Ausbau Frankfurt Süd mit Neubau Deutschherrnbrücke

  • Nachdem im Zusammenhang mit dem Fernbahntunnel Frankfurt einige Ausbauten an der Bestandsstrecke vom Hbf über den Südbahnhof bis zur Streckenverzweigung an der Deutschherrnbrücke geplant werden, ist nun auf der Projektwebsite der Hinweis aufgetaucht, dass auch die Deutschherrnbrücke selbst ersetzt werden muss.

    Dazu ist ein Neubau neben der Brücke geplant. Aus Denkmalschutzgründen wird die alte Brücke erhalten, die künftige Nutzung ist noch nicht geklärt.

  • Interessant. Wo wäre denn Platz genug? Im Zweifel würde es den Sportpark treffen, oder? Oder reicht der Platz westlich?

  • ^ "in Parallellage" steht auf der Seite. Also direkt daneben, wahrscheinlich in nur wenigen Metern Abstand. Geht auch nicht anders, denn die Schienenverbindung vom Ostbahnhof bis auf die Südmainische Strecke muss ja erhalten bleiben. Normalerweise würde man wohl einfach einen Ersatzneubau direkt daneben errichten, dann die Gleise verschwenken und dann die alte Brücke abreißen. Da sie unter Denkmalschutz steht, bleibt sie wohl erhalten, vielleicht als Fußgängerbrücke. M.W. gibt es ja auch heute schon einen Gehweg auf der Brücke, den könnte man dann breiter gestalten. Stellt sich nur die Frage, ob die neue Brücke optisch an die alte angeglichen wird.

  • ^^ Der Streckenabschnitt der Frankfurt-Hanauer Eisenbahn zw. Deutschherrnbrücke und Südbahnhof soll ein zusätzliches 3. Gleise erhalten. Ich vermute mal das die neue Deutschherrnbrücke, über die die Frankfurt-Hanauer Eisenbahn den Main überquert, auch dreigleisig werden soll. Von Offenbach kommend führt am Main die Kinzigtalbahn zum Südbahnhof und ab der Deutschherrnbrücke verläuft die Kinzigtalbahn nördlich der Frankfurt-Hanauer Eisenbahn. Zweck dieses Vorhabens ist: "Ein zusätzliches Gleis zwischen Deutschherrnbrücke und Südbahnhof verhindert, dass Züge von der nordmainischen Strecke zunächst die südmainische Strecke kreuzen müssen, um zum Südbahnhof zu gelangen." Zu vermuten ist deshalb dass das 3. Gleis südlich der vorhandenen Gleisen der Frankfurt-Hanauer Eisenbahn positioniert wird. Basierend auf dieser Annahme würde es am meisten Sinn machen wenn die neue Deutschherrnbrücke östlich der alten gebaut würde. Darüber hinaus würde ein nach Osten verbreiterter Damm und die neue Deutschherrnbrücke mehr Abstand zur Bebauung jenseits der Straße Am Schlegelhof und zur Bebauung Gerbermühlstraße 90 haben.


    ^ Die dritte Niederräder Brücke wird als Stabbogenbrücke mit hohen Schürzen als Schallschutz an Land in Niederrad gebaut und dann eingeschwommen zum Einheben. Möglicherweise repliziert die DB Netz diese Vorgehensweise da dies das schnellste umzusetzende Vorgehen wäre. Aber evtl. kommen die Ingenieure bei der DB Netz auf andere Ideen.


    Interessant welche Projekte mittlerweile unter dem Hauptprojekt "Frankfurt Rhein-Main plus" geführt werden. Dazu an anderer Stelle im DAF noch mehr.


    Edit: Link zur einer kleinen Visualisierung der geplanten neuen Deutschherrnbrücke.

  • Ja, die neue Brücke ist offenbar unmittelbar östlich der bestehenden Deutschherrnbrücke geplant: auf der Projektwebseite ist das schon als Visualisierung so abgebildet. Mit höherem Brückenbogen als der alte Nachbar. Wird spannend, wie nah das dann am neuen Scandic-Hotel und dem Hafenpark-Quartier vorbeiführen wird.

  • Daraus ergeben sich tolle Möglichkeiten, über die "alte" Brücke könnte man dann den Grünzug vom Ostpark bis nach Sachsenhausen verlängern und die beiden Stadteile vernetzen, Gestaltung in Anlehnung an den High Line Park in NYC.

  • In die Visualisierung würde ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu viel hineininterpretieren. Östlich der Bestandsbrücke ist Platz für einen Neubau ohne Abriss von größeren Gebäuden, westlich dürfte es eng werden. Für das neue Überwerfungsbauwerk und das zusätzliche Gleis zum Südbahnhof werden wohl Abrisse nötig.


    Eine dreigleisige Brücke halte ich für eher unwahrscheinlich, dann würden drei Gleise vom Südbahnhof und zwei Gleise aus dem Fernbahntunnel auf die zweigleisige Strecke nach Hanau treffen - wenn dann ist dort (oder auf der ebenfalls zweigleisigen Strecke über Offenbach nach Hanau) der Flaschenhals.

  • Die Brücke wird sicherlich nur zweigleisig werden. Mit einem bloßen zusätzlichen Gleis entlang der bestehenden Linienführung beseitigt man ja noch keine Kreuzungskonflikte was aber das Ziel des zusätzlichen Gleises sein soll. Anhand der Beschreibung und der aktuellen Situation ist eher zu vermuten, dass dieses neue Gleis dem Verkehr Ostbahnhof -> Hauptbahnhof Südseite dienen wird, dazu knapp südlich der neuen Brücke aus der Strecke ausfädelt und dann (im Gegensatz zu den Hauptgleisen die weiterhin wie bisher südlich der Gleise aus Offenbach verlaufen) auf der Nordseite der Strecke durch Sachsenhausen zu liegen kommt - just dort ist der Bahndamm auch bereits für ein fünftes Gleis vorbereitet. Irgendwo zwischen Seehofstraße und Lokalbahnhof würde es dann wohl in das Richtungsgleis Offenbach -> Südbahnhof Gleis 5 einfädeln. Allein auf diese Art würde sich die beschriebene Zielsetzung erreichen und zumindest ein paar der schlimmsten höhengleichen Kreuzungskonflikte in Sachsenhausen vermeiden lassen. Möglicherweise wird dazu aber das Gebäude Gerbermühlstraße 90 weichen müssen. Man wird sehen...

    Ist leider trotzdem alles nur Stückwerk. Ohne Kraftwerkskurve am Hbf und viergleisigen Ausbau des kurzen zweigleisigen Engpasses Höhe Kennedyallee werden die oberirdischen Anlagen auch nach Eröffnung des Fernbahntunnels ein verkehrlicher Alptraum bleiben der weiterhin unzählige Verspätungsminuten verursacht. Aber das gehört dann eher in den anderen Thread.

  • Ich würde auch vermuten, dass die neue Brücke östlich der alten entsteht, da sonst der Kurvenradius beim Einschwenken auf die südmainische Strecke zu eng wird, was dann wieder eine langsamere Fahrt bedeuten würde, die die Bemühungen konterkarierten. Zum Thema Dreigleisigkeit: Vielleicht ist ein drittes Gleis nach der Sanierung auf der alten Deutschherrenbrücke möglich - möglich, dass die Statitik diesen reduzierten Betrieb nach Ertüchtigung hergibt. Sicherlich müsste ein Teil des "neuen" Skateparks weichen, aber alles kann man im Innenstadtbereich eben nicht haben. Es findet sich sicher ein Ersatzplätzchen.

  • Aus Spaß an der Freud habe ich mal die Bahngrundstücke in eine Stadtkarte eingetragen. Im Bereich Mühlbruchstraße sind zusätzlich grün hervorgehoben die Flächen, unter denen die S-Bahnstation Lokalbahnhof liegt; keine Ahnung, ob das Bahnland ist.


    f-sd_bahnausbau_ost_1lfks5.jpg


    © Stadtvermessungsamt Frankfurt am Main, Stand 03.2022,© Hessische Verwaltung für Bodenmanagement und Geoinformation


    An der dritten Niederräder Mainbrücke könnte man leicht ablesen, welchen Platz eine neue Brücke östlich (vermutlich) neben der bestehenden braucht, jedenfalls würde das keine Kleinigkeit sein, sondern eine massive Veränderung.


    Unter Denkmalschutz steht die Brücke selbst sowie die Vorlandbrücke am Nordufer nebst Stellwerk, heute Teil der Gedenkstätte an der EZB, nicht die südliche Vorlandbrücke.


    denkmal_deutschherrnbjik1r.jpg

    Grafik: Landesamt für Denkmalpflege, denkXweb

  • Die DB Netz AG hat die vorgesehenen Baumaßnahmen in den Bereichen Südbahnhof und Frankfurt-Ost übersichtlich in einer Grafik zusammengefasst.


    schienenprojekt_ausbau_zwischen_sued-_und_ostbahnhof.jpg
    Grafik: © DB Netz AG


    (Wäre übrigens schön, wenn der Südbahnhof im Zuge des Ausbaus wieder eine Bahnsteighalle erhielte. Die alte Halle wurde in den 1970ern abgerissen.)


    Erwähnenswert scheint mir noch, was die Bahn als Hauptgrund für den Bau einer neuen Mainbrücke in Parallellage neben dem Bestand nennt: "Betriebliche Einflüsse auf den Bahnbetrieb durch eine mehrjährige Totalsperrung im Zuge einer Erneuerung in der Bestandslage" sollen auf diese Weise vermieden werden. Die geplante neue Deutschherrnbrücke östlich des zu erhaltenden Brückenbauwerks von 1913:


    schienenprojekt_ausbau_zw_sued-_und_ostbahnhof.jpg
    Grafik: © DB Netz AG


    Für einen Streckenneubau östlich der bestehenden Bahnlinie dürfte tatsächlich ausreichend Platz zur Verfügung stehen:


    schienenprojekt_ausbau_von_sued-_bis_ostbahnhof.jpg
    Bild: © Stadtvermessungsamt Frankfurt am Main (Orthofotos 2021)

  • Danke für die gute Zusammenfassung. Ein spannendes Projekt, habe mich gestern noch lange mit einem Freund darüber unterhalten.

    Die östliche Lösung wird die einzig mögliche sein, wobei es auch hier, vorausgesetzt die gesamte alte Deutschherrnbrücke mit all Ihren Bögen soll erhalten bleiben, eine Engstelle gibt. Und zwar genau gegenüber dem Scandic Hotel (blaue Pfeile).

    Um diese Engstelle so gut es geht vermeiden zu können und um die alte Brücke komplett erhalten zu können (evtl. sogar zu müssen. auch bzgl. Denkmalschutz), muss die neue Brücke auf der anderen Mainseite etwas in der Kurve ausholen, um dann schräg zur bestehenden Brücke wieder in das bestehende Gleisbett eingeführt werden zu können, und zwar so, dass die Konstruktion dafür nicht zu nah am Hotel entsteht.


    Für den etwas weiteren Kurvenradius gibt es ausreichend Platz.


    Dazu eine von mir erstellte Grafik. Rot bedeutet Neubau. So könnte man es sich ungefähr vorstellen. Der Kurvenradius mag evtl. geringer ausfallen und die neue Brücke könnte näher an der bestehenden gebaut werden, aber ohne Schräge wird es nicht gehen, wenn man nicht zu viel an Geschwindigkeit verlieren will.


    deutschherrn2aajg4.jpg



    Bild: Google Maps, Bearbeitung Adama


    Die bestehende Brücke könnte man zu einer Art Highline mit Mega-Skylineview und Gastro usw. über dem Main umgestalten, am südlichen Ende könnte man diese Highline auch noch etwas weiterführen (z. B. bis zum Maintriangel) oder eben am Beginn und Ende der alten Deutschherrnbrücke Rampen und Treppen bauen.

  • Ich glaube, dass die neue Brücke tatsächlich in Parallellage zur alten verlaufen wird. Wenn man sich die Visualisierung ansieht, dann erkennt man, dass der Bogen im Süden an derselben Stelle endet, wie der südliche Bogen der alten Brücke, d.h. das südliche Widerlager der neuen Brücke befindet sich ebenfalls im Bereich der Mauer zum Tiefufer. Da die neue Brücke gerade verlaufen wird, kann der südliche Radius der Vorlandbrücke erst dort beginnen.


    Wahrscheinlich wird man deshalb auch das Überwerfungsbauwerk über die südliche Mainstrecke gleich mit neu bauen, dann kann man direkt dort die Trassierung neu ansetzen und den kompletten Brückenabschnitt Überwerfungsbauwerk - Schlachthofbrücke - Deutschherrnbrücke neben der alten Trasse neu bauen. Die alte Strecke bleibt solange in Betrieb, sodass man am Ende nur eine kurze Sperrpause benötigt, um die Gleisanschlüsse zur neuen Trasse herzustellen.


    Auch auf der Nordseite wird man wahrscheinlich ab der Hanauer neu trassieren, damit man auch die neue Brücke neben der vorhandenen über die Mayfarthstraße bauen kann, ohne den laufenden Betrieb auf der alten Trasse zu beeinträchtigen. Ich kann mir vorstellen, dass auch die maroden Brücke(n) über die Hanauer in diesem Zuge neu gebaut werden, sodass man den gesamten Abschnitt zwischen Ostbahnhof und der Einfädelung in die Südmainische Strecke neu trassiert.


    Ich bin nur gespannt, ob die Brücke später tatsächlich so aussehen wird, wie auf der Visualisierung. So filigran kann ich mir kaum vorstellen und quasi dieselbe Optik wie die Osthafenbrücke finde ich auch nicht unbedingt wünschenswert. Ich vermute, dass das erst mal der Forderung der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung geschuldet ist, auf den Strompfeiler zu verzichten. Allerdings kann ich das nicht ganz nachvollziehen, da der alte Pfeiler ja ohnehin erhalten bleibt und wegen dem Denkmalschutz ja wohl auch dauerhaft erhalten werden soll.

    Wenn dem aber so ist, dann kann man auch gleich für die neue Brücke dort einen Strompfeiler bauen und die komplette neue Brücke an die Optik der alten anpassen - so dass gewissermaßen eine Kölner Hohenzollernbrücke 2.0 entsteht (die Deutschherrnbrücke ist tatsächlich optisch der Hohenzollernbrücke sehr ähnlich).


    Jedenfalls verspricht das ganze ein spannendes Großprojekt zu werden. Wenn tatsächlich der gesamte Brückenzug zwischen Hanauer Landstraße und Südmainischer Strecke neu gebaut wird, dann sprechen wir hier sicher von Baukosten in einer Größenordnung von 200+ Mio. EUR.

  • Wirklich ein spannendes Projekt und die Grafik von Adama zeigt sehr gut den wahrscheinlichsten Verlauf der neuen Brücke samt Rampen.


    Betreffs des Denkmalschutzes frage ich mich, in wie fern eine Verbauen der Ansicht der Brücke, zumindest aus östlicher Sicht, eine Rolle bei der Konstruktion der neuen Brücke spielt (oder gar keine Rolle spielt). Wäre es vielleicht sinnvoll eine Hängebrücke á la Golden Gate Bridge zu konstruieren (klar nicht ganz so mächtig). Gut, das erfordert dann hohe Pfeiler auf jeder Seite, wobei zumindest der im Sportpark stehende ggf. nicht schön im Landschaftsbild wirken würde.


    Betreffs der weiteren Nutzung der Deutschherrnbrücke wäre eine mit Gastronomie versehene Lösung mein Favorit, vor allem der schönen Sicht auf die Skyline wegen.

  • Die Wahl einer sehr "durchsichtigen" Brückenkonstruktion ohne weitere Pfeiler und mit einem sehr hohen Bogen, lässt die historische Brücke gut sichtbar und könnte einer der beiden wichtigsten Gründe für diese Auswahl sein.

    Der Andere ist die Möglichkeit des Einschwimmens in einem Stück - was jetzt wieder die Frage nach einem geeigneten Bauplatz zwischen Deutschherren- und Osthafenbrücke aufwirft.

  • Herzlichen Dank Adama für diese tolle Visualisierung.


    Aus meiner Sicht fehlt in der Visualisierung allerdings ein wichtiger Teil, nämlich die zusätzliche Gleisachse im Rahmen des Fernbahntunnelprojekts. Quelle

    Ein zusätzliches Gleis zwischen Deutschherrnbrücke und Südbahnhof verhindert, dass Züge von der nordmainischen Strecke zunächst die südmainische Strecke kreuzen müssen, um zum Südbahnhof zu gelangen. Hierfür müssen Eisenbahnüberführungen erweitert und die Schlachthofbrücke erneuert werden

    Dieses Gleis wird nördlich des Bestands in Sachsenhausen gebaut werden und kurz vor der Deutschherrenbrücke mit den Bestandsgleisen zusammengeführt. Die Verknüpfung an der Gerbermühlstraße dürfte am Ende so ähnlich aussehen wie im Stadtwald beim neuen Abzweig nach Gateway Gardens


    img_20220324_080539dqjuz.jpg


    Quelle Google maps

  • Im Prinzip könnte es so - um 180 Grad gedreht - aussehen, wie Soaki schreibt, - nur daß dem auf das untere Niveau absinkenden Gleis, wie man an Adamas Visualisierung nachverfolgen kann, wahrscheinlich die Gerbermühlstraße, zumindest in ihrer heutigen Fassung im Weg ist. Von den Platzverhältnissen her wäre jedoch eine Verlegung der gesamten S-Kurve auf die Westseite der Bahntrasse mit Unterquerung in Ufernähe möglich. Würde man das rechtzeitig in Angriff nehmen, könnte man den bisherigen Straßenraum sogar als Platz zur Brückenmontage nutzen, und ein weiteres Problem wäre gelöst.