Neubau 'Holzmarktstraße 51' [Friedrichshain | in Planung]

  • Es gibt eine Neuigkeit von der Holzmarktsraße 51. Nach Angaben der Architekten Eller+ Eller vom 18.12.20 hat die berlinovo Projektentwicklungsgesellschaft sie beim Projekt „Holzmarktstraße 51, Berlin“ mit der Generalplanung und der Objektplanung beauftragt. Das Schwimmbad bleibt erhalten. Auf der angegebenen Seite von Eller + Eller finden sich weitere Infos und folgende Visu:


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    Copyright: Elle+Eller Architekten

  • Super Nachrichten! Wenigstens mal mitgedacht und die kommunale Daseinsvorsorge / Nahversorgung gesichert. Genau so sollte es immer sein, denn auch in den Weltstädten wird gewohnt! Die Berliner Bäderbetriebe hätten das Gebäude auch einfach neubauen können, denn das wäre wohl effizienter, wirtschaftlicher. Die Halle an der Leipziger Straße wurde ja auch saniert (schön und gut) aber ist für heutige Verhältnisse viel zu klein, da sind uns einige Städte in D um einiges voraus. Geiz ist hier völlig unangemessen, denn hinterher ist der Kosten/Nutzen Faktor viel höher nach einem kompletten Neubau. Das könnte man so nachhaltig wie möglich entwickeln, gern in Holzbauweise.


    Klasse Architektur übrigens!

  • Ehrlich gesagt, werde ich aus der Visu nicht schlau. Könnte überall stehen, weil man keine Bezugspunkte hat. Eigentlich müssten links davon die Hochhäuser stehen und rechts der Bahn-Viadukt. Wenn dem so ist, kann ich mir aber nicht vorstellen, wie das Schwimmbad erhalten bleiben soll – das befindet sich doch genau an dieser Stelle!? Rätselhaft...

  • Ich verstehe es so, dass die Schwimmhalle in das neue Gebäude integriert wird:


    "....das hier vorgesehene Mixed-Use Gebäude, bestehend aus Schwimmbad-, Büro- und Gewerbenutzung sowie Mikrowohnen für Studierende..."

  • ^ Ah, danke! Hatte ich übersehen. Mich überfällt beim Lesen solcher Marketing-Lyrik immer eine Hirnfinsternis. ;) Dürfte sich dann aber weitgehend um einen Neubau handeln, denn die bestehende Halle liegt ja im 45-Grad-Winkel zur Straße, während das neue Gebäude direkt angrenzt. Die dürfte sich nur schwer integrieren lassen. Zudem ist sie laut B.Z. seit zwei Jahren wegen Statikproblemen geschlossen.

  • Wenn ich das Wortprotokoll des Sportausschusses vom 01.11.2019 richtig verstanden habe, wird die bestehende Schwimmhalle abgerissen. An ihrer Stelle entsteht der gezeigte Neubau mit einer Schwimmhalle im Erdgeschoss, einigen Gewerbeflächen und dann hauptsächlich Mikro-Appartements für Studenten in den oberen Etagen.

  • Klasse Architektur übrigens!

    Das erste, was ich mir hier gedacht habe war, dass ich die Kiste schon 10-mal gesehen habe. Ich würde den Bau auch gern mal im Kontext mit den umliegenden Hochhäusern sehen. Das haben die Architekten nämlich schön weggelogen. Vorbildlich allerdings finde ich den Nutzungsmix mit der Integration des Schwimmbades, dem Wohnen und Arbeiten unter einem Dach.

  • Ich halte absolut nichts von dem Konzept und von dieser 0815 Allerweltsarchitektur an dieser Stelle noch viel weniger. Ein einziger typischer Berlinkompromiss es allen recht zu machen in Nutzung und Architektur, Nutzung von allem ein bisschen und nichts richtig (Alibischwimmbad) und die Architektur darf niemand weh tun, ja nicht zu hoch, ja nicht zu progressiv, ja nicht zu angepasst an den Ort, kein Wunder, dass dann sowas rauskommt.


    Was mich am meisten (naja ist auch relativ) nervt in Berlin ist immer dieser Anspruch eine supergeile Schwimmerhauptstadt zu sein und gleichzeitig absolut nichts dafür tun.

    Außer dem SSE - und das ist auch immer viel zu voll und viel zu oft gesperrt wg. Wettkämpfen usw. - gibt es indoor de facto keine 50 Meter Bahn zum Schwimmen, absolut lächerlich. Tiergarten, wird jetzt wenigstens saniert und irgendwann mal wieder aufgemacht, Dazu diese ganzen kleinen verranzten Pfurzhallen wie diese hier, die seit Jahren vernachlässigt werden, anstatt dass man sie endlich richtig saniert und ausbaut.


    Der größte Fehler meines Erachtens ist dieses völlig unzureichende Schulbaukonzept. Wenn man schon richtigerweise Milliarden ausgibt für neue Schulen, hätte man entsprechend des Bedarfs bei jeder fünften Schule oder so ein 25 Meter Becken mit planen sollen, die paar Millionen wären da gut angelegt und die Planung würde auch gleich mitlaufen. Auf diese Hallen sollte sich dann das gesamte Schulschwimmen konzentrieren um endlich mal die öffentlichen Schwimmhallen zu entlasten anstatt wie jetzt alle Kinder in die öffentlichen Hallen zu karren und der Öffentlichkeit das Schwimmen verleiden.


    Was das Schwimmen in Berlin nämlich unerträglich macht, sind die permanenten Sperrungen für das Schulschwimmen. 50 Prozent der Flächennutzung entfallen dadurch schon immer und entsprechend sind dann die wenigen Bahnen bumsvoll. Das SSE ist davon am meisten betroffen. Und mit der Schulbauoffensive ließe sich das wunderbar lösen, aber absolut nichts wird gemacht.


    Zurück zu dem Projekt hier.

    Ich denke man baut entweder ein Schwimmbad und zwar ein richtiges oder macht Büro / Wohnbebauung als Turm am besten, der den Bestand ergänzt und architektonisch auch passt, was dieses klobige Etwas nicht tut.


    Das beste Beispiel was mir immer einfällt, ist das Hochhaus am Spittelmarkt, das neben den vier Leipzigern entstanden ist, Eine eigenständige Architektur, die den Bestand nicht beeinträchtigt aber trotzdem eine eigene Note gesetzt hat. So etwas wurde bei der Fischerinsel versäumt zu schaffen und hier auch wieder.

  • Stimmt, sieht ähnlich aus. Offenbar inspiriert die ähnliche Umgebung Architekten zu dieser Formensprache.


    Das mit der integrierten öffentlichen Schwimmhalle finde ich super, wenn diese groß genug wird. Wäre auch was für die Fischerinsel und den Thällmannpark, könnte Schule machen.

  • ^In der Gegend hängt die Meßlatte, seit das mog dort abgestellt wurde, ja ganz niedrig. Ich glaube, man hat gute Chancen, die ganze Nordseite der Holzmarktstraße zu einem unstrukturierten Einerlei zu verhunzen. Zwischen Lichtenberger und Alexanderstr. blieb es ja bei dem zugigen Straßenprofil. Doppelt so breit wie nötig gehen Bauflächen unter Asphalt verloren. Fernab grüßt die Plattenfront. Ab der Ecke Lichtenberger folgen Richtung Stralau zwei Punkthochhäuser, dieses freistehende Projekt hier, die Bahnbrücke, eine Tankstelle, Wiese, das mog, mehr Wiese und schließlich das Parkdeck vorm Ostbahnhof. Das ganze wirkt unausgegoren, lieblos und irgendwie fürderhin verwahrlost...


    Theseus532 : Im FEZ gibt es ein 50m-Becken. Tritt in die Köpenicker DLRG ein, dann kannste dort ungestört und viel schwimmen...

  • ^ Die Beschreibung stimmt vollkommen. Es gäbe also immensen Raum für die Visionen einer modernen Stadt in nahezu Bestlage.


    Vieles wäre hier möglich. Raum für Neues. Schaunwama.

  • Dass dieses geplante Gebäude als steingewordener Kompromiss daherkommt, liegt meines Erachtens auch in der Natur der Sache. Einerseits ist das Grundstück gemäß Bauleitplanung als Sportstättenfläche deklariert und die Politik ist (zum Glück für alle begeisterten Schwimmer) nicht gewillt, diese Widmung aufzugeben. Andererseits werden dringend Wohnungen gebraucht. Und wenn es langsam auch in Berlin Mode wird, Wohnraum über Supermärkten zu schaffen mit dem Ziel einer effizienteren Flächennutzung, dann scheint es vernünftig, auch über Schwimmhallen gleiches zu errichten. Beides unter einen Hut zu kriegen und auch noch wirtschaftlich zu sein, wird eine echte Herausforderung.


    Zur Beurteilung der architektonischen und städtebaulichen Qualität brauche ich jedoch auch erstmal eine Visualisierung, aus der alle Ansichten sowie die genaue Lage des Baus hervorgeht. Die Straße im Vordergrund des Bildes ist doch sicher nicht die Holzmarktstraße, oder?

  • Ja, das ist sie. Im 2019er Geschäftsbericht der Berlinovo gibt es ein paar dürre Infos und diese Projektskizze auf S.18 (sorry, Handyscreenshot):


    https://abload.de/img/mobile.11l0kjk.jpeg


    Im Hintergrund die beiden Punkthochhäuser, Holzmarktstraße und Stadtbahn sind nicht zu sehen. Das Foto ist von der Schillingbrücke aufgenommen.


    Der GB bezeichnet das Vorhaben als Leuchtturmprojekt für Berlin, ohne näher darauf einzugehen, worin das besondere liegt. Ich vermute drei Dinge:


    (1) Bedarfsgerechtes Bauen: Der GB redet viel davon. Bedarf ist letztendlich Nachfrage ohne Kaufkraft, also etwas was man sich leisten will, da es sich nicht rentieren muss. Es scheint sich um ein Pet Project des Sozialsenators zu handeln.


    (2) Kreative Entlastung: Die Betriebskosten, die sonst im Budget des Senators auflaufen würden, fallen nun in zwei Betriebsgesellschaften des Landes an. Nur etwaige Verluste sind auszugleichen. Investitionskosten lassen sich gleichzeitig annualisieren, sozusagen das Nirvana der Kameralistik. Aber auch sie werden auf zwei Landesgesellschaften verschoben und über Mieteinnahmen quersubventioniert.


    (3) Da geht noch mehr: Das Projekt testet die Grenzen dessen, was ohne B-Plan und Beteiligung möglich ist. Mit Studentenbuden lässt sich Geld verdienen - diese Quersubventionierung ist auch für private Investoren attraktiv und man hat hier ein Modell, proof of concept sozusagen. Der Cluster ist ja recht dicht: Vielleicht ist der Fingerzeig von oben, was man hier als Senat wohlwollend begleiten würde.


    OK, that’s my two cents...

  • Bedarf ist letztendlich Nachfrage ohne Kaufkraft, also etwas was man sich leisten will, da es sich nicht rentieren muss.

    Bedarf ist Nachfrage ohne Angebot. Mangelnde Kaufkraft kann einer der Gründe sein, warum es kein passendes Angebot gibt. Sie ist beileibe nicht der einzige.


    Im übrigen wird "Bedarf" gerne auch synonym zu "Nachfrage" verwendet – im Sommer steigt der Bedarf an Sonnencreme, im Winter der an Streusalz, und so weiter. In den Krankenhäusern steigt derzeit der Bedarf an Intensivbetten und in Berlin seit Jahren der Bedarf an Wohnraum. Wenn man hier schulterzuckend auf "mangelnde Kaufkraft" verweist ("Intensivbetten will man sich halt leisten"), wird es zynisch.

  • ^ Beide Beispiele sind sehr gut gewählt, das Beispiel Intensivbetten, weil es anschaulich zeigt, dass nicht alle Bereiche der Gesellschaft den sogenannten Marktgesetzen unterworfen werden können, ohne dass wir in eine real existierende Dystopie landen, und das Beispiel mit den saisonalen Produkten, weil es zeigt, dass es zu Nachfragespitzen kommen kann, die durch das Angebot nicht ausreichend gestillt werden können, weshalb punktuell Bedarf entstehen kann trotz Kaufkraft. Eben deswegen spricht es für Deine Definition "Bedarf = Nachfrage ohne Angebot", aber gerade nicht dafür, die Termini Nachfrage und Bedarf synonym zu verwenden oder den Unterschied zu verwischen.

  • ^ Ich habe gerade mal nachgeschlagen: Cavendishs Verwendung von Bedarf ("Nachfrage ohne Kaufkraft") entspricht der volkswirtschaftlichen Terminologie und geht schon auf Adam Smith zurück. Das gibt der Bedarfsbefriedigung einen Beiklang des Illegitimen: Da soll jemand etwas bekommen, was ihm nicht zusteht, weil er es sich nicht leisten kann. (Gilt dann auch für den Verhungernden, der Brotbedarf hat, mangels Geld aber die entsprechende Nachfrage nicht "generieren" kann.)


    Aus der Soziologie/Politikwissenschaft kenne ich das anders. Da ist Bedarf schlicht alles, was gebraucht wird – mit einem Beiklang von "aber nicht hinreichend verfügbar ist". Daher mein Vorschlag "Nachfrage ohne Angebot". Ich finde das ist, bezogen auf den (halb-)öffentlichen Wohnungsbau, angemessener, denn der freie Markt kann den Bedarf an passendem Wohnraum in Großstädten nicht befriedigen. Das konnte er noch nie, weshalb in Berlin erst ein großer öffentlicher bzw. genossenschaftlicher Bausektor das Elend in den Arbeiterslums überwunden hat.


    In diesem Sinn bauen Berlinovo & Co. auch nicht das, was Berlin sich leisten will, sondern was es sich leisten muss. Die Bezeichnung "Pet Project" finde ich unangemessen. (Auf einem anderen Blatt steht, dass die Berlinovo meist nicht besonders schön baut. Wir sollten zu diesem Thema zurückkehren...)

  • Kann jemand sagen, ob nur das derzeitige Grundstück der Schwimmhalle oder auch der angrenzende Flachbau (derzeit Obdachlosen-Quartier) bebaut werden soll? Im Letzteren Fall würde auch der Mehlbeerenweg überbaut werden, was ich nicht glaube.


    An dieser Stelle gibt es sehr viel Lärm aus Straßen- und Bahnverkehr. Es ist kaum möglich, Fenster längere Zeit zu öffnen. Insofern ist der Büroturm an der Bahntrasse sinnvoll und Studenten-Wohnungen ohne Balkon sind eigentlich auch dieser Umgebung angemessen. Das ist wahrlich keine A-Lage dort.