Post Yard: Quartier am historischen Postfuhramt (Mitte | in Planung)

  • Post Yard


    Patzschke Architekten planen zusammen mit dem Unternehmen KoSP GmbH ein neues Quartier auf dem Gelände rund um das historische Postfuhramt in Mitte zwischen Köpenicker Straße und Melchiorstraße. Mit einer Fläche von etwa 14.000m2 handelt es sich um eines der größten Entwicklungsgebiete im Sanierungsgebiet der nördlichen Luisenstadt.


    Es entsteht ein dichtes Viertel aus Wohnungen, Büros, Gewerbe und Gastronomie, historischer Bestand wird saniert und wie bei Patzschke erwartbar wird sich die Architektur der Neubauten an historische Vorbilder orientieren. Für weitere Infos siehe Entwicklungsstadt


    Das Projekt wird mMn eines der spannendsten in ganz Berlin und wird gemessen am Bauvolumen und der Bedeutung für das Umfeld sicherlich mit dem Tacheles Areal vergleichbar sein. Hoffentlich schaffen es die Patzschkes bei so einer Menge von Gebäuden eine gleich hohe Qualität beizubehalten, denn nicht immer gelingen die Entwürfe des Büros.


    Anbei noch einige veröffentlichte Visualisierungen:


    ews-postfuhramt-3x1jxl.jpeg


    ews-postfuhramt-koepclk83.jpeg


    Und es gibt auch noch ein Youtube-Video: (Leider weiß ich nicht, wie man ein Video hier einbettet)


    https://www.youtube.com/watch?v=pytQyaSiA8Y&t=2s

  • ^ das hört sich durchaus vielversprechend an. Dass die Post dort in den 20ern von Pferdekutschen auf Elektroautos mit Akku umstellte, wusste ich bisher auch nicht - faszinierend, was damals schon möglich war.


    Das Areal liegt allerdings nicht in Kreuzberg, was die Realisierung sicher wahrscheinlicher macht, sondern in Mitte und beherbergte den Wagenplatz Köpi.

  • Ich finde das wäre, sofern so umgesetzt wie visualisiert und im Video erläutert, das stärkste städtebauliche Projekt Berlins seit langer, langer Zeit. Absolut großartig!

    Frage dazu bevor ich mich zu sehr freue: Handelt es sich hier um einen Vorschlag oder ein konkret beschlossenes Projekt?

  • Zu schön um wahr zu sein. Kann mir das kaum vorstellen. Es gibt sicher irgendein Totschlagargument dagegen - zur Not die "Aufwertung" der Stadt und "Verdrängung von alternativen Strukturen"....

  • Berichten zufolge haben die Bauarbeiten bereits begonnen. Bagger sind schon am Werk, um das Gelände für den bevorstehenden Bau vorzubereiten. Im Video wird auch erzählt, dass die Planungen schon seit 10 Jahren laufen und somit der Stein schon längst rollen müsste. Ich bin jedenfalls optimistisch, dass das Projekt realisiert wird.

    Für die Patzschkes ist es natürlich eine einmalige Chance, ihre architektonischen Ideen städtebaulich wirken zu lassen. Ich hoffe, dass sie daraus das Beste rausholen und einen starken städtebaulichen Gegenentwurf zu vielen anderen, oft uninspiriert ausschauenden Quartiersentwicklungen, auf die Beine stellen.

  • Was ich aber nicht verstehe: Wieso werden nur ein paar Skizzen gezeigt? Ich meine die in den Skizzen gezeigte Architektur ist so hochwertig, dass man es als Vorzeigeprojekt sehen kann. Aber wieso gibt es kein vernünftiges Rendering? Da kann man sich schon fragen, ob es am Ende wirklich so umgesetzt wird...

  • < ... meiner Erinnerung nach handhaben die Patzschkes das immer so. Auch bei Ihren anderen Projekten wie Tacheles, Parochialkirchenbebauung oder Wilhelmstrasse hatten sie diese freundlichen Skizzen parat. Irgendwie kommt da der Styroporstuck nicht so unangenehm künstlich rüber, in der Anmutung.

  • Das Bauschild hängt tarsächlich schon seit dem Jahreswechsel. Dieses scheint jedoch nicht 1:1 den Patzschke-Entwurf darzustellen - oder ich bin mir über den Blickwinkel darauf nicht ganz im Klaren.


    Seit der Räumung vor ein paar Wochen scheint jedoch erst einmal Ruhe (wenn auch nicht Stillstand eingekehrt). Die Baustelle ist jeden Tag geöffnet - es ist Personal vor Ort, jedoch sieht man wenig von Aushub irgendeiner Art..

  • Städtebaulich sehr urban, architektonisch - Bisher fiel doch jeder Patzschke-Entwurf stark gegenüber dem Entwurf ab. Der Styroporvorwurf war bisher leider auch nie polemisch, sondern entspricht meistens genau der Anmutung, die gepaart mit 2,55m Geschosshöhe (natürlich auch im EG!) und Fassaden im Retrolook am Ende herauskommen.

    Ich mag durchaus den Ansatz, traditionell zu bauen, aber wenn Rekonstruktionen Disneyland sind, dann sind Patzschke-Entwürfe für mich Legoland - Von weitem ganz okay, von nahem ein 0815-Nöfer nur ohne Riemchen, der etwas vorgaukelt, was eben nicht ist.

    Ich hoffe, die Qualität wird bei diesem Projekt hier besser.

  • ^bevorzugst du im Umkehrschluss Kisten mit Fenstern und lustigen farblichen Anstrich oder wie willst du mit überschaubaren Budget Architektur schaffen, die Aufenthaltsqualität schafft?

  • Als großer Befürworter von traditioneller/klassischer kontemporärer Architektur muss ich anderen hier zustimmen, dass Patzschke-Bauten in ihrer Ausführung leider oft sehr gegenüber den schönen, handgezeichneten Visualisierungen abfallen und in Realität oft billig und (in Ermangelung eines besseren Wortes) fake wirken.
    Das war aber auch nicht immer so. Frühe Patzschke-Bauten (Kronenpalais, Charlottenpalais, Memhard Ensemble...) wirkten alle noch sehr viel gelungener und wertiger.

    Abgesehen davon freue ich mich dennoch auf dieses neue Projekt. Auch ein eher schlecht als rechter Patzschke ist mir hundertmal lieber als die nächsten faden 08/15 Schuhkartons.

  • ... Auch ein eher schlecht als rechter Patzschke ist mir hundertmal lieber als die nächsten faden 08/15 Schuhkartons.

    ... mir eben nicht. Auch ich bin ein Freund von handwerklich solider auch künstlerisch verspielter Architektur. Die Verwendung wertiger Materialien und eine überzeugende Ausführung sind mir wichtiger und sind der Sache selbst sehr viel dienlicher als nur der here Schein. Sonst handelt man sich unwillkürlich den Vorwurf der Disneylandisierung ein. Und zu Recht.

  • Wir drehen uns hier aber mit dir immer etwas im Kreis. Styropor etc. ist wegen der Dämmung erforderlich und hat doch nichts mit der Präferenz Patzschkes zu tun. Oder kann man auf einer Styropor Fassade Gips sauber anbringen? Und ist Gips "hochwertiger Stuck"? Die Römer würden sich jedenfalls im Grabe umdrehen.

  • < man muss das gesamte System der Aussendämmung infragestellen nicht nur aus Brandschutzgründen. Hier in Frankreich kommt kein Mensch auf die Idee sein Haus von Aussen in eine dicke schicht Styropor einzupacken. Die Dämmung ist innerhalb des Hauses aufgetragen, in Gips. Mein Haus ist Baujahr 2012 und jeder Raum hat eine 2cm starke Dämmung aus Spritzgips und dahinter noch eine Isolationsschicht, handwerklich ausgeführt. Es gibt einen eigenen Berufsstand der diese Arbeiten ausführt. So wird auch bei der Dämmung von Altbauten verfahren. Das ist völlig ausreichend, im Sommer angenehm kühl und im Winter warm. Was Ornamente an der Fassade betrifft, so sind diese fast aussliesslich in Stein gemeisselt ausgeführt. In Paris gibt es ein Paar tolle Altbauten um 1900, wo die gesamte Ornamentik in Beton gearbeitet ist.

  • ^das ist doch schon mal deutlich sachlicher - danke dafür. Denn es ist sicherlich nicht Patzschkes "evil-mind", sondern generell die zweifelhafte deutsche Bau"kunst" die dies verursacht.


    Ornament in Stein halte ich aber nicht für besonders sinnvoll - das hat eine lange Geschichte (siehe: Herabfallender Fassadenschmuck). Gips sollte ausreichen. Fassaden generell müssen gepflegt werden, ansonsten leidet das Erscheinungsbild. Muss es aber unbedingt Stein sein bei Ornamenten? Die Ornamentik direkt in den Beton zu drücken, halte ich wiederum für eine sehr gute, da pragmatische Idee. Außerdem ist die Langlebigkeit damit gewährleistet.