• Auch wenn das hier etwas Überschneidung mit dem Thema „Radverkehr, Straßen, etc.“ hat, bin ich doch der Meinung, dass ein eigener Thread nicht schlecht ist. Man kann jetzt natürlich auch darüber streiten, ob das etwas in einem Städtebauforum verloren hat, aber ich finde schon, da es euch einen besseren Einblick in den derzeitigen Zustand der Stadt gibt.

    Doch worum geht es eigentlich? Nun, seit Februar bin ich Besitzer eines E-Bikes und habe seitdem versucht möglichst alle Strecken mit diesem oder dem ÖPNV zurückzulegen, um eines Tages vielleicht mein Auto zu verkaufen. Seit meinem 18. Lebensjahr bin/war ich Autobesitzer und mache jetzt den Schritt zum autofreien Leben. Am Sonntag ist die letzte Fahrt mit meinem KFZ und ich möchte euch gerne bei meinem Abenteuer „plötzlich autofrei in Nürnberg“ mitnehmen. Es dürfte schließlich auch für euch spannend sein zu sehen, wie das in unserer Stadt so funktioniert. Zur Einschätzung: Ich habe einen eigenen Stellplatz vor der Wohnung und auch am Arbeitsplatz gibt es ein großes Parkhaus mit ausreichend Stellplätzen. Da meine Arbeit außerhalb der Stadt liegt, ist die Öffiverbindung relativ schlecht und ich brauche mehr als doppelt so lange wie mit dem Auto. Auch mit dem Fahrrad brauche ich etwa das Doppelte.

    Warum tue ich mir das ganze dann an? Aus Überzeugung, da man nicht nur nach einer autofreien Stadt schreien kann, ohne selbst aktiv dazu beizutragen.

    Hat bereits einer von euch den Schritt gewagt? Oder interessiert euch das Thema erst gar nicht? Wenn dem so wäre, dann gebt bitte gleich Bescheid, da wir dann das Thema gleich wieder löschen können.

  • Wenn du doppelt so lange mit dem ÖNV zur Arbeit benötigst stellt sich mir die Frage warum du nicht ein kleines E-Auto für denn Alltag und dafür ein normales Fahrrad für Sport und Freizeit gekauft hast? Mit dem E-Bike kannst du ja vermutlich eher schlecht zur Arbeit fahren und innerhalb Nürnbergs tut es ja auch ein normales Fahrrad oder der ÖNV. Gleichzeitig bist du ohne eigenes Auto ja ziemlich unflexibel wenn du z. B. mal zu den Schwiegereltern oder sonstwohin fahren möchtest wo es vielleicht keinen perfekten ÖNV-Anschluss gibt. Ich verstehe ja wenn man in Städten wie Berlin kein eigenes PKW benötigt aber man sollte sich schon fragen ob man sich nicht auch das Leben unnötig schwer macht wenn man auf Teufel komm raus auf ein Fahrrad umsteigt. Nur weil man ein Auto besitzt heißt das ja auch noch lange nicht das man alle Strecken auch mit dem Auto zurücklegen muss. Um das Ganze hier abzuschließen, mir persönlich wäre es zu blöd doppelt so lange zur Arbeit und zurück zu benötigen.

  • Tatsächlich bin ich seit Februar (außer 5 Mal) immer mit dem Fahrrad gefahren. Für mich ist es nämlich eigentlich kein Zeitverlust, da ich sonst meist noch eine Runde mit dem Rad gedreht hätte und das so schon hinter mir habe. Auf dem Rückweg kann man ja die Unterstützung ausschalten. Auch in den Öffis kann man die Zeit „sinnvoll“ nutzen und Zeitung lesen oder neue Beiträge in diesem Forum hier schreiben. Die ganze Idee mit dem Leben ohne Auto ist ohnehin aus der Idee heraus entstanden, ein kleines Elektroauto anzuschaffen, das derzeitige Auto wäre also ohnehin weg gekommen, aber vielleicht geht es ja auch ganz ohne. Ich habe außerdem nicht gesagt, dass ich niemals ein Auto benutzen werde. Es gibt ja für einen Großeinkauf immer noch Carsharing oder für den Urlaub Leihwägen.

  • Gut, wenn du das so hinbekommst und du auf dem Weg zur Arbeit schon ein Freizeiterlebnis hast scheint es ja für dich gut zu funktionieren. Darf man fragen was für ein E-Bike du dir gekauft hast?

  • Die Diskussion rund um das Thema "autofreies Leben" klingt oft so exotisch, als ob das was Besonderes oder Rares oder Nischenhaftes oder eine Berliner Besonderheit sei. Daher kurz der Hinweis, dass "autofreies Leben" auch in Nürnberg nix Neues ist. Zwischen 23% und 39% (es gibt unterschiedliche Statistiken aus verschiedenen Jahren) der Nürnberger Haushalte haben gar kein Auto; für jeden vierten bis dritten Haushalt ist autofreies Leben also seit langem Alltag. https://www.nuernberg.de/imper…monatsbericht_2014_04.pdf

  • Das Problem beim Fahrrad sind vor allem Fahrradwege, die entweder nicht existieren oder unsicher sind. Das sind aber beides Sachen, die wir relativ simpel lösen können. Was wir jedoch nicht lösen können, das sind die Witterungsbedingungen. Und da ist es egal, ob Fahrrad, eBike, eScooter und andere Sachen, die meisten Leute werden im Herbst und Winter nicht alternative Fortbewegungsmittel verwenden. Zum einen weil das Gefahrenpotential höher ist (nasses Laub, Glätte, Schnee etc.), zum anderen weil es einfach unangenehm ist. Übrigens auch ein Grund, warum ich kein eBike habe.

  • Das "Autofreie leben" ist finde ich ist schon etwas Besonderes, nämlich für jene, die seit dem 18. Lebensjahr einen Führerschein haben und seither immer einen eigenen PKW besaßen oder zumindest 24/7 auf ein Fahrzeug zugreifen konnten. Für viele Menschen, auch in meinem persönlichen Umfeld ist das festhalten am Auto vollkommen alternativlos. Es ist als würde man planen sein eigenes Badezimmer abzuschaffen, da es ja Frei- und Schwimmbäder, Fitnessstudios oder soetwas gibt und vor 100 Jahren hatte ja auch kaum jemand ein eigenes Badezimmer.


    Kurzum: Wir haben einen Auto, ich nenne es aber eher Stehzeug. Und solange ich in meinem Wohnumfeld kostenlose Stellplätze vorfinde, die von der Stadt mit Steuergeldern gepflegt werden, stelle ich mein Auto dort ab wenn ich es nicht brauche. Das sind oft auch schonmal zwei, drei, vier Wochen am Stück, ohne dass es bewegt wird. Ganz selten brauchen wir es doch mal wegen der berüchtigten (Schwieger-)Eltern, die in schwer zugänglichen Gegenden wohnen oder eben um Baumaterial und -schutt zu transportieren. Gefühlt kostet mich das Auto nix, ich tanke alle 3 bis 4 Monate mal, die Versicherung und Steuern sind nicht der Rede wert. Bahnfahren zu zweit ist da nicht günstiger.


    Innerhalb Nürnbergs jedoch bin ich passionierter Radfahrer, und lege jede Strecke mit dem Rad zurück. Wenn ich etwas mit dem Rad nicht transportieren kann wird es nicht gekauft oder eben irgendwann mal mit dem Auto. Einkäufe machen wir grds. mit dem Rad, und fahren dazu auch gerne mehrmals los und steuern mehrere Geschäfte nacheinander an. Meine Liebste fährt ebenso gerne mit dem Rad, insofern sind wir dann ja auch mit 4 Reifen unterwegs :-)


    Als Radfahrer nerven mich v.a. unkonsequente Radwegeführungen, die einfach unvermittelt aufhören (Gibitzenhofstraße) oder in Schlangenlinien mit Fußwegen verlaufen (Laufertorgraben) oder beschwingt um irgendwelche Betonpfosten herumgemalt wurden (Königstor, Frauentorgraben). Besonders schlimm finde ich, dass die Radwege dort "aufpoppen" oder medienwirksam eingerichtet werden, wo man sie kaum benötigt, da es ohnehin eine verkehrsruhige Gegend ist mit viel Platz (Rennweg) und dort, wo der Platz knapp wird und eine klare, gerechte Platzzuteilung hilfreich wäre, verschwinden sie einfach (Steinbühler Straße, -tunnel). Ebenso ärgere ich mich immer häufiger über mitten auf dem Weg abgestellte e-Roller. Die tät ich am Liebsten im großen Bogen auf die Straße schmeißen. Trotzdem fahre ich in Summe gerne Fahrrad, da ich damit schnell bin, immer einen Stellplatz finde, mich fit und gesund halte und auch im Sinne dieses Forums viel zu sehen bekomme und fotografieren kann.


    Immer wenn ich das Auto nehme bin ich nach wenigen Metern schon vom Stau genervt oder der Parkplatzsuche oder einfach den verstopften Straßen. Da wünsche ich mir jedesmal meinen Sattel unter dem Hintern zurück. :-)

  • Also ich hatte nie ein eigenes Auto. Nach der Schule auf dem Land nutzte ich das meiner Eltern und zum studieren bin ich ja nach NBG gezogen und brauchte keines mehr. Daher empfinde ich autofreies Leben in der Stadt so garnicht herausfordernd, auch die meisten gleichaltrigen Bekannten, die es in die Großstadt zog haben kein eigenes. Mit dem Fahrrad kommt man in Nürnberg sehr gut rum trotz mangelhafter Infrastruktur, und die Stadt meiner Eltern hat zum Glück noch eine relativ gute Zuganbindung. Leider braucht man zu den Freunden dort auf dem Land fast zwingend ein Auto. Dabei finde ich, dass auch auf dem Land ein autofreies Leben mit kleinen, nicht aber wie jetzt mit riesigen Entbehrungen möglich sein muss.

    Wenn ich was transportieren muss, leihe ich mir ein Auto von meinen Eltern. Für beide habe ich einen Anwohnerparkausweis, der sich mit nur 30€/Jahr lohnt, obwohl die Autos nur 5-6 mal im Jahr hier sind. Schön für mich, aber so ganz im Sinne des Erfinders kann das ja nicht sein.

    Es gibt aber auch z.B. https://lastenradfueralle.de/ zum ausleihen. Mit dem großen Lastenrad stellten die unzureichenden Radwege und Falschparker für mich aber eine deutlich größere Herausforderung dar als mit dem Trekkingrad... Carsharing gibt es aber auch noch.

    P.S.: Im Winter radeln ist übrigens kein Problem, machen in Erlangen sehr viele. Und Regenschauer kann man in der Regel abwarten. Wenn nicht ist das halt nur etwas unangenehm, aber nicht gesundheitsgefährdend (Alltagsfahrten mit dem Rad sind ja nur selten länger als 30 min).

  • Ich stelle mal eine Hypothese auf, die Autofreie Stadt die gibt es nicht.

    - Neu, An- oder Um-Bauen, Sanieren, Reparieren..

    - Einzug, Auszug
    - Einkaufen

    - Abfälle

    - Lieferdienste - Wann kann ich nicht mehr selbst vor die Tür fahren.

    - Feuerwehr

    - Polizei


    Und was ist mit Menschen die sich schwerer tun, Ältere, eingeschränkte, usw... Was ist hier dieLösung?

    Für den Großeinkauf möchte Lieblinksfranke ja auch gerne ein Auto nutzen.

  • Vollkommen richtig. Die autofreie Stadt gibt es nicht (hat auch niemand behauptet). Autofreies Leben in der Stadt natürlich schon.


    Und eine zeitgemäße, nachhaltige städtische Mobilität als Daseinsvorsorge muss so ausgerichtet sein, dass alle, die autofrei leben müssen oder wollen, das tun können. Das ist allein schon im Sinne einer Stadt notwendig, die heute lebenswert sein will. Und das bedeutet eben auch, die immer noch spürbare Autozentriertheit abzubauen.


    Das ist in jeder Großstadt möglich, auch wenn (auch oder erst recht in Nürnberg) noch ausbaufähig.

  • Danke für die Anregung, Lieblingsfranke. Ich finde das Thema städtebaulich hochrelevant und dein Projekt spannend. Weil wir das auch probiert haben, will ich hier mal unsere Erfahrungen teilen, auch wenn wir nicht (mehr) in N wohnen.

    Unser Familienrat hat nach 25 Jahren mit eigenem KFZ (z.T. sogar 2) eines schönen Tages beschlossen, es ohne eigenes Auto zu probieren (VW-Schummeldiesel sei Dank). Ich habe das mitgetragen, war aber eher skeptisch. Insgeheim hab ich dem Experiment maximal 6 Monate gegeben.

    Jetzt, vier Jahre später, haben wir entgegen meiner Erwartungen kein neues Auto. Was hat sich in der Zwischenzeit geändert? Wir erledigen eigentlich alles innerhalb der Stadt mit dem (normalen) Fahrrad oder zu Fuß (Arbeitsweg, Standardeinkauf, Shoppen, Schule usw.). Bei mir macht das rund 100 Rad-km pro Woche. Für alles weiter Entfernte oder Transporte (Baumarkt, Großeinkauf, Schwiegereltern, Urlaub) nutzen wir Carsharing oder die Bahn. Den innerstädtischen ÖPVN nutzen wir kaum noch.

    Meine innere Definition von schlechtem Wetter (= fahrraduntauglich) hat sich in den Jahren deutlich verschoben. Am Anfang waren das vielleicht 3 Tage pro Monat, inzwischen nur noch 3 pro Jahr (Sturm, Glatteis). Dafür haben wir jetzt ordentliche Regenklamotten.

    Für mich persönlich ist der Verzicht aufs eigene Auto schon lange keiner mehr. Tatsächlich empfinde ich es inzwischen als deutliche Verbesserung der Lebensqualität und die Kinder kennen es kaum noch anders. Der Gedanke wieder ein eigenes Auto zu besitzen bereitet mir eher Beklemmungen. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich das Carsharing-Auto abgebe, dass ich mich nicht um irgendein Quitschen, TÜV, Reifenwechsel u.ä. kümmern muss. Ganz nebenbei: obwohl wir regelmäßig Carsharing nutzen (ca. 5000 km/a), fahren wir auch mit den extra Bahntickets noch deutlich günstiger als mit eigenem Auto.

    Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass wir nicht mehr ganz taufrisch sind und weder ausgewiesene Sportskanonen noch Fahrradfanatiker. Trotzdem fehlt mir inzwischen was, wenn ich mal ausnahmsweise nicht mit dem Rad zur Arbeit kann. Zugegebenermaßen hat sich auch meine Einstellung zu den überall rumstehenden, kaum genutzten Blechkisten dadurch etwas radikalisiert.

    Das Carsharingnetz wird ja immer dichter (auch wenn N da etwas Nachholbedarf hat). Je mehr sich das durchsetzt, desto besser für die Städte und desto mehr Platz für Fußgänger, spielende Kinder, Radfahrer und Bäume. Im Übrigen halte ich das nicht nur für ein Modell für den aufgeklärten Städter. Auch z.B. das Ömchen auf dem Lande, das sein Auto zweimal die Woche bewegt um einzukaufen oder die Enkel zu besuchen, könnte mit Carsharing viel Geld und Nerven sparen.

    Lieblingsfranke, ich wünsche ähnlich gute Erfahrungen bei deinem Experiment. Und ich glaube, ein Leben ohne eigenes Auto wäre für viele andere auch gut machbar. Am besten einfach mal ausprobieren!

  • Zitat von Boletus

    Das Carsharingnetz wird ja immer dichter (auch wenn N da etwas Nachholbedarf hat). Je mehr sich das durchsetzt, desto besser für die Städte und desto mehr Platz für Fußgänger, spielende Kinder, Radfahrer und Bäume. Im Übrigen halte ich das nicht nur für ein Modell für den aufgeklärten Städter.

    Nutzen heute 1.000 Personen zum Zeitpunkt T ihr eigenes Auto, ändert sich an der benötigten Verkehrsfläche nichts, nur weil die 1.000 Personen künftig zum Zeitpunkt T ein Carsharing-Auto nutzen. Einen positiven Effekt auf den Städtebau hat das nur, wenn sich gleichzeitig das grundlegende Mobilitätsverhalten (wie in deinem Fall) in Richtung ÖPNV / Rad / ggf. Roller aller Art wandelt.

    Aktuell sehe ich - und die steigenden Motorisierungsdichten (Anzahl KFZ / 1.000 Einwohner) verdeutlichen es - noch keinen positiven Effekt des Carsharing Systems auf den städtischen Individualverkehr. Eher im Gegenteil, so sehe ich in meinem Umfeld immer wieder, wie trotz eigenem Auto, spontan Carsharing Angebote genutzt werden.

    Zitat von Boletus

    Auch z.B. das Ömchen auf dem Lande, das sein Auto zweimal die Woche bewegt um einzukaufen oder die Enkel zu besuchen, könnte mit Carsharing viel Geld und Nerven sparen.

    Und wie kommt das Carsharing-Auto in unseren präautonomen Zeiten wirtschaftlich zur Oma auf´s Land ;)?

  • Nutzen heute 1.000 Personen zum Zeitpunkt T ihr eigenes Auto, ändert sich an der benötigten Verkehrsfläche nichts, nur weil die 1.000 Personen künftig zum Zeitpunkt T ein Carsharing-Auto nutzen.

    Das sehe ich etwas anders. Die meisten Autos stehen ja den Großteil des Tages nur rum (und verbrauchen dabei Platz, den man anders nutzen könnte). Wenn in unserem Viertel 100 Familien wie wir sporadisch ein Auto brauchen und Carsharing nutzen, dann reichen vielleicht 10-20 Autos aus um den Bedarf abzudecken (dazu gibt’s sicher genauere Zahlen, die ich aus dem Stehgreif nicht kenne). In diesem Fall bräuchte ich also nur 10-20 Parkplätze statt 100 oder 150. Und wenn mache Leute auf ihren Zweitwagen verzichten, weil sie gelegentlich Carsharing nutzen, gilt das ebenso.


    Und wie kommt das Carsharing-Auto in unseren präautonomen Zeiten wirtschaftlich zur Oma auf´s Land ;) ?

    Wenn das politisch gewollt ist (und ich halte das im Sinne des Allgemeinwohls für sinnvoll), dann muss man die Menschen halt überzeugen (bei E-Rollern hat's ja offensichtlich geklappt). Im Zweifelsfall mit finanziellen Argumenten. Wenn es ausreichend Nutzer gibt, werden sich die einschlägigen Anbieter sicher nicht zieren.

  • Das Argument "wenn 100 Leute zum Zeitpunkt X Carsharing nutzen..." finde ich genauso komisch wie "wenn alle Leute Elektroautos fahren und gleichzeitig aufladen...". Ja, wenn. Das passiert aber in der Regel nicht, da alle zu unterschiedlichen Zeitpunkten einkaufen/Verwandte besuchen etc. Nur beim Pendeln gebe ich Recht, dafür ist Carsharing nicht unbedingt geeignet.

    Und natürlich haben Autokonzerne kein Interesse daran, auf dem Land Carsharing Angebote zu machen solange sie dort auch noch Zweit- und Drittwagen verkaufen können. Doch wenn ich mir die KFZ Werkstattrechnungen meiner Freunde auf dem Land so ansehe denke ich, dass irgendwann auch die Leute dort keine Lust mehr auf den Autobesitz haben. Und dann gewinnt halt der erste der dort ein entsprechendes Sharing Angebot macht, bzw. müssen dann die anderen nachziehen...

  • Einen städtebaulichen Effekt hat Carsharing dann, wenn sukzessive Stellplätze im öffentlichen Raum reduziert werden. Bremen versucht dies, die haben auch die längste Erfahrung mit CS: Dort ersetzt ein CS-Auto mittlerweile bis zu 19 private Pkw. Mit Ihrem Angebot an Mobilpunkten und -Pünktchen haben sie mittlerweile flächenhaft CS in vielen Stadtteilen, und reduzieren schrittweise die öffentlichen Stellplätze dort. Nicht immer im Verhältnis 1:19, aber doch spürbar.


    Nur so macht CS auch städtebaulich Sinn, womit auch der Bogen geschlagen wäre zu diesem Forum: Den freiwerdenden Platz kann ich nutzen für Baumpflanzungen im Straßenraum, Aufenthalt, Begegnung und mehr Lebensqualität.

  • Zitat von Boletus

    Die meisten Autos stehen ja den Großteil des Tages nur rum (und verbrauchen dabei Platz, den man anders nutzen könnte).

    Oben bezog ich mich auf den fließenden Verkehr, also Fahrspuren, Straßenerschließung. Der reine Parkplatzbedarf nimmt bei ausreichender und ausschließlicher (!) Carsharing Nutzung natürlich ab, da stimme ich dir völlig zu. Stellplatzschlüssel zu reduzieren, wäre nicht nur eine mögliche Konsequenz, sondern mitunter auch Treiber des Carsharing.


    Zitat von Boletus

    Wenn das politisch gewollt ist (und ich halte das im Sinne des Allgemeinwohls für sinnvoll), dann muss man die Menschen halt überzeugen (bei E-Rollern hat's ja offensichtlich geklappt). Im Zweifelsfall mit finanziellen Argumenten. Wenn es ausreichend Nutzer gibt, werden sich die einschlägigen Anbieter sicher nicht zieren.

    Naja, gerade auf dem Land gibt es jedoch keine ausreichende Anzahl konzentrierter Nutzer. Das Geschäftsmodell Carsharing ist bei weitem nicht so ertragreich (u.a. ein Grund für das Zusammengehen von DriveNow & Car2Go), dass auch dort ein Carsharing Pool rentabel eingerichtet werden könnte - unabhängig davon, ob der Anbieter nun zugleich OEM ist oder nur Dienstleister.

  • Den "Stellplatzschlüssel" halte ich ohnehin für städtebaulich überholt und gar destruktiv. Er zwingt Bauherren dazu Stellplätze zu schaffen, wodurch die Bauprojekte teurer werden und zusätzlich das Verkehrsvolumen erhöht wird. Das wäre m.E. eine der ersten Schritte, die man von Öffentlicher Hand angehen könnte. Einfach streichen! Niemand wird ihn vermissen, die positiven Effekte aber wird man sehr schnell sehen. Wieso man hier nicht den Markt machen lässt, sondern per Verordnung weiterhin Autolobbyismus betreibt verstehe ich nicht. Logisch wäre eine Vorschrift, die sagt dass ein Neubaugebiet mit einer entsprechenden Einwohnerdichte zwingend einen ÖPNV-Anschluss haben muss. Gestaffelt nach Dichte genügt entweder ein Bus, oder eine Straßenbahn oder, bei hoher Dichte eben eine U-Bahn.

  • bauigel
    Das Thema hat hier schon den Namen Autofreie Stadt bekommen.
    Ein persönliches Leben ohne Auto, das ist ja eine freie Entscheidung die jeder treffen kann.

    Aktuell haben wir eher einen austausch wie eine Stadt Ihre Verkehrskonzepte weiterentwickeln kann und das der Verkehr nicht nach dem Auto gerichtet werden sollte.

    Grundsätzlich geht es, man muss es nur wollen.
    Das ÖPNV Netzt ist gut (besser geht immer), jeder kann damit Fahren und kommt überall hin.

  • Durch den eben schon im Fürth-Thread angerissenen Bau des Quartierparkhauses an der Gebhardtstraße, kann man hier mal den städtebaulichen Einfluss diskutieren. Natürlich ist es fraglich, für geopferte Parkplätze noch ein Vielfaches zusätzlich zu errichten, aber immerhin wird die Hornschuch-Promenade jetzt fast autofrei! Nachdem ich dort gestern unterwegs war, wollte ich ohnehin mal anregen, ob die nicht mal eine Umgestaltung nötig hätte, aber die kommt jetzt wohl schon nächstes Jahr. Sorgen mache ich mir da eigentlich keine, da die Stadt Fürth bei solchen Vorhaben deutlich mehr Geschick beweist, als der große Nachbar. Ich persönlich würde mir dort wünschen, die Wege innerhalb des Grünstreifens zu entfernen und dort lediglich eine Art Liegeweise draus zu machen. Also ziemlich genau das, was die Hallerwiese in Nürnberg bereits ist. Die seitlichen Straßen dann statt Asphalt mit Fürths fahrradfreundlichem Innenstadtpflaster versehen und schon hat man eine sehr schöne Promenade, die von allen Verkehrsteilnehmern gut genutzt werden kann. Dann fehlt „nur“ noch die Freiheit als Verbindungsstück und man hat die Fußgängerzone quasi verdoppelt. Eine Sperrung der Luisenstraße versteht sich dabei hoffentlich von selbst.

  • Man könnte in der Tat den Mittelstrefen der Hornschuchpromenade begrünen und mit Kunst bestücken. Die Länge und Weite gäbe das her, dazu noch ein paar gut gepflegte Blumenrabatten, das könnte fast etwas barock wirken. Ja, die Hornschuchpromenade ist schon das wertigste, was der Großraum an Wohnkultur zu bieten hat! Wir haben uns da vor vielen Jahren mal eine Wohnung angesehen, gehört zwar nicht zum Thema, aber es ist einfach zu schön um nicht gezeigt zu werden: