Neue BND Zentrale Berlin

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    Quelle: DIE WELT


    Senat entscheidet: BND darf in Berlin-Mitte bauen
    von Jochim Stoltenberg


    Berlin - Der Bundesnachrichtendienst (BND) hat einen zweiten Standort für den beschlossenen Umzug von München-Pullach nach Berlin gefunden. Statt wie zunächst geplant, leer stehende ehemalige amerikanische Kasernenanlagen zu nutzen, wird der BND in Berlin-Mitte an der Chausseestraße auf dem Gelände des ehemaligen Stadions der Weltjugend bauen. Mit der Fertigstellung wird für 2008 gerechnet. Die Kosten sollen weitgehend durch den Verkauf des bisherigen Grundstücks in Pullach gedeckt werden.



    Die Standortfrage wurde in geheimen Verhandlungen des Berliner Senats mit dem BND, die seit dem Sommer liefen, entschieden. Mitgeteilt wurde das Ergebnis während eines Festakts zur Fertigstellung des neu gebauten Auswertungszentrums des Dienstes zur Auslandsaufklärung im südlichen Berliner Ortsteil Lichterfelde. Als zweiter Standort waren zunächst das ehemalige Berliner Hauptquartier der Amerikaner an der Zehlendorfer Clayallee oder das denkmalgeschützte Flughafengebäude Tempelhof vorgesehen. Beide Komplexe erwiesen sich als ungeeignet, zudem wäre die Sanierung teurer geworden, als ein Neubau für die 4000 BND-Mitarbeiter.



    Und prompt entbrannte in Berlin ein Streit über den BND-Neubau Der CDU-Bezirksbürgermeister von Mitte und Landesvorsitzende der Union, Joachim Zeller, wirft SPD-Stadtentwicklungssenator Peter Strieder vor, den Bezirk bei der Entscheidung völlig übergangen zu haben. Um Bauverzögerungen zu verhindern, kündigte Strieder bereits an, der Senat werde von seinem Recht Gebrauch machen, die Planung an sich zu ziehen. Damit wird dem Bezirk jede Einflussnahme entzogen. Zudem fürchtet der Bezirksbürgermeister, dass der BND- Neubau ein "Hochsicherheitstrakt" werde, und es für die benachbarte Wohnbevölkerung aus Sicherheitsgründen zu erheblichen Einschränkungen komme. Solche Befürchtungen weist der BND zurück: " Wir streben im Einvernehmen mit dem Senat eine Bebauung an, die sowohl den städtebaulichen Gesichtspunkten wie den besonderen Bedürfnissen unseres Dienstes Rechnung trägt", sagte BND-Sprecherin Michaela Heber der WELT. Auch um das Auswärtige Amt gebe es keine Betonmauer, Britanniens Geheimdienst SAS liege im Zentrum von London.



    Auch andere Berliner Parteien hadern mit dem jetzt gefundenen Standort. Die Grünen empfehlen ein ehemaliges Polizeigelände am Stadtrand, die Junge Union das ehemalige sowjetische Hauptquartier im brandenburgischen Wünsdorf und die FDP leer stehende Bürogebäude innerhalb der Stadt.



    Doch die Entscheidung steht, bekräftigte Senator Strieder gegenüber der WELT.



    Wo künftig die Mitarbeiter des Nachrichtendienstes sitzen werden, breitet sich noch Brachland aus, auf dem Hobby-Golfer abschlagen können. Das Stadion der Weltjugend im Ost-Teil der Stadt wurde 1992 abgerissen, um Platz für Olympiabauten zu schaffen, die jedoch wegen der gescheiterten Berliner Bewerbung nicht realisiert wurden. Das Stadion war einst Ort der kommunistischen Weltjugendfestspiele, bis 1989 wurde dort jährlich das Fußballendspiel um den FDGB-Pokal ausgetragen.


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    Man darf gespannt bleiben !

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    sollen sie doch in die (künftigen) hochhäuser am alex ziehen! dann gibts wenigstens nutzer für die dinger! 250tqm hört sich wirklich gewaltig an. beispielsweise hat der klinker-kollhoff am potzdamerplatz "gerade mal" 31.700qm... also acht mal potsdamerplatz nr.1 damit der bnd platz hat!

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    Schön für Berlin. Aber man staunt: Für das Berliner Stadtschloß, das eine gewaltige Investition in die Attraktivität der Stadt wäre, gibt es leeeiiider kein Geld. Aber man kann anscheinend leicht die gleiche Summe für vollkommen überflüssige Behördenaktivitäten ausgeben, nämlich den den Umzug eines Amtes, das genausogut in seinen alten Räumen hätte weiterarbeiten können.


    Wer solche Prioritäten setzt und das wenige vorhandene Geld in die volkswirtschaftlich folgenlose wenn nicht schädliche Aktivität riesiger Beamtenapparate steckt statt in Projekte, die private Investitionen und private Aktivitäten nach sich ziehen würden, darf sich nicht wundern, wenn das Land erlahmt und in Bürokratie erstickt. :angry:

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    Wenn ich es richtig verstanden habe, soll der Neubau durch den Verkauf des alten BND-Geländes in München-Pullach finanziert werden. Das alte Gelände hat die stattliche Größe von über 600.000 qm - immerhin !!!


    Zudem finde ich es nur logisch, wenn die Regierung ihren Geheimdienst in der Nähe hat und nicht am anderen Ende der Republik.

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    Natürlich wäre es grundsätzlich einleuchtend, wenn der Geheimdienst seine Zentrale in der Hauptstadt hätte, wenn es heute auch wahrscheinlich nur noch eine geringe praktische Relevanz hat. Die Frage ist nur, welche Prioritäten man in Zeiten knapper Kassen und geringer Wirtschaftsdynamik setzt. Und da ist eine Invesition in die Bürokratie so ungefähr das schlechteste, was man tun kann.


    Wenn sich der Umzug tatsächlich durch den Verkauf der alten Immobilie finanziert, nehme ich alles zurück und behaupte das Gegenteil. Dann wäre der Umzug in der Tat sinnvoll. Nur: Wollen wir wetten, ob es tatsächlich ein solches Nullsummenspiel wird?

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    Du hast recht, Ernst. Das riecht sehr danach, als wollten sich ein paar hohe Herren ein Denkmal setzen. Ab in die Hauptstadt, der Steuerzahler zahlt. Dabei ist es doch in der Tat vollkommen egal, wo der Nachrichtendienst seine Zentrale hat. Bis jetzt hat es noch niemanden gestört, daß sie nicht in der Hauptstadt war und ist.


    Solche albernen Diskussionen kennt man übrigens hier in Bonn nur zu gut...

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    rec, ähm ja... Du scheinst ja richtig Ahnung zu haben !


    Sei mir nicht böse - Das lasse ich mal einfach so im Raum stehen.
    Ich habe nämlich keinen Bock, hier seitenlang das "für und wider" eines Nachrichtendienstes zu erörtern. Kannst genausogut googeln !

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    Original geschrieben von PGS
    rec, ähm ja... Du scheinst ja richtig Ahnung zu haben !


    Sei mir nicht böse - Das lasse ich mal einfach so im Raum stehen.
    Ich habe nämlich keinen Bock, hier seitenlang das "für und wider" eines Nachrichtendienstes zu erörtern. Kannst genausogut googeln !


    Hatte gar nicht die Absicht, das Für und Wider eines Nachrichtendienstes zu thematisieren. Sehe auch nicht, wo ich das getan haben soll.

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    Okay...
    Erstens wurde/wird schon des öfteren bemängelt, dass der BND nicht am Ort der Entscheidungsfindung ist, also in Berlin. Daran hat man sich bisher nicht besonders gestört, da das Verhältnis der Kohl-Regierung zu den Nachrichtendiensten im allgemeinen eher "ambivalent" war ( um nicht zu sagen: Helmut hielt nichts von denen). Durch die "neue Rolle" D in der Welt hat sich das geändert, zudem erkennt man die Notwendigkeit des BNDs als Auslandsgeheimdienst.
    Zweitens hat die Bundesregierung beschlossen, dass der BND umziehen soll. Den BND-Mitarbeitern hat das wohl alles andere als gefallen.


    Und wo das Bonn-Berlin-Gesetzt schon angesprochen wurde...
    Es ist doch schon fast eine fahrlässige Veruntreuung von Steuergeldern deutschlandweit irgendwelche Ämter und Dienststellen der Bundesregierung zu dislozieren, die in der Hauptstadt gebraucht werden. Man fasst sich ja an den Kopf bzw. man könnte denken, wir habens immer noch dicke !


    Wie gesagt, siehe Bonn-Berlin-Gesetz !!!

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    Und wo das Bonn-Berlin-Gesetzt schon angesprochen wurde...
    Es ist doch schon fast eine fahrlässige Veruntreuung von Steuergeldern deutschlandweit irgendwelche Ämter und Dienststellen der Bundesregierung zu dislozieren, die in der Hauptstadt gebraucht werden. Man fasst sich ja an den Kopf bzw. man könnte denken, wir habens immer noch dicke !


    Und genau da fällst du auf eine Fehlinformation herein, die von bestimmten Kreisen ganz bewußt lanciert wird. Durch die Arbeitsteilung zwischen Bonn und Berlin entstehen kaum zusätzliche Kosten. Dagegen wären die Kosten, die ein Komplettumzug verschlingen würde, um ein Vielfaches höher und in der jetzigen finanziellen Situation der öffentlichen Kassen nicht zu verantworten. Auch wird die Effizienz des Arbeitens kaum behindert. Das ist mittlerweile durch Studien längst belegt. Diejenigen, die mit aller Macht auf einen Komplettumzug drängen, interessiert diese Wahrheit natürlich nicht.


    Und zurück zum BND, warum sollte sich dort die Sache anders verhalten? Daß als einer der Hauptgründe genannt wird, man müsse sich vom "Schmuddelimage" vergangener Tage reinwaschen, kann man als vernünftig denkender Mensch und Steuerzahler nicht gelten lassen.

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    Meine Aussagen zum oben besprochenen Thema beruhen auf einer Untersuchung des Bundesrechnungshofes aus dem vergangenen Jahr. Diese Untersuchung fällt eindeutig zugunsten der Arbeitsteilung zwischen Bonn und Berlin aus.





    Rechnungshof: Die Zahlen sprechen für Bonn


    Aber Defizite in der Organisationsstruktur


    Die Aufteilung der Ministerien zwischen Bonn und Berlin, wie sie im Gesetz aus dem Jahre 1994 festgelegt ist, hat den Steuerzahler im vergangenen Jahr 10 Millionen Euro gekostet. Zu diesem Ergebnis ist der Bundesrechnungshof nach Informationen von wdr.de gekommen. Der Rechnungshof hatte im Auftrag des Bundestags die Kosten für Dienstreisen oder den Einsatz von Kommunikationsmitteln untersucht. Damit kommt die Trennung wesentlich günstiger als ein Total-Umzug. Der Rechnungshof geht zudem davon aus, dass die Kosten in den nächsten Jahren noch weiter sinken werden.



    Ein Umzug käme 500 mal so teuer


    Der erste Teilumzug hatte 10 Milliarden Euro gekostet, der Nachzug der restlichen Bonner Ministerien würde mit fünf Milliarden Euro zu Buche schlagen - das wäre 500 mal soviel wie nach der bestehenden Regelung. Das hatte Bundesbauminister Kurt Bodewig (SPD) vor einigen Monaten vorgerechnet, und in seiner Studie bestätigte der Rechnungshof diese Zahl. Kritiker des Bonn-Berlin-Gesetzes, darunter viele ostdeutsche Politiker, haben in der Vergangenheit immer wieder mit der finanziellen Misere des Bundes argumentiert, wenn sie einen Totalumzug an die Spree forderten. Zur Zeit arbeiten 13.000 Mitarbeiter für Regierung, Präsident, Bundestag und Bundesrat in Berlin, weitere 8.500 in Bonn.



    Das Gespräch von Angesicht zu Angesicht fehlt


    Neben der reinen Kosten-Aufstellung, die für die Aufteilung spricht, untersucht der Bericht des Bundesrechnungshofes aber auch den Dienstalltag. Sechs der Ministerien haben ihren ersten Dienstsitz in Bonn und sind nur mit einem Zweitsitz in Berlin vertreten; umgekehrt haben auch die Berliner Ministerien Beschäftigte in Bonn. Nach wdr.de-Informationen vermeldet die Studie, dass vor allem hochrangige Beamte trotz eines gut ausgebauten Kommunikationsnetzes oft das Gespräch von Angesicht zu Angesicht vermissen. Konsequenz: Häufige Dienstreisen zwischen alter und neuer Hauptstadt und Defizite in der bisherigen Organisationsstruktur. Der Rechnungshof empfiehlt den Ressorts, eine Aufgabekritik durchzuführen mit dem "Ziel, ihre jeweiligen politisch-konzeptionellen und strategisch bedeutenden Kernaufgaben zu definieren." Diese Kernaufgaben sollten am Berliner Dienstsitz, die übrigen in Bonn wahrgenommen werden. "Dadurch ließe sich auch erreichen, dass die Bundesministerien sich reorganisieren und verschlanken" könnten, so die Studie weiter.



    Kelber: "Wer einen Umzug will, muss das Geld woanders einsparen"


    Ob das bedeutet, dass die Spitzen der Bonner Ministerien grundsätzlich nach Berlin verlegt werden sollten, wie das "Handelsblatt" gemeldet hatte, mochte der Rechnungshof nicht sagen: Das Papier sei für die Mitglieder des Haushaltsausschusses im Bundestag bestimmt und nicht für die Öffentlichkeit. Auch das Bundesbauministerium, das für den Umzug vom Rhein an die Spree zuständig war, lehnte gegenüber wdr.de einen Kommentar zu den Ergebnissen ab: "Wir äußern uns gegenüber dem Ausschuss und bis dahin kann das noch Monate dauern", so ein Sprecher. Der Bonner SPD-Bundestagsabgeordnete Ulrich Kelber hingegen, der auf die Einhaltung des Bonn-Berlin-Gesetzes pocht, zeigte sich erfreut: "Das bestätigt das, was ich in vielen Gesprächen gehört habe." Dass manche Abteilungsleiter die Kommunikation von Angesicht zu Angesicht vermissten, "sei eine Minus-Geschichte", meinte Kelber gegenüber wdr.de. Aber die meisten Beschäftigten seien nicht durch die Teilung belastet. Vor allem aber sprächen die Zahlen für eine Beibehaltung der Regelung: "Wer jetzt noch einen Umzug will, muss klar sagen, dass er das Geld woanders einsparen möchte."


    Quelle: wdr.de (15.10.2002)


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    Auf seiner Homepage führt Kelber dies weiter aus: "Das Gutachten des Bundesrechnungshofs über die Kosten für die Trennung von Regierungsaufgaben zwischen Berlin und Bonn bestätigt nach Aussagen von Bonns SPD-Bundestagsabgeordneter Ulrich Kelber den Verbleib von Ministerien und Ministeriumsteilen in Bonn als sachorientiert und preisgünstig.


    "Das Gutachten nennt als Kosten der Trennung eine maximale Summe von 10 Millionen Euro pro Jahr. Außerdem sinken diese Kosten laut Bundesrechnungshof weiter. Ein 'Totalumzug' der verbliebenen Regierungsstellen von Bonn nach Berlin würde dagegen laut Bundesregierung mindestens fünf Milliarden Euro kosten. Allein die Zinsen für diese Summe sind dreißig Mal so hoch wie die Kosten für den Verbleib von Regierungsfunktionen in Bonn", erläutert Kelber das Gutachten.


    Ulrich Kelber fordert jetzt ein endgültiges Ende der Diskussionen über den "Totalumzug", da alle angeblichen finanziellen Gründe durch den Bundesrechnungshof so deutlich widerlegt worden sind. "Wer jetzt noch weitere Umzüge nach Berlin fordert, muss sagen, an welchen wichtigen Zukunftsvorhaben er das Geld für den Umzug einsparen will. Nur zum Vergleich: Der Ausbau der Kinderbetreuung durch die Bundesregierung wird bis 2006 5,5 Milliarden Euro kosten. Die gleiche Summe würde auch ein weiterer Berlinumzug kosten. Da muss doch jeder Politiker sehen, wo die Prioritäten liegen", ist Kelber überzeugt."

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    Eye to eye - Kontakte im Geheimdienstmetier stelle ich mir schon ganz nützlich vor.


    Ja, mag schon sein. Aber andererseits scheint mir die Relation Pullach - Berlin für einen Geheimdienst, der auf globalen informationsaustausch angewiesen ist, nicht unüberwindbar.


    Warum man den BND nun allerdings gleich in Jogging-Distanz zum Kanzleramt unterbringen muß, statt z.B. im schönen Spandau, erschließt sich mir auch nicht.


    Eben. Genau das sollte einen mißtrauisch machen.


    Ministerien gehören in die Hauptstadt.
    Diesen Titel hatte sich Bonn durch einen geschichtlichen Zufall für immerhin 40 Jahre geborgt, lange genug!


    Wir wissen alle, wie es dazu gekommen ist. Bonn hat sich die Hauptstadtrolle nicht "geborgt", sondern diese Rolle wurde der Stadt angetragen. Bonn hat diese Rolle mit Bravour ausgefüllt, soll niemand sagen, von Bonn aus habe es sich nicht gut regieren lassen. Die Bescheidenheit und beschauliche Atmosphäre der Stadt haben sicherlich ihren Teil dazu beigetragen, das Vertrauen in unser Land wiederherzustellen und die Bundesrepublik in die Staatengemeinschaft zu reintegrieren. Sollte denn der Bund nach 50 Jahren diese Stadt fallen lassen wie eine heiße Kartoffel? Mit der Arbeitsteilung zwischen Bonn und Berlin hat sich der Bund seiner Verantwortung für diese Stadt gestellt. Es ist dem Nazi-Terror, der von Berlin ausging, zu verdanken, daß Deutschland geteilt und Bonn Hauptstadt des Westteils wurde. Die Berliner würden sich keinen Zacken aus der Krone brechen, würden sie die Verdienste Bonns einmal anerkennen und auch die Gerechtigkeit und Notwendigkeit der Arbeitsteilung. Für einen erfolgreichen Strukturwandel ist Bonn auf die Hilfe des Bundes angewiesen. Nur ein Beispiel, die Anwesenheit des BMZ mit 1. Dienstsitz erleichtert natürlich den Ausbau Bonns zu einem "Nord-Süd-Zentrum" in Bezug auf die Ansiedlung internationaler Organisationen. Ob die Arbeitsteilung ewig währen muß ist eine andere Frage, aber im Moment hat sie ihre Berechtigung.


    Wenn die von Dir angeführten Zahlen stimmen und keine Auftragsarbeiten pro-Bonn sind - sind diese Ausgaben momentan schlechterdings nicht zu verantworten...


    Die Arbeitsteilung spart dem Steuerzahler eine Menge Geld, die ein Komplettumzug verschlingen würde. Dies haben Bundesrechnungshof und Bundesbauministerium bestätigt.



    Zu dem Artikel aus der Mopo noch ein Wort: es ist ungalublich, womit manche Journalisten ihr Geld verdienen. Dieser Artikel ist unterste Schublade. Natürlich verliert man nicht gerne den Hauptstadtstatus, aber daran denkt in Bonn niemand mehr. Überhaupt sieht der Rheinländer die Dinge lockerer und hat allen Grund dazu. Die Stadt hat den Strukturwandel bisher bestens verkraftet, überall wird gebaut, der Büroleerstand ist vergleichweise niedrig. Telekom und Post setzen ihre Zeichen, im Bundesviertel gibt es heute mehr Arbeitsplätze als vor dem Regierungsumzug. Bonn ist international, bald wird es einen UN-Campus geben. Die Bevölkerungszahlen steigen seit Jahren kontinuierlich, im Umland noch kräftiger als in der Stadt. Bonn verzeichnet einen Geburtenüberschuss undundund.... Natürlich spielt auch der Bund noch eine wichtige Rolle, aber alles was man in Bonn will ist, daß bestehende Gesetze eingehalten werden.


    Wenn irgendwo ein Stachel tief sitzt, dann in Berlin. Irgendwie scheint der Berliner - ich muß das jetzt mal so allgemein sagen - unter massiven Minderwertigkeitskomplexen zu leiden. Und diese Minderwertigkeitskomplexe projeziert man auf die Bonner? Na bitte, aber in Bonn interessiert das wirklich niemanden.

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    Für den Nazi-Terror, kann man keine Stadt verantwortlich machen, es waren schon Menschen in ganz Deutschland, die dafür in Haftung zu nehmen sind.
    So kann man auch nicht München ( "Stadt der Bewegung") oder Braunau, Österreich Geburtsstadt des GröFaZ, deswegen verdammen.


    Ich habe auch nicht Berlin als Stadt verantwortlich gemacht. Das hast du in meine Worte hinein interpretiert. Ich habe lediglich geschrieben, und das ist hoffentlich unstreitig, daß der zweite Weltkrieg von Berlin ausging. Folge dieses Krieges, auch das ist unstreitig, war die deutsche Teilung, in deren Folge Bonn zur Hauptstadt der Bundesrepublik wurde. Was ich damit sagen will, es war keine "bösartige" Bonn-Lobby, die Berlin den Haupstadttitel auf unlautere Weise entrissen hatte, sondern diese Entwicklung war Folge eines furchtbaren Krieges, deren Dauerhaftigkeit prinzipiell nicht auszuschließen war. Hätte der Bundestag 1991 für Bonn als Parlaments- und Regierungssitz gestimmt bzw. hatte es eine Volksabstimmung - nach unserer Verfassung leider nicht möglich - über diese Frage zugunsten Bonns gegeben, hätte man in Berlin den dauerhaften Verlust von Parlament und Regierung als Folge des zweiten Weltkrieges hinnehmen müssen, so wie man sich auch mit viel schwerwiegenderen Folgen des Krieges abfinden mußte und muß. Es gab keineswegs einen Automatismus, der die Rückkehr von Parlament und Regierung nach Berlin nach vollzogener Wiedervereinigung des geteilten Deutschland garantierte.


    Aber der Status der Hauptstadt wurde nur in Ermangelung des souveränen Zugriffes auf Berlin (Viermächte-Status) "verliehen".


    Auch Pommern, Schlesien und Ostpreußen standen bis 1990 nur unter polnischer bzw. sowjetischer Verwaltung. Doch längst hatten sich eine andere Realität manifestiert.


    Die Verdienste Bonns um die junge Nachkriegsrepublik sind meines Erachtens von allen Seiten hinreichend und wiederholt gewürdigt worden.


    Aus Berlin ist in den vergangenen 13 Jahren vor allem Spott und Häme über "die kleine Stadt am Rhein" gekommen, bestes Beispiel ist der Mopo-Artikel, den du hier hinein kopiert hast. Letzlich geht es aber nicht um eine goldene Anstecknadel, um Lob und Schulterklopfen, sondern um die Zukunft der Stadt und ihres Umlandes, eines Gebietes, dem bis zu einer dreiviertel Million Menschen zugerechnet werden können. Nach 1949 hatte sich eine Monostruktur herausgebildet, die zu einer starken wirtschaftlichen Abhängigkeit der Region von der Anwesenheit des Bundes geführt hatte. Der Bund hatte eine Verantwortung für diese Region und dieser Verantwortung hat er sich gestellt. So ist es zu der besagten Arbeitsteilung gekommen. Zwei Parteien streiten um einen Kuchen, ist es zuviel verlangt, der "unterlegenen" Seite ein Stückchen übrig zu lassen? Erstmal?


    Nein, ich wüsste nicht, warum es da einen Komplex geben sollte, allenfalls den Wunsch, ganz schnell wieder verlorengegangenes Terrain zurückzuerobern (Unternehmensansiedlungen, Bundesbehörden etc.), denn der relative Bedeutungsverlust West-Berlins nach dem Mauerbau war ja unübersehbar.


    Eben, Berlin kommt mit seiner Nachkriegsrolle nicht klar. Wirtschaftlich fast bedeutungslos und dann auch noch beinahe politisch in der Versenkung verschwunden. Das schafft Frust, der sich dann in solchen Artikeln wie in der Mopo entlädt. Dort kann man die Komplexe in jedem, aber wirklich jedem Satz herauslesen. Bonn, die kleine Stadt, umgeben von dunklen Wäldern, steht vor dem Sturz in die Bedeutungslosigkeit, wenn bald, ganz sicher nach 2006, der Komplettumzug nach Berlin erfolgt. Schon jetzt ist die Stadt faktisch tot. Nur ein paar spießige, kleinbürgerliche Beamte - außer ein paar Bauern, die auf dem Marktplatz Obst verkaufen, die einzigen Bewohner - die Angst vor Ausländern haben, die es in Bonn natürlich nicht gibt, verteidigen krampfhaft und auf verlorenem Posten die alten Pfründe... Wenn man gegen das mächtige Rhein-Main, Düsseldorf oder die sturen Bayern schon nicht ankommt, auf Bonn kann man einhacken. Wie tief muß da der Stachel sitzen, oder kann sich jemand vorstellen, daß ein New Yorker so über Washigton D.C. herziehen würde?


    Zumal der Kraftakt des Ost - West-Vereinens innerhalb einer Stadt, ungemein viel mentale, politische, soziale und finanzielle Kapazitäten bindet.
    Berlin ist kein Sozialfall, sondern kehrt mühsam zu einer Art städtischen Normalität zurück


    Schön, aber für die Berliner Probleme ist Bonn nicht verantwortlich. Jeder kämpft eben seinen eigenen Kampf gegen die alltägliche Mühsal. Trotzdem wäre ein wenig Respekt vor einander nicht verkehrt. Sollte Berlin nicht zu schwer fallen, wenn es den tatsächlich das ist, was es gerne sein würde. Nicht zu verachten auch die vielen Millionen Euro, die Berlin aus dem Länderfinanzausgleich bezieht. Also bitte nicht so viel meckern in der Hauptstadt.

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    Ich glaube, das führt hier zu nichts. Wir drehen uns langsam im Kreis. Na gut, eine Runde noch.


    Ja sorry, aber trotz gegenteiliger Bekundung steckt in diesen Aussagen doch ein "Selber-schuld" in Richtung Berlin.


    Okay, zugegeben, eine kleine Spitze war da verpackt. Aber das war nicht die Kernaussage, sondern dies: um Dinge verstehen zu können, muß man sie in ihrem Gesamtzusammenhang betrachten. In diesem Fall heißt das, sich des historischen Kontexts bewußt zu werden. Genausowenig wie Berlin für den Krieg, kann Bonn für die Teilung verantwortlich gemacht werden. Sätze wie “Bonn war 40 Jahre lang Hauptstadt, lange genug” sind offenkundig aus der Emotion geborene Parolen, keine Sachargumente.


    Nein, aber es war das Symbol der erstmaligen vollen Souveränität Gesamtdeutschlands an den alten, angestammten Regierungssitz zurückzukehren.


    Das ist sicherlich als Pluspunkt für Berlin zu werten, allerdings sollte man mit Symbolik vorsichtig argumentieren. Denn erstens interessierte man sich in Berlin weniger für das Wohlergehen Deutschlands, sondern vielmehr für den eigenen Prestigegewinn und den damit erhofften wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt, wie du indirekt selbst zugibst. Das ist legitim, aber kein Argument für den Regierungsumzug. Zweitens bleibt zu erwähnen, daß weder das Deutsche Reich, noch die DDR, beide von Berlin aus regiert, demokratische Staatsformen gewesen sind und mit der Rolle Berlins als Hauptstadt viel Negatives assoziiert wurde.


    Die Bundesrepublik dagegen, die erste wirklich funktionierende deutsche Demokratie, hat ihre Wurzeln in Bonn. Die Hauptstadt Bonn war auf das Nachkriegsdeutschland zugeschnitten. Die politische Ausrichtung nach Westen, die weiter anhaltende Verlagerung des Bevölkerungsschwerpunktes sowie die Verschiebung des ökonomischen Gewichts und die geographische Randlage Berlins nach dem Krieg sind Fakten, die eine Verlagerung von Parlament und Regierung nach Berlin durchaus als unlogisch erscheinen lassen konnten.


    In Berlin hat kaum jemand an dieser Entscheidung des Bundestages
    gezweifelt. Das war eine Selbstverständlichkeit.


    Aber nur in den Wunschträumen der Berliner, nicht real.


    Lediglich die zu erwartenden gigantischen Umzugskosten und die zu bewältigenden infrastrukturellen Probleme, die auf Bonn zukamen, gepaart mit der natürlichen Seßhaftigkeit der Bundesbeamtenschar in und um Bonn, sorgten noch für eine gewisse Spannung beim Abstimmungsverhalten unserer Volksvertreter.


    Ohne Schäuble und die PDS wäre es verdammt eng geworden für Berlin. Denn im Westen hat man neben den hohen Kosten durchaus noch andere Gründe gesehen, die für Bonn sprachen. Ich bin eben schon kurz darauf eingegangen. Aber es ist müßig, das weiter auszuführen, denn der Käse ist längst gegessen und das ist gut so.


    Na, das muß augenscheinlich an mir vorbeigegangen sein, ich habe da immer nur positives über die Rolle Bonns in der "bescheidenen" Bundesrepublik gehört. Den MoPo-Artikel habe ich sicherheitshalber noch mal gelesen, aber Spott und Häme kann ich da nicht entdecken.


    Vielleicht willst du es ja nicht sehen. Ich möchte dazu nichts mehr sagen. Nur noch soviel, in Bonn hat man sich von der alten Rolle weitestgehend abgekapselt und die Zukunft der Stadt neu definiert. Bislang ist man damit sehr erfolgreich gewesen. In anderen Zeitungen schreibt man über diesen Strukturwandel, nur die Mopo nicht.


    Also nochmal, sicherheitshalber: In Berlin ist niemand gefrustet und Komplexe muß man dort nun schon gar nicht pflegen, weshalb auch?


    Weil man es als Selbstverständlichkeit ansieht, daß Berlin einziger Sitz der Regierung ist, wie du selbst sagst.


    Das klingt bei Dir wie bei einem Kampf Bonn versus Berlin der nie stattgefunden hat.


    Doch, vor der denkwürdigen Bundestagssitzung im Juni 1991 schon. Und aus Berlin wird immer noch nachgetreten. Klar, aus deren Sicht ist der Kampf ja auch noch nicht vorbei.


    Um im Bild zu bleiben: Ein Super-Schwergewichtler tritt nicht gegen ein Mttelgewicht an, der Kampf wäre vor dem ersten Gong entschieden.


    Dir ist klar, daß du gerade Bonn als Super-Schwergewichtler klassifiziert hast? :D


    Falls du damit Berlin gemeint hast, will man denn in Berlin nicht den Komplettumzug? Warum ist der dann nicht längst Realität? Weil Berlin vielleicht nicht so super-schwergewichtig ist, wie es gerne wäre? Und die anderen Konkurrenten dafür viel stärker und zahlreicher, als es Berlin lieb ist? Das nennt sich dann wohl Föderalismus.


    Das Berlin als einzige Stadt, die Wiedervereinigung in seinen Stadtgrenzen schultern muß, samt gewaltiger Baumaßnahmen und Sanierungsarbeiten vornehmlich im Osten der Stadt, sollte als Begründung für staatliches Engagement a la Aufbau Ost doch genügen.


    Dagegen ist nichts zu sagen, wie ich in meinem letzten Beitrag bereits sagte. Aber der Bonner Strukturwandel bedarf ebenfalls der Unterstützung durch den Bund.


    Respekt für Bonns Rolle im Nachkriegsdeutschland ist aber wirklich von allen Seiten gezollt worden.


    Jetzt drehen wir uns endgültig im Kreis. Ich zitiere mich mal selbst: "Letzlich geht es aber nicht um eine goldene Anstecknadel, um Lob und Schulterklopfen, sondern um die Zukunft der Stadt und ihres Umlandes, eines Gebietes, dem bis zu einer dreiviertel Million Menschen zugerechnet werden können. Nach 1949 hatte sich eine Monostruktur herausgebildet, die zu einer starken wirtschaftlichen Abhängigkeit der Region von der Anwesenheit des Bundes geführt hatte. Der Bund hatte eine Verantwortung für diese Region und dieser Verantwortung hat er sich gestellt."


    Und wenn ein paar Bundesbehörden in Bonn bleiben, bricht Berlin in der Tat kein Zacken aus der Krone.



    Ich darf dich daran erinnern, daß der Bundestag bei seiner Entscheidung pro Berlin gleichzeitig zur Bedingung gemacht hat, daß Bonn einen fairen Ausgleich bekommt und eine Arbeitsteilung zwischen beiden Städten vorzusehen ist?

  • sieht eher nach nem Modell aus, also man sieht dieses ding ja so gut wie nie aus dieser Perspektive .. aber aus der Perpsektive hat es Nazi-Character.