehend modernen Erscheinungsbildes beherbergt die Universität eine ganze Reihe an Kunstobjekten aus den verschiedenen Jahrhunderten. Ein Beispiel sind die weltweit einzigartigen Epitaphien im Andachtsraum des Paulinum für deren Restaurierung die Kustodie der Uni 2020 mit dem Europäischen Kulturerbepreis ausgezeichnet wurde:

    ed9zq5to.jpg

    Weitere Infos zur Kunst auf dem Uni-Campus: https://www.kustodie.uni-leipzig.de/besuch/kunst-auf-dem-campus

    ...und zu den Museen und Sammlungen der Universität allgemein: https://www.uni-leipzig.de/universitaet/s…-und-sammlungen

    Begeben wir uns über den Campus-Hof mit Schinkeltor, Audimax und Paulinum...

    o5388ydh.jpg

    ...und dem Uniriesen aka City-Hochaus...

    di5ffjeb.jpg

    ...zum Zielort Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät. Hier wurde vor einiger Zeit ein Lapidarium mit den Resten der beiden Fürstenhaus-Erker angebracht:

    hk4chjgr.jpg

    Eigene Biilder

  • Die Idee mit dem Lapidarium dem Erker des Fürstenhauses gewidmet, finde ich sehr schön!

    Trotzdem bricht es mir als Leipziger immer wieder auf Neue das Herz , wenn ich das Schinkeltor da in diesem grauenvollen und unwürdigen "Modernistendschungel" stehen seh...

    Die alte und unfassbar schöne Paulinerkirche die den Krieg unversehrt überstand und das altehrwürdige Augusteum, wo immerhin noch die Fassade stand. Alles in die Luft gejagt. Und heute so ein Brechreiz auslösenden, austauschbaren, würde- und seelenlosen Neubau.

    Wo ist der Anspruch hin, stilvolle, zeitlose und ehrwürdige Bauten zu errichten? Zentren der Bildung, welche eine warme und wohlfühlende Atmosphäre ausstrahlen. Wo es sich auch gleich viel lieber lernt und lehrt!

    Und mal ehrlich, wer will mir allen Ernstes erklären, dass die Neubauten stilvoller, geschichtsträchtiger und erhabener sind, als die Altbauten von vorm Krieg? Die Argumentation will ich hören! :)

    Und ja, nicht alles Moderne ist schlecht! Siehe Uniriese 🥰

  • man kann über den Uni-Neubau meinen so viel man will, der ist alles andere als austauschbar. Hier verrät sich deine Kritik als pauschales Schlechtschreiben.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Und ja, nicht alles Moderne ist schlecht! Siehe Uniriese 🥰

    Ich kann es nicht belegen, so viel vorweg - aber ich wette, dass die Errichtung des Uniriesen ab den späten 60ern in der Bevölkerung noch viel umstrittener war als Jahrzehnte später das neue Augusteum. Möglicherweise ist die Quellenlage dürftig, da es mit der Publizierung der eigenen Meinung in der DDR ja nicht so weit her war.

    Verstehst du, was ich sagen will? Ich bin beileibe kein Vollblutverteidiger unserer zeitgenössischen Architektur, aber dafür bin ich mir sicher, dass Neues immer schon "irgendwie doof" war. Heute will wahrscheinlich auch niemand mehr den Uniriesen abreißen. Aber stünde er heute noch nicht und man würde ihn planen, dann würden Facebook und die LVZ-Leserbriefeseite toben.

    Gebt den Gebäuden auch etwas Zeit, man muss sich an sie gewöhnen und ggf. auch mal einen persönlichen Bezug entwickeln, etwa indem man dortige Veranstaltungen besucht usw.

  • Auch wenn mir der Verlust der alten Universitätsgebäude von allen Verlusten am Augustusplatz und vielleicht sogar von allen Verlusten in Leipzig am meisten wehtut, so empfinde ich den Neubau dennoch als eine der großartigsten Architekturen, die Leipzig zu bieten hat. Sie hat mich als Maler sogar schon zu mehreren Bildern inspiriert, ein Ausschnitt davon ziert mein Profilbild hier. ;)

    Ich finde, dass im Egeraat-Entwurf eine künstlerische Herangehensweise zum Ausdruck kommt, die aus der sonst üblichen Funktionsabarbeitung weit herausragt. Bei Paulinum und Augusteum werden verschiedene stilistische Strömungen verarbeitet, ohne reproduziert zu werden. Obwohl auf die Vergangenheit Bezug genommen wird, empfinde ich das Bauwerk nicht als "retro", sondern als zeitgenössisch im besten Sinne, eindeutig eine Gestaltung des 21. Jahrhunderts. Und obwohl so viel Verschiedenes auf eigenwillige Art zusammengefügt wurde, ergibt sich eine Entität.

    Austauschbar? Nein, das Gebäude nimmt deutlich Bezug auf Geschichte und Ort und würde woanders als an genau dieser Stelle überhaupt keinen Sinn ergeben. Würdelos? Geschmackssache, aber definitiv wird durch die expressive, sehr selbstbewusste Formensprache, den repräsentativen Maßstab oder die Materialität der herausgehobenen Stellung einer Universität entsprochen. Seelenlos? Auch das ist Geschmackssache, aber allein schon durch den ausdrucksstarken Gestus, aber auch durch die zahlreiche Integration historischer Raumordnungen, Kunstschätze und Fragmente an authentischer Stelle hat das Bauwerk Seele. Bitte mal die Alternativen aus dem ersten (gescheiterten) und auch dem zweiten Wettbewerb anschauen, auf dessen Entwürfe Adjektive wie "austauschbar" tatsächlich zutreffen.

    Auch städtebaulich ist die Universität gut eingefügt. Obwohl sie so anders ist als alle anderen Häuser der Innenstadt, ist sie Teil des Ensembles geworden. Der Campus ist durchlässig und die Zugänge werden von allen Seiten gut genutzt. Einziger Schwachpunkt ist, dass es keinen direkten Zugang zum Paulinum vom Augustusplatz aus gibt, aber das ist ein Mangel, der historisch auch schon so gegeben war und sich auch anders kaum hätte machen lassen, da keine Kirche vom Altarbereich aus betreten wird.