Radverkehr, Straßennetz, Parkraumbewirtschaftung

  • So nett das im ersten Moment auch ausschaut, ist das trotzdem der falsche Schritt. Wasserflächen sind ebenso „tote“ Flächen wie Straßen. Einen langen Park fände ich da schon wesentlich sinnvoller. Natürlich ist aber beides absolut illusorisch und wird zu meinen Lebzeiten in Deutschland so nicht mehr kommen, aber ein schönes Gedankenspiel ist es natürlich trotzdem.

  • "Tote flächen" finde ich hier stark übertrieben, aber sonst hast du wohl recht.

    Es ist aber dennoch beeindruckend wie unterschiedlich die Wirkung ist. Das zweite Bild ist ganz klar Nürnberg an einer seinter tristesten Ecken, das erste hingegen für mich ein herausragender Ort, den ich vielleicht irgendwo in Südbayern oder Ostdeutschland vermuten würde.

  • Man könnte noch einen Schritt weitergehen und fordern, dass der FSW komplett zurückgebaut wird und als Gewässer wiederhergstellt wird. Die anliegenden Wohnlagen würden massiv profitieren, wie dieser Bildvergleich des sog. "Dianablock" in Gibitzenhof deutlich macht:


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    Fotos: Privat


    Ich denke man sieht an diesem Bildvergleich sehr gut, wie der Straßenverkehr die Wohn- und Lebensqualität beeinträchtigt, und dass seine Verdrängung immer zu einer Aufwertung der Lebensqualität führt. Die Leute orientieren sich um und wählen komfortablere Alternativen, die allgemeinverträglicher sind. Andere Wege, andere Verkehrssysteme, anderer Lebensstil.


    Dass der heutige Frankenschnellweg einmal ein solches Idyll war, ist erstaunlich bis erschreckend, und war mir bisher nicht bekannt. Es verdeutlicht, wie sehr sich die Stadt in der Nachkriegszeit an Nützlichkeitserwägungen und an der Automobil- und Verkehrseuphorie ausgerichtet hat. Da wurden Schneisen geschlagen, bei denen man heute denkt: Ohne Sinn und Verstand. Innerhalb der sensiblen Altstadt gilt das ja z.B. für überdimensionierte Verbreiterungen kleiner Straßen und Gassen wie Färberstraße oder Obstmarkt. Vor lauter Begeisterung darüber, dass man überallhin mit seiner Karosse in den Betrieb fahren kann, ist das Gefühl verloren gegangen, dass man sich in seiner Stadt auch noch wohl fühlen können sollte.



    Die Zeichen der Zeit stehen auf Home Office, ÖPNV, Ausbau des Radverkehrs. Die Modernisierung einer innenstädtischen Schnellstraße wirkt da auf bizarre Weise aus der Zeit gefallen.



    Ein Rückbau ist natürlich illusorisch. Ich fürchte auch „realpolitisch“, dass ein etwaiger Rückbau dazu führen würde, die parallel verlaufende Fürther Straße massiv zu belasten. Das fände ich fast den worst case, denn im Grunde ist das die einzige Straße in Nürnberg, die sich zu einer Art großstädtischem Boulevard entwickeln könnte. Die umliegenden Gründerzeitviertel erleben ja eine schrittweise Renaissance.



    Zum Abschluss noch eine Wissensfrage: Darf eigentlich Schwerlast-Durchgangsverkehr, der auf der A73 von Norden oder Süden kommt, den innerstädtischen Frankenschnellweg befahren? Falls das bisher noch gestattet ist, müsste der doch als allererstes auf die A3 und A9 umgeleitet werden.



    [geschrieben in der Mittagspause im Home Office]

  • Das ist afaik noch nicht der Fall, soll im Falle eines Ausbaus aber kommen, genauso wie Tempo 60 auf der gesamten Ausbaustrecke. Auf Grund des permanenten Staus mit häufigem Wiederanfahren macht das für den Schwerlast-Durchgangsverkehr aber imo jetzt schon keinen Sinn, den Frankenschnellweg zu nehmen - esseidenn auf den anderen Strecken ist komplett dicht.

  • Zum Abschluss noch eine Wissensfrage: Darf eigentlich Schwerlast-Durchgangsverkehr, der auf der A73 von Norden oder Süden kommt, den innerstädtischen Frankenschnellweg befahren? Falls das bisher noch gestattet ist, müsste der doch als allererstes auf die A3 und A9 umgeleitet werden.


    Der Jurist sagt bei sowas meist: "kommt darauf an." Aktuell gibt es auf dem FSW keine Einschränkungen für den LKW-Verkehr. Wäre ja auch absurd, da der FSW gerade der An- und Ablieferung und der Entlastung der angebauten Straßen dient.

    Trotzdem hat die Stadt Nürnberg das mit dem Bund Naturschutz für den ausgebauten FSW vereinbart. Dann soll es, wenn die Mitglieder des BN zustimmen und der Tunnel eröffnet wird, u.a. ein Durchfahrtsverbot für LKW über 7,5 t zGg. geben.


    Das ist mMn. aber reine Augenwischerei!

    1. gibt es heute nur wenig Durchgangsverkehr, da es außenrum meist schneller geht.
    2. d.h. der größte Teil des LKW-Verkehrs ist wie oben geschrieben An- und Ablieferverkehr
    3. der ist auch zukünftig erlaubt, wird also nicht weniger
    4. soll der Ausbau gerade dazu dienen, weiteren Verkehr zu sammeln und aufzunehmen, um andere Straßen zu entlasten
    5. es wird also eher mehr (Lkw-)Verkehr
    6. wird das ein Verbot rechtlich schwer machen

    Fordern kann man so was natürlich und auch "politisch" vereinbaren. Ich bin aber gespannt, was passiert, wenn der erste Lkw-Fahrer der ein Bußgeld zahlen soll, dagegen klagt. In Dtl. gilt für Straßen i.d.R. die freie Nutz- und Befahrbarkeit. Jede Ein- und Beschränkung muss juristisch gut und wasserdicht begründet sein. Für Lkw-Durchfahrtsverbote kommen dafür regelmäßig Lärm, Schadstoffe, Feinstaub und Mautumgehung in Frage (siehe bspw. https://www.bussgeldkataloge.de/lkw-durchfahrtsverbot/). Zumindest bei den ersten drei Punkten möchte ich die Begründung sehen, die es schafft, das Durchfahrtsverbot aus diesen Gründen zu legitimieren. Wird doch der FSW lt. Stadt und Befürwortern und der Begründung in der Planfeststellung genau deswegen ausgebaut, also um andere Straßen zu entlasten und die (wenigen) Anwohner durch den Deckel im Bereich Steinbühl zu schützen! Bleibt wohl nur die Maut, was aber auch widersinnig ist, könnte man damit doch zumindest einen Teil der Kosten decken.


    Man kann es also drehen und wenden wie man will, der FSW ist verkehrlich, rechtlich und finanziell einfach dumm aufgezogen. Aber so ist das manchmal bei "politischen Entscheidungen"...

  • In einem recht uninteressanten Artikel gibt es eine spannende Information:

    Weiter wird der Plan verfolgt, die A73 zwischen dem Kreuz Fürth/Erlangen und Erlangen-Bruck sechsstreifig auszubauen. Im Gespräch sind dafür sowohl eine Einhausung des Abschnitts als auch die deutlich teurere Tieferlegung der Strecke. Der Bund erstellt gerade eine Kosten-Nutzen-Analyse, um den Jahreswechsel wird mit dem Ergebnis gerechnet.“

    Mir war zumindest bisher nicht bekannt, dass es schon so bald erste Informationen zum Ausbau geben soll. Das ist nämlich ein Projekt, das Erlangen richtig viel nutzen wird. Egal ob als Tunnel, oder als Einkastung, die durch die Autobahn zerschnittene Stadt kann hervorragend wieder zusammenwachsen. Wer in der Ecke öfter mal mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs ist, der weiß auch, wie schlimm die Teilung an dieser Stelle tatsächlich ist.

  • Der Stadtrat hat ein grobes erstes Konzept für die Umsetzung des Radentscheids vorgelegt.

    Schön, auch dass Fußwege breiter werden sollen, in der Bahnhofstraße und Wölckernstraße z.B. ist das unter aller Kanone.

    Angesichts der aktuellen Geschwindigkeit des Ausbaus kommen mir aber Zweifel ob man bis 2030 einen ordentlichen Zustand eines flächendeckenden Radwegenetzes erreichen kann. Auch daran ob das Zuparken dann wirklich genau kontrolliert wird. Im Moment herrscht hier Wilder Westen!

  • Tatsächlich war ich bis zu diesem Artikel der Meinung 2,50 m sei sowieso die empfohlene Mindestbreite für einen Gehsteig, aber da hatte ich mich wohl, wie man am Stadtbild ja auch vielerorts sieht, eindeutig getäuscht... Ich traue den Aussagen zumindest erst, wenn konkrete Auswirkungen sicht- und spürbar sind.

  • Die erste gescheide Fahrradstraße in Fürth kommt in der Dambacher Straße. Eine wirklich gute Wahl, wie ich finde. Der wenige dort verkehrende Autoverkehr ist bisher schon sehr zuvorkommend Radfahrern gegenüber und es wird deshalb auch sicherlich eine hohe Akzeptanz bei den Autofahrern geben. Hoffentlich fliegt dann aber noch das Kopfsteinpflaster zwischen Amalienstraße und Johannisstraße raus, denn das nervt wirklich jedes Mal, wenn ich da lang fahre (was ziemlich häufig vorkommt, ich werde also laufend von den Baumaßnahmen berichten können).

  • Nun denn: es geht weiter mit dem Radentscheid, bzw. eben nicht: Die Fronten sind wohl verhärtet.

    Das jetzige Kompromiss Paket wird von den den Grünen abgelehnt.

    Andreas Krieglstein (CSU) hält die Forderungen für teilweise nicht umsetzbar, geht davon aus dass es zum Bürgerentscheid kommen wird und beschwert sich dass man dann nicht einmal mehr neue Parkhäuser bauen dürfe.

    Das weisen die Radentscheid Initiatoren zurück und zeigen sich ebenfalls enttäuscht über die Kompromisse.


    Ich persönlich brauche auch keinen verwässerten Radentscheid. Und auch kein Gesamtkonzept für alle Verkehrsteilnehmer (TM), denn das bedeutet eigentlich nur: Gesamtkonzept, wie man doch noch überall mit dem Auto hinfahren kann. Und dass es unzumutbar sein soll, Radwege sauber zu halten (Krieglstein) kann jawohl auch nicht sein Ernst sein?

  • (leider wieder mal) typisch Nürnberg. Die Politik will ein weiteres Konzept. Woran es in dieser Stelle nicht mangelt, sind Konzepte (darunter durchaus einige gut und gelungen wie Freiraumplan, Stadt am Wasser, NVEP). Woran es sehr mangelt, ist die Umsetzung.


    Ich hoffe die Initiatoren bleiben standhaft und lassen sich nicht mir leeren Versprechungen über den Tisch ziehen. Beim 365€-Ticket versuchen sich der neue OB und seine CSU gemeinsam mit dem Kämmerer bereits mit dem Zurückrudern.

  • Die Medienwerkstatt Franken hat einen Film über den Frankenschnellweg Ausbau gedreht.

    Dieser ist kritisch und zeigt BUND und VCD Verantwortliche, aber auch BefürworterInnen aus der Stadt kommen zu Wort (OB König z.B.).

    Es wird impliziert, dass zusätzliche Spuren nur gebaut werden, damit man auch Förderung für den Lärmschutz erhält (gibt es nur bei Ausbau). KA, ob das so stimmt.

    Der Aussage, dass der Frankenschnellweg das Ringstraßenkonzept konterkariert würde ich auch zustimmen. Den Rest hatten wir glaube ich mehr oder weniger schon in diesem Thread.

    Es gibt auch ältere Aufnahmen des Frankenschnellwegs zu sehen. Spannend sind hier die Visionen für eine Randbebauung aus den 1920ern (ab 2:42), die sehr urban wirken, aber auch keinerlei Grün und wohl auch keine Wohnqualität bieten würden...

  • Ohne das mit Lärmschutz und Planung des FSW jetzt im Detail zu kennen, vermute ich dass die Erweiterung der Fahrspuren für die Anwohner den gesetzlichen Anspruch(!) auf Lärmschutz auslöst. D.h. ohne neue Fahrspuren wäre eine Verbesserung des Lärmschutzes, es gibt ja bereits an vielen Stellen Lärmschutzwände (und -fenster in den Häusern), eine freiwillige Leistung der Stadt und damit auf keinen Fall förderfähig. Aber am Ende ist das heutzutage immer eine Einzelfallprüfung über rechnerische Nachweise vorher vs. nachher unter Einbeziehung der aktuellen Begebenheiten und der geplanten Veränderungen.

  • Das Radschnellwegenetz macht Fortschritte. Nicht, dass ich bei Erlangen und Herzogenaurach je Zweifel an der Finanzierung gehabt hätte, allerdings freut es mich trotzdem, dass die Planungen von oberster Ebene befürwortet und bezuschusst werden.