Neues Wohnquartier auf dem Marienplatz (geplant)

  • Marienplatz I

    Bevor es in Teil II um das Ergebnis eines Realisierungswettbewerbes zur Wohnbebauung des Marienplatzes geht, soll hier kurz erläutert werden, warum der zu bebauende Marienplatz eigentlich gar nicht der Marienplatz ist.


    Zur Erinnerung an Marie von Hessen-Darmstadt (1824-1880), die spätere Zarin von Russland Marija Alexandrowna, benannten die Darmstädter 1848 den "Platz vor der Kavalleriekaserne" in "Marienplatz" um.


    Diese historische Karte (Osten = oben) zeigt deutlich, dass der Marienplatz westlich an den Schlossgarten des neuen Palais angrenzte, aber östlich der Neckarstraße lag. Er bezeichnete also die Fläche, die heute von einem Pizza-Imbiss, einem abgehalfterten Spiel- sowie einem kleinen Parkplatz für Theatermitarbeiter belegt wird.
    An der Stelle des vermeintlichen Marienplatzes befand sich damals eine Reiter-Kaserne (der roten Gardedragoner und der weißen Leibdragoner).


    Der Verlauf der heutigen Hindenburgstraße entspricht etwa der damaligen Casernenstraße. Die Trasse der damalig noch innerstädtisch geführten Bahnstrecke Ffm-Heidelberg (Main-Neckar-Bahn) ist heute als Grünfläche Albert-Schweitzer-Anlage erhalten.


    Blick über den Marienplatz zur Dragonerkaserne (um 1830)


    Während der echte Marienplatz durch den Neubau für das Staatstheater Darmstadt eingeschrumpft wurde, erbte die Brache der im zweiten Weltkrieg zerstörten Dragonerkaserne den Namen und erlebte eine wechselvolle Geschichte. Zeitweise wurde hier die Darmstädter Frühjahrs- und Herbstmess abgehalten; alljährlich zur Adventszeit werden hier Weihnachstbäume feilgeboten und einige Male wurden Ideen für die Verwendung des wertvollen, in Stadtbesitz befindlichen Grundstückes entwickelt. Ein Wohngebiet, ein Hotel, zuletzt gar das neue Darmstädter Rathaus oder ein neues Regierungspräsidium sollten hier entstehen. Über die Ideenphase kam aber kein Projekt hinaus. So war es all die Jahre im wesentlichen nur ein Parkplatz. Allerdings mit sehr großen Schlaglöchern ein abenteuerlicher Parkplatz, denn besonders nach Regenfällen ließen die Pfützen nicht erahnen, ob die Wassertiefe noch ein Durchfahren zulässt. Seit der letzten Herrichtung der Oberfläche ist der Parkplatz jetzt bewirtschaftet.


    Im Stadtatlas der Stadt Darmstadt wird zwischenzeitlich historisch korrekt wieder der Platz östlich der Neckarstraße als Marienplatz bezeichnet. Der vermeintliche Marienplatz ist lediglich als Parkplatz gekennzeichnet.



    Q: https://stadtatlas.darmstadt.de


    Und in GoogleMaps hat aufgrund der schlechten Oberfläche sogar der Begriff "Hubbelparkplatz" Eingang gefunden:



    Q: Google Maps


    So. Das wäre damit geklärt und wir können uns in Teil II der Wohnbebauung des Marienplatzes widmen, der eigentlich gar nicht der Marienplatz ist.

  • Das geplante Wohnquartier wird vom Schweizer Bau- und Immobiliendienstleister Implenia entwickelt und realisiert. Vertreter der Stadt Darmstadt und von Implenia unterzeichneten am vergangenen Mittwoch den Kaufvertrag für das Grundstück Marienplatz. Den städtebaulichen Realisierungswettbewerb hatte Implenia 2019 zusammen mit den Darmstädter «Netzwerkarchitekten» und GTL Landschaftsarchitekten aus Kassel gewonnen und sich damit für den Erwerb des innerstädtischen Grundstücks qualifiziert. Kern des Siegerentwurfes sind eine mäanderförmige Wohnbebauung mit städtischer Kindertagesstätte und ein davon getrenntes, 15-stöckiges Hochhaus. Es entstehen somit rund 30'000 m² Bruttogeschossfläche, die etwa 310 Miet- und Eigentumswohnungen umfassen. In den Erdgeschossen ist teils eine publikumsorientierte Nutzung vorgesehen. Das Projektvolumen beträgt rund 100 Mio. Euro.


    Mehr in dieser Pressemitteilung. Das ist der städtebauliche Entwurf:


    darmstadt_marienplatz.jpg
    Grafik: netzwerk Architekten, Darmstadt, und GTL Triebswetter, Kassel


    Das Preisgericht führte zu diesem Entwurf aus: "Den ersten Platz im Wettbewerb errang der Entwurf des Investors ‚Implenia Hochbau‘ aus Raunheim mit dem Architekturbüro ‚netzwerkarchitekten‘ aus Darmstadt und dem Landschaftsarchitekten ‚GTL Michael Triebswetter‘ aus Kassel. Dieses Konzept tut sich dadurch hervor, 'dass es eine besondere städtebauliche Form gefunden hat, die an diesem Standort gegenüber vom Staatstheater eine neue Haltung zeigt. Es wird von der üblichen und oftmals auch introvertierten Blockbebauung abgewichen. Besonders lobenswert ist bei dieser Arbeit auch der Umgang mit Klimaschutz sowie das Angebot von reichhaltigen Freiflächen und Begrünungsmaßnahmen" (Quelle).