Nach intensiverer Auseinandersetzung mit dem Siegerentwurf hat sich meine Einschätzung in Teilen differenziert. Der internationale, zurückhaltende Stil des Büro-Hochhauses ist grundsätzlich stimmig und für diesen Standort akzeptabel; insgesamt halte ich den Büroturm für einen soliden, gut proportionierten Beitrag.
Meine frühere Kritik richtete sich vor allem gegen das kleinere Wohnhochhaus, doch je länger ich mich mit den Arbeiten aller befasse, desto klarer wird, dass Ferdinand Heide Architekten dieses Volumen im Vergleich der Wettbewerbsbeiträge am überzeugendsten gelöst haben, auch wenn mir die Positionierung weiterhin nicht zusagt. Die Fassadengliederung des Wohnturms ist konsequent durchgearbeitet, auch irgendwie positiv diszipliniert und in ihrer konsequenten Reihung mit Sicherheit auch zeitlos. Insbesondere der dezente Goldton der Fassade, gerade im Zusammenspiel mit dem Silberturm und dem Bronzeton des Büro-Hochhauses, verleiht dem Ensemble eine gewisse Wärme und Eigenständigkeit.
Auch der Sockelbau, dessen Grundmaß ich nach wie vor als zu groß empfinde, wirkt durch die Hotelnutzung, die großzügige Lobby zu den Wallanlagen hin und die öffentlich zugänglichen Dachgärten letztlich akzeptabel. Anstelle eines stark exponierten Erdgeschossplatzes (Drogenmilieu) entsteht hier ein nach oben verlagerter, geschützter Aufenthaltsraum, der sich bewusst vom problematischen Umfeld abkoppelt. Das ist ein pragmatischer, wenn auch nicht idealer Ansatz.
Das größte Manko bleibt für mich jedoch unverändert die insgesamt zu geringe Höhe des Ensembles (bzw. Büroturms).
Dass man sich so sklavisch an eine nicht bindende Höhenmarke und regelrecht willkürlich gesetzte Höhe klammert, halte ich für einen grundlegenden und schweren städtebaulichen Fehler. Gerade hier hätte ein höherer, schlankerer Turm der Skyline gutgetan, weniger Wand, mehr Akzent. In der aktuellen Konfiguration trägt das Ensemble eher zur Verbreiterung der Hochhauskante bei als zu ihrer Differenzierung.
Alles in allem ist der Entwurf annehmbar, aber einfach zu vorsichtig und zu defensiv für diesen Ort. Der Ort wird lediglich bedient, aber leider nicht neu interpretiert.
Der Entwurf von Heide Architekten macht nichts falsch, wagt aber zu wenig. Daran sind aber die Vorgaben der Stadt schuld.
Auf Reddit hat ein Nutzer die bekannte Hauptvisualisierung leicht abgeändert und den Hauptbaukörper nach obenhin gestreckt. Man erkennt, um wie viel besser und abwechslungsreicher und aufregender das Ensemble nun wirkt, ohne dabei die anderen Türme, insbesondere den Silberturm, in den Schatten zu stellen, oder?
---> https://i.ibb.co/9mzCLgSD/gallu…de-190-200m.jpg
Nachtrag bzgl. der Planungspolitik der Stadt:
Das Paradoxe ist, dass Frankfurt (in diesem Fall das Planungsdezernat) es besser könnte. Die Stadt hat in der Vergangenheit mehrfach bewiesen, dass sie in der Lage ist, situativ von Vorgaben abzuweichen, wenn es städtebaulich Sinn ergab. Umso unverständlicher ist dieses jetzige dogmatische Festhalten an Richtwerten, die explizit nicht bindend sind. Das ist keine Planungskultur, das ist Verwaltung aus Angst vor Angriffsflächen.
Und genau das schadet der Skyline langfristig:
Sie wird zwar übersichtlicher, verliert dabei aber an Spannung.
Sie ist sauber organisiert, wirkt jedoch immer gleichförmiger.
Formal korrekt, doch es fehlt an Dynamik und Ausdruck.






