Dresden: Umbau des Kulturpalastes

  • Dresden: Umbau des Kulturpalastes

    Ist schon etwas älter, aber allemal interessant!



    Vortragsabend am 02.09.2002 der Ges. Hist. Neumarkt Dresden e.V.


    Am 02.09.2002 fand der 1. Vortragsabend nach der Sommerpause wieder in der Villa Salzburg statt.
    Thema des Abends war das Bauprojekt zum Umbau des Kulturpalastes und der angrenzenden Grundstücke. Die Sachsenbau und Projektierungsgesellschaft mbH & Co. KG Chemnitz trat bei dieser Gelegenheit mit ihren Plänen an die Öffentlichkeit in Dresden.
    Herr Reimann eröffnete und moderierte den Abend. Der Geschäftsführer der Sachsenbau, Herr Dr. Dieter Füsslein und der Berliner Architekt Prof. Hans Kollhoff stellten den aktuellen Stand der Planung und Bauvorbereitung vor.
    Unter den Interessierten waren auch der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Stadtrat der Landeshauptstadt, Herr Michael Grötsch, der Baubürgermeister a.D. Herr Gunter Just und Herr Prof. Will - TU Dresden.



    Nordseite des geplanten Areals - Sporergasse
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    Nordseite, Kuppelvariante
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    Das städtebauliche Konzept der Sachsenbau berücksichtigt die historischen Straßen- und Wegeführungen der Schloßstraße, der Galeriestraße und der Sporergasse.
    Die ehemalige Schössergasse entfällt. Dafür ist eine öffentliche Passage zwischen Altmarkt (Eingang Schloßstraße-Ecke Altmarkt) und Neumarkt (Eingang Jüdenhof) vorgesehen. Die Weiterführung der Frauenstraße in das Quartier entfällt auch. Der Erker des Hauses Galeriestraße 9 wäre aber durchaus möglich, da sich an dieser Stelle der Eingang der Operette befinden würde.
    Diese Lösung wurde bei dem anschließenden Gespräch als durchaus akzeptabel angesehen.
    Die Überdachung der Passagen mit dem im Kreuzungspunkt ausgebildeten zentralen Platz bietet unabhängig vom Witterungseinfluß Stätten der Begegnung und der Gastronomie im inneren Stadtraum.



    Ostseite des Areals - Galeriestraße
    (links im Bild:Ecke Altmarkt - rechts: Dinglingerhaus)
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    Westseite - Schloßstraße
    (links im Bild: Ecke Sporergasse - rechts: Ecke Altmarkt)
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    Die Sachsenbau stellt sich das Ziel, auf der Grundlage der Gestaltungssatzung und ihres Erfahrungsschatzes aus dem Wiederaufbau des Coselpalais insgesamt 10 Leitbauten bzw. Leitfassaden zu errichten (Dinglinger Haus, Triersches Haus, Cäsarsches Haus, Fürstliches Haus, Arkadenhof-Schloßstr. 12).



    Funktionale Aufteilung des neuen Quartiers
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    Städtebauliche Einordnung des Quartiers in die Altstadt Dresdens (der Bestand ist dunkelrot gekennzeichnet, Frauenkirche oben rechts)
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    Mit der noch sehr umstrittenen Kuppel wird beabsichtigt, die Philharmonie in der Stadt-silhouette hervorzuheben.
    Mit der Einordnung des hochwertigen Konzertsaales für die Philharmonie und Staatskapelle sowie einer vorgeschlagenen Komlementäreinrichtung, wie sie die Staatsoperette sein könnte, werden zwei dringliche Kulturbauvorhaben gelöst.
    Diese Kulturbauten sollen für die Landeshauptstadt kostenneutral errichtet werden.
    Ergänzt werden die kulturellen Einrichtungen durch einen Hotelneubau sowie Handels- und Wohnflächen, die im Inneren komplex nutzbar sind, sich im Äußeren jedoch kleinteilig darstellen. Das gelingt besonders durch die einzelnen parzellierten Leitbauten.
    Die Probleme des ruhenden Verkehrs, der Entsorgung sowie der Andienung werden ausgehend vom Altmarkt und der Wilsdruffer Straße im unterirdischen Bauraum geregelt - Tiefgarage mit 500 Stellplätzen unter dem Altmarkt.
    Diese unmittelbare Verbindung entlastet den öffentlichen Verkehrsraum und gewährleistet für den Altmarkt eine architektonische Gestaltung nach den ausgelobten Plänen des Büros von Prof. Wehberg.



    Ansicht vom Altmarkt nach Norden zur des Südseite des Areals
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    Atrium im Kreuzungspunkt der Passagen, Blick zur Frauenkirche
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    Den Vorträgen wurde mit großem Interesse gefolgt und in der Diskussion Anerkennung und Zuspruch ausgesprochen, ohne jedoch mit Anregungen und konkreter Kritik zu sparen - Differenzierung der Altmarktfront, Gestaltung der Kuppel. Von Seiten des überwiegenden Teils der Zuhörerschaft (davon ca. 60% Vereinsmitglieder) wurde eine weiter Beteiligung an der Planung gewünscht. Die gewählte Form der Information und Aussprache wurde sehr begrüßt, zumal zur Freude der Vereinsmitglieder festgestellt werden konnte, daß die vom Verein an die Sachsenbau herangetragenen Vorstellungen von Prof. Kollhoff eingearbeitet wurden. Die Sachsenbau brachte zum Ausdruck, daß sie auf eine schnelle Entscheidung der Stadtverwaltung hofft, um noch zum Stadtjubiläum 2006 mit den Baumaßnahmen fertig zu werden. Der Bau der Tiefgarage unter dem Altmarkt soll in Abschnitten erfolgen, damit jedes Jahr der Striezelmarkt ohne Einschränkung stattfinden kann.
    Immer wieder wurde zum Ausdruck gebracht, daß die kulturellen Institutionen Philharmonie, Staatskapelle und Staatsoperette hier einen günstigen Standort im Stadtgefüge erhalten würden.
    Die Sachsenbau wird in kürze diese Planung den Vertretern der Stadt offiziell vorstellen.
    Die Sachsenbau und Prof. Kollhoff sagten zu, die gewählte Diskussionsform weiter zu pflegen, um zu einem optimalen Ergebnis zu kommen.
    Auf allg. Bedauern stieß die Tatsache, daß trotz rechtzeitiger Information kein Vertreter der Stadtverwaltung bzw. der Kultureinrichtungen erschienen war. Das hätte sicherlich die Gespräche beleben können.


    Insgesamt will die Sachsenbau Chemnitz eine Investionssumme von 158 Mio. Euro für dieses gewaltige Bauvorhaben aufbringen. Es läge eine Finanzierungszusage sowie eine Fertigstellungsgarantie gegenüber der Stadt seitens einer großen Bank vor, so Dr. Füsslein.



    Andere Planungen mit Kulturpalast
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    Kulturpalast heute
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  • Die sind doch nichts neues! Diese Passage finde ich auch klasse und mit Kuppel noch besser! Aber dieser Kulturpalast muss in seinem jetzigen Zustand verschwinden! Wenn man die Funktion des KP in dieses Ensemble integriert, ist das auch OK!

  • Wow - klasse :daumen:! Was würden wir bloß ohne Kollhoff tun? :D


    Die Kuppel gefällt mir sehr gut. Hoffentlich wirkt sie dann - wenn sie kommt - schön, harmonisch und stilvoll.
    Als Vorbild für diese kuppelüberdachte Passage hat Kollhoff ein Kaufhaus in Mailand gehabt. - gefällt mir!

  • Das wird's auch sein. Und ansonsten kann man doch so ein "Meisterwerk sozialistischer Baukunst" nicht einfach durch "rückwärdtgewandte Architektur" ersetzen...

  • Zitat von sebastian c

    Fehlt das Geld oder wieso passiert dort nichts?


    Genaueres weiß ich auch nicht, aber der Kollhoff Entwurf scheint wohl vom Tisch zu sein. Stattdessen will man etwas bauen, was der Pinakothek der Moderne in München ähnelt (wenn ich mich an die richtigen Entwürfe erinnere :D ). Kann aber auch sein, dass dieses Projekt schon wieder verworfen wurde.

  • Wäre wirklich toll, wenn man Kollhoffs Entwurf so bauen würde.
    Das ist das frustrierende, wenn man sich mit Architektur beschäftigt, man sieht die ganzen tollen Entwürfe und erfährt dann meist, dass sie nicht umgesetzt werden.

  • Ja, es wäre wirklich eine Schande, wenn so ein Prestige-Projekt abgeblasen werden würde...Solche Passagen haben doch etwas Weltstädtisches! Die vielen Fassaden (Rekos?) an den Seiten, die Kuppel und das "Portal" zum Altmarkt hin... Mir kann kein Dresdner erzählen, der Kulturpalast würde ihm besser gefallen!

  • Zitat von Ben

    Das wird's auch sein. Und ansonsten kann man doch so ein "Meisterwerk sozialistischer Baukunst" nicht einfach durch "rückwärdtgewandte Architektur" ersetzen...


    Hilfe....

  • Mein Reden, JinStuttgart. Wenn, dann sollte Kollhoffs Bau dorthin. Dem Kulturpalast kann nur noch mit der Abrissbirne geholfen werden.

  • Wie ist denn nun der neueste Stand zum Projekt? Wie soll es aussehen?


    Was passiert eigentlich noch so in Dresden? Ich habe gehört, am Neumarkt soll vor einiger Zeit still und leise mit den Bauarbeiten auf einem anderen Areal begonnen worden sein...

  • Kulturpalast: Traum vom großen Umbau geplatzt


    27.11.04 - Der Dresdner Stadtrat hat in seiner letzten Sitzung entschieden, das Projekt der Sachsenbau Chemnitz zur Umbauung des Kulturpalastes mit einer großen Shopping Mall, Hotel und Büros (und damit eine Investition von 35 Millionen Euro) wird abgelehnt. Auf Antrag der SPD stimmte der Rat dagegen der kleinen Variante zu, die Erhalt und einfache Sanierung des KP's vorsieht und auch immerhin 25 Millionen kosten soll. Bisher sind allerdings für diese kleine Variante, die die Stadt Dresden selbst finanzieren will, keine Gelder im Stadthaushalt bereit gestellt. Die Zukunft dieses wichtigen Gebäudes zwischen Neu- und Altmarkt bleibt weiterhin offen.


    Quelle: http://www.neumarkt-dresden.de



    Am Neumarkt wurde mit der Bebauung der Quartiere I (Prisco), II (VVK) und IV (Baywobau) begonnen. Aktuelle Fotos gibt es hier .

  • BauNetz-Meldung vom 11.08.05: http://www.baunetz.de/db/news/…id=80679&news_region_id=6


    "Sanierung des Dresdner Kulturpalastes beginnt


    Es gibt auch noch gute Nachrichten von der Front der gefährdeten Bauten der Moderne: Am 8. August 2005 begannen die Sanierungsarbeiten an der Fassade des Dresdner Kulturpalastes.
    Damit wird eines der wichtigsten Gebäude der sozialistischen Moderne und eines der umstrittensten Bauwerke Dresdens in seiner ursprünglichen Form erhalten.


    Verschiedene Initiativen und Diskussionen (siehe BauNetz-Meldung vom 27. 10. 2003) zu dessen Erhalt konnten tatsächlich eine wohlwollende Öffentlichkeit herstellen. Damit sind Vorschläge und Vorstöße zur Umgestaltung und Verstümmelung, wie sie von Hans Kollhoff und der Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden e.V. unternommen wurden, vorerst vom Tisch. ..."

  • Schade. Aber es gibt schlimmeres. So schlecht finde ich den Kulturpalast nicht, obwohl er in meinen Augen verkorkste Dimensionen hat. Aber in Dresden gibt es ganz andere Gebäude, die meiner Ansicht nach dringender abgebrochen oder radikal umgebaut gehören. Wenn ich nur an den Anbau des Polizeipräsidiums denke... :nono: