SWSG Zuffenhausen Böckinger Straße 360 WE

  • Auf einem überwiegend landwirtschaftlich genutzten Gelände plant die SWSG bis 2024 360 Wohneinheiten zu errichten, inkl. Kita und Begegnungsstätte. UTA Architekten und Stadtplaner GmbH haben hierbei den Zuschlag bekommen, die Beschreibung strotzt nur so mit Bingo-Wörtern: nachhaltig, integrativ, begrünt...


    An sich spannendes Projekt, dem man die Flächenknappheit im Stuttgarter Großraum nicht wirklich ansieht.


    30 WE werden im Rahmen der IBA‘27 errichtet.


    https://www.stuttgarter-nachri…26-9119-4919c27ce19b.html


    https://www.u-t-a.eu/1-preis-w…-kita-boeckinger-strasse/


    Das Cafe erinnert mich etwas an Opas Gemüsegarten, Abteilung Stangenbohnen.

  • Danke für die Ergänzung. Die etwas schüchtern hinter den Bäumen hervorlugenden Gebäude halten IMHO wie so oft die ausladenden Wort- und Satzkreationen der Projektbeschreibung...schau mehr mal.

  • Gewonnen hat der Entwurf wohl weil Klimawandel und Nachhaltigkeit stark thematisiert wurden. Die Architektur spielt da nur eine untergeordnete Rolle. Das ganze Quartier ist natürlich autofrei – was sich sicherlich auf die umliegenden Straßen auswirken wird (wo sollen Besucher sonst parken?) – und die Gebäude basieren auf einem modularen Raster, was spätere Umbauten erleichtern und so für eine längere Lebensdauer der Gebäude sorgen soll. Gerade diesen Punkt kann ich mir so garnicht vorstellen, wie sieht das in der Realität denn aus und welchen Vorteil soll es denn bringen Wände nachträglich zu versetzen?

  • Hier möchte ich widersprechen. Zum einen stehen Wohngebäude i.d.R. deutlich länger als 30 Jahre, selbst die meisten der frühen Nachkriegskisten haben nun bereits 60 Jahre auf dem Buckel, sanierte Gebäude werden sicher noch weitere Jahrzehnte überdauern. Zum anderen habe ich die Erfahrung gemacht, dass Mieter gerne mal Wände rausreißen wollen, Zimmer zusammenlegen oder aufteilen wollen, im Eigentum bietet sich ggf. die Möglichkeit, die Wohnung besser den veränderten Lebenssituationen anzupassen (z.B. im Alter verkleinern, Rest vermieten, wie auch immer).

  • klingt in der Theorie toll, praktisch werden einen dann Wasseranschlüsse, Türen und Fenster in der Umsetzung der Wohnraumänderungen fordern, genauso wie schon seit Jahrhunderten auch...

  • Genau das ist dann das Problem, Bäder und Küchen lassen sich eben nicht so ohne weiteres verschieben. Es gab in der Vergangenheit schon zahlreiche Experimente mit modularer Bauweise und die meisten davon gingen schief. Kurioserweise hatten diese Gebäude oft eine kürzere Lebensdauer als herkömmliche Gebäude, da die flexible Bauweise nicht selten mit mangelnder Bauqualität einherging. Ein Beispiel dafür ist die „Metastadt Wulfen“ http://www.wulfen-wiki.de/index.php/Metastadt https://de.m.wikipedia.org/wiki/Metastadt_(Architektur)

  • Ah, interessant. Meine alte, geliebte "Hood". Hatte damals bevor ich weggezogen bin schon davon gelesen, dass da was kommen mag.

    Von der Dichte und dem Layout her finde ich das sehr interessant. Allein mit was ich mich einfach nicht anfreunden kann ist, dass man in eine solche Bestandsbebauung dann unbedingt diese Flachdachwürfel reinsetzen muss. In so einem Fall bin ich dann doch ganz altmodisch für die Satteldachvariante. Das würde glaube ich insbesondere wenn die Farben nachher wirklich so werden wir auf den spärlichen Entwürfen (was toll wäre, mal was anderes als die immer gleichen Grauschattierungen) top aussehen.

  • Mit Blick auf den Stadtplan finde ich es bedauerlich, dass in dem Neubaugebiet nicht in Verlängerung der bestehenden Roigheimer Straße eine Trasse für die Stadtbahn freigehalten wird. Die hätte in diesem Bereich aus dem Bestand (U7) ausgeschleift werde können und endlich dem zuletzt sehr gewachsenen Stadtteil Zazenhausen einen Schienen-ÖPNV bescheren können. Chance verpasst.

  • Für die Stadtbahn könnte die Steigung hier eventuell zu groß sein – das Neubaugebiet liegt in einem Hang. Ein vernünftige Straße nach Zazenhausen wäre von dieser Seite aber auch mal nicht schlecht. Gefühlt liegt Zazenhausen im hinterletzten Winkel der Zivilisation.

  • Es gab in der Vergangenheit schon zahlreiche Experimente mit modularer Bauweise und die meisten davon gingen schief.

    So ist das mit fast allen neuen Verfahren und Techniken, in den seltensten Fällen klappt´s sofort. So ist das doch kein Argument, das vermeintliche Scheitern in der Vergangenheit auf die Gegenwart mit ihren weiterentwickelten Möglichkeiten und Kenntnissen zu übertragen.


    Modulbauweise bezeichnet dann auch nicht nur Extrema wie die Metastadt Wulfen, die aufgrund von Baumängeln und Wohnraumüberhang, nicht etwa aufgrund grundsätzlich falscher Konzeption, wieder abgerissen wurde, sondern Modulbauweise beschränkt sich heute i.d.R. auf einzelne Segmente einer Wohnung. So ist diese bei Studentenwohnheimen, Boarding- und Stelzenhäusern sowie Hotels oft schon Standard (Balkone, Bäder, Wände etc.). Gerade im Rahmen der IBA Stuttgart wäre es das doch wert, diese Bauweise in größerem Umfang auch im kl. Wohnungsbau umzusetzen und Erfahrungen zu sammeln.

    Genau das ist dann das Problem, Bäder und Küchen lassen sich eben nicht so ohne weiteres verschieben.


    praktisch werden einen dann Wasseranschlüsse, Türen und Fenster in der Umsetzung der Wohnraumänderungen fordern

    Bad und Küche sind i.d.R fix. Nur eine Wohnung besteht auch noch aus anderen Zimmern, Türen und Fenster zu versetzen ist technisch auch kein Ding der Unmöglichkeit. Gibt es im Rahmen von Sanierungen oft genug :). Da scheitert es dann eher an den Eigentümergemeinschaften.

  • @aus Wohnzimmer wird Bad

    Das einzige System, das Probleme machen könnte ist Abwasser (schwarz= Fäkalien) und da kann man schauen wie dies in Flugzeugen und Kreuzfahrtschiffen gelöst wird - mit Vakuum.

    Bei Airbus gibt es ein simples System das den Kunden erlaubt innerhalb einer Zone das Klo zu verschieben, wenn dies in einem Flugzeug ohne Mehrkosten möglich ist, dann sollte dies auch auf Land möglich sein.

  • In dem Flugzeug (ab 70 Mio. € aufwärts), ist das teure System halt schon instaliert, weil man es sowieso braucht. Seltsamer Kommentar, ehrich gesagt - bin ich von dir gar nicht gewohnt.

  • ebenso könnte man entweder ein Campingklo, oder für etwas mehr Luxus ein Dixi in die Ecke stellen ;-)


    Anpassbarer Wohnraum heißt doch in erster Linie keine tragenden Wände, und das ist doch in Zeiten von Skelettbauweise doch absolut nichts besonderes mehr.

  • Es ist doch auch Wurst in wieweit das Konzept innovativ oder umsetzbar ist – offenbar haben die markigen Worte in der Präsentation gezogen und so den Wettbewerb entschieden. Mich wundert das nicht, finde es aber schade wenn Architekturwettbewerbe nicht anhand des besten Entwurfs, sondern anhand der Anzahl an Begriffen wie “Nachhaltigkeit” oder “Klimaneutral” in der Präsentation entschieden werden. Ob die flexiblen Grundrisse wirklich eine längere Lebensdauer der Gebäude bedeuten ist reine Spekulation! Nichttragende Wände haben auch deutliche Nachteile, z. B. beim Schallschutz. Einer wie im Konzept beschriebenen, nachträglichen Erweiterung der Gebäude auch außen dürfte sich in der Realität als kompliziert erweisen. Und autofreie Quartiere mögen in der Innenstadt attraktiv sein, in Randlagen können hier aber auch Schwierigkeiten entstehen, den hier ist man zu Fuß eben nicht innerhalb weniger Minuten da wo man hin will und für Besucher ist das auch nicht unbedingt von Vorteil. Auch das Konzept mit hippem Stadtteil Café geht meiner Meinung nach etwas am Bedarf vorbei, wobei ich das persönlich nicht schlecht finde. Aus Erfahrung würde ich aber behaupten das in dieser Ecke der Stadt eine eher anders gepolte Klientel wohnt. Mal schauen wie das Konzept aufgeht, ich bin gespannt. Das hier überhaupt gebaut wird ist ja schonmal eine gute Entscheidung.

  • Es ist doch auch Wurst in wieweit das Konzept innovativ oder umsetzbar ist – offenbar haben die markigen Worte in der Präsentation gezogen und so den Wettbewerb entschieden. Mich wundert das nicht, finde es aber schade wenn Architekturwettbewerbe nicht anhand des besten Entwurfs, sondern anhand der Anzahl an Begriffen wie “Nachhaltigkeit” oder “Klimaneutral” in der Präsentation entschieden werden. Ob die flexiblen Grundrisse wirklich eine längere Lebensdauer der Gebäude bedeuten ist reine Spekulation! Nichttragende Wände haben auch deutliche Nachteile, z. B. beim Schallschutz. Eine wie im Konzept beschriebenen, nachträglichen Erweiterung der Gebäude auch außen, dürfte sich in der Realität als kompliziert erweisen. Und autofreie Quartiere mögen in der Innenstadt attraktiv sein, in Randlagen können hier aber auch Schwierigkeiten entstehen, den hier ist man zu Fuß eben nicht innerhalb weniger Minuten da wo man hin will und für Besucher ist das auch nicht unbedingt von Vorteil. Auch das Konzept mit hippem Stadtteil Café geht meiner Meinung nach etwas am Bedarf vorbei, wobei ich das persönlich nicht schlecht finde. Aus Erfahrung würde ich aber behaupten das in dieser Ecke der Stadt eine eher anders gepolte Klientel wohnt. Mal schauen wie das Konzept aufgeht, ich bin gespannt. Das hier überhaupt gebaut wird ist ja schonmal eine gute Entscheidung.

  • offenbar haben die markigen Worte in der Präsentation gezogen und so den Wettbewerb entschieden. Mich wundert das nicht, finde es aber schade wenn Architekturwettbewerbe nicht anhand des besten Entwurfs, sondern anhand der Anzahl an Begriffen wie “Nachhaltigkeit” oder “Klimaneutral” in der Präsentation entschieden werden. Ob die flexiblen Grundrisse wirklich eine längere Lebensdauer der Gebäude bedeuten ist reine Spekulation!

    Genauso wie deine Behauptungen bzgl. der Jury-Entscheidung hier reine Spekulation sind ;).

    Welchen Entwurf hättest du besser gefunden?

    Gewonnen hat der Entwurf wohl weil Klimawandel und Nachhaltigkeit stark thematisiert wurden. Die Architektur spielt da nur eine untergeordnete Rolle.

    Selbst wenn der Entwurf gewonnen hat, da Klimaschutz und Nachhaltigkeit besonders gut berücksichtigt wurden, seit wann bedeutet dies gleichzeitig, dass Architektur nur eine untergeordnete Rolle spielen kann? Es geht doch gerade darum, beide Aspekte endlich auch in der Architektur zu verfolgen. Gibt derzeit kaum ein Feld, das den Architekten mehr Aufmerksamkeit abverlangt. Mit Holzhybridkonstruktionen oder Fassadenbegrünungen stehen dabei zwei Instrumente zur Verfügung, die völlig neue, spannende Gestaltungsweisen ermöglichen. Dass z.B. beim S-21 Hotelturm das Grün gestrichen wurde, kommt heraus, wenn stattdessen Rendite und minimale Kosten im Vordergrund stehen und prägende Elemente nicht im B-Plan festgeschrieben werden.

  • ^


    Nein, natürlich nicht. Wo käme ich da hin...


    Deiner Antwort entnehme ich, dass du die anderen Wettbewerbsbeiträge nicht kennst. Solides Fundament für deine Argumentation :thumbup: