Hochhausprojekt Gallusanlage 8 (Wettbewerb entschieden)

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  • Nach intensiverer Auseinandersetzung mit dem Siegerentwurf hat sich meine Einschätzung in Teilen differenziert. Der internationale, zurückhaltende Stil des Büro-Hochhauses ist grundsätzlich stimmig und für diesen Standort akzeptabel; insgesamt halte ich den Büroturm für einen soliden, gut proportionierten Beitrag.

    Meine frühere Kritik richtete sich vor allem gegen das kleinere Wohnhochhaus, doch je länger ich mich mit den Arbeiten aller befasse, desto klarer wird, dass Ferdinand Heide Architekten dieses Volumen im Vergleich der Wettbewerbsbeiträge am überzeugendsten gelöst haben, auch wenn mir die Positionierung weiterhin nicht zusagt. Die Fassadengliederung des Wohnturms ist konsequent durchgearbeitet, auch irgendwie positiv diszipliniert und in ihrer konsequenten Reihung mit Sicherheit auch zeitlos. Insbesondere der dezente Goldton der Fassade, gerade im Zusammenspiel mit dem Silberturm und dem Bronzeton des Büro-Hochhauses, verleiht dem Ensemble eine gewisse Wärme und Eigenständigkeit.

    Auch der Sockelbau, dessen Grundmaß ich nach wie vor als zu groß empfinde, wirkt durch die Hotelnutzung, die großzügige Lobby zu den Wallanlagen hin und die öffentlich zugänglichen Dachgärten letztlich akzeptabel. Anstelle eines stark exponierten Erdgeschossplatzes (Drogenmilieu) entsteht hier ein nach oben verlagerter, geschützter Aufenthaltsraum, der sich bewusst vom problematischen Umfeld abkoppelt. Das ist ein pragmatischer, wenn auch nicht idealer Ansatz.


    Das größte Manko bleibt für mich jedoch unverändert die insgesamt zu geringe Höhe des Ensembles (bzw. Büroturms).

    Dass man sich so sklavisch an eine nicht bindende Höhenmarke und regelrecht willkürlich gesetzte Höhe klammert, halte ich für einen grundlegenden und schweren städtebaulichen Fehler. Gerade hier hätte ein höherer, schlankerer Turm der Skyline gutgetan, weniger Wand, mehr Akzent. In der aktuellen Konfiguration trägt das Ensemble eher zur Verbreiterung der Hochhauskante bei als zu ihrer Differenzierung.

    Alles in allem ist der Entwurf annehmbar, aber einfach zu vorsichtig und zu defensiv für diesen Ort. Der Ort wird lediglich bedient, aber leider nicht neu interpretiert.

    Der Entwurf von Heide Architekten macht nichts falsch, wagt aber zu wenig. Daran sind aber die Vorgaben der Stadt schuld.

    Auf Reddit hat ein Nutzer die bekannte Hauptvisualisierung leicht abgeändert und den Hauptbaukörper nach obenhin gestreckt. Man erkennt, um wie viel besser und abwechslungsreicher und aufregender das Ensemble nun wirkt, ohne dabei die anderen Türme, insbesondere den Silberturm, in den Schatten zu stellen, oder?

    ---> https://i.ibb.co/9mzCLgSD/gallu…de-190-200m.jpg


    Nachtrag bzgl. der Planungspolitik der Stadt:

    Das Paradoxe ist, dass Frankfurt (in diesem Fall das Planungsdezernat) es besser könnte. Die Stadt hat in der Vergangenheit mehrfach bewiesen, dass sie in der Lage ist, situativ von Vorgaben abzuweichen, wenn es städtebaulich Sinn ergab. Umso unverständlicher ist dieses jetzige dogmatische Festhalten an Richtwerten, die explizit nicht bindend sind. Das ist keine Planungskultur, das ist Verwaltung aus Angst vor Angriffsflächen.

    Und genau das schadet der Skyline langfristig:


    Sie wird zwar übersichtlicher, verliert dabei aber an Spannung.

    Sie ist sauber organisiert, wirkt jedoch immer gleichförmiger.

    Formal korrekt, doch es fehlt an Dynamik und Ausdruck.

    2 Mal editiert, zuletzt von Adama (20. Dezember 2025 um 17:22) aus folgendem Grund: Nachtrag

  • Den Link zu Reddit hätte ich mir nicht angucken dürfen.

    Was ein paar Meter, und hier reden wir wirklich nur um eine Erhöhung des Gebäudes von vlt. 20%, in dem Fall bewirken könnten, ist der Hammer!

    Wenn ich der Investor wäre, würde ich aus Eigennutz noch mal mit der Stadt sprechen, drei Jahre bleiben ja immerhin noch bis geplantem Baubeginn. Der jetzige Turm ist optisch definitiv ok, aber die bauliche Erhöhung würde mir am Markt bessere bzw. finanzielle Vorteile bieten, als jetzt mit diesem eher unscheinbaren Lückenfüller. Mir fällt kein plausibler(!) Grund ein, weshalb man das nicht versuchen sollte.

    Die Hoffnung stirbt zuletzt!

  • Ich finde den Siegerentwurf entsetzlich. Dabei ist es überhaupt nichtmal die Höhe die mich stört, auch wenn in den Modellen durchaus schnell klar wird, dass ein paar Meter mehr hier der Skyline sehr gut getan hätten. Ich persönlich hätte an dieser Stelle aber auch sehr gut komplett ohne Hochhaus leben können. Das was mich wirklich stört sind sondern vor allem die anderen - an dieser Stelle deutlich wichtigeren - Parameter:

    Der Turm an sich einfach nur ein einfallsloser langweiliger Schuhkarton - quadratisch, praktisch - überhaupt nicht gut. Der Wohnturm noch langweiliger. Und das schlimmste ist der für den Normalbürger im Alltag deutlich sichtbarere Sockel: sofern überhaupt vorhanden, passt der absolut null zu der umgebenden und hier ja immer noch prägenden Gründerzeitbebauung, weder an der Neckarstraße noch an der Gallusanlage. Besonders schlimm ist das an der Gallusanlage selbst. Da fügt sich sogar der nun wirklich nicht gerade als architektonisches Meisterwerk geltende Bestand tausendmal besser ein.

    Das hat man zB bei der Taunusanlage 8 noch zumindest in Ansätzen berücksichtigt und damit zumindest zur Wallanlage hin ein deutlich besseres Ergebnis erzielt. Aber auch bei den konkurrierenden Entwürfen für GA8 haben hier einzig Moeller und ACME einen halbwegs akzeptablen Sockelbereich hinbekommen - und auch bei den beiden ist vA zur Wallanlage hin (bei ACME aber auch der noch schlimmere Wohnturm) noch deutlich Luft nach oben.

    Ich kann nur hoffen, dass die wahrscheinlich eh noch lange anhaltende deutsche Wirtschaftskrise hier auch mal was positives bewirkt, und auch auf dieses Projekt voll durchschlägt, so dass dieser furchtbare Entwurf nie zur Umsetzung kommt.

    2 Mal editiert, zuletzt von Rohne (21. Dezember 2025 um 10:05)

  • Adama um wieviele Meter hat der Reddit-Nutzer das Gebäude in seiner Visualisierung denn gestreckt? Das Ergebnis ist um 'Längen' besser!!!

    Im großen und ganzen stimme ich dir zu. Vor allem der Wohnturm wirkt - wie ggü der Wohnturm neben dem Taunusturm - wie verloren zwischen den deutlich höheren Hochhäusern in unmittelbarer Nachbarschaft. Dieses Ergebnis stört mich so sehr, dass ich fast wie Rohne mir ein Scheitern dieses Projekts wünsche (wenn auch aus anderen oben erwähnten Gründen).

  • Das Reddit Bild ist, wie der Titel des Bildes auch verrät, um 20-30 Meter höher als der Heide Entwurf. (190m-200m)

    Ich gehe mal davon aus, dass es KI generiert ist, dementsprechend macht es auch Sinn sich nicht auf eine genaue Höhe festzulegen.

    Auch ich bin baff was "nur" 20-30 Meter für einen krassen Unterschied machen. Es sieht viel viel besser aus. So stimmt auch das Verhältnis von Breite zu Höhe.

    Ich fände ca. 210 Meter perfekt

    2 Mal editiert, zuletzt von Colin Lankson (22. Dezember 2025 um 17:01)

  • Ich bin neu hier in diesem Forum. Ich lese schon eine ganze Weile mit, bin gebürtiger Frankfurter und lebe auch hier in der Stadt.

    Was Bauwesen, Architektur usw. betrifft bin ich Laie, allerdings bin ich ein großer Fan von Wolkenkratzern. Ich freu mich also über jeden neuen Wolkenkratzer, den wir hier in Frankfurt bekommen.

    Ich reise gerne nach Japan und bin in Tokyo immer schwer begeistert über die dortigen Wolkenkratzer.

    Nun möchte ich gerne meine Meinung zum Ga8 äußern.

    Ich kann mit dem Siegerentwurf recht gut leben. Natürlich dürfte das Gebäude nach meinem Geschmack noch deutlich höher sein. Es spricht der Wolkenkratzerfan.

    Am besten gefällt mir, rein von der Optik, allerdings der Entwurf von Delugan Meissl. Den finde ich deutlich spannender als den Siegerentwurf.

    Am wenigsten kann ich mich für den Vorschlag von Neutelings Riedijk begeistern.

    Wie bereits erwähnt, ich bin kein Fachmann für Fragen rund ums Bauen. Ich urteile nur danach, ob es mir gefällt oder nicht. Ich denke, es werden wohl gewichtige Gründe bestehen, warum der Siegerentwurf gewonnen hat.

  • Wettbewerb 2. Preis

    Barkow Leibinger Architekten

    Vor wenigen Stunde wurde die Instagram-Seite und die Homepage von

    Barkow Leibinger Architekten zum Wettbewerbsbeitrag Gallusanlage 8 aktualisiert.

    Ergänzend zum Beitrag von Adama hier die Bilder:

    n6d5btc5.jpg


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    q8yu9ryq.jpg


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    Bilder © Barkow Leibinger Gesellschaft von Architekten mbH | ArtefactoryLab, Paris

    Quellen:

    Externer Inhalt www.instagram.com
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    https://barkowleibinger.com/de/projects/gallusanlage-8

  • Was mich an diesen Flachdach-Konzepten besonders stört, ist der innere Widerspruch der Gestaltung. Einerseits versucht man, mit einem hohen Turm Großstädtigkeit und Bedeutung zu inszenieren. Andererseits ist das eigentliche Hauptgebäude, das den Blockrand schließt, teilweise nur vier Geschosse hoch. Ein nahezu perfektes Beispiel dafür ist der ehemalige EZB-Hauptsitz. Das umliegenden Baukörper haben eine relativ niedrige Höhe, während in der Mitte ein Turm steht, der offensichtlich beeindrucken soll. Das wirkt nicht großstädtisch, sondern unausgewogen. Wenn man schon vertikal betonen will, dann muss das Hauptgebäude selbst eine entsprechende Höhe haben,, mindestens so wie bei den Gründerzeitbauten, bei denen Blockrand, Maßstab und Hierarchie stimmig zusammenspielen.

    Ein weiteres, immer wiederkehrendes Problem ist das Fehlen von Kleinteiligkeit. Lange, monotone Fassaden ohne Rhythmus oder Gliederung lassen sich weder harmonisch in ein Stadtbild aus Gründerzeitbauten einfügen noch wirken sie für sich genommen überzeugend. Unabhängig vom Kontext erzeugen solche endlosen Fassaden vor allem eines: Monotonie und Langeweile. In einem historisch gewachsenen Stadtbild verstärkt sich dieser Effekt noch einmal deutlich.

  • Vielleicht ist dir entgangen, dass das, was du "eigentliches Hauptgebäude" nennst, die Traufhöhen entlang der Gallusanlage und von den Altbauten in der Neckarstraße ( 4 Vollgeschosse) aufnimmt; es orientiert sich gewissermaßen am Bestand und will nicht als Solitär eine neue Traufhöhe bilden. Ist doch nachvollziehbar, oder?

  • … haut mich jetzt nicht um. Der Loggiaabschluß wird mir jetzt zu oft verwendet. Wenn man‘ s noch ändern könnte und keinen explizit abgesetzten Abschluß verwendet sondern die Fassade bis oben durchzieht, wäre der Entwurf stringenter. Aber alles in allem gute Stangenware.

  • Ist eigentlich theoretisch vorstellbar, dass es irgendein Plätzchen in Deutschland geben könnte, bei dem die Mehrheitsmeinung in diesem Forum weniger Gebäudehöhe bevorzugen würde? :D

    Ich denke in diesem Fall, dass die geplante Höhe gut an den Ort passt und finde, dass auch die Spielerei auf Reddit dies illustriert. Ein noch höherer Turm, vor allem mit dieser belanglosen Architektur, würde sich doch ziemlich unnötig exponieren. Und das kleine Wohnhochhaus dahinter noch lächerlicher wirken.

    Dass der zweitplatzierte Entwurf von Barkow Leibinger Architekten umgesetzt wird, ist zwar nicht wahrscheinlich, aber auch nicht ausgeschlossen. Kubatur und Fassade finde ich dort weit interessanter, wenn auch keine Weltsensation. Auch das langgestreckte Wohnhhochhaus kann sich m. E. besser behaupten. Die Wirkung der Unregelmäßigkeiten im Raster der Fassade (Plastizität) würde ich in der gebauten Realität gern in Augenschein nehmen.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Vielleicht ist dir entgangen, dass das, was du "eigentliches Hauptgebäude" nennst, die Traufhöhen entlang der Gallusanlage und von den Altbauten in der Neckarstraße ( 4 Vollgeschosse) aufnimmt; es orientiert sich gewissermaßen am Bestand und will nicht als Solitär eine neue Traufhöhe bilden.

    Wirkt trotzdem als Solitär. Besser wäre es gewesen, die Fassade zur Wallanlage komplett symmetrisch zu gestalten (so wie die ganzen anderen Altbauvillen und auch die Taunusanlage 8), diese mit Sandstein zu versehen und baulichen Details (der noch stehend Vorgänger zB hat eine Rundung und eine Art Giebel in der Mitte), und natürlich das Hochhaus selbst um ein paar Meter von der Straße weg nach hinten zu rücken.

  • Ab heute beginnt die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit.

    Dazu gibt es heute folgende Informationsveranstaltung:


    24. Februar 2026 um 19:00 Uhr
    Unterlagen einsehbar ab 18:30 Uhr
    Gewerkschaftshaus
    Wilhelm-Leuschner-Straße 69-77
    60329 Frankfurt am Main

    Die Unterlagen zum Bebauungsplan Nr. 529 Ä - Neckarstraße - 1. Änderung - können aber bereits online hier eingesehen werden:

    https://www.stadtplanungsamt-frankfurt.de/bebauungsplan_…nqgj8l5m6a9vck7

    oder aber auch im Atrium des Planungsdezernats.

    Download:

    https://www.stadtplanungsamt-frankfurt.de/show.php?ID=26…4csodfta0uv0sl6