25 Jahre danach: Das ursprüngliche World Trade Center in NYC

  • 25 Jahre danach: Das ursprüngliche World Trade Center in New York

    Am 11. September 2026 jähren sich die Terroranschläge auf New York und Washington zum 25. Mal. Fast 3.000 Menschen wurden an diesem Tag getötet. Für ein Architekturforum ist dieses Datum aber auch Anlass, an ein Bauensemble zu erinnern, das weit mehr war als die Kulisse dieser Katastrophe: Das ursprüngliche World Trade Center gehörte zu den technisch und städtebaulich prägendsten Hochhausprojekten des 20. Jahrhunderts.


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    World Trade Center mit Brooklyn Bridge, 1976. Foto: Balthazar Korab / Library of Congress. Public Domain


    Die Planungen für das World Trade Center reichen bis in die 1950er-Jahre zurück. Bauherr war die Port Authority of New York and New Jersey. Den entscheidenden Entwurf entwickelte der amerikanische Architekt Minoru Yamasaki gemeinsam mit seinem Büro Minoru Yamasaki & Associates; beteiligt war außerdem Emery Roth & Sons.


    1964 wurde der endgültige Entwurf vorgestellt. Statt eines einzelnen gigantischen Hochhauses entschied man sich für zwei nahezu identische Türme mit jeweils 110 Geschossen. Sie sollten gemeinsam eine große Plaza beherrschen und zum weithin sichtbaren Symbol für Lower Manhattan werden.


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    Modell des World Trade Centers mit den Twin Towers und der Plaza, 1976. Foto: Balthazar Korab / Library of Congress. Public Domain

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    Architekturmodell des World Trade Centers mit Twin Towers und Plaza, Aufnahme 1976. Foto: Balthazar Korab Studios / Library of Congress, No known restrictions on publication


    Die Bauarbeiten begannen am 5. August 1966. Allein die Arbeiten für Fundamente und Untergeschosse dauerten fast zwei Jahre. 1968 begann der eigentliche Hochbau. Der Nordturm wurde 1970 fertiggestellt, der Südturm 1971. Am 4. April 1973 wurde das World Trade Center offiziell eröffnet.

    Der Nordturm, 1 World Trade Center, erreichte eine Dachhöhe von rund 417 Metern. Der Südturm, 2 World Trade Center, war mit etwa 415 Metern nur geringfügig niedriger. Zum Zeitpunkt ihrer Fertigstellung waren die Twin Towers die höchsten Gebäude der Welt.

    Beide Türme hatten einen nahezu quadratischen Grundriss von rund 63 × 63 Metern. Jede typische Büroetage bot eine riesige zusammenhängende Fläche. Zwischen Fassade und Kern standen praktisch keine Stützen. Gerade das war eine der großen technischen Leistungen des Projekts.

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    Das eigentlich Revolutionäre steckte im Tragwerk.

    Die Twin Towers waren frühe und besonders konsequente Beispiele des sogenannten Framed-Tube-Prinzips. Die Außenfassaden bestanden aus dicht nebeneinanderstehenden Stahlstützen, die zusammen mit horizontalen Trägern eine steife tragende Röhre bildeten. Je Fassadenseite standen 59 Außenstützen, insgesamt also 236 pro Turm.

    Im Inneren befand sich ein kompakter Kern mit weiteren tragenden Stützen, Aufzügen, Treppenhäusern und Versorgungsschächten. Zwischen diesem Kern und der Außenfassade spannten leichte Stahlfachwerkträger, auf denen die Geschossdecken lagen. Damit übernahm die Fassade selbst einen erheblichen Teil der Tragfunktion. Das ermöglichte ungewöhnlich freie Grundrisse und war für Bürohochhäuser dieser Größenordnung ausgesprochen fortschrittlich.

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    Blick von der Plaza auf die Fassadenstruktur des World Trade Centers, 1976. Foto: Balthazar Korab / Library of Congress. Public Domain

    Auch das Verhalten im Wind spielte bei der Planung eine große Rolle. Die Türme wurden intensiv im Windkanal getestet. Ihre enorme Höhe führte dazu, dass sich die Gebäudespitzen bei starkem Wind merklich bewegen konnten. Diese Bewegung war konstruktiv vorgesehen und Teil des statischen Konzepts.

    Beeindruckend war auch die vertikale Erschließung.

    Jeder Turm verfügte über 99 Aufzüge. Hätte man für alle 110 Geschosse konventionelle Aufzugsschächte vorgesehen, wäre ein enormer Teil der Nutzfläche verloren gegangen. Deshalb arbeitete man mit sogenannten Sky Lobbies. Expressaufzüge brachten die Menschen zunächst zu Umsteigeebenen im 44. und 78. Stock. Dort wechselten sie in lokale Aufzüge, die jeweils nur bestimmte Gebäudebereiche bedienten. Das Prinzip ähnelte dem Express- und Local-System der New Yorker U-Bahn. Einige der großen Expressaufzüge konnten mehr als 50 Personen gleichzeitig transportieren.

    Auch optisch waren die Twin Towers ungewöhnlich. Aus der Entfernung wirkten sie fast vollkommen abstrakt: zwei gewaltige silberne Quader, extrem ruhig und beinahe monolithisch. Näherte man sich ihnen, veränderte sich dieser Eindruck deutlich. Die Fassaden bestanden aus einem sehr engen Raster schmaler vertikaler Stützen. Die Fenster waren ungewöhnlich schmal. An den Gebäudesockeln verzweigten sich die Außenstützen zu hohen, spitzbogenartigen Öffnungen.

    Bild: https://live.staticflickr.com/65535/55520784012_aa0f1801f6_o.jpg Bild: https://live.staticflickr.com/65535/55521960229_af36ee301e_o.jpg

    Bild links: Eingangsbögen des World Trade Centers mit James Rosatis Skulptur „Ideogram“, 1976. Foto: Balthazar Korab / Library of Congress. Public Domain

    Bild rechts: Innenraum des World Trade Centers mit den charakteristischen hohen Bogenfenstern, 1976. Foto: Balthazar Korab Studios / Library of Congress. Public Domain

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    Beide Bilder: Balthazar Korab / Library of Congress. Public Domain

    Zwischen den Gebäuden lag die große Austin J. Tobin Plaza. Ihr bekanntestes Kunstwerk war Fritz Koenigs monumentale Bronzeskulptur „Große Kugelkaryatide N.Y.“, besser bekannt als „The Sphere“.

    Die Skulptur stand seit 1971 im Zentrum der Plaza. Sie überstand den 11. September schwer beschädigt und wurde bewusst nicht wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt. Heute steht sie im Liberty Park am neuen World Trade Center.

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    Fritz Koenigs „The Sphere“ vor den Eingangsbögen des World Trade Centers, 1976. Foto: Balthazar Korab / Library of Congress. Public Domain


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    Beide Bilder: Balthazar Korab / Library of Congress. Public Domain

    Das gesamte World Trade Center bestand aus sieben Gebäuden.

    Zwischen den beiden Türmen stand das 22-geschossige Marriott World Trade Center Hotel, 3 WTC. Hinzu kamen 4 und 5 World Trade Center mit jeweils neun Geschossen sowie das achtgeschossige 6 World Trade Center, das unter anderem vom US Customs Service genutzt wurde.

    7 World Trade Center stand auf der anderen Seite der Vesey Street. Dieses 47-geschossige Hochhaus wurde erst 1987 fertiggestellt und gehörte damit nicht zum ursprünglichen Bauabschnitt der 1970er-Jahre.

    Unter dem gesamten Komplex lag eine gewaltige Infrastruktur mit Einkaufsflächen, Technikbereichen, Parkanlagen und Verkehrsanbindungen. Das PATH-System verband das World Trade Center direkt mit New Jersey. Zehntausende Menschen arbeiteten täglich auf dem Areal.

    Die beiden Türme waren entsprechend schwer. Für jeden einzelnen werden häufig Größenordnungen von rund 450.000 Tonnen genannt. Für den gesamten Komplex wurden ungefähr 180.000 bis 200.000 Tonnen Stahl verbaut.

    Allein die beiden Türme besaßen zusammen mehr als 43.000 Fenster.

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    World Trade Center vom New Yorker Hafen aus gesehen, 1976. Foto: Balthazar Korab / Library of Congress. Public Domain

    Am Morgen des 11. September 2001 traf um 8:46 Uhr American-Airlines-Flug 11 den Nordturm zwischen ungefähr dem 93. und 99. Stock.

    Um 9:03 Uhr schlug United-Airlines-Flug 175 in den Südturm ein, ungefähr zwischen dem 77. und 85. Stock.

    Beide Gebäude überstanden die unmittelbaren Einschläge zunächst. Um 9:59 Uhr stürzte der Südturm ein. Der Nordturm folgte um 10:28 Uhr.

    Die späteren technischen Untersuchungen zeigten, dass das Zusammenspiel mehrerer Faktoren entscheidend war. Die Flugzeuge beschädigten tragende Bauteile, zerstörten große Teile des Brandschutzes und verteilten Treibstoff über mehrere Geschosse. Die anschließenden Brände erwärmten die Stahlkonstruktion über längere Zeit. Stahl muss dabei nicht schmelzen, um seine Tragfähigkeit erheblich zu verlieren. Die Geschossdecken verformten sich, Tragglieder verloren Steifigkeit und Teile der Außenfassaden wurden nach innen gezogen. Schließlich erreichte die Konstruktion einen Zustand, in dem die verbliebenen tragenden Elemente die Lasten nicht mehr aufnehmen konnten.

    Mit dem Einsturz der Türme wurde auch ein großer Teil des übrigen World-Trade-Center-Komplexes zerstört oder so schwer beschädigt, dass die Gebäude später abgetragen werden mussten.

    Das World Trade Center war schon bei seiner Entstehung umstritten. Für den Bau wurde ein ganzer Bereich von Lower Manhattan neu geordnet. Mehrere Straßen verschwanden. Ältere Häuser wurden abgerissen. Kritiker bemängelten die gigantischen Dimensionen, die große Plaza und die scheinbare Monotonie der Türme.

    Mit den Jahren änderte sich die Wahrnehmung. Die beiden Türme wurden zu einem der weltweit bekanntesten Stadtbilder überhaupt. Ihre einfache Form machte sie aus großer Entfernung sofort erkennbar. Von Staten Island, aus Brooklyn, aus New Jersey oder vom Hafen aus bildeten sie einen Fixpunkt der New Yorker Skyline.

    Sie existierten nur rund drei Jahrzehnte.

  • Trotzdem gehören die Twin Towers heute zur Architekturgeschichte. Nicht wegen ihrer Zerstörung allein, sondern wegen ihres Tragwerks, ihres Aufzugssystems, ihrer Dimensionen und ihrer radikalen formalen Klarheit.

    Das ursprüngliche World Trade Center war ein Produkt einer Zeit, in der Hochhäuser noch als große Ingenieuraufgabe verstanden wurden. Man musste neu darüber nachdenken, wie ein 400 Meter hohes Gebäude überhaupt wirtschaftlich erschlossen werden konnte, wie es sich im Wind verhielt, wie man seine Geschossflächen möglichst frei hielt und wie sich Hunderttausende Quadratmeter Bürofläche vertikal organisieren ließen.

    Viele Lösungen, die dort eingesetzt wurden, wirken heute selbstverständlich.

    Damals waren sie es nicht.


    Galerie: Das World Trade Center kurz vor seiner Zerstörung:

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    Luftaufnahme des World Trade Centers, Sommer 2001. Foto: Carol M. Highsmith / Library of Congress. Public Domain

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    360-Grad-Panorama vom Dach des World Trade Centers, August 2001. Foto: Dheera Venkatraman. Public Domain

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    World Trade Center, März 1999. Foto: Geheimnisträgerin / Wikimedia Commons. Public Domain


    zum Fotografen:

    Balthazar Korab (1926–2013) gehörte zu den bedeutenden Architekturfotografen der amerikanischen Nachkriegsmoderne. Der in Budapest geborene und in Paris zum Architekten ausgebildete Korab arbeitete zunächst im Büro von Eero Saarinen und machte sich später als Fotograf einen Namen; Architekten wie Mies van der Rohe, Frank Lloyd Wright und Minoru Yamasaki ließen ihre Bauten von ihm dokumentieren. 1976 fotografierte Korab das damals noch junge World Trade Center in einer umfangreichen Serie mit Außenansichten, Details, Modellen und Aufnahmen der Plaza. Er erlebte die Zerstörung der von ihm dokumentierten Twin Towers 2001 noch mit und starb am 15. Januar 2013 im Alter von 86 Jahren. Sein umfangreiches fotografisches Archiv befindet sich heute in der Library of Congress.


    New York City war für mich nie einfach nur eine interessante Stadt. Die Stadt hatte immer einen besonderen Platz in meinem Herzen, und das World Trade Center gehörte ganz wesentlich dazu. Die Twin Towers waren zum Zeitpunkt meiner Geburt gerade einmal 4 Jahre alt. Vielleicht hat mich gerade deshalb ihre Präsenz so früh geprägt.

    Meine Begeisterung für Hochhäuser begann jedenfalls nicht erst mit Architekturzeitschriften oder Fachbüchern. Sie begann mit solchen Bildern. Mit Manhattan, mit der Skyline und mit diesen beiden Türmen, die für mich über viele Jahre ganz selbstverständlich zu New York gehörten.

    Beenden möchte ich diesen Beitrag deshalb ganz bewusst mit einem eigenen Foto. Es ist keine besonders gute Aufnahme. Falsch fokusiert, technisch schwach und aus heutiger Sicht sicher nichts, was ich fotografisch noch so stehen lassen würde. Aufgenommen habe ich sie von Weehawken aus im Juni 2001 noch mit einer Minolta DiMAGE , einer frühen Digitalkamera mit wenigen Megapixeln.

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    Bild: Adama

    Nur drei Monate später existierte dieses Bild nicht mehr.

    Zur Terrorattacke selbst möchte ich hier bewusst keine weiteren Bilder zeigen. Jeder kennt diese Aufnahmen, und jeder weiß, wo sie zu finden sind. Mir war wichtiger, das World Trade Center noch einmal so zu zeigen, wie es einmal war: als Architektur, als Teil von New York und als zwei Gebäude, die meine eigene Begeisterung und die vieler anderer für Hochhäuser auf der ganzen Welt wesentlich mitgeprägt haben.

    Einmal editiert, zuletzt von Adama (12. September 2026 um 11:49)

  • Vielen Dank für die interessanten Informationen und die erlesene Auswahl an sehr ästhetischen Bildern. Mich haben sie total abgeholt, und ich habe mich in den letzten Tagen erstmals mit der Architektur und ihrer Wirkung auseinandergesetzt.
    Wirklich sehr beeindruckend – und schön, dass hier im Forum auch Raum für die architektonische Würdigung ist.

  • Allein wenn man sich amerikanische Filme aus den 1970'ern und danach ansieht, wenn als Spielort NY vorkommt, tauchen immer diese Türme auf, als weit entfernte Kulisse der im Vordergrund stattfindenden Szenen: Ghostbusters, Wall-Street-Leute und alles mögliche, für mich waren die WTC-Türme daher immer DAS Wahrzeichen für die USA- Und tatsächlich fehlen sie bis heute in der Skyline von Manhattan. Leider hab ich sie nie live gesehen.

  • Ein toller Bericht! Ich hätte die Türme gern mal selbst gesehen. Gestalterisch überzeugen sie mich ohne Einschränkung. An diesem Ort und zu dieser Zeit waren sie eine große architektonische Leistung. Insbesondere im Vergleich mit dem Nachfolger, dem "One World Trade Center", das leider so gar nicht mithalten kann, zeigt sich das für mich.

    Eines allerdings sollte noch erwähnt werden: das Höher, Schneller, Weiter der 1960er-Jahre hatte einen hohen Preis, den wir auf vielen Ebenen bis heute bezahlen. Zum Beispiel die Vergiftung unserer Umwelt. "Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörden starben mehr als 9400 Menschen an Krebs und anderen Krankheiten, die durch den Staub und Rauch beim Einsturz des World Trade Centers verursacht wurden. Das sind mehr als drei Mal so viele Todesopfer als bei den Anschlägen selbst, bei denen 2977 Menschen in den USA getötet wurden."

    Schreibt AFP.

    In den Türmen waren Asbest und andere "moderne" Materialien verbaut.

  • Wie im Beitrag von Adama angesprochen, ging der Bau des World Trade Center nicht ohne den Abriss älterer Bausubstanz einher. Als Freund der Architektur des frühen 20. Jahrhunderts möchte ich daher die Gelegenheit nutzen, die Vorläuferbebauung des WTC kurz vorzustellen.


    Das Hudson Terminal war ein Bahnhofs- und Bürokomplex an der Südspitze Manhattans, der 1908/1909 als Endstation der Hudson & Manhattan Railroad eröffnet wurde und Pendler aus New Jersey unter dem Hudson River hindurch nach Manhattan brachte. Über den Bahnsteigen befanden sich zwei 22-stöckige Zwillingstürme, die bei ihrer Fertigstellung zu den größten Bürogebäuden der Welt zählten. Der Abriss erfolgte Ende der 1960er.


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    Bilder: gemeinfrei


    Radio Row war ein Straßenviertel an der Südspitze Manhattans, das sich ab den 1920er Jahren rund um die Cortlandt Street entwickelte und sich auf den Handel mit Radios sowie elektronischen Bauteilen spezialisierte. Zahlreiche kleine Geschäfte und Händler boten dort gebrauchte und neue Elektronikwaren an, was das Viertel zu einem bedeutenden Zentrum für Funk- und Elektroniktechnik in den USA machte. Das Viertel war geprägt von einer dichten Ansammlung kleiner, oft familiengeführter Läden und zog Kunden sowie Bastler aus dem ganzen Land an. Der Abriss erfolgte in den 1960ern, wodurch dieses charakteristische Geschäftsviertel verschwand.


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    Bilder: gemeinfrei


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    Bilder: NYC Municipal Archives

    Einmal editiert, zuletzt von Stadtbildfreude (15. September 2026 um 11:25)

  • Toller Beitrag!

    Schade, daß ich die Türme nicht mehr in echt gesehen habe.

    Weiß eigentlich jemand, ob es damals einen Architekturwettbewerb gab? Gibt es Bilder von alternativen Vorschlägen?

    Würde mich mal interessieren, zumal im Text ja steht "statt eines einzigen, gigantischen Gebäudes".

  • Danke Adama für den guten Bericht und ^^ für die Aufarbeitung der vorherigen Situation!

    Ich selbst habe die Türme nicht mehr erlebt, aber geprägt haben sie New York City stark. Sicher im übertragenen den amerikanischen Kapitalismus, welcher auch die Fokussierung auf ihre Zerstörung 1993 und 2001 prägte.

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    [...] Gestalterisch überzeugen sie mich ohne Einschränkung. An diesem Ort und zu dieser Zeit waren sie eine große architektonische Leistung. Insbesondere im Vergleich mit dem Nachfolger, dem "One World Trade Center", das leider so gar nicht mithalten kann, zeigt sich das für mich. [...]

    Tatsächlich war das auch meine Meinung. Mittlerweile sehe ich es doch wesentlich differenzierter. Es sind stark "Kinder ihrer Zeit". Und auch wenn der monolithische Charakter und die schiere Größe zeitlich kontextualisiert werden müssen, so war das WTC mit allen sieben Gebäuden und der Plaza, schon damals eine städtebauliche Miskonzeption.

    Man hat regelrecht eine amerikanische Vorstadt nach Downtown Manhattan eingepflanzt. Es fehlten mit der Plaza deutliche Bezüge zur vorhandenen Umgebung, welche in Downtown noch stark von den ersten Straßenzügen New Yorks/Nieuw Amsterdam geprägt wird. Es macht sich eine Freifläche in einer dicht bebauten Umgebung auf, welche in Maßen immer noch viel zu groß erscheint und dem Sinn stiftenden Plaza an van der Rohe's Seagram überhaupt nicht mehr gerecht wurde.

    Die Symbolik ist natürlich mittlerweile auch der Zerstörung zuzuordnen. New Yorker selbst waren nie begeistert von den Türmen. Das zeigt sich auch darin, dass keine der großen New Yorker Firmen ausser Morgan Stanley in dem Gebäude ansässig war und viel Platz vom Staat bezogen wurde. Auch heute wird WTC-Station von Calatrava als viel zu groß eingeordnet, was ich nur bestätigen kann. Das ist nicht Downtown Manhattan.

    Für mich ist die heutige Situation mit einem "Hauptturm" in der Skyline deutlich stimmiger. Es wäre nicht New York, wenn sich nicht alles permanent verändern würde.

    3 Mal editiert, zuletzt von hedges (15. September 2026 um 13:01)

  • Ikonisches Bauwerk hin oder her, zur Erbauungszeit war das WTC hochumstritten. Die Funktion als Wahrzeichen und als Kulisse unzähliger Filme kam erst später. Neben Ghostbusters kommt mir da sofort Die Klapperschlange von John Carpenter in den Sinn - definitiv einer der coolsten NY-Filme ever.

    Mir gefällt das One World Trade Center übrigens richtig gut. Der Bau passt meiner Meinung nach hervorragend zur New Yorker Seele, mit seiner ebenfalls sehr prägnanten Kubatur. Viel besser jedenfalls als der ursprüngliche Entwurf von Daniel Libeskind. Der war mir viel zu verkopft. Im Zusammenspiel mit den Wasserbecken und dem Bahnhof von Calatrava ist das doch richtig gut geworden. Und Gott sei Dank kam niemand ernsthaft auf die Idee, die Türme wieder aufzubauen. Das hätte deren ikonischen Status völlig zerlegt. Heute ist das WTC doch unvergesslich, sowas wie die Titanic der Wolkenkratzer oder ein Troja Amerikas.

    Ich besitze tatsächlich sogar noch eine original Eintrittskarte vom WTC. Nicht viel Wert, aber wer weiß, in 100 Jahren ...

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Eines allerdings sollte noch erwähnt werden: das Höher, Schneller, Weiter der 1960er-Jahre hatte einen hohen Preis, den wir auf vielen Ebenen bis heute bezahlen.

    Daran war aber nicht das Höher, Schneller, Weiter Schuld sondern ebenso die Terroristen...

    Und dass das neue WTC "so gar nicht mithalten kann", mag ich auch nicht unterschreiben... Die Gestaltung des Komplexes mag weniger stringent und monumental sein, dafür wirkt es innerhalb der Skyline natürlicher gewachsen.

    Das größte Problem liegt mMn darin, dass zu oft der Rotstift angesetzt wurde... 1 WTC bräuchte zwingend die kristalline Verkleidung der Spitze, das kommende 2 WTC (für mich die größte Enttäuschung) wird nicht wie ursprünglich geplant mit den vier Diamanten an der Spitze gebaut, am 3 WTC hat man große Teile des Exoskeletts eingespart... das alles geht/ging auf Kosten der Optik.

    Was ich sehr gelungen finde ist die Platzgestaltung. Über die Ausmaße der Gedenkflächen kann man streiten, aber die Becken sind wahnsinnig beeindruckend, und auch sonst wurde aus der ursprünglich zugigen Plaza fast ein Park. Gelungen finde ich außerdem auch das Museum, den Oculus und die St. Nicholas Kirche.

  • Natürlich trifft die Schuld an dem Desaster die Terroristen. Das ist ja wohl keine Frage und von mir auch nicht anders behauptet. Aber dass solche technisierten Bauwerke teilweise gar nicht anders als mit fragwürdigen Materialien, schlecht alternden Verbundlösungen usw. realisiert werden können, ist eben auch ein Aspekt. In einem Berliner Hochhaus-Strang hatte ich kürzlich kritisch hinterfragt, ob es nachhaltig ist, mit Tonnen von PU-Kleber verschiedene Platten aneinanderzukleben. Als großes "Zukunfts"-Thema gilt aktuell Carbon-Beton, wobei die Giftigkeit der Carbonfasern bekannt ist, erinnert mich schon an Asbest.

    Was macht man denn mit Asbest, wenn man den aus einem Gebäude entnehmen kann? Er wird nicht rezykliert und auch nicht verbrannt. Er wird auf Deponien gelagert, sollen sich halt unsere Kinder damit herumschlagen. Der Terroranschlag hat dessen Giftigkeit (und auch von anderen Substanzen) unkontrolliert entfesselt und damit das Ausmaß des Problems schlaglichtartig vor Augen geführt.

    Ich will darauf hinaus, dass in den 1960ern eine Geisteshaltung ihren Zenit hatte (die sich auch ästhetisch ausdrückte), die in jeder Hinsicht problematisch war. Dafür ist ein Gebäude wie das WTC für mich auch ein Symbol.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Und dass das neue WTC "so gar nicht mithalten kann", mag ich auch nicht unterschreiben...

    Ich schon. Das neue OWTC wird eines Tages von noch höheren Gebäuden drumherum überragt werden, und damit zumindest hinsichtlich der Skyline untergehen, im Meer der unzähligen Einzeltürme verschwinden. Ich merke es ja selber, dass ich bei der heutigen Skyline Manhattans kurz überlegen muss ob es wirlich Manhattan ist, und nicht irgend eine andere am Wasser liegende Hochhausstadt. Das wäre den Zwillingstürmen nicht passiert, die hätte man in ihrer Schlichtheit, und das besondere war ja das Duo, immer sofort wieder erkannt und damit NYC identifiziert. Grundsätzlich bin ich ja kein Fan dieser schlichten Lè Corbusiér Gigantomanie, derer ja einiges in Manhattan zu finden ist, aber das WTC war schon herausragend.

    Aber ich kann das nur als Betrachter der Skyline oder abstrakten Luftaufnahmen, Hubschrauberüberflügen und was weiß ich nicht alles aus diversen Filmen und Serien beurteilen. Als Fußgänger davor stehend, die Plaza überlaufend usw. mag das völlig anders sein.

  • Ich war einmal in meinem Leben in New York – im September 1998, ziemlich genau drei Jahre vor dem Anschlag. Da war ich Anfang 20. Architektonisch fand ich das Empire State Building immer interessanter, ich stehe auf dieses Art-Deco-New York der 20er/30er-Jahre. Aber ich werde nie vergessen, wie wir von Midtown Manhatten aus mit der U-Bahn zum WTC-Komplex gefahren sind. Wir kamen in einem der Türme (ich glaube, dem Südturm) aus dem U-Bahnhof heraus und mussten erstmal auf den Platz treten, um die Gebäude von außen zu sehen: Du trittst aus einer Tür, drehst Dich um, legst den Kopf in den Nacken – und starrst eine Wand hinauf, die einfach nicht aufhört... Das war, wie die Amis sagen, ein Jesus-Christ-Moment.

    Wirklich schön fand ich die Türme nicht, sie waren damals auch im Innern schon ganz schön in die Jahre gekommen. Aber beeindruckend, ohne Frage. Und wie sie die Silhuette der Stadt geprägt haben, bleibt für mich als 80er/90er-Kind natürlich unvergesslich. (Ebenso wie ihr Ende, das ich mit denselben Freunden, mit denen ich in New York war, in Berlin erlebt habe. Vor einem Radiohead-Konzert im Regen; in der Erwartung, das jetzt ein Krieg beginnt. Ebenso unvergesslich. Brrr.)