Da ich regelmäßig in Mannheim und Umgebung unterwegs bin, nutze ich die Gelegenheit stets für fotografische Streifzüge. Die Architektur der Stadt bietet dabei vielfältige Motive. Von den historischen Quadraten über die moderne Hochhausbebauung am Hauptbahnhof und im Glücksteinquartier bis hin zu den wunderbaren barocken Baudenkmälern. Los geht's!
Zum Einstieg eine KI-generierte und kolorierte Rekonstruktion einer frühen Fotografie, die einen Eindruck vom Mannheimer Bahnhofsvorplatz Mitte der 1920er-Jahre vermittelt. Die historische Kuppel des Empfangsgebäudes wurde zwischen 1927 und 1929 entfernt:

Das historische Bild zeigt sehr deutlich, wie klar und repräsentativ der Bahnhofsvorplatz früher räumlich gefasst war. Durch die schweren Kriegszerstörungen ging ein großer Teil dieser Geschlossenheit verloren; auch der Hauptbahnhof wurde in den 1950er-Jahren nur stark vereinfacht wiederaufgebaut. In den folgenden Jahrzehnten prägten Nachkriegsbauten und vor allem der Verkehr den Platz.
Bei der späteren Neuordnung entschied man sich weitgehend gegen Rekonstruktionen und für moderne Ergänzungen. Der Hauptbahnhof wurde bis 2001 hinter den denkmalgeschützten Fassaden nahezu vollständig neu aufgebaut. Auf dem ehemaligen Postareal entstand schließlich das Kepler-Quartier mit dem Hilton Garden Inn, dessen Natursteinfassade vier historische Portale des früheren Postgebäudes aufnimmt. So blieb zumindest ein markanter Teil der alten Platzbebauung erhalten.
Heute zeigt sich der Bahnhofsvorplatz wieder erstaunlich klar gerahmt und räumlich gut gefasst. Der Hauptbahnhof, die Neubauten des Kepler-Quartiers und mehrere Hochhäuser von ungefähr 50 Metern Höhe bilden inzwischen einen markanten Platzraum, ohne dass der historische Bahnhof völlig in den Hintergrund gerät. Unruhig bleibt allerdings der Verkehr: Straßenbahnen, Haltestelleninseln und Oberleitungen legen sich als dichtes Netz über den Platz und lassen die Situation bisweilen recht chaotisch erscheinen. Aber genau diese Betriebsamkeit gehört auch zu seinem Charakter. Der Bahnhofsvorplatz ist kein stiller Stadtplatz, sondern ein ausgesprochen urbaner Verkehrsknoten.





Mehr zum Hilton Garden Inn Hochhaus hier bei den Architekten Schmucker und Partner
Bevor es über die Heinrich-von-Stephan-Straße und die Reichskanzler-Müller-Straße zum Kleinfeldsteg geht, noch ein kurzer Blick auf die Entwicklung rund um den Hauptbahnhof.
Auf der Innenstadtseite verlief die Neuordnung schrittweise. Zwischen 1999 und 2001 wurde das Empfangsgebäude hinter der erhaltenen historischen Fassade weitgehend neu aufgebaut. Später folgten weitere Neubauten und Verdichtungen entlang des Willy-Brandt-Platzes und der angrenzenden Schwetzingerstadt. Den bislang größten Eingriff bildet das östlich des Bahnhofs gelegene Postquadrat. Nach der Insolvenz des Projektentwicklers im Jahr 2021 kam das Vorhaben für mehrere Jahre zum Stillstand; seit 2026 wird an der Fertigstellung gearbeitet.
Parallel dazu wurde der Willy-Brandt-Platz selbst grundlegend neu geordnet. Die Arbeiten erfolgten in drei Bauabschnitten von Mai 2021 bis Juli 2025. Neue Grüninseln, hellere Beläge, zusätzliche Sitzmöglichkeiten sowie eine Neuordnung von Buswendeschleife und Taxistand sollten aus dem reinen Verkehrsknoten wieder ein angemessenes Entrée zur Stadt machen.
Auf der anderen Seite der Gleise liegt der Lindenhof, einer der beliebtesten und schönsten Mannheimer Stadtteile. Direkt am Hauptbahnhof entstand auf früheren Bahn- und Gewerbeflächen das zunächst als "Mannheim 21“ bezeichnete Glückstein-Quartier. Den Anfang machte der von Albert Speer & Partner entworfene Victoria-Turm: Baubeginn war am 20. Oktober 1999, 2001 wurde das 97 Meter hohe Bürohochhaus eröffnet. Damit stand die erste Landmarke bereits, lange bevor sich das übrige Quartier geschlossen hatte.

Diese Aufnahme wurde zwar noch von der Innenstadtseite aus aufgenommen, zeigt aber bereits ein Gebäude südlich der Gleise: das LOKSITE im Glückstein-Quartier. Der 54 Meter hohe Bürokomplex mit seiner fast schwarzen Rasterfassade wurde 2024 fertiggestellt und stammt vom Kölner Büro Lepel & Lepel. Der Hochpunkt erhebt sich über einem lang gestreckten, sechsgeschossigen Sockel und bildet am östlichen Ende des Quartiers einen kräftigen, wenn auch etwas zu niedrigen Gegenpol zum Victoria-Turm.


Rechts, zuweilen aber auch mittig das bekannte Mannheimer Schloss (sichtbar ist hier nur der große Mittelbau), welches der zweitgrößte Barockschlosskomplex Europas nach Schloss Versailles ist.



Das Glückstein-Quartier wird heute von einer Reihe Hochpunkte geprägt. Den Anfang machte 2001 der von AS+P entworfene Victoria-Turm mit knapp 100 Metern. Später folgten das rund 53 Meter hohe No. 1 von Rübsamen Partner, das ebenfalls etwa 53 Meter hohe Quartier Hoch 4 von Sacker Architekten, das 56 Meter hohe Technische Rathaus von schneider+schumacher sowie das 54 Meter hohe LOKSITE von Lepel & Lepel.
Eine ausgeprägte Höhenstaffelung war offenbar leider nicht vorgesehen. Der städtebauliche Rahmenplan setzte entlang der Gleise auf kompakte Blockstrukturen, die in regelmäßigen Abständen durch Hochpunkte akzentuiert werden; deren Höhen waren weitgehend durch die jeweiligen Bebauungspläne vorgegeben. Die jüngeren Türme bilden deshalb eine ziemlich einheitliche Kante zwischen etwa 53 und 56 Metern, während der Victoria-Turm als einzelne, weithin sichtbare Landmarke darübersteht.
Städtebaulich ist diese klare Ordnung für mich teilweise nachvollziehbar. Eine stärkere Staffelung, etwa zwischen 45 und 70 Metern, hätte der Skyline aus meiner Sicht allerdings mehr Spannung gegeben. So wirkt die Hochhausreihe streckenweise, als sei sie auf einer gemeinsamen Höhe abgeschnitten worden.
Auf der Rückseite des Hauptbahnhofs zeigt sich das Glückstein-Quartier wesentlich vielfältiger, als es die Hochhausansichten vom Gleisfeld zunächst vermuten lassen. Entlang der Glücksteinallee wechseln große Bürogebäude mit Wohnbauten, begrünten Freiflächen und den erhaltenen Resten der früheren Bahnnutzung. Mehrere Tausend Menschen arbeiten inzwischen im Quartier, zugleich entstanden rund um den Hanns-Glückstein-Park neue Wohnungen und deutlich ruhigere Bereiche.





Gegenüber wurden 5 Wohngebäude errichtet, nämlich die fünf Glückstein-V-Stadthäuser von blocher partners. Diese empfinde ich als besonders gut gelungen. Die fünfgeschossigen, unregelmäßig polygonalen Gebäude umfassen insgesamt 100 Wohnungen und bilden bewusst keine harte geschlossene Kante, sondern vermitteln zwischen dem Park und dem denkmalgeschützten Lokschuppen-Ensemble. Die warmen Klinkerfassaden, Loggien und unterschiedlich geschnittenen Baukörper geben dem Quartier genau jene Wohnlichkeit, die vielen neueren Bürovierteln fehlt.
Anmerkung: Rauchende Person auf dem Balkon ist KI generiert.
Das sanierte Lokschuppen-Ensemble setzt einen wichtigen historischen Gegenakzent zu den Neubauten. Mit Gastronomie (Hans im Glück), Innenhöfen und den alten Sandsteinfassaden blieb zumindest ein Teil der früheren Identität des Areals erhalten. Ohne diese Bauten wäre das Glückstein-Quartier zweifellos sauber und hochwertig, aber auch austauschbarer. Der Hanns-Glückstein-Park verbindet die Neubauten mit dem bestehenden Lindenhof und hält zugleich den Blick auf das Lokschuppen-Ensemble frei.


Über den Conradplatz und die Rennershofstraße führt der Weg schließlich zum neu gestalteten Lindenhofplatz, direkt am Victoria Hochhaus. Er bildet die direkte Verbindung zwischen Hauptbahnhof, Glückstein-Quartier, dem älteren Lindenhof und dem Weg Richtung Rhein. Mit seinen großformatigen Pflasterflächen, Sitzgelegenheiten und dem Wasserfontänenfeld ist hier ein großzügiger (wenn auch etwas zu versiegelter) südlicher Bahnhofsvorplatz entstanden, auch wenn die angrenzende Bebauung noch immer nicht vollständig abgeschlossen ist:



Noch ein paar Aufnahmen an der Auffahrt zur Helmut-Schmidt-Brücke in Richtung Glückstein-Quartier, Gleisanlagen und Hauptbahnhof:



Zum Abschluss noch etwas Fine Art: Auch dafür eignen sich diese Motive sehr gut.

Bilder: © Adama
Serie wird fortgesetzt...














































































