Frankfurt und seine Nachbarn / Regionalplanung

  • [...](und beispielsweise ein Neu-Isenburg vom grauenhaften OF-Kennzeichen befreit wäre)[...]


    Vermutlich werden sich Politiker in Zukunft weiterhin damit rausreden können, indem sie genau solche Aussagen als "Unwillen der Bürger" deuten und als Argument gegen eine Fusion benutzen.

  • Komisch, hier wird über eine Fusion von Frankfurt und Offenbach diskutiert und schwupps greift die FAZ das Thema auf Zukunft der Region: Frankbach oder Offenfurt


    Und dann gebe ich auch mal etwas zu bedenken: RMV!


    Eine Monatskarte von Offenbach Hbf <-> Frankfurt Hbf kommt auf 129,80 €; die Monatskarte für die Großwabe Frankfurt hingegen kostet nur 85,20 €. Das sind im Jahr 535,20 € mehr! Und das wo die Verbindungen nicht länger sind wie z. B. Fechenheim oder Unterliederbach zum Frankfurter Hauptbahnhof.


    Und gerade weil man ja immer mehr versucht "die Ärmeren" nach OF auszulagern, sollte man dies auch mal berücksichtigen. Was bringt einem die günstigere Wohnung wenn man dann für zwei Erwachsene plus Kind in der Ausbildung weit über 1.000 € mehr im Jahr für den ÖPNV ausgeben muss?

  • Nach int. üblichen Maßstäben für die Ziehung von administrativen Distriktgrenzen, wie sie in Nordamerika, Australien, Afrika, Südamerika und Asien verwendet werden, müsste man das halbe Rhein/Main Gebiet zu "Frankfurt" (ohne sonstige Namensänderungen und Bindestriche) zusammenfassen.


    So tickt Europa und speziell Deutschland aber nicht. Mag man bedauern aber die Energie ist wohl bei pragmatischer Problemlösung unter Überbrückung administrativer Grenzen besser eingesetzt, als dabei, eine neue Welle von Kommunalgebietsreformen anzuschieben. Das hat Bürger und Lokalpolitiker in ganz Westdeutschland in den 1970ern, wo die "in Mode" gekommen sind, gleichermaßen an den Rand des nervlichen Ausnahmezustandes gebracht. "Stuttgart 21", nur flächendeckend. Will man destruktive Selbstbeschäftigung über Jahre auslösen, dann muss man Gebietsreformen vorschlagen.

  • Für mich wäre das Hauptargument insbesondere der Kompetenzzugewinn für den kleineren Partner. Eine große Verwaltung kann sich zwangsläufig besser spezialisieren als eine kleine - dies gilt nicht zuletzt für die Dezernenten.


    Im konkreten Fall denke ich, man sollte nicht ganz Hessen erneut in Aufruhr versetzen, sondern man könnte hoffen - und das wäre dann in der Tat ein kleiner Finanzausgleich - dass Frankfurt und Offenbach sich zusammentun und alles andere darf von mir aus so bleiben, wie es ist.


    Für das vergrößerte Frankfurt dürfte durch den Flächenzuwachs so mancher Vorteil herausspringen - hieß es nicht, man brauche dringend Gewerbeflächen in Frankfurt? Die Distanzen sind beim jetzigen Bestand oft ähnlich zu denen Offenbachs (bspw. Martinszehnten-Innenstadt) und die Autobahn ist von OF-Ost auch nicht unerreichbar weit entfernt.


    Der Rest Hessens muss sich nicht an dieser Übung beteiligen, es wäre aber schön, wenn von Seiten des Landes keine Blockaden errichtet würden. Manches, was man hier liest, lässt dies befürchten.

  • Und dann gebe ich auch mal etwas zu bedenken: RMV!


    Prust! :) Das war jetzt echt gut. Du glaubst wirklich, dass eine bloße Zusammenlegung der Städte den RMV dazu bringen könnte, diese sprudelnde Einnahmequelle aufzugeben?


    Aktuell ist es doch so, dass man für vergleichbare Lagen in Offenbach ggü. Frankfurt einen Abschlag von etwa 1,2-1,6€/m² beim Mietpreis bekommt. Das sind bei 80m² (3-4ZKB)also maximal 128€ im Monat oder 1536€ im Jahr. Wenn jetzt nicht beide Eltern nach Frankfurt fahren und die Kinder ohnehin in OF zur Schule gehen, sind das nach Abzug einer Monatskarte noch immer 1000€ Ersparnis.
    Und wenn man, wie sehr viele Kernstadtbewohner, mit dem Fahrrad oder zu Fuß zum Kaiserlei kommt, braucht man die Offenbacher Karte zumindest in den warmen 8 Monaten des Jahres nicht (von den Schwarzfahrern bis Ledermuseum jetzt gar nicht zu reden).


    Ich erwarte vom RMV eigentlich, dass nach Bau der MF-Arena im Kaiserleigebiet, in Verbindung mit dem sich dann rechnenden Ausbau des S-Bahn-Halts Oberrad, dieser Bahnhof zur Grenzhaltestelle wird, so dass der "Schleichverkehr" zur Tarifgrenze aufhört.


    Zum Markenbild des RMV gehören doch gerade solche Konstruktionen, wie z.B. die Grenze zwischen Höchst und dem MTZ, die Enklave Bad Vilbel, die absurden Regeln für die Fahrten zum Flughafen. Eschborn Süd als Grenzhaltestelle hat seinerzeit richtig viel Druck von den beteiligten Firmen und Gemeinden gekostet, aber die Drähte der Deutschen Bank waren wohl besser als die der Verkehrsunternehmen.


    Aber danke für das Stichwort, denn damit ist zumindest ein weiterer Interessenträger (ich mag "Stakeholder" nicht) im Eingemeindungspoker identifiziert.


  • Zum Markenbild des RMV gehören doch gerade solche Konstruktionen, wie z.B. die Grenze zwischen Höchst und dem MTZ, die Enklave Bad Vilbel, die absurden Regeln für die Fahrten zum Flughafen.


    Was du als Markenbild qualifizierst, ist streng genommen nur die zwangsläufige Folge eines Grundelements der hesssichen ÖPNV-Struktur, negativ gewendet als Webfehler beschrieben; das ist die konsequente Kommunalsierung des ÖPNV, d.h. Aufgabenträger sind die Gemeinden. Sie bestimmen, welcher ÖPNV auf ihrem Gebiet stattfinden und welcher nicht; das führte dann z.B. zu so etwas wie der Verkürzung der SL 16 an der Stadtgrenze. Ausnahme der überörtliche SPNV und der Regionalbusverkehr, also Linien, die über Kreis- und Gemeindegrenzen hinweg führen. Aber im Grundsatz gilt: Aufgabenträger sind die Aufgabenträgerorganisationen, die den Kommunen und Kreisen gehören (traffiq, Nio, Dadina usw.).


    Daraus folgt, dass Gemeindefusionen wie etwa F-OF das Tarifproblem nur graduell beeinflussen, aber nicht strukturell lösen, wobei die Wahl des Tarifs nicht notwendig etwa mit Gemeindegrenzen zu tun haben muss. Alle Tarifmodelle haben das Problem der "Grenzfälle", egal ob ein Zeittarif, ein strikter Entfernungstarif oder ein mehr oder weniger grob gestrickter Zonentarif, was letztlich ein vereinfachter Entferungstarif ist.


    Was hier als Tarifproblem aufgeworfen wird, lässt sich auch ohne Gebietsreform lösen. Kurzum: ist glaube nicht, dass der RMV in einer Gebietsreformdebatte eigene Aktien hat, wie auch?

  • Die FNP diskutiert seit Tagen darüber wann endlich Frankfurt und Offenbach sich zusammenschließen. Die Oberbürgermeister der 2 Städte Schneider und Feldmann scheinen sich einig zu sein das Offenbach bald zu einem Stadtteil von Frankfurt wird in naher Zukunft + inklusive einige Gemeinden noch dazu.



    Quelle: FNP http://www.fnp.de/rhein-main/W…ld-vereint;art801,1198873


    http://www.fnp.de/rhein-main/R…eis-rdquo;art1491,1198866

    Einmal editiert, zuletzt von Blablub984 ()

  • Ein Zusammenschluss von Ffm und OF wäre wünschenswert. Ob es wahr werden kann? Richtig ist, dass das Land bisher eine Stärkung der Kommunen - insbesondere von Frankfurt - nicht unterstützt. Ganz offensichtlich aus Angst vor eigenem Machtverlust. Auch ein Großkreis Ffm-Rhein-Main ist sinnvoll. Hier allerdings gibt es die unterschiedlichsten Vorschläge. Während die "kleineren" Lösungen alle Sinn ergeben, ist die Idee eines Maximal-Großkreises bis nach Limburg (so zum Teil ältere Vorschläge aus der SPD) kaum sinnvoll. Zum einen erscheint mit dieser Kreis dann so groß, dass sich zu viele gegenläufige Interessen(gruppierungen) herausbilden werden. Zum anderen wäre dann die Schwächung des Landes als übergeordnete, politische Einheit auch mir zu stark.

  • Ich sehe ehrlich gesagt nicht, was eine Fusion mit Offenbach der Stadt Frankfurt bringen soll außer, dass man dann der Millionengrenze etwas näher kommt. Die Stadt Offenbach kürzt doch überall schon die Infrastruktur, wo es nur geht. Riesige Einsparpotentiale sehe ich da nicht. Natürlich würden einige Projekte an den Stadtgrenzen erleichtert (siehe Kaiserleikreisel), aber das war es dann auch schon.

  • ...ja sicher, aber faktisch kommt es, ist schon teilweise gekommen, so oder!


    Ob mir das passt oder nicht :). Ich bin da mittlerweile Altersmilde.
    Nicht immer!!!

  • Ich sehe ehrlich gesagt nicht, was eine Fusion mit Offenbach der Stadt Frankfurt bringen soll außer ...


    Und genau auch wegen solchen Äußerungen/Einstellungen innerhalb der Bevölkerung wird diese - mMn sinnvolle Fusion (wenn man über wirtschaftliche Gesichtspunkte hinausdenkt ... Stichwort Solidarität und ähnliches) - nicht erfolgen :nono:
    Auf der einen Seite werden Städte wie Eschborn kritisiert und auf der anderen Seite verhält man sich im Grunde nicht besser ... :confused:

  • ^


    Ehrlich gesagt habe ich aber auch noch kein Argument gehört, dass für Frankfurt wirklich dafür sprechen würde. Solidarität reicht mir nicht, wenn es danach ginge, könnte man immer neue Städte dazu nehmen und am Ende die Stadt "Rhein Main" gründen. Frankfurt würde sich nur weitere finanzielle Verpflichtungen aufbürden, ohne nennenswerte Zusatzeinnahmen zu generieren. Oder liege ich da falsch? Sollte Offenbach nicht eher selber daran arbeiten, als Standort für Unternehmen attraktiv zu sein (z.B. durch Werbung für die Anbindung an den Flughafen bei gleichzeitig niedrigerem Preisniveau)? Dieser "Innovationswettbewerb" würde langfristig doch für alle mehr Vorteile bringen, als einfach eine Pleitestadt mit einer erfolgreicheren Stadt zusammen zu packen.

  • Allein dass Frankfurt dann näher an die 1Mio Einwohner kommt und als eine größere Stadt wahrgenommen wird, reicht mir schon als Argument!


    Ich sehe keinen Grund mit Offenbach NICHT zu fusionieren...und Offenbach würde davon auch ordentlich profitieren. Als Frankfurter würde ich eher nach Offenbach ziehen, wenn Offenbach zu Frankfurt gehört.

  • patbre


    Einmal mehr zeigt sich, wie es in unserem Land um den Gemeinsinn und die Solidarität bestellt ist. Mit dieser Denke hätte es auch die Wiedervereinigung nicht gegeben.


    Darüber hinaus wird das ganze gepaart mit einer entsprechenden Kurzsichtigkeit. Selbstverständlich würden sich (allerdings schwer bezifferbare) Vorteile auch für Frankfurt ergeben. Um nur einige zu nennen:
    - So könnte man sich in Zukunft langwierige kommunale Streitigkeiten wie bei der neuen Mainbrücke oder dem Umbau des Kaiserleis sparen.
    - Projekte mit wichtiger regionaler Funktion (wie zB der Bau einer neuen Multifunktionsarena) könnten schneller umgesetzt werden.
    - Andere nötige Eingemeindungen (wie zB Eschborn) könnten leichter erreicht werden ... man darf sich nicht nur die Rosinen rauspicken! Gemeindegrenzen sollten funktional, räumlich und wirtschaftlich eng zusammengehörende Siedlungsstrukturen widerspiegeln und in diesem Hinblick steht es ja wohl außer Frage, dass OF faktisch ein Teil Frankfurts ist.


    Was mich stört, ist dieser weit verbreitete Egoismus, nach dem Motto: "Wenn's mir keinen Vorteil bringt, dann nein Danke!" So wird es niemals zum wirklich nötigen Zusammenwachsen der Stadtregion kommen und es werde weiterhin starke Ungleichgewichte mit den entsprechenden Auswirkungen (soziale Brennpunkte etc.) innerhalb der Region bestehen bleiben. :Nieder:

  • Ich denke, dass durch den wachsenden Preisdruck auf dem Immobilienmarkt über kurz oder lang Offenbach einen deutlichen Aufschwung erleben wird (was ja auch schon in einzelnen Spots z.B. dem Hafen zu sehen ist). In der Folge wird das auch vermehrte Einnahmen für die Stadt mit sich bringen - zumindest erscheint mir dies in meiner fachfremden Logik als konsequent und richtig. Die Tatsache, dass es dann auch namentlich ein Stadtteil Frankfurts ist dürfte diesen Prozess deutlich beschleunigen.

  • Hier wird falscherweise immer wieder von einer Fusion der beiden Kommunen gesprochen. Tatsächlich geht es um die Gründung eines Großkreises - also, wenn ich das richtig sehe, um einen gemeinsamen Landkreis, in dem Offenbach und Frankfurt als eigenständige Kommunen erhalten bleiben, aber bestimmte Kompetenzen an den Kreis abgeben, um sich enger zu koordinieren.


    So könnte z.B. die Neuplanung der Grenzgebiete erleichtert und hoffentlich auch ein gemeinsamer ÖPNV-Tarif sowie ein Ausbau des Offenbacher Streckennetzes ermöglicht werden.


    Natürlich kann der Großkreis als Vorstufe zu einer späteren Fusion gedeutet werden. Was meint ihr?

    Einmal editiert, zuletzt von Julian ()

  • merlinammain:
    Man muss aber den von Dir genannten Vorteilen auch ehrlich die Nachteile gegenüberstellen:


    - Übernahme der Schulden der Stadt Offenbach mit entsprechenden Sparrunden, von denen dann viel mehr Menschen betroffen sein werden
    - Deutlich höherer Anteil der von Fluglärm beeinträchtigten Bevölkerung durch die Eingemeindung mit entsprechend sinkender Akzeptanz des Flughafens in der Stadt
    - Verlagerung von Investitionen in den Neu-Stadtteil Offenbach aufgrund des hohen dortigen Investitionsrückstandes


    Fusionen müssen sich für alle Beteiligten lohnen. So lange sie das nicht tun werden sie scheitern. Das siehst Du in der Wirtschaft immer wieder. Ohne diesen Win-Win-Effekt benötigst Du schon eine gehörige Portion Idealismus oder historische Effekte (siehe deutsche Wiedervereinigung) um sowas durchzubekommen. Und solange dafür nicht der Boden bereitet wird oder eben die verlangten Win-Win-Effekte aktiv herbeigeführt werden, wird das nix werden.

  • Positive Effekte im Sinne einer von Einsparungen kann ich mir sehr gut bei den Ämtern und Eigenbetrieben vorstellen. Stichwort Berufsfeuerwehr: Da reicht ja wohl eine Höhenrettungstruppe für beide Städte. Natürlich kann man die Zusammenarbeit auch ohne Fusion regeln. Das klappt dann aber nicht so gut. Oder die Feuerwehr-Verwaltung. Es reicht ja wohl, wenn es eine Stelle gibt, die die Neuanschaffungen (ua Ausschreibungen) für die Feuerwehr vornimmt. Da kann man fortführen: Ordnungsamt/Stadtpolizei, Parkpflege, Stadtentwässerung etc. Schwierig wird es bei 2 Städten aber, wenn Entscheidungen getroffen werden müssen (wem sind die Beamten unterstellt) oder Anschaffungen / Einsparungen von den Stadtparlamenten oder dem Magistrat angegangen werden sollen. Kein Problem, solange beide Städte sich einig sind. Wie aber regelt man das, wenn hier unterschiedliche Ansichten bestehen?

  • Effekte

    Und genau hier sind die eigentlichen Effekte versteckt und offensichtlich: Zusammenlegungen von Einrichtungen und Administrationen.


    Und auch das politische Problem ist gelöst: Die Stadtverordnetenversammlung setzt sich aus der Anzahl von Stadtverordneten zusammen, die beide Städte auf Grund ihrer Größe einbringen. Die Anzahl der Stadtverordneten regelt Paragraph 38 HGO:
    Demnach hat Frankfurt derzeit 93 Stadtverordneten, Offenbach 71. Ein gemeinsames Parlament hätte aber auch nur 93 Vertreter, demnach wäre per Satzung zu bestimmen, dass davon ca. 1/6 aus den Offenbacher Wahlkreisen zu bestimmen, 5/6 aus den Frankfurter. Und schon spart man auch die komplette Organarbeit, Sitzungsgelder, Sitzungsvorlagen und Infrastruktur für 71 Parlamentarier. Zusätzlich noch die Stadträte, hier gilt eine ähnliche Betrachtung, nur das hier ein Großteil hauptamtlich nach Besoldungsgruppe A13 bezahlt wird.
    Weiter wird die Entscheidungsfindung wesentlich effizienter ausfallen.


    Zusammenlegung von Eigenbetrieben (Mainova und EVO, VGF und OVB...), Zusammenlegung von Bürgerämtern, Wohnungsbaugesellschaften,...
    Doppelte Infrastrukturen könnten konsolidiert werden. Wer da den Vorteil für den Steuerzahler und damit beide Bürgergruppen nicht sieht, ist im wahrsten Sinne des Wortes betriebsblind.


    Wirtschaftlich gesehen ist eine Fusion längst überfällig, allein das altbekannte Kirchturmsdenken und das Sichern der Pfründe einzelner ist der steinige Weg...


    Ein erneuter Versuch, einige Städte in einen Landkreis zu packen ist durch die Schaffung einer zusätzlichen parlamentarischen Ebene keine Alternative.