Ernst-Reuter-Platz

  • Baukunst


    Aber die Fussgängerzone erneuern, ein paar Bäume pflanzen und den Häusern einen neuen Anstrich bzw. restaurieren wird man doch können, auch wäre es toll wenn man die Grünfläche im Kreisel vielleicht verschönern könnte, indem man den Rasen verdichtet und regelmässig kürzt und eventuell dem Areal noch ein wenig mehr Farbe durch Neupflanzungen und Beeten verleiht.

  • Bitte vor Ort ansehen, bevor nach neuer Farbe gerufen wird. Fast alle Gebäude sind in den vergangenen 8 Jahren denkmalgerecht saniert worden: Der Hüttenwesenbau, Haus Hardenberg (Teil des Ensembles), das IBM-Haus (leider verschwand das charkteristische Wandrelief aus IBM-Schriftzügen), der Telefunkenturm, die an der Otto-Suhr gelegene Deutsche Bank (Teil des Ensembles), das Eternitgebäude und zuletzt der Riegel an der Einmündung Marchstraße zwischen Architekturgebäude und Eternithaus.


    Nachtrag: ALLE Gebäude am Platz wurden saniert mit Ausnahme des weißen Würfels an der Einmündung Bismarckstraße.

    Einmal editiert, zuletzt von Baukunst () aus folgendem Grund: Nachtrag

  • Und wie ist es mit den Fussgängerbereich und der Neupflanzung von Bäumen, wobei ich deine Idee mit den Laternen auch optisch nicht mal so unwichtig finde.

  • Die Blumenkübel zu entfernen wäre sicher zu verschmerzen :) Weitere Zugänge zur Mittelinsel sind die andere Sache. Zuviele Bäume jedoch tun einer Blickachse nicht gut, was Neupflanzungen auf der Mittelinsel m.E. ausschließt. Bäume an der Straße um den Platz herum - dem Kreisverkehr folgend - stelle ich mir hingegen schön vor, auch wenn dies denkmaltechnisch, weil ahistorisch, nicht drin sein dürfte (?) Dadurch hätte man mehr Abgeschirmtheit vor dem Verkehr auf den breitgeratenen Bürgersteigen und Platzecken. Die paar Bäumchen vor dem Telefunkenhaus erfüllen schon diesen angenehmen Effekt.

  • Also ich finde dass der Ernst-Reuter-Platz einiges an Potenzial bietet und nicht unbedingt grossartig von der Gebäudesubstanz verändert werden muss, wenn der Denkmalschutz notwendigerweise Grenzen aufzeigt.
    Aber ist eine sinnvolle weitere Verdichtung und weitere Aufwertung denn mit dem Denkmalschutz nicht vereinbar?
    Wie schon oben angesprochen wären die Lichtmasten auszutauschen, und der von mir am stärksten monierte Punkt, der Gehweg, auch mit weiteren Bäumen, welche die Sichtachse nicht zwingend einschränken müssen, aufzuwerten.


    Einen Zugang zur Mittelinsel wäre mittels einer Brücke vielleicht interessant, muss aber nicht sein.
    Bis vor kurzem wusste ich gar nicht dass ein Brunnen auf dieser Insel ist, er fällt weder von der Strasse wenn man diesen mittels Auto passiert auf, noch von den Gehwegen.


    Also ich verstehe den Sinn dieser Anlage nicht wirklich, aber anscheinend ist dieses Ensemble erhaltenswert.

  • Der Sinn der Platzanlage besteht vielleicht nicht unbedingt in ihrem Zweck, sondern in ihrer Beispielhaftigkeit für die Nachkriegsarchi in Berlin. Bez. Brunnen, möglicherweise soll der Brunnen ja auch von der ursprünglichen Idee her gar nicht groß den Fußgängern auffallen, sondern den Autofahrern in der autogerechten Stadt. Vielleicht haste den Brunnen auch einfach nicht wahrgenommen, weil er mal wieder defekt bzw. wegen Reparaturarbeiten abgestellt war.

  • Standortkonferenz

    Regula Lüscher will einen Ideenwettbewerb begleiten um die Situation am Platz zu verbessern. Genaue Details wird sie am Mittwoch erläutern.


    Problematisch ist der dort sehr strenge Denkmalschutz, der sogar einzelne Blumenkübel unter Erhaltungsschutz stellt und auch kein Cafe-Pavillon auf der Mittelinsel zulässt etc. Es wird auch gefordert den Platz fahrrad- und fußgängerfreundlicher zu machen um so das Image der dort ansässigen Institutionen zu verbessern. Denn Vorzeigbares hat der Standort bspw. durch die weltweit größte offene experementierplattform für das Internet der Zukunft auf den Dächern der TU zu bieten.
    Aber nicht nur die Gestaltung des Platzes ist investitionshemmend, sondern auch die nicht mehr zeitgemäßen Bürogebäude mit ihren ungünstigen Grundrissen. Dabei gibt es großes Interesse, da viele technologieorientierte und kreative Unternehmen die Nähe zur TU und der Universität der Künste suchen.
    Die Blackstone Gruppe möchte bspw. zwischen dem Deutsche-Bank-Hochhaus und der Theater Tribüne nachverdichten.
    Christian Pepper, Eigentümer von 3 Hochhäusern am Platz möchte das Eckgebäude m Ernst-Reuter-Platz 6 abreissen und dort einen modernen Büroturm bauen.



    http://www.morgenpost.de/bezir…l-mit-Platzproblemen.html



    Bleibt uns jetzt Fr. Lüscher bei Rot-Schwarz auch erhalten? :nono:

  • Ob man den Ernst-Reuter-Platz mag oder nicht mag: Er steht nicht ohne Grund unter Denkmalschutz. Denn wie die Berliner Morenpost schreibt, wurde er als Gegenstück zum Strausberger Platz im Ostteil und Musterbeispiel der autogerechten Stadt geplant. Damit gehört er zu den herausragenden stadtbaugeschichtlichen Zeugnissen der Nachkriegsmoderne.
    Natürlich heißt das nicht, dass er für die kommenden Jahrhunderte unantastbar ist, aber gleich von einem Komplettabriss zu träumen, wie es Christian Pepper, Eigentümer des Einzeldenkmals (!) Ernst-Reuter-Platz 6, im Artikel der Morgenpost tut, wird hoffentlich Wunschdenken bleiben! Denn das wäre eine Bankrotterklärung des Denkmalschutzes :Nieder:

  • ^
    naja aber wenn denkmalschutz so weit geht, dass dieser die entwicklung einer stadt soweit hemmt, finde ich es absolut gerechtfertigt über einen abriss nachzudenken.
    eine stadt muss in erster linie immer noch funktionieren und sollte sich nicht darauf beschränken nur ein museum zu sein.
    ich denke man wird nicht drumherum kommen den platz fundamental neu zu gestalten, wenn man eine bestmögliche aufenthaltsqualität dort erreichen will. das sinnbild der autogerechten stadt der 60er jahre ist einfach vollkommen konträr zu den heutigen städtebaulichen anforderungen.
    außerdem...mit deiner begründung dürfte man dann ja auch nie eine platte am alex abreißen --> DAS denkmal sozialistischer städteplanung in dtl. schlechthin ;)

  • _Flyn_ : Ja, eine Stadt sollte sich im großen und ganzen weiter entwickeln und auch nach zeitgemäßen Vorstellungen verändern dürfen.
    Trotzdem finde ich es entsetzlich, sofort den Abriß zu fordern und aktuelle Probleme einseitig am Denkmalschutz festzumachen. Man sollte nicht vergessen, dass Herr Pepper Investor ist, der seine Rendite steigern will. Dass die Pläne letztlich auch nachhaltig sind und tatsächlich die Aufenthaltsqualität verbessern, steht doch in den Sternen.


    Stattdessen sollte man sich zumindest mal die Mühe machen, Vorschläge zu unterbreiten, die für alle Seiten kompromissfähig sind. Aber gut, dafür ist ja nun offenbar die Standortkonferenz gedacht.


    Eine intelligente Lösung ist übrigens wenige Hausnummern nebenan gefunden worden. Das Gebäude des Instituts für Bergbau- und Hüttenwesen mit der Hausnummer 1 ist ebenfalls Einzeldenkmal. Anfangs wollte die TU es abreißen, letzten Endes hat man sich jedoch für die Sanierung entschieden. Das Haus entspricht nun den Anforderungen des heutigen Hochschulbetriebs und ist sogar behindertengerecht. Gleichzeitig konnte ein Großteil der alten Substanz erhalten bleiben. Von Außen entspricht das Gebäude weitgehend seinem bauzeitlichen Zustand.


    Mit der Argumentation, dass überlieferte Strukturen nicht mehr zeitgemäßen Anforderungen entsprechen, wurden in der Nachkriegszeit die Mietskasernen platt gemacht. In einer Stadt sollte jedoch Raum für alle Zeitschichten sein. Dass dies nur exemplarisch passieren kann, wenn man nicht zum Freilichtmuseum mutieren möchte, ist klar. Aber an beispielhaften Orten sollte der Erhalt doch möglich sein. Der Ernst-Reuter-Platz ist nun mal ein herausragendes Kind seiner Zeit. Und die Karl-Marx-Allee im Ostteil als Gegenstück ebenso. Und daher stehen übrigens auch die Plattenbauten zwischen Alex und Strausberger Platz als Ensemble unter Schutz.

  • ^^
    Kann mir nicht vorstellen, dass die Nr. 6 unter Denkmalschutz steht. Ist ja zeitlich viel später als der Platz - 70er Jahre... Glaube, es ist das einzige Gebäude am Platz, welches gerade nicht unter Denkmalschutz steht.
    Bloß weg damit, es hat mit dem Platzkonzept nichts zu tun.

  • Auszug aus der Denkmalliste des Landes:

    09020527
    Ernst-Reuter-Platz 2-10, Platzanlage nach städtebaulichem Entwurf von Bernhard Hermkes 1955-57
    mit Büro- und Institutsgebäuden Bismarckstraße Hardenbergstraße Marchstraße Otto-Suhr-Allee Schillerstraße Straße des 17. Juni 152
    Gesamtanlage siehe: U-Bahnlinie (ehem. Stammbahn)
    Baudenkmale siehe: Ernst-Reuter-Platz 2; 7; 8; 9-10; Straße des 17. Juni 152
    Gartendenkmal siehe: Ernst-Reuter-Platz
    Weitere Bestandteile des Ensembles:
    09010155 - vor Straße des 17. Juni 152, „Die Flamme“, Bronzeskultpur, 1963 von Bernhard Heiliger
    09011000 - vor Ernst-Reuter-Platz 1, „Wachsende Flügel“, Bronzeskulptur, 1963 von Karl Hartung
    09020529 - Ernst-Reuter-Platz 3-5, Bürohaus, 1971-74 von Geber & Risse 09020530 - Ernst-Reuter-Platz 6, Bürohaus, 1969-74 von Bernhard Binder
    (CHA-WIL/CHARL-E)

  • Ich empfinde den Ernst Reuter Platz als durchaus gelungenes Ensemble.Das die Bauten nicht mehr heutigen Standards entsprechen,bedeutet nicht mehr,als dass das Verhältnis von Gesamt zur Nutzfläche schlechter ist als bei modernen Bauten.Bei gleicher Grundfläche sind die möglichen Mieteinnahmen geringer.
    Im sanierten TU Gebäude z.B. gibt es ein grosszügiges Treppenhaus,was natürlich Fläche kostet,aber schön anzusehen ist.


    Kennt jemand noch den alten Witz.


    Was ist länger,die Hardenbergstrasse oder eine Damenstrumphhose ?
    Die Damenstrumphhose,denn die Hardenbergstrasse geht nur bis zum Knie (heute ERP).

  • In gewisser Weise schon. Ensembleschutz heißt, dass sich Neubauten Auflagen unterwerfen müssen, um das Ensemble nicht zu stören bzw. es in adäquater/ moderner Form zu ergänzen. (Ensembles wie z.B. Altstädte oder Dorfkerne, in denen es hier und da Brachen gibt) Bauten in einem Ensemble, die nicht unter Denkmalschutz stehen, können mit Zustimmung und darauffolgender Abstimmung mit dem Denkmalamt ersetzt werden. Das Grundstück liegt im Ensemblebereich, darauf kommts an. Ein Einzeldenkmal ist jedenfalls wesentlich schwieriger abzureißen.

  • Wenn ein Haus unter Ensemble-Denkmalschutz steht kann es ja nicht um Neubauten gehen, zumal nicht beim ERP 6. Das Haus steht unter Schutz, innen und aussen, wie es heute steht und liegt - egal ob Ensemble oder Einzeldenkmal. So sieht das das Denkmalschutzgesetz Berlin.


    Alles andere in individuelle Interpretation.

  • Nun gut, ich kenne das so vom Bayr. Landesdenkmalamt - kann sein, dass sich die Gesetzgebeung von Bundesland zu Bundesland stark unterscheidet und in Berlin ein Gebäude im Ensemble den selben Schutzstatus genießt wie ein Einzeldenkmal. Im seltensten Falle sind alle Gebäude eines Ensembles gleichzeitig Denkmäler, den einen oder anderen Ausreisser gibt es immer, so auch am ERP. Das Ensemble ertreckt sich trotzdem auch auf dessen Grundstück, um im Falle einer Neubebebauung den Daumen daruf zu haben.