Gottmadingen: Sudhaus Bilger-Brauerei

  • Gottmadingen: Sudhaus Bilger-Brauerei

    Ich möchte Euch einmal das Wahrzeichen der kleinen Stadt Gottmadingen zeigen, in der ich lebe. Das liegt bei Singen, direkt an der Schweizer Grenze.


    Dieser eigenartige Turm:


    http://www.fahrrad-tour.de/Bodensee/Bilder7/BBrauerei.jpg


    beherrscht das Ortsbild. Es ist das denkmalgeschützte Sudhaus der Bilger-Brauerei, die in den 50er und 60er Jahren zu den größten in Baden-Württemberg gehörte, dann aber von Fürstenberg aufgekauft und 1976 geschlossen wurde. Die eigentliche Brauerei ist abgebrochen, der Turm stand lange auf einer Brachfläche. Jetzt wird er renoviert und in ein neues Wohn- und Geschäftsgebiet integriert, mit dem der direkt angrenzende Ortskern erweitert wird. In den Turm selbst wird eine Gaststätte einziehen - mit eigener Brauerei.


    Ich finde, das ist ein nettes kleines Beispiel für die Integrierung von Baudenkmälern in neue Strukturen.

  • Ja, ist es! Halte uns bitte auf dem Laufenden! ;)
    Im Moment sieht der Bau allerdings schon etwas "traurig" aus, so verlassen und etwas heruntergekommen.

  • Mich würde mal interessieren, wie dieser Gebäudekomplex, in den der Turm integriert werden soll, aussehen wird. Gibt es da schon Bilder irgendwelcher Art?

  • Zitat von Samuel

    Also ein bauschild auf jeden Fall!


    Sowas finde ich immer gut.
    und wie sebastian c schon gesagt hat:"Halte uns bitte auf dem Laufenden" :)


    Also ich habe ja keine Gelegenheit, selbst Bilder zu machen, aber jetzt bin ich im Netz auf ein Baustellenfoto gestoßen: Das ganze entwickelt sich eher nichtssagend. Aber immerhin besser als die alte Industriebrache.



    Quelle: Singener Wochenblatt.

  • Zitat von JinStuttgart

    Dennoch schön, daß man den alten Turm integriert hat.


    Ja. Durchaus. Allerdings täuscht das Bild etwas. Der Turm steht immer noch allein und es sieht so aus, als sollte das auch so bleiben. Wie das am Ende wirken wird, wird man erst erkennen können, wenn die umliegende Straßen- und Landschaftsgestaltung Gestalt annimt. Zur Zeit wirkt der Turm noch etwas unverbunden und "einsam".

  • Was ist denn eigentlich aus der Fahr-Fabrik geworden - das mittlerweile übliche Schicksal? Als Kind bin ich öfter daran vorbeigefahren, die Unmengen fabrikneuer Landmaschinen, akkurat aufgereiht auf einem Freigelände, haben mich damals immer sehr beeindruckt.

  • Zitat von Schmittchen

    Was ist denn eigentlich aus der Fahr-Fabrik geworden - das mittlerweile übliche Schicksal? Als Kind bin ich öfter daran vorbeigefahren, die Unmengen fabrikneuer Landmaschinen, akkurat aufgereiht auf einem Freigelände, haben mich damals immer sehr beeindruckt.


    Die Fabrik gibt es noch, allerdings in reduzierter Form und nicht mehr als eigenständiges Unternehmen. Fahr wurde in den 70er Jahren an Klöckner-Humboldt-Deutz verkauft. Die haben dann nach und nach die Fabrik verkommen lassen und die Produktion verlagert. Ende der 80er Jahre wurde der Rest an ein Unternehmen namens Greenland verkauft, heute gehört die Fabrik einem - soweit ich weiß - norwegischen Landmaschinen-Konzern namens Kvaerneland, der dort Ersatzteile und neuerdings wohl auch wieder in geringem Umfang Landmaschinen herstellt.


    Gottmadingen hat in Folge der Schließungen von Bilger und Fahr in den 70er und 80er Jahren einen mächtigen Strukturwandel bewältigen müssen. Das Ganze war erstaunlich erfolgreich. Ein Teil des ehemaligen Fahr-Geländes, der jetzt nicht mehr von Kvaerneland genutzt wird, und einige angrenzende Wiesen wurden in ein gewaltiges, für einen Ort dieser Größe unwahrscheinlich ausgedehntes Gewerbegebiet mit dem namen "Industriepark Gottmadingen" umgewandelt, Inzwischen haben sich da einige nicht unbedeutende Firmen angesiedelt, beispielsweise die Kinderwagenfabrik Osann und der Kanadische Metallverarbeiter Alcan, außerdem viele Logistik-Firmen, die im grenzüberschreitenden Verkehr tätig sind.


    Wie kam es, daß Du als Kind nach Gottmadingen gekommen bist? Das ist ja nicht gerade der Nabel der Welt.


    Edit: Kurzzeitige geistige Verwirrung. Ich schrieb "Altana", meinte aber "Alcan". Altana gibt's auch in der Nähe in Singen und Konstanz, nicht aber in Gottmadingen.

  • Tja, und Fürstenberg wurde vor ein paar Wochen ihrerseits übernommen. Überhaupt rollt eine ziemliche Fusionswelle in der Brauereibranche. Zunächst ging ja Becks an Interbrew, inzwischen ist wohl kaum eine größere deutsche Brauerei mehr selbständig. Die drei großen Stuttgarter Brauereien "Dinkelacker", "Schwabenbräu" und "Stuttgarter Hofbräu" gingen letztes Jahr an Interbrew und ein Konsortium um Paulaner.


    Dafür gibt es einige kleine, die sich mit Ideen selbst helfen. Es kam mal ein interessanter Bericht über drei Kleinbrauereien in Oberschwaben, die mit unterschiedlichen Strategien ihre Eigenständigkeit erfolgreich verteidigen. Am bekanntesten wohl die kleine Aktiengesellschaft mit der Bierkasten-Dividende :cheers:



    Zitat von Ernst

    gewaltiges, für einen Ort dieser Größe unwahrscheinlich ausgedehntes Gewerbegebiet mit dem namen "Industriepark Gottmadingen"

    Ist die Region nicht BioTech/Medizintechnik-Hochburg oder sind das eher Tuttlingen und Biberach (Thomae/Böhringer). Tuttlingen hat doch eine Menge Startups im Gefolge der Aesculap-Werke, oder?


    Zitat von Ernst

    der Kanadische Metallverarbeiter Alcan

    Das war doch früher "Alu Singen" ?



    Zitat von Ernst

    Altana gibt's auch in der Nähe in Singen und Konstanz, nicht aber in Gottmadingen.

    Das DAX-Unternehmen Altana ist m.E. eine Holding mit Sitz in Bad Homburg (?) und zwei größeren Töchtern. Etwa 75% des Umsatzes entfällt auf die größere Tochter namens Byk Gulden, eine Pharmafirma in Konstanz.
    So das war jetzt alles aus dem Gedächtnis, hoffe es stimmt, wenn überhaupt jemand interessiert...

  • Bad Homburg stimmt, denn Altana gehört dem Quandt-Clan, auch durch die BMW-Beteiligung bekannt und in Bad Homburg ansässig. Dieser Familie gehört Susanne Klatten an, die 50,1% von Altana hält und als vermögendste Deutsche nach den Albrecht-Brüdern gilt. Altana macht außer "in Pharma" auch "in Chemie", Hauptproduktionsstätte ist in Wesel.