Zukunft des Samson-Areals im Ostend

  • Samson zieht nach Offenbach

    Lange hat die Samson AG, ein alteingesessener Hersteller von Mess- und Regeltechnik, mit der Stadt (vertreten durch Planungsdezernent Josef und Wirtschaftsdezernent Frank) über eine Vergrößerung ihres Hauptsitzes im Frankfurter Osten verhandelt. Das Unternehmen wünschte sich außerdem eine Neuordnung von Grundstücken, um durchgehende Flächen für mögliche Neu- und Umbauten zu erhalten, die nicht von öffentlichen Straßen durchzogen werden. Weiter oben gibt es einige Beiträge dazu.


    Zu einer Einigung fanden die Parteien offenbar nicht. Soeben meldet Bild Frankfurt, dass Samson Frankfurt verlassen wird. Das Unternehmen soll nach Offenbach ziehen, auf das ehemalige Areal von Allessa. Dieses hat die Stadt Offenbach kürzlich erworben, um es zu einem "Innovationscampus Main" zu entwickeln. Dazu unserer Strang (mit Luftbildern). Frankfurt verliert damit 2.000 Arbeitsplätze - und eine Menge Gewerbesteuer, denn Samson gilt als hochprofitabel.

  • ^ Wenn sich das bewahrheitet, wäre das ein ordentlicher Paukenschlag. Ein rabenschwarzer Tag für Frankfurt, denn wie Schmittchen schreibt ist Samson nicht irgendein kleiner Betrieb. Da wird der Wirtschaftsdezernent ein paar Fragen zu beantworten haben. Offenbach hat scheint's gerade einen Lauf. Es sei ihr vergönnt (sagt ein Urfrankfurter, wenn auch zähneknirschend).

  • Ich freue mich für Offenbach. Wirklich! Das kann die Stadt gut gebrauchen. Und es ist die Quittung für eine inkompetente Stadtverwaltung in Frankfurt, die mehr und mehr verhindert, hadert und sich selbst im Weg steht anstatt zu gestalten. Sauber.

    Schön finde ich zum einen, dass es eine erste große Ansiedlung für den Innovationscampus gibt - wenn eine große Firma wie Samson den Anfang macht, gibt das dem ganzen Gebiet gleich mal Struktur und Gewicht. Und zum anderen, dass die Firma in der Region bleibt.

  • Wenn der Planungsdezernent in den Verhandlungen mit Samson ähnlich aufgetreten ist, wie er es dem Vernehmen nach bauwilligen Investoren gegenüber tut, dann muss die Entscheidung des Unternehmens nicht verwundern. In leider vergangenen Zeiten hätte eine sich der Wirtschaftsförderung verpflichtet wähnende Oberbürgermeisterin die Sache wahrscheinlich noch einfangen können. Aktuell ist dies leider vollkommen undenkbar. Ganz und gar anders sieht es in Offenbach aus, so dass man die Stadt und ihren Oberbürgermeister Felix Schwenke nur beglückwünschen kann.


    Die Samson AG bestätigte die Meldung inzwischen. Die heutige Pressemittlung des Unternehmens:


    Frankfurter Ventilhersteller baut hochmoderne „Fabrik in der Stadt“ auf Offenbacher Innovationscampus

    Das seit 1916 in Frankfurt ansässige Traditionsunternehmen SAMSON AG hat ein 143.000 Quadratmeter großes Teilgrundstück im Nordosten des zwischen Main und Mühlheimer Straße gelegenen Innovationscampus in Offenbach erworben.

    „Wir überführen in den nächsten Jahren unseren seit über 100 Jahren gewachsenen Standort von Frankfurt am Main nach Offenbach. Der Grund hierfür liegt in der Limitierung unseres profitablen Wachstums im Frankfurter Osthafengelände. Weder Anordnung und Ausstattung der Infrastruktur, Warenfluss entlang unserer tiefen Wertschöpfung noch neuen Anforderungen an eine hochmoderne Produktion lassen sich auf dem bestehenden Gelände zukunftsfähig abbilden. Wir haben alle möglichen Szenarien, inklusive Tausch von Grundstücken mit anderen Anliegern, am Osthafen durchgespielt. Am Ende ist es die Gesamtheit der baulich-technischen Möglichkeiten, der wirtschaftlichen Belastung und der zeitlichen Umsetzbarkeit, die zu unserer Entscheidung für eine Optimierung und ein skalierbares Wachstum auf der „grünen Wiese“ versus Investitionen in eine Infrastruktur voller logistischer Kompromisse geführt hat“, so Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Widl.

    Auf dem von drei öffentlichen Straßen durchzogenen, über 130.000 Quadratmeter großen Betriebsgelände zwischen Hanauer Landstraße und Main ist die Produktion derzeit auf einer Vielzahl von Gebäuden und Teilflächen angesiedelt. „Wir bleiben selbstverständlich der Stadt Frankfurt eng verbunden. Unter anderem betreiben wir weiterhin das hochmoderne ROLF SANDVOSS INNOVATION CENTER (RSIC) am Osthafen und entwickeln dort neue Ventilgenerationen und regelungstechnische Lösungen für die Prozessindustrie. Wir entwickeln in diesem Zusammenhang Ideen und Umsetzungskonzepte für Industrieansiedlung und die zukünftige Gestaltung attraktiver Arbeitsplätze auf den freiwerdenden SAMSON-Flächen“, bestätigt Dr. Andreas Widl. Für die Stadt Offenbach ist der zukünftige Wechsel des Stammsitzes eines der weltweit führenden Mess- und Regeltechnik-Produzenten mit über 2.000 Beschäftigten in Frankfurt am Main eine der wichtigsten Ansiedlungen der letzten 60 Jahre“, sind sich Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke, Stadtkämmerer Peter Freier und Baustadtrat Paul-Gerhard Weiß einig.

    Die 1907 gegründete SAMSON AG, Hersteller von Stellventiltechnik mit weltweit rund 4.500 Beschäftigten und führender Anbieter von Regelarmaturen für die Chemische Industrie, Lebensmittel- und Getränkeindustrie, Industriegase, Energiewirtschaft sowie Pharma- und Biotechnologie, will in den nächsten Jahren schrittweise ihre Elektronikproduktion, die mechanische Fertigung und schließlich die Hauptverwaltung nach Offenbach verlagern. Nur wenige Kilometer vom jetzigen Firmengelände entfernt, flussaufwärts auf der anderen Mainseite, soll auf dem verkehrsgünstig gelegenen Innovationscampus ein hochmoderner und repräsentativer Standort entstehen.

    Der neue Firmensitz, so ist der SAMSON CEO überzeugt, werde effizientere Arbeitsabläufe und neue Möglichkeiten für Kundeninteraktionen und Produktabnahmen bieten sowie eine hohe Anziehungskraft bezogen auf die Gewinnung und die Bindung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern haben. „SAMSON vollzieht seit gut sechs Jahren eine bemerkenswerte Transformation: Von der Manufaktur erstklassiger Ventiltechnik zum Lösungsanbieter für intelligente, selbstlernende Ventil- und Prozesstechnik. Smarte Stellventile von SAMSON liefern mittlerweile in Echtzeit Daten, die über eigene Cloudplattformen den Kunden prozessrelevante, wenn nicht produktionskritische, Informationen liefern. Wir verbinden mittlerweile bewährte Ventiltradition mit funktionalem Design, Diagnose und künstlicher Intelligenz. Mit der Grundsatzentscheidung für Offenbach verfolgt SAMSON ein integriertes, hochmodernes Konzept einer „Fabrik in der Stadt“ und wird ein Leuchtturm für Innovation, nachhaltige Produktion und Sicherung von Arbeitsplätzen in Deutschland“, so Dr. Andreas Widl weiter.

    Damit, so Offenbachs OB und Wirtschaftsdezernent Felix Schwenke, passe das Unternehmen hervorragend zur Strategie, den einstigen, 179 Jahre alten Chemiestandort zu einem innovativen Technologiestandort zu entwickeln. „Um das zu realisieren, arbeitet die Stadt Offenbach zudem an der Etablierung eines Designparks, der Forschungs- und Entwicklungsabteilungen von Unternehmen vereinigen soll, die sich die Frage stellen, wie sie ihre Produkte an Digitalisierung und künstliche Intelligenz anpassen müssen. Der Tipp im Spätsommer 2020, ich solle mal für einen Besuch zu SAMSON fahren, kam aus genau diesem Projekt“, so OB Schwenke, „nämlich von Professor Frank Georg Zebner, Design Institute of Technology (DIT).“

    Für das weitere Vorgehen in Offenbach beriet sich Oberbürgermeister Felix Schwenke zunächst mit Stadtkämmerer und Bürgermeister Peter Freier. Beide waren sich einig, dass auch Baustadtrat Paul-Gerhard Weiß sowie die INNO-Geschäftsführung, Daniela Matha und Peter Walther, früh einbezogen werden müssen. Die Stadtwerke-Gesellschaft INNO Innovationscampus GmbH & Co. KG entwickelt das Areal im Auftrag der Stadt Offenbach. Ziel war, so Schwenke, durch Verlässlichkeit und Geschwindigkeit zu überzeugen.

    Als Stadtkämmerer sei er natürlich über den großen Entwicklungsfortschritt beim Innovationscampus hocherfreut, so Peter Freier. „Nach dem Niedergang der chemischen Industrie an diesem Standort gibt es nun absehbar endlich wieder eine hohe Wertschöpfung für die Stadt in Form von Gewerbesteuereinnahmen und Arbeitsplätzen. Das bedeutet für die Stadt Offenbach einen enormen Schritt nach vorne.“ Stadtplanungsdezernent Paul-Gerhard Weiß versichert, die Stadt werde das Unternehmen bei seinen Ansiedlungsplänen so weit wie möglich unterstützen und auch die verkehrliche Erschließung forcieren. „Die äußere Erschließung ist unsere Aufgabe und die werden wir rechtzeitig und sehr gerne erfüllen“ stellt Weiß klar.

    „Offenbach präsentierte sich von der ersten Sekunde als höchst attraktiver Standort in der Region“, so SAMSON CEO Andreas Widl. „Der Oberbürgermeister ist als Visionär und Gestalter seiner Stadt jederzeit erreichbar, man spürt die Unterstützung seiner Kollegen Freier und Weiß und mein Team berichtet von äußerst konstruktiven Gesprächen mit der INNO-Geschäftsführung und der Bauverwaltung.“

    Über den Kaufpreis haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart. Um die Geschwindigkeit und die Unterstützung auf der gesamten Strecke sicherzustellen, wird die Entwicklung der SAMSON AG nach Auskunft der Stadt bis zum letzten Tag der Fertigstellung ein zentrales Projekt in der gemeinsamen Baugenehmigungsrunde von OB Schwenke, BM Freier, Stadtrat Weiß und den beteiligten Fachämtern sein.

    Daniela Matha: „Mit einer Gesamtfläche von 36 Hektar ist der Innovationscampus die größte zusammenhängende innerstädtische Entwicklungsfläche der Region für eine gewerbliche Nutzung. Die Ansiedlung von SAMSON ist ein wichtiger Impulsgeber und ein Türöffner für die Ansiedlung weiterer innovativer Betriebe. Schneller als gedacht und noch vor einem offiziellen Vermarktungsbeginn gelingt es damit der Stadt Offenbach, das ehemalige Clariant-Gelände zu revitalisieren.“ Durch den Verkauf von 14,3 Hektar an die SAMSON AG sei bereits mehr als die Hälfte der noch zu entwickelnden Fläche von 26,6 Hektar vermarktet.

    Peter Walther, Geschäftsführer der Stadtwerke Offenbach Holding (SOH) und der INNO: „Dies ist ein Schlüsselstandort von zentraler wirtschaftlicher Bedeutung für die Stadt Offenbach.“ Die Herausforderung, ihn mit neuem Leben zu füllen und damit die Stadt- und Wirtschaftsentwicklung Offenbachs voranzubringen, nähmen die Stadtwerke als zentraler Dienstleister Offenbachs gerne an. Die INNO und ihre Immobilien-Schwester, die bereits bei der Revitalisierung des Hafens erfolgreiche OPG, hätten die spannende Aufgabe, den ehemaligen Chemiestandort für die Stadt zu einem zukunftsweisenden Gewerbegebiet zu entwickeln.


    Sehr bezeichnend, wie ausführlich das Unternehmen die einzelnen Initiativen und Aussagen der Stadt Offenbach darstellt.

  • Es ist natürlich verheerend für die Stadtverwaltung, dass es nicht gelingt, ein Angebot zu erstellen, das Samson einfach nicht ablehnen wollte / konnte.

    Jetzt zum "aber":


    1. Gewerbesteuer: Ja, Frankfurt verliert die Gewerbesteuereinnahme, "aber" Offenbach erhält sie und Offenbach kann jede Einnahme gut gebrauchen. Das Steueraufkommen bleibt in der unmittelbaren Region und geht nicht weg ins Ausland oder einen anderen Ort innerhalb Deutschlands. Ich kann "Ur-Frankfurter" intellektuell in ihrem Konkurrenzdenken gegenüber Offenbach folgen, allerdings ist es tatsächlich lediglich die andere Seite des Mains und ich freue mich, wenn es dort besser läuft, sofern dort mehr Einnahmen erzielt werden.
    2. Arbeitsplätze: Die noch wichtigere Nachricht: "aber" die Arbeitsplätze werden erhalten bleiben. Ziehen AN von Frankfurt nach Greifswald, würde Samson den Standort dorthin verlagern? Wahrscheinlich die wenigsten. Hinsichtlich der Verlagerung in diesem Fall wird höchstwahrscheinlich in der Samson-Mannschaft alles beim alten bleiben. Möglicherweise werden sogar weitere Arbeitsplätze entstehen, da Samson dort expandieren wird. Eine gute Nachricht, weit über unseren Thread "Immobilienmarkt Frankfurt" hinaus.
    3. Zukunft: Mag ja ein "long shot" sein und sehr positiv denkend, "aber" die in Frankfurt freiwerdenden Flächen können neu vergeben werden. Ja, hoffentlich von einer kompetenteren (anderen) Stadtregierung, aber ich meine mich zu erinnern, dass das Gelände nun eher nicht als Wohnbebauung ausgewiesen werden dürfte, so dass wir in ein paar Jahren vielleicht sogar Samson in Offenbach und ein anderes Industrieunternehmen in Frankfurt auf dem Samson-Areal haben könnten.
  • „Der Oberbürgermeister ist als Visionär und Gestalter seiner Stadt jederzeit erreichbar, man spürt die Unterstützung seiner Kollegen Freier und Weiß und mein Team berichtet von äußerst konstruktiven Gesprächen mit der INNO-Geschäftsführung und der Bauverwaltung.“

    Einen solchen Satz über die aktuelle Frankfurter Führungsriege zu lesen, würde einen doch sehr überraschen.


    Ich teile Schmittchens Einschätzung, dass das unter Petra Roth wahrscheinlich nicht passiert wäre. Das Problem ist aber nicht allein der OB. Der CDU-Wirtschaftsdezernent und der SPD-Planungsdezernent (und ggf. noch der CDU-Baudezernent) sind alle nicht als große Teamplayer bekannt. Und dann verliert man halt auch gegen Offenbach.


    Und ganz nebenbei bemerkt:

    Das merken auch die Bürger, siehe Kommunalwahl vor zwei Wochen. Sowohl CDU als auch SPD wurden abgestraft. Manchmal ist eben gute Facharbeit auch gleichzeitig gute Politik.

  • Ich möchte zu bedenken geben, dass es eine sehr agile Wirtschaftsförderung gibt, die sich bei Bedarf sehr ins Zeug schmeißt und sicher nichts unversucht gelassen hat, aber es könnte ja auch Gründe geben, über die wir nichts wissen.

    Der Fall zeigt aber, wie wichtig es ist, die Industrieparks, aktuell Griesheim, nicht umzuwidmen und nach Kräften zu erweitern, aktuell IP Höchst (Südseite); selbiges gilt für den Hafen, vor allem den Unterhafen. Wohnungsbau ist nicht alles.

  • Noch ein paar imho interessante Punkte aus der PK, die nicht in der PM stehen:


    - Samson schätzt die Investitionen in Offenbach auf grob 250 Mio. Euro.


    - Das rund 13,5 ha große Gelände in Frankfurt werde man sicher nicht komplett behalten aber eben auch nicht komplett veräußern. Neben dem Innovationszentrum, das in der PM erwähnt wird, kann es je nach Bedarf sein, dass auch weitere kleinere Einheiten erhalten bleiben oder Start-ups angesiedelt werden. Ein Teil wird aber sicher verkauft, schon weil man das Projekt in Offenbach nicht aus der Portokasse finanzieren könne.


    - Meine Frage, ob der Nachbar Interxion schon wegen Plätzen für Server angefragt habe, wurde geflissentlich übergangen. ;-)


    - Auf den Zeitrahmen für die Übersiedlung nach Offenbach will man sich nicht festlegen, nur dass es in zwei Jahren mit der Elektonikproduktion losgeht. Die Zerspanung, also Metallbearbeitung, wird wohl der umfangreichste Abschnitt sein und alleine drei bis fünf Jahre dauern.


    - Die Bodensanierung auf dem Neustandort übernehmen die städtischen Gesellschaften. Die kalkulierten Kosten dafür wurden in den Verkaufspreis eingerechnet. Insgesamt wird das knifflig, weil mit zehn Jahren zeit für die Bodensanierung des Gesamtareals gerechnet wurde. Nun muss zumindest ein Teil in zwei Jahren baureif sein und im weiteren Fortschritt die Sanierung eng mit dem Bauablauf von Samson koordiniert werden.

  • Ende Februar gab‘s eine Veranstaltung der IHK bei der sich Spitzenkandidaten der 'etablierten' Parteien und die Parteiinhalte für die Kommunalwahl bräsig präsentierten. Darüber hatte die FAZ berichtet. Erwähnen möchte ich nur folgende 'Randnotiz', welche die Teilnehmer*innen nicht berührt hatte (und fand medial, so meine Wahrnehmung, auch keine Resonanz).

    Lt. IHK-Präsident Ulrich Casper hat es seit dem Sommer ’20 drei (!) Unternehmensanfragen nach Ansiedlungsfläche in Frankfurt gegeben bei dem einmal 2.500 und das andere mal "mehrere tausend" Arbeitsplätze hätten geschaffen werden sollen bzw. zwei Unternehmen je 2 Mrd. EUR hätten investieren wollen.

    Wir ahnen es: das war jeweils ein Satz mit X denn adäquate Gewerbefläche konnte nicht angeboten werden weil diese immer noch im Status der Aktivierung ist. Und wer jetzt glaubte das dieser Umstand bei den Spitzenkandidat*innen in irgendeiner Weise Gefühlswallungen hervorgerufen hätte der hat sich getäuscht.

    Nur zur Veranschaulichung jede dieser vergeblichen Anfragen entsprach in etwa dem Volumen um was es hier bei der Samson AG geht. In Toto verliert (verlor) Frankfurt innerhalb von 9 Monaten vier (drei) potente Gewerbesteuerzahler vom Kaliber einer Samson AG!

    Wenn in Frankfurt die politischen Verantwortlichen so weiter machen dann ist demnächst keine Substanz mehr vorhanden die man noch verteilen kann. Zu hoffen ist das die Verantwortlichen jetzt endlich diesen Weckruf vernommen haben und umgehend und ernsthaft eine strategisch nachhaltige Stadtpolitik (für alle Bereiche) entwickeln.


    Edit: Noch ein Link zum Kommentar in der FAZ.

  • Für Offenbach ist das ein Segen - und tatsächlich mal produzierendes Gewerbe, nicht nur das siebzehnte Rechenzentrum und der zwölfte Dienstleistungsanbieter der nur Büroflächen braucht. Die Arbeitsplätze die das bringt, wird man zwar zunächst mit mitgebrachten Arbeitskräften besetzen, aber man will ja expandieren.

  • Der Vollständigkeit halber die Stellungnahme der Stadt Frankfurt in Form einer Pressemitteilung von heute Nachmittag. Verifizieren lässt sich der Inhalt natürlich nicht. Als zumindest höchst eigenwillig erscheint es, die mit Rückständen aus 170 Jahren Chemieproduktion belastete Industriebrache in Offenbach als "grüne Wiese" zu bezeichnen.


    Samson AG expandiert in Offenbach auf der ,grünen Wiese‘

    Der Magistrat der Stadt Frankfurt am Main bedauert die Entscheidung der Samson AG, auf der „grünen Wiese“ in Offenbach einen Fabrikneubau errichten zu wollen. Zuvor hat es seit August 2020 zahlreiche Gespräche und Videokonferenzen zwischen Andreas Widl und Dominic Deller von der Samson AG mit zahlreichen Magistratsvertretern in unterschiedlicher Zusammensetzung gegeben. Als die Erweiterungspläne der Samson AG im Sommer 2020 erstmals auf den Tisch des Frankfurter Magistrats kamen, sondierten Umweltdezernentin Rosemarie Heilig, Gesundheitsdezernent Stefan Majer, Planungsdezernent Mike Josef, Liegenschaftsdezernent Jan Schneider und Wirtschaftsdezernent Markus Frank, Verkehrsdezernent Klaus Oesterling sowie Mainova- Vorstandsvorsitzender Constantin Alsheimer und FES-Geschäftsführer Benjamin Scheffler die Realisierungsmöglichkeiten der Samson-Pläne.

    Bei der Komplexität der angefragten Grundstückstausche war es für alle Beteiligten erstaunlich, dass die Wünsche von Samson tatsächlich realisiert hätten werden können. Folgende Schritte waren zu prüfen und wurden seitens der Beteiligten für machbar eingestuft:

    • Erwerb von Grundstücken der Mainova AG durch die Samson AG
    • Erwerb von Grundstücken der Stadt Frankfurt am Main durch die Samson AG
    • Verlagerung der RMB Rhein-Main Biokompost GmbH in zwei Schritten
    • Verlagerung der Drogenhilfseinrichtung „Eastside“ in der Schielestraße
    • Verlagerung der Lagerflächen des Großen Rats der Karnevalvereine
    • Verlagerung der Lagerflächen des Abenteuerspielplatzes Riederwald
    • Entwidmung der Peter-Behrens-Straße
    • Verlagerung eines Containerstandplatzes der FES GmbH

    Und doch zeichnete sich im Laufe der diversen Gespräche ab, dass auch nachdem die Samson AG ihre Standortpläne am Standort Frankfurt am Main variierte, was eigentlich zu einer schnelleren Realisierbarkeit der Erweiterungspläne geführt hätte, dass wichtige Teile des Unternehmens am Ende doch nach Offenbach ziehen werden.

    Über den Verlust des Traditionsunternehmens in Frankfurt am Main zeigten sich die Stadträte Josef, Majer und Frank im Hinblick auf ihr Engagement sehr traurig: „Dass wir die Samson AG langfristig in Frankfurt am Main nicht halten können, trifft uns hart. Samson ist ein industrielles Vorzeigeunternehmen, das jedes Einzelteil im Produktionsverlauf noch selbst herstellt. Mit 2000 Arbeitsplätzen in Frankfurt am Main und 145 Ausbildungsplätzen schmerzt der Wegzug auch aus arbeitsmarktpolitischen Gründen sehr.“

    Die Stadträte finden für die Zusammenarbeit im Magistrat anerkennende und dankbare Worte: „Über alle Parteigrenzen hinaus stand das Thema Standortsicherung Samson AG mit hoher Priorität auf der Agenda. Innerhalb des Magistrats herrschte großes Vertrauen und Loyalität, was angesichts der häufig wechselnden Pläne des Unternehmens eine große Herausforderung war.“

    Das Unternehmen genieße eine hohe Strahlkraft und so hätten sich alle Beteiligten konstruktiv zusammengefunden, um das Unternehmen am Standort zu halten und dezernatseigene Belange zurückgestellt. Liegenschaftsdezernent Jan Schneider zeigte sofortige Bereitschaft, für die freizuräumenden Nutzungen Ersatzflächen zu beschaffen; Verkehrsdezernent Klaus Oesterling war sofort bereit, den teilweisen Rückbau der Peter-Behrens-Straße zu betreiben.

    Umweltdezernentin Heilig sagt: „Wir haben uns alle sehr angestrengt, die Wünsche der Samson AG zu erfüllen. Die Pläne, das Biokompostwerk zu verlegen, waren schon weit vorangeschritten. Die FES war ein aktiver Partner für die Samson AG. Das ist vor dem Hintergrund, dass das Kompostwerk selbst gerade die Genehmigung für seine Erweiterung vom Regierungspräsidenten bekommen hat und bei einer Verlagerung wieder in ein neues Genehmigungsverfahren einsteigen müsste, keine Selbstverständlichkeit.“

    Auch Gesundheitsdezernent Majer hat sich pragmatisch und lösungsorientiert eingebracht. „Unsere Drogenhilfeeinrichtung Eastside ist eine langjährige Nachbarin von Samson, die sich am jetzigen Standort bewährt hat. Eine mögliche standortnahe Verlagerung der Einrichtung haben wir in Zusammenarbeit mit dem Träger, der Integrativen Drogenhilfe sehr sensibel und konstruktiv abgewogen. Das Ergebnis hätte für alle Beteiligten Lösungen und Möglichkeiten geboten.“ Im Hinblick auf den hohen Zeitdruck, den die Samson AG thematisierte, wurde das Standortsicherungskonzept in der unter Leitung des Oberbürgermeisters Peter Feldmann tagenden Koalitionsrunde am 16. Februar 2021 beschlossen.

    „Irgendwie ist es schon unwirklich, dass die Samson AG bei diesem hohen Entgegenkommen der Stadt Frankfurt am Main die Chance nicht genutzt hat, sich am angestammten Standort weiter entwickeln zu können“, resümieren die beiden Stadträte Josef und Frank für den Frankfurter Magistrat. Auch in Zukunft soll das Gebiet im Osthafen als Industriegebiet für produzierende Industrie erhalten bleiben.

    Dass das Rolf Sandvoss Innovation Center (RSIC) von Samson auf dem Gelände am Osthafen verbleibt, und der Umzug von Samson erst sukzessive in den nächsten Jahren erfolgen wird und das Unternehmen in der Region verbleibt, ist aktuell ein schwacher Trost.
  • Oh Gott, ist das wirklich die PM der Stadt? Das ist ja hochnotpeinlich. Wenn man das Unternehmen schon nicht halten kann, dann darf man den Wegzug bedauern, aber doch nicht dem Unternehmen Vorwürfe machen.

  • Ja, peinlich trifft es.


    Satz für Satz macht es schlimmer, wie man alle in einen Sack zusammenschweißt und enthaften will.


    Glückwunsch an die Macher nach Offebach! Die uns in Frankfurt Vertretenden wollen nicht, sagen es nicht und können es demzufolge auch nicht.

  • All diese Verlagerung x und Verlagerung y Aktionen haben vermutlich insgesamt nicht in den Zeitplan gepasst, den man sich seitens Samson vorgestellt hat.

    In Offenbach ist die Fläche bereits frei und man kann prinzipiell anfangen zu bauen.

  • So schlimm finde ich die PM jetzt nicht. Die letzten 5 Abschnitte hätte ich aber rausgestrichen, da das nur Selbstbeweihräucherung der handelnden Personen ist. Überrascht bin ich, dass der OB nicht auch noch einen Selbstbeweihräucherungs-Abschnitt bekommen hat. Dessen Presseabteilung lässt solche Gelegenheiten sonst nicht ungenutzt.

  • Die Samson AG hat sich für den einfacheren Weg entschieden, dies kann man ihr nicht groß verübeln. In Offenbach ist wie bereits festgestellt die Fläche zeitnaher nutzbar und es bedarf weniger Ansprech- und Verhandlungspartner. Vermuten würde ich ins Blaue hinein auch ein großzügiges (preisliches) Entgegenkommen der Stadt Offenbach. Auch entfallen perspektivisch weitere Verhandlungen um Flächen mit anderen (kleinen) Anliegern der Schielestraße.

    Die Pressemitteilung der Stadt Frankfurt finde ich allerdings nicht übermäßig peinlich. Eine gewisse brüskierte Reaktion kann zumindest ich bei dem anscheinend gezeigten Engagement gut verstehen und selbstverständlich darf man dem Unternehmen dementsprechend auch Vorwürfe machen, warum denn nicht. Man muss sich ja vor den Bürgern auch rechtfertigen dürfen.

    Die hier von einigen gezeigte Tendenz, der Stadt Frankfurt die alleinige Schuld zuzuweisen, finde ich unreflektiert. Auch wenn man, so wie ich, von vielen Entscheidungen der letzten Jahren enttäuscht ist, so greift diese Art von Kritik, zum Teil gespickt mit mehr oder weniger subtiler Andeutungen, meines Erachtens zu kurz.

    In diesem Sinne wünsche ich allen noch einen sonnigen Nachmittag.

  • Das Thema wurde gestern im Rahmen der PK auch angesprochen. Die Samson-Vertreter haben betont, dass sie konstruktiv mit der Stadt bei den Bemühungen um eine Ausweitung am Altstandort zusammengearbeitet hätten und dies in Zukunft bei der Suche nach einer Folgeverwendung auch tun möchten.


    Zugleich wurde betont, dass der neue Standort Vorteile mit sich bringt, die am alten auch im Optimalfall nicht zu haben gewesen wären. Insbesondere wurden genannt:


    - die Möglichkeit eines kompletten Neuaufbaus, während die Produktion am Altstandort ohne Einschränkung weiterläuft

    - ein Neubau komplett in einer Ebene ohne mehrgeschossige und von öffentlichen Straßen unterbrochene Transportwege für Komponenten


    Meine Bewertung:


    Wenn Frankfurt da hätte konkurrenzfähig sein wollen, hätte die Stadt ebenfalls gut 14 unbebaute ha auf einem Green- oder Brownfield in ihrem direkten und alleinigen Zugriff sowie mit planungsrechtlicher Industrieeignung anbieten müssen. Alles andere wäre schlicht nicht konkurrenzfähig. Ob und wo so etwas in Frankfurt vorhanden ist, müssten Leute bewerten, die sich in den Industriegebieten detaillierter auskennen als ich.


    Tradition, persönlicher Fleiß und Aufopferungsbereitschaft von Politikern und Verwaltungsmitarbeitern mögen da atmosphärisch etwas ausmachen, können letztlich betriebswirtschaftlich klare Fakten nicht aushebeln.

  • Aber genau das ist doch der Punkt, außer dem Martinszehnten und Sossenheim, Wilhelm-Fay-Straße fallen mir keine neuen Gewerbegebiete ein, die die Stadt seit den 80er Jahren hingekriegt hat.

    Damit macht man die bestehenden Gewerbegebiete mehr und mehr zum Luxusgut. Samson kann nun sein Areal versilbern, die Arbeitsplätze und das Steueraufkommen wandern ab.


    Das kann man Samson nicht vorwerfen, aber den Politikern, die solche Zusammenhänge negieren und so tun, als ob sie dem entgegengewirkt hätten.

    Wenn sie Frankfurter Unternehmen halten wollen, müssen sie auch neue Flächen ausweisen und damit Entwicklungschancen aufzeigen.

  • Vollkommen richtig, Immobilienmogul. Und das auch mal gegen ALLE Widerstände und Nimbys. Ist aber leider durch solche "Geschichten" wie den Regionalen Flächennutzungsplan nicht so einfach, wenn dann auch noch das RP Darmstadt "uns" Frankfurtern "dazwischenfunkt" und mitreden darf. Hier in D haben einfach immer bei allen Angelegenheiten viel zu viele "Leute" und Institutionen Mitspracherechte, deshalb wird das nix. Siehe z. B. die Proteste gegen das geplante neue Gewerbegebiet in Niedereschbach bei IKEA etc. pp.


    Man darf gespannt sein, wie sich das alles entwickelt künftig und wann tatsächlich ein weiteres Gewerbegebiet in Frankfurt entsteht!