Dresden: Umbau des Kulturpalastes

  • 29.04.2017: Umzug der Herkuleskeule vom Sternplatz zum Kulturpalast


    paar Eindrücke:

    ^ mit Spielmannszug am alten Standort des Kabaretts


    kleine Luftballon-Prozession - hier auf der Annenstrasse


    Eintreffen am Kulti und Empfang durch den Oberbürgermeister





    mangels Zutrittsberechtigung noch paar Bilder von aussen:
    alle Lampen sind an und nun sprudelten auch die Brunnen - in diversen Farben


    ^ die Beleuchtung könnte bisweilen mit der Sockelillumination am Quartier M jenseits der Schloßstrasse zusammenspielen.

  • Innenrunde Kulturpalast


    gleich vorweg: in die Säle von H-Keule und Philharmonie kommt man die Tage doch nicht so einfach rein, das muß mal später oder von anderer Stelle kommen.
    Da gabs ja auch schon reichlich Bilder. Ich möchte mal auf den Rest blicken.


    Das Foyer ließ sich ebenso kaum ablichten - einfach zu viele "Querlatscher" unterwegs. :D
    Beginnen wir aber mit dem Foyer von oben, was eigentlich Schlußbild war:

    ^ Steigen wir nicht diese Treppe, sondern begeben uns westwärts (also nach hinten im Bild) zu den Treppenhäusern seitlich des großen Saals, derer es jeweils 2 dort gibt. (Ich meine, die gab es schon vorher, muß aber nochmal gucken, denn der jetzige Saal ist doch viel kleiner... hmm)


    eines der seitlichen Treppenhäuser


    1. OG - Foyer Richtung Altmarkt mit Foyertreppe gen 2. OG


    Foyer 1. OG mit Catering- und Imbißstation

    also die Gipskassettendecken mit den Leuchten machen echt was her


    östliche Foyertreppe gen 2. OG


    Foyerbereich 2. OG mit Funktionalien der Zentralbibliothek an den Rändern, zB Schließfächer oder Rückgabeautomaten.


    Überall hat man großzügig Raum und Platz im Palast, man kann Flanieren oder sich dem Ausblick widmen


    Na gut, hier noch die Altmarktansichten aus dem 2.OG.

    (Die Verglasung ist im übrigen sehr verspiegelt, was fotografieren nicht gerade leicht macht.)


    Treten wir nun in den eigentlichen Bereich der Zentralbibliothek ein, wo sich in der Südwestecke ein Lesechill- und Flätzbereich befindet


    Regalbereiche mit mutmaßlichem Games-Playomat bzw -playodrom (rechts) für gleich mehrere (ihre Zeit vergeigende) User.
    Überhaupt die ganze Ausstattung: offenbar vom Feinsten, zB die Kopfhörer, nunja, die müssen schon von Sennheiser sein, wa!


    Die Palastecken weisen auch hier Treppenhäuser auf, bibo-intern mit Regalbestückung und auch kleinem Höhenversatz, den man emporgehen muß


    Das hier ist wohl der Lesesaal - zumindest der Zeitungslesesaal - mit bemerkenswertem Raumdesign und Ausgucken durch die Rückseitenfensterlinge des Palastes.
    Auch die großen Zeitungsprodukte der Nation und teils darüber hinaus sind hier inhalierbar - so zB die russische Literaturnaja Gazeta. :D


    ^ man vermeint sich fast wie in einer echten Altstadtumgebung


    Wieder Bibo-extern kann man die östliche Foyertreppe nutzen.
    (ich frage mich nun, wo eigentlich die Aufzüge sind und was im 3.OG so abgeht? ... ok, bei nä. Runde)


    Nun sind wir wieder im EG und schauen hier in den östlichen Foyerbereich


    Treppe zum Souterrain des Garderoben- und WC-Bereichs


    So, kiecken ma noch schnell zum Abschluss auf den "Hintern" des Palastes und sehen, wie wir sehen, nix, was auf eine Schallschutzschleuse hindeutet.
    Macht auch nüscht. Das kommt schon - wie das Amen in der Kirche...

  • ^Danke Dir für die tollen Innenimpressionen! Das Innendesign ist im Zusammenspiel von Rekonstruktion, Sanierung und Neuschöpfung wirklich herausragend geworden - wer dem nichts abgewinnen kann und den Palast immer noch am liebsten zusammenschieben oder von Kollhoff verhunzen lassen will, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. Der hat dann wahrscheinlich sein Wohnzimmer auch mit Pressspan-Eiche rustikal und Fliesentisch dekoriert.

  • ^ Hmm, fieser Zusammenhang. Hätte ich das doch bloß eher gewusst, bevor die Schrankwand meiner Oma entsorgt wurde. Sie könnte sonst mein Wohnzimmer schmücken ;)


    Und dabei dachte ich, dass die Stadthalle gerade für diejenigen erhalten wurde, die auf solcherlei Kram stehen, eben für diese Generation. Wenn die Bilder nicht trügen, scheint sich die Schar der Erst-Besucher ja auch zu großen Teilen aus ehemaligen SED-Strukturen zu generieren, die vor ihrem inneren Auge gerade die Mai-Parade durchziehen sehen.


    Ich kann den ganzen plötzlichen Lobeshymnen trotzdem wenig abgewinnen. Für mich bleibt es ein spießiger Bau, dem man krampfhaft versucht hat, ein etwas hippes Antlitz zu verpassen. Und so wie bei alten Schachteln mit Botox-Visage und Press-Leggins wirkt das doch eher ein bisschen naja. Der Beitrag von Caruso/Torricella wäre meinen Vorstellungen hinsichtlich spannender Architektur doch erheblich nähergekommen. Auch die innere Organisation mit einer direkten Verbindung unter dem Saal hindurch zwischen Schössergasse und Altmarkt hätte diese ungünstige städtebauliche Sackgasse aufgelöst.


    Und unter der Voraussetzung, dass der Saal verkleinert wird, hätte auch das Kollhoff-Projekt eine runde Sache werden können, da auf die unschöne Palast-Ausbuchtung in der Galeriestraße hätte verzichtet werden können. Das Foyer als durchaus interessante Raum-Material-Komposition wäre ja ebenso erhalten worden, nur mit einer zusätzlichen Eingangshalle in Richtung Altmarkt.


    So werden uns nun aus der Schössergasse und der Frauenstraße Durchblicke auf überdimensionale Kühlschrank-Lüftungsgitter und eine bestimmt auch ganz reizende LKW-Garage erwarten. Danke, aber mich kann das Gezeigte für die vergebenen Großchancen nicht versöhnen. Das Beste bleiben die Ausblicke AUS dem Gebäude (Bezeichnend! Plötzlich stört kaum etwas im Motiv …) und dass die Philharmonie einen offenbar akustisch guten Saal bekam.

  • Also ich bin gerade verdammt stolz, in der Stadt zu leben, in der dieses Gebäude steht! Das Ergebnis des Umbaus finde ich sowohl ästhetisch absolut überzeugend, als auch von der Nutzungsmischung her genial. Diesmal hat die Stadt wirklich alles richtig gemacht!

  • ^^naja, bis auf das Finanzierungsgebaren... :D


    Ich hab meinen Frieden mit dem KP gemacht, auch wenn ich skeptisch bin, soviele Einrichtungen (Konzertsaal, Bibo, Herkuleskeule, etc.) in diesem Gebäude zu konzentrieren. Aber darauf läufts ja gesellschaftlich hinaus: Effizienz, multifunktional, austauschbar, konzentriert mehrdimensionales Angebot...


    Mir missfällt das etwas.


    Wird die Kupferhaube eigentlich auch nochmal auf Vordermann gebracht? Und wann sind die Masten dran?


    and btw: so volloffene Südseite ohne Beschattungsoption wird sicher bissl heiss auf dem Vorplatz und hinter Glas...

  • ^Gerade aber diese Multifunktionalität (wenn man bei drei Hauptnutzungen plus Gastronomie überhaupt davon sprechen kann) bringt dem Neumarktgebiet etwas, das es bisher abseits der fotografierenden und sich in diversen Nepplokalen verköstigenden Touristengruppen noch nicht kannte: wahrhaftes "städtisches" Leben für den gemeinen Eingeborenen, und das nicht mehr nur zur Abendzeit. Dies wird der allgemeinen Akzeptanz des Quartiers auch in Dresden selbst ganz sicher nicht abträglich sein.


    Letztlich steht und fällt der Erfolg des Neumarkts im Ganzen genau damit, ob er sich wieder einen Platz im Herzen derjenigen erobern kann, die ihn jahrzehntelang nur als wilde Brache wahrnehmen durften. Der Kulturpalast selbst, das steht sicher fest, hat diesen schon. Das muss einem nicht gefallen, ist aber nun einmal die Realität.


    Insofern ist der Umbau und die Erweiterung der Nutzung für den wiederentstehenden Stadtteil in seiner Gesamtheit ein Segen, der sich, davon bin ich überzeugt, bald deutlich manifestieren wird.

  • Die Fahnenmasten sind Juni/Juli glaube dran.


    Die Bibliotheksräume haben alle Rollos, welche vermutlich automatisch gesteuert werden und der Rest zur Südseite ist ja nur Foyer. Da hab ich nicht so genau hingeschaut, ob es dort auch welche gibt.

  • ^^^ "austauschbar" halte ich nicht für ein Wort, womit sich der Kulturpalast beschreiben lässt. Der ist im Wesentlichen schon recht einzigartig.

  • ..., das es bisher abseits der fotografierenden und sich in diversen Nepplokalen verköstigenden Touristengruppen ...


    Diese Touristengruppen kommen aus Ländern, in denen die Dresdener Barockarchitektur hoch geschätzt wird. Weltweit wird Dresden für seinen Barock bewundert. Eines dürfte klar sein: Niemand aus USA oder China kommt nach Dresden, um sich moderne Architektur wie den Kulturpalast anzusehen.


    Man kann mittlerweile davon ausgehen, dass der eigentlich als Solitär gebaute Kulturpalast in Richtung Neumarkt eine funktionierende städtebauliche Einordnung erfährt.


    Die städtebauliche Einordnung funktioniert nur deswegen, weil die neu entstehenden Quartiere an der Galeriestraße, Rosmaringasse und Frauenstraße architektonisch angepasst werden an den modernen Kulturpalast. In einer Barockstadt muss sich barocke Architektur anpassen an moderne Architektur. Eigentlich ist das abstrus! Auf den Kulturpalast wird Rücksicht genommen, obwohl er selbst ultra-egoistisch ist.

  • ^Punkt 1: Das halte ich für ein Gerücht.


    Punkt 2: Man möge mir vergeben, wenn ich die abstruse Meinung vertrete, dass sich die funktionale und damit einhergehend gestalterische Ausrichtung des Zentrums einer Großstadt sich primär an den Interessen der sie ständig Bewohnenden, und nicht der vermeintlichen Erwartungshaltung von Tagestouristen ausrichten sollte.


    Punkt 3: Wo bitte ist nun das Problem? Man kann es nun drehen und wenden wie man will, aber abgesehen von Johanneum und Frauenkirch-Ruine ist der Kulturpalast nun einmal das älteste Gebäude am Platz. Warum sollten also Neubauten nicht auf dieses Bezug nehmen, wenn man sich nun einmal (aus meiner Sicht völlig zu Recht) für dessen Erhalt entschieden hat?


    Alles andere ist, mit Verlaub, oberflächlicher Fassadismus. Zumal die Mär von der "Barockstadt" selbst für das gründerzeitlich und gar zum Teil klassisch-modern überformte Vorkriegsdresden nur noch bedingt zutreffend war und mehr auf recht einseitiger Selbst- und Fremddarstellung der Stadt als den tatsächlichen Begebenheiten beruhte. Beispiel gefällig? Wieviel der klassischen Dresdner Stadtsilhouette ist eigentlich "barock"?

  • Wieviel der klassischen Dresdner Stadtsilhouette ist eigentlich "barock"?


    Es geht hier nicht um einen prozentualen Anteil. Entscheidend ist, daß die heraus-ragenden Gebäude Dresdens im Zeitalter des Barock entstanden sind. Damit meine ich den Zwinger und die Frauenkirche. Eine Ausnahme ist die Semperoper, da diese auch herausragend ist, aber nicht dem Barock entstammt.


    Bitte entschuldige, wenn ich behaupte, daß der Kulturpalast wohl nicht zu den herausragenden Gebäuden Dresdens gehört. Der Kulturpalast ist sicherlich ein würdiger Vertreter der Moderne, das gebe ich gerne zu. Aber in München oder Stuttgart wird kaum jemand den Dresdener Kulturpalast kennen. Zwinger und Frauenkirche sind jedoch auch für die Menschen ein Begriff, die nicht in Dresden leben.

  • ^ Ich finde es nur schade, wenn die Stadt immer nur auf genau diese zwei Bauten reduziert wird, als ob es hier sonst nichts gäbe. Das unterirdische Stadtmarketing mit winkendem August und grinsender Cosel macht es leider nicht besser.

  • Nicht übel nehmen, aber ein Marketing mit dem Kulturpalast kann ich mir auch nur schwer vorstellen. Wehende "Rote Fahne" statt "winkendem August"?
    Die Fokussierung auf die "Barockstadt" ist recht naheliegend. Frauenkirche, Hofkirche und Zwinger sind nun mal absolute Publikumsmagnete. Damit lockt man die Leute überhaupt erstmal in die Stadt. Zumal mit dem Wiederaufbau der Frauenkirche die Aufmerksamkeit dafür gigantisch war, auch international.
    Nicht zuletzt rekonstruiert man am Neumarkt ja seit langem auch den wesentlichen Kern des barocken Dresdens. Die weitaus größere, übrige Altstadt, die tatsächlich wenig Barockes an sich hatte, gerät dabei natürlich in Vergessenheit.

  • ^ Nö, warum übel nehmen? Das mag ja Stand Jetzt zutreffen, wobei das Eine das Andere ja nicht ausschließen muss. Man kann ja das ja durchaus auch so sehen, das ist doch unbenommen. In der Aufzählung fehlt übrigens noch ein recht wenig barocker und nicht minder wichtiger gewaltiger Renaissancebau mit starker Neorenaissance-Überformung in unmittelbarer Nachbarschaft.


    Deine Einschätzung berührt meiner Meinung nach auch nicht die Existenzberechtigung des Kulturpalastes, denn für "Barock" bietet die Stadt bereits mehr als genug Stoff. Ich glaube nicht, dass mit zwei weiteren rekonstruierten Barockcarrés an dessen Statt der touristische Nährwert Dresdens wirklich wachsen würde - das dürfte den meisten Amerikanern und Chinesen relativ Buggie sein.


    Es bleibt außerdem abzuwarten, wie sich die Akzeptanz und der Bekanntheitsgrad des Kulturpalastes mit dem neuen Konzertsaal, der offensichtlich wirklich sehr gelungen zu sein scheint, weiterentwickelt, und ob Deine oder Architektur-Fans Beurteilung in weiteren fünfzig Jahren immer noch so zutrifft. Man denke nur daran, dass die Zeitgenossen Ende des 18. Jahrhunderts den Zwinger am liebsten planiert hätten, da sie ihn als so völlig antiquiert und unpassend ansahen. Offensichtlich scheint ja bereits jetzt ein gewisses Umdenken einzusetzen, betrachtet man so die Feuilletons bekannter überregionaler Medien. Ich glaube nicht, dass die vor etwa zwanzig, fünfundzwanzig Jahren sich in ähnlicher Form geäußert hätten, als alles "DDR-Lastige" in Bausch und Bogen als unnötiger Ballast abgewertet und milde belächelt wurde.


    Und wie bereits gesagt, die alleinige Fokussierung auf rein touristische Aspekte finde ich in diesem Zusammenhang ebenso wenig zielführend. Wenn es etwas gibt, dass diese Stadt über andere gleicher Größenordnung und Bedeutung erhebt, ist es ihr reiches und vielseitiges kulturelles Angebot nicht nur für Touristen. Und dazu zählt mit Sicherheit neben dem absolutistischen Erbe auch die Philharmonie und ihre sehr gelungene neue Heimat.


    Womit ich aber ausdrücklich nicht in den Chor jener einstimmen möchte, die jede Ostkantine und jede Platte aus DDR-Zeiten am liebsten unter Schutz gestellt sähen - ich sage nur, Denkmalschutz für Gorbitz und Prohlis...

  • Also ich für meinen Teil habe als ausdrücklich Nicht-Dresdner eigentlich Frieden mit dem Kulturpalast gemacht. Ich bin zwar nach wie vor der Meinung, dass er etwas von einem gelandeten Ufo hat, aber die Sanierung ist absolut gelungen und hochwertig. Der Blick auf den Altmarkt ist klasse, wobei ich nicht weiß, ob der vorher durch die getönten Scheiben auch so möglich war. Zumal ich zu der Überzeugung gelangt bin, dass auch ein Kulturpalastabriss Stückwerk geblieben wäre. Die Wilsdruffer hätte ihre Aufmarschbreite behalten, denn an die übrigen Zeilenbauten wäre man über kurz oder lang sicher nicht rangegangen. Neubauten an der Altmarktnordseite in der heutigen Wilsdruffer Bauflucht aber in Neumarkt-Dimensionen hätten am heutigen Altmarkt absolut mickrig und verloren gewirkt.

  • ^ Genauso sehe ich das auch, und ich muss mich auch revidieren, was die "Fremdkörperwirkung" im Stadtgefüge angeht. Ich habe es ja schon geschrieben, dass ich ursprünglich auch der Annahme war, der Bau würde das neu bzw. wieder entstehende städtische Gefüge der nördlichen Altstadt völlig zerschießen (was sich wohl mit den meisten Meinungen hier decken dürfte). Nun aber scheint es doch wirklich so, abgesehen vielleicht von der abrupt endenden Schössergasse und der Rückfront an der Rosmaringasse, also ob die Einordnung recht gut funktionieren wird, auf jeden Fall deutlich besser, als man es vorhersehen konnte. Schloß- und Galeriestraße werden auf jeden Fall interessante, wenn nicht gar gefällige Straßenzüge werden. Besonders die viel gescholtene Ecklösung am Jüdenhof-Eck-Versatz scheint ein äußerst interessantes Raumbild ergeben zu können.


    Das mag auch an der gegenüber der Ursprungsplanung durch Hänsch um eine Etage reduzierten Höhe des Baukörpers liegen, die somit in etwa der Dresdner Traufhöhe entspricht. Dadurch ordnet sich der an sich recht massige Baukörper (das "Ufo", wie Du schriebst) doch überraschend gut in die wiederentstehenden umgebenden Straßenzüge ein. Außerdem wurde gerade die nördliche Altstadt, die ja mittlerweile zwischen Theaterplatz und Tschirnerplatz fast vollständig wiederhergestellt ist, durch den Wechsel von Großbauten und kleinteiliger Parzellenbebauung geprägt. Vielleicht etwas überspitzt gesagt: Zu den großflächigen Baumassen von Zwinger, Schloß, Kunstakademie oder Johanneum gesellt sich nun quasi als neuzeitliches Zitat dieser Struktur der Kulturpalast hinzu.


    Themenwechsel: Durch die 80er-Jahre-Thermoverglasung konnte man übrigens auch ganz gut nach draußen blicken. Allerdings bietet das aktuelle Klarglas doch ein anderes Raumgefühl, vor allem wirkt das Foyer erheblich heller. Ich gehe davon aus, dass man hier ein einstrahlungsdämpfendes Spezialglas verwendet hat. Ansonsten könnte es im Sommer im Foyer doch recht kuschelig werden (was der Grund für den damaligen Verglasungswechsel war). Da man aber die Medien der Bibliothek wohl kaum derartigen Klimaunbilden und einer hohen Luftfeuchtigkeit aussetzen wird, ist sicherlich auch genügend Klimatechnik verbastelt worden (hoffe ich).

  • Der große Pluspunkt (man kann gar nicht genug lobhudeln) des Kulturpalazzos ist die weite öffentliche Nutzung inmitten des Zentrums, welche hier zudem in innenraumvolumig generöser Großzügigkeit daherkommt und erneut in baulich-gestalterischer Qualität nun vorliegt. Normalerweise wäre hier Privatbesitz und weitgehende Unzugänglichkeit.
    Ausserdem bekam die Zentralbibliothek endlich einen würdigen Platz - eine Einrichtung, die nicht zu unterschätzen ist.


    Noch nicht aufgeworfen wurde die Frage, was die Abordnung nun aus betreffenden Lagen der Wilsdruffer Vorstadt macht.
    Ich sehe hier aber eher kein Problem:
    a) hatte die Herkuleskeule kaum Belebungsfunktion auf den Sternplatz. Der Sternplatz soll zudem qualifiziert werden, und eine neue Baulichkeit anstelle der Keule wird kommen und neue Nutzungen hinbringen.
    b) das WTC hat definitiv kein Problem, sind die leergewordenen Flächen wohl schon Großteils in baldiger Neuvermietung. Da fällt mir auch TUDias ein, die private Nebenhochschule der TUD, die hier auch zu expandieren beabsichtigte. Derzeit strukturiert das WTC wohl etwas um - auch das Stadtmodell muss derzeit erneut umziehen. Die Belebung des Viertels bleibt erhalten, auch ohne Bibo. Nebenan wurde der Schwimmkomplex erweitert und generiert bald höhere Nutzerzahlen.
    c) die Wilsdruffer bekam das Kraftwerksgelände hinzu, was der neue HotSpot des Stadtbereiches werden soll und schon geworden ist. Dort drumrum und später auch darüber hinaus werden weitere Projektentwicklungen erfolgen, da denke ich noch nichtmal an die neue DREWAG-Zentrale auf dem KKM-Restflecken.
    Also summa summarum konnte man diese Abordnungen von Hauptbibliothek sowie Stadtkabarett ruhig riskieren. Es wird dort mE nun nicht ausgestorben werden.



    betreffs Kulti möchte ich noch die Ausstellung des Stadtmuseums empfehlen:

    Zitat

    Kulturpalast Dresden. Architektur als Auftrag


    Aus Anlass der Wiedereröffnung des Kulturpalastes 2017 wird die komplexe Geschichte und Nutzung des bedeutendsten Baus der Nachkriegsmoderne in Dresden gezeigt. Das Haus war Programm: Offen und einladend für alle sollte es das Zentrum der Stadt bilden.


    22.4.2017 bis 17.9.2017 - stadtmuseum-dresden - sonderausstellung-aktuell


    Hier nur einige Motive der Ausstellung aus dem architektonischen Blickwinkel.
    Darüber hinaus gibt es aber noch viel mehr Zeitgeschichtliches zum Kulti zu sehen.
    (nicht erschrecken: die Büste des W. Ulbricht ist etwas verschämt hinter einer Säule versteckt...)


    einige der Entwürfe









    dies ist nun schon ein Umbauentwurf aus der Nachwendezeit


    handgewebter Wandgobelin, welcher mit "Heiteren Reminiszenzen aus Dresden" das glorreiche Alltagsleben im Sozialismus zeigt


    Stadtkollage


    Emblem für besondere Anlässe oder Veranstaltungen - zB die Bezirksparteitage der Abbaddabaddei :D

  • abendliches Erscheinungsbild - der Lichtpunkt am Altmarkt



    zufällig war auch gerade Ausströmen der Besucher nach beendeter Veranstaltung


    die Brunnen strahlen in wechselnden Farben auch die Fassade mit an


    abseits des Kulti wirds schon dunkel