Band des Bundes, Spreebogenpark und Reichstag

  • Das ist ja eine interessante Neuigkeit. Owohl die Visualisierung schon etwas altbacken wirkt, da ist man doch etwas anderes gewohnt :) Der Entwurf geht meiner Meinung nach vollkommen in Ordnung und erfahrungsgemäß wird da sicher noch dran rumgedoktert.


    Wie ja von Bato schon erwähnt exisitiert die Planung im 3D-Modell seit Jahren und ich habe mich schon länger gefragt wann an dieser doch sehr prominenten Stelle gebaut wird. Der Bedarf an Büroraum ist wohl unbestritten und bevor man sich teuer Büros in ganz Berlin ankauft kann man die unschönen Bundeseigenen Brachen auch gerne ordentlich bebauen. Die Ecke wirkte auf mich seit je her eher dystopisch obwohl sie kaum zentraler liegen kann. Es fällt mir schwer zu glauben dass in anderen Europäischen Metropolen ähnliche zentralen Baufelder so versauern würden wie hier.


    Vielleicht zieht die Polizeidirektion in dem dahinter liegenden Gebäude ja aus und man hat einen gesamten großen Baukörper für eine Bundesbehörde frei. Mal schauen.

  • die Flächenversiegelung geschah dort schon vor ca. 150 Jahren.

    Dann muss ich einen Knick in der Optik haben. Ich sehe an dieser Stelle momentan eine unversiegelte Fläche.


    Die Fläche gilt als Rückhaltefläche für den zukünftigen Bedarf des Bundes. Deine nachvollziehbaren Argumente sind in diesem Fall nicht so valide.

    Dann versiegeln wir die Fläche halt! Bei dem Artensterben, das wir heute haben, kommt es auf die paar Quadratmeter im Spreebogen ohnehin nicht mehr an.

  • Entschuldige bitte Architektur-Fan, das ist doch hier ein Architektur Forum und kein Umwelt-Forum. Ausserdem werden bei unzulässiger Flächenversiegelung immer eine Ausgleichfläche angeboten. Siehe den Bundestag-Pavillon. Meine Güte ich verstehe deine Aufregung an dieser Stelle gerade überhaupt nicht.

  • ^ Nur, weil es ein Architekturforum ist, heißt das ja nicht, dass man berechtigte Umweltaspekte nicht mit diskutieren darf. Prinzipiell hat Architektur-Fan nicht Unrecht. Jede weitere Bodenversiegelung ist für Umwelt und Klima von Nachteil und sollte idealerweise vermieden werden. Das mit den Ausgleichflächen ist auch meist Augenwischerei. Da wird dann irgendeine verwilderte Ecke, die für eine Bebauung eh nicht so attraktiv ist (und die nicht einmal unbedingt in der Nähe sein muss), als Biotop oder kleiner Park hergerichtet. Das ist sicher besser als nichts und bisweilen auch ganz nett, ein echter gleichwertiger Ausgleich ist das aber so gut wie nie. Im Prinzip müsste dafür jeder neu versiegelte qm an anderer Stelle 1:1 entsiegelt werden...


    Hier ist es aber so, dass das Grundstück bis zum Krieg bebaut und somit mindestens teilweise versiegelt war. Das Wäldchen hat sich erst später auf der Brache entwickelt. Zudem ist es in der Tat Reservefläche und daher wird diese nun bebaut. Muss man nicht gut finden, ist rechtlich aber in Ordnung und unter städtebaulichen Gesichtspunkten m. E. akzeptabel.

  • ^danke, du hast mir reichlich Text gespart. Ähnliches wollte ich auch schreiben. Ich bin auch sonst voll auf Linie mit Architektur-Fan. Weitere Flächenversiegelungen im Stadtgebiet sollten vermieden werden, Biodiversität mehr Beachtung bekommen. Brachen und Baulücken sollten dafür für Neubau priorisiert werden. Meine bescheidene Meinung.

  • ^ Da gebe ich dir recht, aber verwahrloste Flächen, die seit Jahren für eine Bebauung vorgesehen sind, als integralen Bestandteil der Stadtplanung zu bezeichen, das schafft man wohl nur in Berlin.

  • es ist schon verblüffend ... wollen die landeseigenen wohnungsbaugesellschaften bezahlbare wohnungen schaffen, gibt es nicht nur monatelang demos, auch ist die gesamte stadtpresse anwesend und bäume können nur unter polizeischutz gefällt werden.

    soll aber ein neuer bürobau entstehen, interessiert das keinen und man kann problemlos das kleine "wäldchen" abholzen


    dit is berlin 😁🙈

  • ^ Waren halt keine Nimby-Bäume. Bei mir in der Nachbarschaft sollen fünf Pappeln gefällt werden für eine Blockrandschließung - die Anwohner haben jedem Baum einen Namen gegeben und mit Sprüchlein behängt. "Ich heiße Fritz und produziere seit 30 Jahren Schatten und Sauerstoff für Euch. Und jetzt soll ich sterben." Solche Sachen.


    Beim "Wäldchen" waren keine Eigeninteressen betroffen, also gab es auch keine Namen und keine Schildchen - aber ich halte das nicht für ein reines Berliner Phänomen.

  • Ich bin hier zwigespalten. Das Wäldchen war eines der letzten Exemplare von verwunschenen, vergessenen Orte mitten im alten repräsentativen Berlin. Dass ausgerechnet die Kanzlerin all die Jahre auf dieses völlig verwilderte Terrein schaute, fand ich immer schön. Bis vor 10-20 Jahren war die ganze Gegend ja kaum bebaut und völlig vergessen mit der prächtigen Moltkebrücke als bizarrem Rudiment des Kaiserreichs. In der Elisabeth-Abegg-Straße war es vor Wochen immer lauschig und still wie tief in Brandenburg, und durch das dichte Laub schimmern die Blicke auf Innenministerium und Kanzleramt. Hinter der Polizei gibt es noch immer einen dichten und nicht zugänglichen Wald, in dem es zwitzschert wie im Urwald. Gleich daneben dann der angeknabberte Restflügel des ehemaligen Oberfinanzdirektion. Aber man kann den Kuchen nicht essen und gleichzeitig behalten. Deshalb finde ich es städtebaulich auch nicht falsch, wenn das Entrée zur Straße Alt-Moabit wieder klar markiert wird.


    Interessant wird auch, wie unser Staatsoberhaupt damit umgehen wird, ausgerechnet hier auf diesem historisch schwer kontaminiertem Boden zu bauen. Immerhin wurde das gesamte durch den Staat geraubte Vermögen der aus Berlin deportierten und ermordeten 60.000 Juden exakt an dieser Stelle minutiös erfasst, seine Liquidierung durch besagte Behörde bis zum kleinesten Haushaltsgegenstand dokumentiert und die dafür schriftlich erklärte Deklaration jedes einzelnen Juden inkl. von Säuglingen als "Staatsfeind" tausenfach abgeheftet. Wer immer sich einem Berliner Schicksal des Holocaust zuwendet, wird einen Band von grausigsten Dokumenten über "Reichsfeinde", "Entjudung", sog. "Evakuierung" und der "Entwesung der Juden-Wohnung" von exakt dieser Adresse lesen.


    Bisher steht die Berliner Gedenktafel zu dem Thema gut versteckt im schattigen Abseits der Elisabeth-Abbegg-Straße. Vielleicht ändert sich das mit dem Neubau. Hier noch ein Bild der Tafel; man muss wirklich genau hinschauen, um sie zu erkennen:

    https://gleis69.de/vermoegensv…-vergangenheit-bewaeltigt

  • ^Wenn statt der unsagbar banalen Rasterfassade eine wunderschönes Bürgerhaus mit reicher Ornamentik drin gewesen wäre, hätte ich mir durchaus vorstellen können mich an einen der besagten Bäume zu binden um die Rastersch**** zu verhindern. Nur wegen der Bäume ist mir dann aber dann doch etwas zu nostalgisch verklärt..

  • Lieber UrbanFreak, nun ja ganz so ist es dann doch nicht. Wir sind ja in Berlin auch im Regierungsvierel nicht gerade verwöhnt mit ausserordentlicher Architektur. Dass man da einem Wäldchen nachtrauert, das wie Georges Henri richtig beschreibt, schon etwas poetisches hatte, vor allem mit Blick auf die alte Polizeidirektion verstehe ich schon.

    Wenn ich dem Bundestag mal eine Frage stellen könnte, dann wäre dies folgende: Warum opfert man hier ein gewachsenes Stück Natur, das zugelich auch ein gewisser städtischer Übergangsraum war. Genial auch der Eingangssteg von Alt-Moabit in ein Fenster der alten Polizeidirektion. Städtebaulich ist der Abschnitt dem Moabiter Werder zuzurechnen, dem geschlossene Blockkanten nicht entsprechen.

    Auf der anderen Seite ist das Baugrundstück zwischen Schiffbauerdamm, Margarete-Steffin-Straße und Luisenstraße städtebaulich geradezu ad absurdum geführt worden. Ein nicht nur aus meiner Sicht infantiler Kitsch wie das "Parlament der Bäume" verhindert eine bündige Bebauung und damit Erlebbarkeit der städtebaulichen Idee des Spreebogens von der Adele-Schreiber-Krieger-Straße bis zur südöstlichen Straßenkante des "John F. Kennedy Hauses". Zum anderen entstehen auf dem Grundstück nun temporäre Abgedordneten-Büros, die angeblich eines Tages wieder verschwinden sollen.

    Wer versteht so etwas??

    Wäre die Lösung nicht gewesen, das Baugrundstück nördlich Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses wird entsprechen bündig und kompakt für den Bundestag bebaut und das "Parlament der Bäume" wird integriert. Oder es zieht in das nun leider verschwundene Wäldchen zwischen Alt-Moabit und Elisabeth-Abegg-Straße

  • Wenn statt der unsagbar banalen Rasterfassade [...] um die Rastersch**** zu verhindern

    Von welcher Rasterfassade sprechen Sie denn eigentlich? Der Sauerbruch Hutton-Neubau, der hier entsteht, hat keine Rasterfassade & orientiert sich stilistisch an der Neuen Sachlichkeit der 20er Jahre.


    © Sauerbruch Hutton Architekten


    Mögliche Inspirationen aus Berlin:


    © Landesdenkmalamt, Archiv, Foto: Bittner


    ©

    Landesdenkmalamt, Archiv, Foto: Bittner

  • HarrySeidler Wobei der großformatige Neubau mE im direkten Vergleich schon etwas nach "Neue Sachlichkeits meets Monsterproportionen und Rasterfassade" aussieht. Da waren die mutmaßlichen Inspirationen in meiner Wahrnehmung schon deutlich feiner, wohlproportionierter und insgesamt stimmiger/gefälliger als die moderne Interpretation. Vor allem zeigen sie, dass sehr wohl auch eher schlichte, reduzierte (eben sachliche) Ausdrucksformen elegant und nach Gestaltungsanspruch aussehen können. Sauerbruch bleibt diesen Nachweis m.E. leider (und ebenfalls m.E.) mal wieder weitgehend schuldig. Da finde ich ehrlich gesagt am ehesten noch die Farbgebung halbwegs interessant, während ich den Rest gefühlt bei etwas Langeweile in 2 Minuten auf dem Skizzenblock nachzeichnen könnte (mit CAD dürfte es ebenfalls mehr eine schnelle Zwischenübung für fachlich fitte Kollegen sein).

  • Auf dem ersten Blick dachte ich auch: "Oh nein, eine 80er-Jahre Versicherungszentrale". Doch die künstlerisch wertvollen Ideen zeigen sich wenn man gut hinsieht, besonders beim Dach, das ich in der Kombination mit so einer Fassade glaube ich noch nie gesehen habe, sowie bei den vertikalen Elementen, oder dass die Vorsprünge eine dezente Neigung haben.


    Ein bisschen nicht-so-gut finde ich die im Rendering angedeutete Reflektion. Ob die Vorsprünge aus Blech sein sollen?

  • Dann könnte das vielleicht sehr stilvoll werden. :)


    Ich hatte dieses mattbraun-gestrichene Blech vermutet, das man von Rathäusern und ähnlichen Einrichtungen aus den 1980ern kennt.

  • Ich halte mich mit einem Urteil noch zurück. Zum einen weil die einzige bisher bekannte Visu seltsam blass und unscharf aussieht für ein derart wichtiges Projekt, dass man über Material, Verarbeitung, Details, etc. noch gar nichts sagen kann (mit diesem ausgebrannten Himmel und der verrauschten Foto-Vorlage ist es jedenfalls kein Bling-Bling-Hochglanz-Rendering). Zum anderen weil man nicht erkennt, wie es hinter dem Knick weitergeht. Dem Planwerk Innenstadt zufolge müsste die Gebäudekante dem Blockrand folgen – hier sieht es aus, als würde sie um 90 Grad abknicken (aber das kann auch – der Perspektive geschuldet – täuschen).

  • Architektenkind Mich hat die Visualisierung auch überrascht. Weder bringt es den Bau vernünftig zur Geltung noch sieht es insgesamt ansprechend aus.


    Ansonsten kann man natürlich nur die sichtbare Perspektive und die erkennbare Anmutung bewerten. Rein von der Kubatur her finde ich die Wirkung ok. Nur ist die monotone Gestaltung für so eine große Fassade dann eine schlechte Entscheidung, die man selbst bei hervorragender Materialwahl nicht komplett korrigieren können wird. Immerhin der hell-dunkle Kontrast könnte etwas hermachen. Wobei selbst der auf der merkwürdigen Visualisierung nicht so richtig ideal zur Geltung kommt.