Potsdam: Kunst- und Kreativquartier 'Alte Feuerwache'

  • Kunst- und Kreativquartier 'Alte Feuerwache'

    Auf dem Areal der ehemaligen Alten Feuerwache (Lage) zwischen Garnisonkirche und Altem Markt soll in den kommenden Jahren ein Kultur- und Kreativzentrum mit Ateliers, Wohnungen und Geschäften entstehen. Die Planungen für dieses Konzept laufen seit Längerem, doch im August wurde nun final der Siegerentwurf für die konkrete Ausgestaltung der verschiedenen Gebäude gekürt.


    Im Juli 2019 startete die öffentliche Ausschreibung des Sanierungsträgers ProPotsdam zur Vergabe des Grundstücks. Bis September 2019 konnten hierzu aussagekräftige Bewerbungen inklusive eines finanziell tragfähigen Nutzungs- und Baukonzeptes eingereicht werden. Zur gleichen Zeit wurde die ehemalige Rechnerhalle des benachbarten Rechenzentrums abgebrochen, um frühzeitig Platz zu schaffen für die zukünftigen Entwicklungen. Die Abrissarbeiten starteten im August 2019 und wurden drei Monate später abgeschlossen.

    Im November 2019 fand schließlich die finale Jurysitzung statt, bei welcher das Konzept des Investors Christopher Weiß mit seiner Firma Glockenweiß GmbH, als Sieger hervorging. In Kollaboration mit dem renommierten Architekturbüro MVRDV ist zuvor ein städtebauliches Konzept erarbeitet worden, welches für das Gesamtareal eine dreiseitige Bebauung sowie im Inneren des Quartiers freistehende Gebäude vorsieht.


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    Quelle: MVRDV, Potsdam Kreativ Quartier


    Mit seinem "Village"-Konzept setzte sich der Investor damit einstimmig gegen zwei Mitbewerber durch. Die geplanten Gebäude mit ihren unterschiedlich gestalteten Dachzonen sollen nach Fertigstellung etwa 20.000 m² Fläche für die Kreativwirtschaft und andere Nutzungen bereitstellen. Diese Flächen sind insbesondere auch für die Künstler und Kreativen aus dem benachbarten Rechenzentrum gedacht, welches nach aktuellem Stand 2023 zugunsten der wiederaufzubauenden Garnisonkirche abgebrochen werden soll. Nach ersten Berechnungen wird den Künstlern, welche das Projekt im Grundsatz befürworten, damit deutlich mehr Fläche zur Verfügung gestellt werden können, als aktuell im Rechenzentrum vorhanden ist (5.000 m²). Etwa 7.000 m² werden zu einer Anfangskaltmiete von neun Euro netto geschaffen.


    Auch im Hinblick auf die am Rechenzentrum angebrachte DDR-Mosaikkunst "Der Mensch bezwingt den Kosmos" wurden umfangreiche Überlegungen angestellt. Nach dem vorgestellten Konzept sollen die 1972 von Fritz Eisel geschaffenen 18 Plattenmosaike an den neuen Gebäuden innerhalb des Quartiers angebracht werden.


    Nachdem im Januar das Konzept durch die Stadtverordnetenversammlung beschlossen worden ist, begann direkt im Anschluss auf Grundlage der MVRDV-Masterplanung ein Werkstatt- und Dialogverfahren, zu welchem mehrere Architekturbüros eingeladen worden waren. Ziel dieses Verfahrens war die architektonische Detaillierung der Einzelgebäude im Einklang mit den Ideen von MVRDV und damit die Grundlagenschaffung für die spätere Realisierung vor Ort.

    Als Gewinner des Werkstattverfahrens ist in diesem Sommer das Berliner Büro Michels Architekturbüro hervorgegangen. Das städtebaulich und architektonisch ansprechende Konzept, welches in den nachfolgenden Visualisierungen sowie im Lageplan deutlich wird, hatte die Mitglieder der Auswahlkommission letztlich überzeugen können.


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    Der Innenraum des nachempfundenen Langen Stalls:


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    Quelle für den Lageplan und die vier Renderings: Michels Architekturbüro


    Wie sieht nun der weitere Fahrplan aus?

    Der Investur sucht nun, so wird es als Bedingung der Stadt bei der Grundstücksvergabe gefordert, einen Generalmieter. Dieser soll die insgesamt mindestens 8.000 m² Fläche, die in dem neuen Quartier für Künstler und Kreative vorgehalten werden soll, an letztere weitervermieten. Die Gespräche laufen bereits und man werde ein Interessenbekundungsverfahren einleiten. Ist der Generalmieter gefunden, wird das Grundstück zu einem Festpreis von elf Millionen Euro an den Investoren Christopher Weiß veräußert. 85 Millionen Euro möchte dieser in das Vorhaben investieren.


    Damit es soweit kommt, soll bereits Anfang 2021 der Bauantrag für den ersten Bauabschnitt, welcher u.a. den langgestreckten Baukörper im Bereich des ehemaligen Langen Stalls beinhaltet, eingereicht werden. Die Bauarbeiten sollen im gleichen Jahr beginnen, damit 2023 die benötigten Nutzflächen für die im Rechenzentrum beheimateten Kulturschaffenden und Kreativen vorgehalten werden können. Dies ist wiederum erforderlich und abgestimmt, damit das Rechenzentrum selbst geräumt und abgerissen werden kann. Ob dies so kommt, ist jedoch noch fraglich.
    Der Rest des Quartiers soll anschließend sukzessive weiterentwickelt werden.


    Am Ort des baldigen Geschehens wird unterdessen kräftig gewerkelt. Bauschutt und andere Abfallstoffe werden hierbei schrittweise vom Areal entfernt.

    Läuft alles nach Plan, könnte es hier in der zweiten Jahreshälfte 2021 bereits sichtbar losgehen mit dem Bau des Kultur- und Kreativzentrums.


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    Alle Fotografien sind durch mich aufgenommen und bei Gebrauch mit ©RianMa zu kennzeichnen. Vielen Dank.