25 Jahre danach: Das ursprüngliche World Trade Center in New York
Am 11. September 2026 jähren sich die Terroranschläge auf New York und Washington zum 25. Mal. Fast 3.000 Menschen wurden an diesem Tag getötet. Für ein Architekturforum ist dieses Datum aber auch Anlass, an ein Bauensemble zu erinnern, das weit mehr war als die Kulisse dieser Katastrophe: Das ursprüngliche World Trade Center gehörte zu den technisch und städtebaulich prägendsten Hochhausprojekten des 20. Jahrhunderts.

World Trade Center mit Brooklyn Bridge, 1976. Foto: Balthazar Korab / Library of Congress. Public Domain
Die Planungen für das World Trade Center reichen bis in die 1950er-Jahre zurück. Bauherr war die Port Authority of New York and New Jersey. Den entscheidenden Entwurf entwickelte der amerikanische Architekt Minoru Yamasaki gemeinsam mit seinem Büro Minoru Yamasaki & Associates; beteiligt war außerdem Emery Roth & Sons.
1964 wurde der endgültige Entwurf vorgestellt. Statt eines einzelnen gigantischen Hochhauses entschied man sich für zwei nahezu identische Türme mit jeweils 110 Geschossen. Sie sollten gemeinsam eine große Plaza beherrschen und zum weithin sichtbaren Symbol für Lower Manhattan werden.

Modell des World Trade Centers mit den Twin Towers und der Plaza, 1976. Foto: Balthazar Korab / Library of Congress. Public Domain

Architekturmodell des World Trade Centers mit Twin Towers und Plaza, Aufnahme 1976. Foto: Balthazar Korab Studios / Library of Congress, No known restrictions on publication
Die Bauarbeiten begannen am 5. August 1966. Allein die Arbeiten für Fundamente und Untergeschosse dauerten fast zwei Jahre. 1968 begann der eigentliche Hochbau. Der Nordturm wurde 1970 fertiggestellt, der Südturm 1971. Am 4. April 1973 wurde das World Trade Center offiziell eröffnet.
Der Nordturm, 1 World Trade Center, erreichte eine Dachhöhe von rund 417 Metern. Der Südturm, 2 World Trade Center, war mit etwa 415 Metern nur geringfügig niedriger. Zum Zeitpunkt ihrer Fertigstellung waren die Twin Towers die höchsten Gebäude der Welt.
Beide Türme hatten einen nahezu quadratischen Grundriss von rund 63 × 63 Metern. Jede typische Büroetage bot eine riesige zusammenhängende Fläche. Zwischen Fassade und Kern standen praktisch keine Stützen. Gerade das war eine der großen technischen Leistungen des Projekts.

Das eigentlich Revolutionäre steckte im Tragwerk.
Die Twin Towers waren frühe und besonders konsequente Beispiele des sogenannten Framed-Tube-Prinzips. Die Außenfassaden bestanden aus dicht nebeneinanderstehenden Stahlstützen, die zusammen mit horizontalen Trägern eine steife tragende Röhre bildeten. Je Fassadenseite standen 59 Außenstützen, insgesamt also 236 pro Turm.
Im Inneren befand sich ein kompakter Kern mit weiteren tragenden Stützen, Aufzügen, Treppenhäusern und Versorgungsschächten. Zwischen diesem Kern und der Außenfassade spannten leichte Stahlfachwerkträger, auf denen die Geschossdecken lagen. Damit übernahm die Fassade selbst einen erheblichen Teil der Tragfunktion. Das ermöglichte ungewöhnlich freie Grundrisse und war für Bürohochhäuser dieser Größenordnung ausgesprochen fortschrittlich.

Blick von der Plaza auf die Fassadenstruktur des World Trade Centers, 1976. Foto: Balthazar Korab / Library of Congress. Public Domain
Auch das Verhalten im Wind spielte bei der Planung eine große Rolle. Die Türme wurden intensiv im Windkanal getestet. Ihre enorme Höhe führte dazu, dass sich die Gebäudespitzen bei starkem Wind merklich bewegen konnten. Diese Bewegung war konstruktiv vorgesehen und Teil des statischen Konzepts.
Beeindruckend war auch die vertikale Erschließung.
Jeder Turm verfügte über 99 Aufzüge. Hätte man für alle 110 Geschosse konventionelle Aufzugsschächte vorgesehen, wäre ein enormer Teil der Nutzfläche verloren gegangen. Deshalb arbeitete man mit sogenannten Sky Lobbies. Expressaufzüge brachten die Menschen zunächst zu Umsteigeebenen im 44. und 78. Stock. Dort wechselten sie in lokale Aufzüge, die jeweils nur bestimmte Gebäudebereiche bedienten. Das Prinzip ähnelte dem Express- und Local-System der New Yorker U-Bahn. Einige der großen Expressaufzüge konnten mehr als 50 Personen gleichzeitig transportieren.
Auch optisch waren die Twin Towers ungewöhnlich. Aus der Entfernung wirkten sie fast vollkommen abstrakt: zwei gewaltige silberne Quader, extrem ruhig und beinahe monolithisch. Näherte man sich ihnen, veränderte sich dieser Eindruck deutlich. Die Fassaden bestanden aus einem sehr engen Raster schmaler vertikaler Stützen. Die Fenster waren ungewöhnlich schmal. An den Gebäudesockeln verzweigten sich die Außenstützen zu hohen, spitzbogenartigen Öffnungen.
Bild links: Eingangsbögen des World Trade Centers mit James Rosatis Skulptur „Ideogram“, 1976. Foto: Balthazar Korab / Library of Congress. Public Domain
Bild rechts: Innenraum des World Trade Centers mit den charakteristischen hohen Bogenfenstern, 1976. Foto: Balthazar Korab Studios / Library of Congress. Public Domain
Beide Bilder: Balthazar Korab / Library of Congress. Public Domain
Zwischen den Gebäuden lag die große Austin J. Tobin Plaza. Ihr bekanntestes Kunstwerk war Fritz Koenigs monumentale Bronzeskulptur „Große Kugelkaryatide N.Y.“, besser bekannt als „The Sphere“.
Die Skulptur stand seit 1971 im Zentrum der Plaza. Sie überstand den 11. September schwer beschädigt und wurde bewusst nicht wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt. Heute steht sie im Liberty Park am neuen World Trade Center.

Fritz Koenigs „The Sphere“ vor den Eingangsbögen des World Trade Centers, 1976. Foto: Balthazar Korab / Library of Congress. Public Domain
Beide Bilder: Balthazar Korab / Library of Congress. Public Domain
Das gesamte World Trade Center bestand aus sieben Gebäuden.
Zwischen den beiden Türmen stand das 22-geschossige Marriott World Trade Center Hotel, 3 WTC. Hinzu kamen 4 und 5 World Trade Center mit jeweils neun Geschossen sowie das achtgeschossige 6 World Trade Center, das unter anderem vom US Customs Service genutzt wurde.
7 World Trade Center stand auf der anderen Seite der Vesey Street. Dieses 47-geschossige Hochhaus wurde erst 1987 fertiggestellt und gehörte damit nicht zum ursprünglichen Bauabschnitt der 1970er-Jahre.
Unter dem gesamten Komplex lag eine gewaltige Infrastruktur mit Einkaufsflächen, Technikbereichen, Parkanlagen und Verkehrsanbindungen. Das PATH-System verband das World Trade Center direkt mit New Jersey. Zehntausende Menschen arbeiteten täglich auf dem Areal.
Die beiden Türme waren entsprechend schwer. Für jeden einzelnen werden häufig Größenordnungen von rund 450.000 Tonnen genannt. Für den gesamten Komplex wurden ungefähr 180.000 bis 200.000 Tonnen Stahl verbaut.
Allein die beiden Türme besaßen zusammen mehr als 43.000 Fenster.

World Trade Center vom New Yorker Hafen aus gesehen, 1976. Foto: Balthazar Korab / Library of Congress. Public Domain
Am Morgen des 11. September 2001 traf um 8:46 Uhr American-Airlines-Flug 11 den Nordturm zwischen ungefähr dem 93. und 99. Stock.
Um 9:03 Uhr schlug United-Airlines-Flug 175 in den Südturm ein, ungefähr zwischen dem 77. und 85. Stock.
Beide Gebäude überstanden die unmittelbaren Einschläge zunächst. Um 9:59 Uhr stürzte der Südturm ein. Der Nordturm folgte um 10:28 Uhr.
Die späteren technischen Untersuchungen zeigten, dass das Zusammenspiel mehrerer Faktoren entscheidend war. Die Flugzeuge beschädigten tragende Bauteile, zerstörten große Teile des Brandschutzes und verteilten Treibstoff über mehrere Geschosse. Die anschließenden Brände erwärmten die Stahlkonstruktion über längere Zeit. Stahl muss dabei nicht schmelzen, um seine Tragfähigkeit erheblich zu verlieren. Die Geschossdecken verformten sich, Tragglieder verloren Steifigkeit und Teile der Außenfassaden wurden nach innen gezogen. Schließlich erreichte die Konstruktion einen Zustand, in dem die verbliebenen tragenden Elemente die Lasten nicht mehr aufnehmen konnten.
Mit dem Einsturz der Türme wurde auch ein großer Teil des übrigen World-Trade-Center-Komplexes zerstört oder so schwer beschädigt, dass die Gebäude später abgetragen werden mussten.
Das World Trade Center war schon bei seiner Entstehung umstritten. Für den Bau wurde ein ganzer Bereich von Lower Manhattan neu geordnet. Mehrere Straßen verschwanden. Ältere Häuser wurden abgerissen. Kritiker bemängelten die gigantischen Dimensionen, die große Plaza und die scheinbare Monotonie der Türme.
Mit den Jahren änderte sich die Wahrnehmung. Die beiden Türme wurden zu einem der weltweit bekanntesten Stadtbilder überhaupt. Ihre einfache Form machte sie aus großer Entfernung sofort erkennbar. Von Staten Island, aus Brooklyn, aus New Jersey oder vom Hafen aus bildeten sie einen Fixpunkt der New Yorker Skyline.
Sie existierten nur rund drei Jahrzehnte.






















