Nachhaltige Mobilität im Stadtgebiet und in der Region

  • Bisher habe ich im Hamburg-Forum nichts passendes gefunden, daher möchte ich gerne einen entsprechenden Diskussionsthread starten!


    Worum gehts? Neben diversen SPNV-Plänen (Erweiterung U4 zur Horner Geest und Richtung Harburg, neue U5, zweiter S-Bahn-City-Tunnel) steht der Radverkehr besonders im Fokus der Hamburger Verkehrsplanung.


    So sind in den letzten Monate beispielsweise zwei offizielle Pop-Up-Radwege entstanden:

    - Beim Schlump: https://www.ndr.de/nachrichten…p-up-Radweg,popup138.html

    - Max-Brauer-Allee: https://www.ndr.de/nachrichten…Allee,popupradweg110.html

    Zudem wurde vor kurzem eine Petition für mehr solcher Pop-Up-Radwege übergeben: https://www.ndr.de/nachrichten…geben,popupradweg106.html


    Auch bei der Umgestaltung des Jungfernstiegs und der umliegenden Straßen wurde der Radverkehr deutlich besser berücksichtigt:

    - Statt auf kaum sichtbaren Radwegen im Konflikt mit Fußgängern fahren RadfahrerInnen jetzt auf der (autofreien) Fahrbahn: https://www.hamburg.de/pressea…rnstieg-wird-attraktiver/

    - Am Ballindamm gibt es jetzt einen bis zu 4,75m breiter Radfahrstreifen: https://www.welt.de/regionales…t-mitten-in-der-City.html


    Ganz generell werden zudem die Velorouten ausgebaut (https://www.ndr.de/nachrichten…t-voran,veloroute116.html). Außerdem zeigt die neue Zählinfrastruktur (via Wärmebildkameras) einen (vermutlich) deutlichen Anstieg des Radverkehrs (+33 % innerhalb eines Jahres; https://www.hamburg.de/pressea…020-11-17-bvm-radverkehr/). Auch ein Radentscheid gab es in Hamburg, hier unterstützten über 22 000 HamburgerInnen die Stärkung des Radverkehrs (https://radentscheid-hamburg.d…ere-massnahmen-einsetzen/).


    Außerdem entstehen neue Abstellplätze für Räder insbesondere an wichtigen ÖPNV-Knotenpunkten wie z.B. an der Kellinghusenstraße: https://www.welt.de/regionales…laetze-an-Bahnhoefen.html


    Was meint ihr? Entwickelt sich Hamburg hier in die richtige Richtung? Geht es zu schnell, zu langsam oder zu planlos?


    Meine Meinung: Von einer Umverteilung des Stadtraumes hin zum platzeffizienten Fuß- und Radverkehr profitieren alle durch höhere Aufenthaltsqualität, geringere Luft- und Lärmbelastung und gesteigerte Sicherheit und einen besseren Verkehrsfluss. Das kann man gut im vielzitierten Kopenhagen beobachten, auch dort wurde vor Jahrzehnten mal "klein angefangen", heute gilt die Stadt als absolutes Vorbild. Insgesamt zeigt Hamburg hier gute Ansätze (Ausbau Velorouten, autoarme Innenstadt), es fehlt für mich aber an Geschwindigkeit und Mut zur Umverteilung. Noch immer gibt es beispielsweise wichtige Innenstadtstraßen komplett ohne Infrastruktur für Radfahrer (z.B. Reeperbahn).


    PS: Sollte es doch irgendwo besser passen, gerne verschieben!

  • Was meint ihr? Entwickelt sich Hamburg hier in die richtige Richtung?

    Ja, auf jeden Fall. Ich teile komplett deine Meinung. (Obwohl ich eher in der Niederlande als in Dänemark ein Vorbild sehe)

    Geht es zu schnell, zu langsam oder zu planlos?

    Es geht auf jeden Fall nicht zu schnell, aber am Tempo des Veloroutenausbaus sehe ich nicht das Problem. Viel mehr, dass 1,35 m breite Schutzstreifen neu gebaut werden und als tolle neue Radinfrastruktur gefeiert werden. In den letzten paar Jahren hat sich einiges auch bei der Einstellung zum Radverkehr geändert. Zum Glück haben wir ja jetzt einen grünen Verkehrssenator, welcher sich auch für den Radverkehr einsetzt und bereits abgeschlossene Planungen überarbeitet (vgl. 4,75 m breiter Radweg am Ballindamm) oder für eine komplette Neuplanung sorgt (vgl. Berner Heerweg).

    Trotzdem wünsche ich mir auch von ihm eine höhere Willenskraft. Das Beispiel der Elbchaussee, wo die Planung erst vor wenigen Wochen fertiggestellt wurde, verschlechtert meines Erachtens nach die Situation für den Radverkehr. Hier und allgemein wäre ein anderer Ansatz an die Planung nötig um den Radverkehr zu stärken...

  • Das war in Hamburg ehrlich gesagt überfällig. Ich kann den Grünen als Partei und Anjes Tjarks als Senator nicht viel abgewinnen, aber Ausbau der Fahrrad-Infrastruktur ist eines der Themen bei denen sie meine volle Unterstützung haben.


    Für mich muss man das Thema 'Fahrrad' allerdings weiter denken als nur im Sinne von Fahrradwegen und Stadtrad Stationen.


    Wir bräuchten generell eine Abkehr vom Auto in der Stadt und wir bräuchten mehr stadtnahes Wohnen denn nur wer zentral wohnt nimmt morgens das Fahrrad zur Arbeit statt des Autos. Egal wie gut der Fahrradweg ist: es werden nie massenhaft Menschen von Bergedorf in die City Nord zur Arbeit radeln. Der grünste Verkehr ist vermiedener Verkehr - um glaubhaft grün zu sein müssten Urbanität und Dichte propagiert werden. Doch genau da kneifen dann grade die Grünen. Warum nicht mal den Mut haben zB der City Süd oder rund um den Bahnhof Rotenburgsort zehn Wohnhäuser von je 25 Etagen zu bauen oder Ähnliches? Warum kneifen die Grünen und trauen sich keinen neuen Anlauf beim Thema Stadtbahn?


    Kurz: Fahrradverkehr läßt sich nicht allein denken, sondern nur als Teil eines Ganzen: E-Möbilität, zentraler Wohnungsbau, Dichte, Stadtbahn, urbane Produktion, etc.


    Hier noch ein Link zum Infrastrukturatlas 2020 der (Grünen-nahen) Heinrich Böll Stiftung:


    https://www.boell.de/de/infrastrukturatlas


    PS: Ein weiterer wichtiger Baustein für bessere Mobilität in der Stadt wäre das eine neue Gesetzgebung und Rechtsprechung die konsequent und hart gegen das Beschmutzen, Beschädigen und Zerstören von öffentlicher Infrastruktur vorgeht. Aktuell werden zu viele Dinge noch so hingenommen oder als Kavaliersdelikt behandelt: Stadträder kaputt treten, Fahrräder klauen, Bushaltestellen Zerstören, auf Radwegen parken, Flaschen auf Radwege schmeißen, E-Roller auf Radwegen abstellen bzw liegen lassen. Wer sowas macht gehört dafür mit deutlichen Bußen belegt oder zu Arbeit verdonnert (Müllsammeln etc.)

  • Umbau der Elbchaussee startet


    In wenigen Tagen, am 11.1.21, starten die Bauarbeiten an der Elbchaussee. Ziel ist es, neben den nötigen Sarnierungsarbeiten von Stromkabeln, Gas- und Trinkwasserleitungen, mehr Platz für Radfahrer zu schaffen (insbesondere da ein paralleler Radweg am Elbstrand 2017 in einem Bürgerentscheid deutlich abgelehnt wurde).


    Nach einer Überarbeitung der Pläne wird die Straße abschnittsweise über sieben Jahre umgebaut und soll nun stellenweise Radstreifen (mit durchgezogener Linie vom Autoverkehr getrennt), bauliche Radwege und Mischverkehr (Tempo 30) erhalten. Dafür fallen teilweise Parkplätze weg. Erster Bauabschnitt ist zwischen Blankenese und Teufelsbrück.


    Quellen:

    - https://www.mopo.de/hamburg/dr…ern-sieben-jahre-37883660

    - https://www.mopo.de/hamburg/ho…ieben-jahre-lang-37481140


    Mehr Platz für Radfahrer in Altona


    Bezirksamtsleiterin Stefanie von Berg will an Hauptstraßen den Platz neu verteilen. So soll mehr für den Radverkehr (neue Radwege) und den ÖPNV (Busspuren) an den Magistralen getan werden. Dies steht in Zusammenhang mit der Aufwertung dieser Straßen durch Nachverdichtung. In Altona stehen hier die Osdorfer und Sülldorfer Landstraße sowie Luruper Hauptstraße im Mittelpunkt.


    Ist aber alles sehr vage..


    Quelle: https://www.abendblatt.de/hamb…ahrbahnen-reduzieren.html


    PS ( ksm-hh): Nachdem ich selbst vier Monate in Kopenhagen gelebt habe, ist die Stadt für mich definitiv absolutes Vorbild beim Thema Radverkehr - breite, konsequent vorhandene und in der Regel baulich von Auto- und Fußgängerverkehr getrennte Radwege, die zudem im Winter (teilweise) noch vor den Straßen von Schnee und Eis befreit werden, nette Gimmicks wie die Fahrradmülleimer oder Fuß-Abstellgeländer vor Ampeln, gute Ampelschaltungen, bedarfsgerechter Ausbau der Radwege und ein super Fahrradleitsystem. Außerdem viele Stellplätze und kurze Wege an Knotenpunkten zum ÖPNV (z.B. Norreport). Einfach top! Die Situation in den Niederlanden kenn ich leider zu schlecht, aber auch hier hört man ja viel positives ;)

  • Autofreier Jungfernstieg


    Der vor drei monaten provisorisch umgebaute Jungfernstieg (Durchfahrt nur noch für Busse, Taxis, Lieferverkehr und Radverkehr) inkl. Rückbau der fast unsichtbaren Radwege im Konflikt mit den vielen Fußgängern macht immer noch Probleme: Zuletzt ist der KFZ-Verkehr um 80% reduziert worden (ggü. 60% Reduktion direkt nach der Einführung), das Durchfahrverbot wird also immer noch häufig missachtet.


    Die CDU spricht - wenig überraschend - von "missglückter Symbolpolitik". Kritik kommt auch vom Einzelhandelsverband: Geringere Kundenfrequenz, schlechte Verkehrsleitung, verbesserungswürdige Aufenthaltsqualität.


    Verkehrsdaten von TomTom sprechen für ein verringertes Verkehrsaufkommen bzw. besseren Verkehrsfluss.


    Ein dauerhafter Umbau soll 2022 erfolgen.


    Quellen:

    - https://www.mopo.de/hamburg/ju…gegen-autofahrer-37892964

    - https://www.mopo.de/hamburg/-n…astischen-worten-37651394

    - https://www.abendblatt.de/hamb…e-polizei-geld-busse.html


    Meiner Meinung nach ein positiver Schritt, diese repräsentative Ecke Hamburgs aufzuwerten. Durch die Verbannung des Individualverkehrs und die sinkende Barrierewirkung steigt mMn die Aufenthaltsqualität deutlich, wovon sicher auch der Einzelhandel noch profitieren wird. Zum derzeitigen Zeitpunkt - Corona - ist der natürlich in einer sehr schwierigen Situation und Zahlen zur Frequenz werden sich noch längere Zeit nur schlecht mit Vor-Corona-Zahlen vergleichen lassen..

    Ich war leider noch nicht selbst da, aber wenn jemand Bilder hat, dann gerne her damit ;)

  • Die Seite hamburgize fasst - basierend auf einer Abendblatt-Serie - geplante Radverkehrsmaßnahmen für 2021 in den Bezirken zusammen: https://hamburgize.blogspot.co…mburgs-plane-fur-das.html


    Erstmal eine recht umfangreiche Liste, was natürlich (aus meiner Sicht) zu begrüßen ist. Schade finde ich, dass so häufig Schutzstreifen (=die schmalen, mit einer gestrichelten Linie von der Autofahrbahn abgetrennten Spuren) geplant sind, da diese meiner Meinung nach zwar oft eine Verbesserung darstellen, aber bezogen auf die (subjektive) Sicherheit sicher nicht der Hit sind (wenig Platz und man wird als Radfahrer oft eng von Autos überholt).


    Außerdem sollen sich die Ausgaben für den Radverkehr 2021 auf 64 Mio. € erhöhen (+66% im Vergleich zu 2020). Quelle: https://www.abendblatt.de/hamb…ene-Mobilitaetswende.html


    Und 2021 findet in Hamburg (bzw. digital) der 7. nationale Radverkehrskongress statt: https://www.nationaler-radverkehrskongress.de/

  • ^^


    Ich habe heute morgen zufaellig diesen Beitrag im NDR gesehen:


    Hamburg damals: Zehn Jahre nach dem Eppendorfer-Unfall


    2011 sterben vier Fußgänger. Schnell stellt sich heraus: Der Unfallfahrer hätte gar nicht am Steuer sitzen dürfen.


    NDR Bericht


    Dabei faellt mir auf, dass der eigenliche Schuldige oder zumindest Mitschludige vom NDR ueberhapt nicht erwaehnt wurde. Unter anderem Schuld an den (zu) zahlreichen Toten und Verletzten im Hamburger Stadtverkehr ist nicht zuletzt das hier. Es handelt sich bei allen Aufnahmen um innerstaedtische Kreuzungen in normalen Wohn- und Geschaeftsvierteln:



    strassen159jvt.jpg

    Bild: Google Maps


    strassen2hujlt.jpg

    Bild: Google Maps


    strassen3e2kcv.jpg

    Bild: Google Maps


    strassen4cpjgf.jpg

    Bild: Google Maps


    strassen56vkot.jpg

    Bild: Google Maps


    strassen6vejfa.jpg

    Bild: Google Maps



    VIele der oben Strassenkreuzungen oben sind ueberigens in den vergangenen Jahren neu gestaltet worden und die Bilder zeigen den aktuellen Zustand NACH der Umgestaltung.


    Und was plant man in Hamburg so fuer die kommenden Jahre:


    ha-21-06-21-zob-harbu2mkwh.jpgBild: Hochbahn Hamburg

  • Ich habe mich bei dem Beitrag dazu im Hamburg Journal auch gefragt, warum es überhaupt möglich ist, dass man in der Innenstadt auf über Tempo 100 beschleunigen konnte / kann...

    Das ist mir unverständlich.

  • Solange man nicht bereit ist, den innerstädtischen Autoverkehr deutlich zu beschneiden, wird es auch solche Kreuzungen geben. Dazu kommt, dass im letzten Bild dem Radverkehr auch die Möglichkeit gegeben werden soll, direkt links abzubiegen (und nicht durch erst geradeaus, dann links). Das führt dann auch mal zu solchen, sehr kompliziert aussehenden Kreuzungen.


    Passend dazu schneidet Hamburg im aktuellen ADFC Fahrradklima-Test wieder nur mittelmäßig ab. Mit einer Note von 4,1 landet Hamburg auf Platz 7 der 14 größten deutschen Städte (Spitzenreiter: Bremen). Besonders bemängelt werden viele Falschparker auf Radstreifen und ungünstige Ampelschaltungen. Viele fühlen sich zudem unsicher. Positiv wird hingegen das Stadtrad-Angebot und die Möglichkeit zur Mitnahme im ÖPNV bewertet.


    https://www.ndr.de/nachrichten…ttelfeld,fahrrad1252.html

  • Solange man nicht bereit ist, den innerstädtischen Autoverkehr deutlich zu beschneiden, wird es auch solche Kreuzungen geben.

    Das ist leider richtig. Ich hoffe allerdings, dass sich zu meinen Lebzeiten noch etwas daran aendern wird.


    Ein Artikel in der BILD Zeitung hat mich ausserdem heute daran erinnert, dass ich einen der 'schoensten' innerstaedtischen Plaetze in Hamburg in meiner Aufzaehung oben vergessen hatte:


    strassen7gljri.jpg

    Bild: Google Maps

  • Neuer Pop-up-Radweg


    Neben den schon bestehenden Pop-up-Radwegen am Schlump und in der Max-Brauer-Allee gibt es seit dieser Woche einen weiteren in der Hafencity zwischen Sandtorkai und Brooktorkai. Er ist 1,85 Kilometer lang und zwischen 2,80 und 3,70 Meter breit. Er soll außerdem während eines 1jähirgen Verkehrsversuches evaluiert werden.


    https://www.ndr.de/nachrichten…ncity,popupradweg112.html


    Interessant ist auch, dass es dort früher schonmal einen Radweg gab, welcher beim Bau der Hafencity im Zuge des vierspurigen Ausbaus des Sandtorkais im Jahre 2006 gestrichen wurde, siehe hier: https://hamburgize.blogspot.co…p-up-radspur-fur-die.html