Exilmuseum am Anhalter Bahnhof

  • Exil Museum - Neubau am Anhalter ?

    Neues vom Areal am Anhalter Bahnhof – wie der Tagesspiegel hier und andere lokale Zeitungen berichten wird über einen Museumsneubau (Bauherr wäre eine private Stiftung des 'Exil-Museums') direkt angrenzend zur denkmalgeschützten Ruine des Anhalter Bahnhof Portikus. Pläne sind noch keine bekannt, aber nach grünem Licht, auch seiten des Bezirkes könnte es bald eine B-Plan Änderung mit anschliessendem Wettbewerb geben.


    Gute Nachrichten finde ich – das heutige Niemandsland vermittelt keinerlei Vorstellung über der ehemalige Treiben, welches zwischen Excelsior-Hotel, Zeitungsviertel und der damals ultramoderner Neonreklame auf Europa- und Deutschlandhaus geherrscht haben muss. Ein bisschen Belebung, meinetwegen auch touristischer Art, würde wieder gut tun. Entsprechende Touristen-Ströme würden dann auch evtl. besser über die Stadt verteilt werden als bisher, mit den typischen Hotspots Potse, Alex, Linden und Mauer.


    PS: Falls dieser Link besser in ein anderes Forum passt – gerne weiterschieben.

  • Siegerentwurf für das Exilmuseum (zuletzt #242)


    Die Berliner Morgenpost gibt bekannt, dass für das geplante 27 Millionen € Projekt der Entwurf des Büros Dorte Mandrup Arkitekter A/S Kopenhagen als Sieger des Wettbewerbs hervorgegangen ist. Zur Realisierung des Neubaus unter Einbeziehung der Portalruine am Anhalter Bahnhof wurden zehn international renommierte Architekturbüros mit Erfahrung im Museumsbau eingeladen. Bis 2025 soll das Museum an Anhalter Bahnhof entstehen und mit seiner Dauerausstellung Menschen in den Blick nehmen, die aus dem Machtbereich der Nationalsozialisten fliehen konnten und im Ausland Zuflucht suchten.


    Der erste Preis: Der Siegerentwurf des dänischen Architekturbüros Dorte Mandrup.

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    Foto Dorte Mandrup Arkitekter A/S, Kopenhagen


  • Sehr sehr schön!


    Der Klinker greift um sich...


    Die Ruine davor tut ihr Übriges für einen interessanten Ort. Die etwas dröge Gegend drumherum wird das optisch sehr verbessern.


    Inhaltlich genial: Am Anhalter-Bahnhof ein Museum zu diesem Thema.

  • Interessant! Allerdings vermisse ich die Beziehung beider Bauteile zueinander.
    Wann kommt die Dauerausstellung, die Menschen in den Blick nimmt, die aus dem Machtbereich des real existiet habenden Sozialismus fliehen konnten und im Westen Zuflucht suchten?

    Und wie Groß wird das Gebäude?

  • Sehr schön! Die Baumasse im Rücken tut dem Portikus wirklich gut. Die Bögen und das durchbrochene Ziegelband, könnte man in Zusdammenhang mit der ehem. Bahnhofsarchitektur bringen.

  • Ich finds auf den ersten Blick auch gut. Der Bahnhof(srest) profitiert enorm davon, dass er in den Kontrast gestellt wird. Er wirkt nun regelrecht museal inszeniert und wie ich finde auch recht würdevoll.

  • Meine Assoziation war eine Art Umfangen des Portals à la "sicherer Hafen" (für die Geflüchteten).


    Mannometer, die Gegend drum herum wimmelt ja nur so von zweistöckigen Zweckbauten und endlosen Hinterhofweiten. Wäre schön, wenn das Museum die Gegend vielleicht etwas mehr in den Blickpunkt der Stadtentwicklung bringt.

  • ^ Ja, das Drumherum hat sich noch viel von seiner alten Westberliner Stadtrandlage bewahrt (obwohl der neue Block südlich des Portikus schon hilft). Das Tempodrom ist zwar als Solitär ganz hübsch (kopiert), reißt städtebaulich zwischen dem Sportplatz und den ganzen Grünfläche wenig raus. Und die 70er-Bebauung in der südlichen Stesemannstraße ist schlicht öde. Vielleicht bringt das Museum ja tatsächlich Schwung in die Sache.

  • Obwohl ich den 3.Preis von BFM auch sehr gelungen finde. Gerade die Eingangshalle ist genial! Mit der ruinösen Rückfront hat es schon was vom Neuen Museum, aber auch viel von der alten Bahnhofshalle. Den Portikus in das neue Gebäude mit einem ähnlichen Ziegel "einzumauern", macht aus dem monumentalen Portikus und dem Bauvolumen wieder einen "Ganzes". Die städtebauliche Setzung und Adressbildung mit einer neuen Platzkante, ist hier deutlich gelungener. Allerdings finde ich, dass sich die Eingangsgeste Portikus mit den Fensterbändern im Erdgeschoss beisst, bzw. die Symbolik einerseits und mit Offenheit anderseits konkurriert.


    Der 1.Preis macht da schon mehr Show, die für den Ort und für dieses Museum, doch etwas übertrieben erscheint. Die konkave Platzfront ist stadträumlich natürlich interessanter und auch der Zwischenraum zwischen Museum und Portikus wirkt als gefasster und spannender Vorplatz.


    Folgend nochmal die Homepage des geplanten Museums mit Bildern: https://stiftung-exilmuseum.berlin/de/wettbewerb

  • Dieser Museumsbau soll eine Dauerausstellung bekommen, welche die Menschen in den Blick nimmt, die aus dem Machtbereich des Nationalsozialismus fliehen konnten und im Ausland Zuflucht suchten.

    Interessant!? 1f62e.png

    Wann kommt die Dauerausstellung, die Menschen in den Blick nimmt, die aus dem Machtbereich des real existiet habenden Sozialismus fliehen konnten und im Westen Zuflucht suchten?

    Und wie Groß wird das Gebäude?

    Unabhängig von der Nutzung.
    ich finde den Neubau durchaus interessant. Soetwas kann ich mir gut auf dem Kulturforum vorstellen. 8)
    Was ich weniger gut finde:
    Das Bahnhofs-Fragment und der Austallungsbau stehen sich autistisch gegenüber.
    Es gibt nicht einmal ein verbindendes / überleitendes Element.

  • Das Bahnhofs-Fragment und der Austallungsbau stehen sich autistisch gegenüber.

    Das kommt auf die Sichtweise an, ich sehe den Museumsbau eher als Hintergrund Kulisse zum Bahnhofsfragment und mag dass es für sich bestehen bleibt.


    Man kann übrigens für 600 Euro den Anhalter Bahnhof als Lasercut Modell für Modelleisenbahnen kaufen. Leider ist er selbst in Spur N(1:160) so riesig, dass er kaum auf eine private Anlage passt. Hier würde ich mir eine Art Umrissmarkierung des Gebäudes im Trottoir, bzw. der rückwärtigen Seite wünschen, auch wen das mir der Thematik des Museums nichts zu tun hat.

  • 😯 sorry !

    Nein vollkommen richtig, dieses wichtige Projekt braucht eo en eigenen Thread, ich freue mich riesig darauf!


    Und hatte mich schon immer gefragt wie man auf eine derartige Banalität kommt, einen Bolzplatz anstelle dieses Bahnhofs als adäquate Dauernutzung des Areals festzuschreiben!

  • Danke für die Einrichtung des Threads. Ich hatte tatsächlich schon vor 2 Jahren darum gebeten ;) (kein Vorwurf, sowas kann untergehen) Siehe hier


    Der gekrönte Entwurf ist irgendwie Berlin mittelmässig, wenn man es in Bezug auf die ausserordentlich exponierte Location im stadtplanerischen Umfeld sieht. Besonders besorgt bin ich um die Rückansicht zum Tempodrom hin. Wahrscheinlich ein langweiliger Klops mit Soße? Werden wenigstens die Bögen mit aufgenommen?
    Aber, wenigstens Backstein. Wenigstens keine Rasterfassade. Viel mehr war bei dem Budget wohl eh nicht drin. Eigentlich schade. Keine große Kunst, aber trotzdem eine Aufwertung für die unglaubliche Ödnis dort. Was hätte dort (ausser einer spannenden Reko) noch entstehen können?

  • Das ist ein sehr spannendes Projekt und in meinen Augen stellen gerade der erste und der dritte Platz jeweils hervorragende Entwürfe dar. Beide haben etwas für sich und überzeugen mich total. Es ist direkt etwas schade, dass man sich für einen davon entscheiden musste aber ich kann gut damit leben. Übrigens munkelt die Sueddeutsche Zeitung, dass wohl bewusst nur die Siegerentwürfe präsentiert werden. Der japanische Entwurf soll so außergewöhnlich sein, dass er dem Wettbewerbssieger womöglich zu sehr die Schau hätte stehlen können. Das macht natürlich neugierig.



    Übrigens (gerade auch in Bezug auf den Einwurf von ReinhardR): Schon seit einigen Jahren wird in unmittelbarer Nachbarschaft im Deutschlandhaus an einer Dauerausstellung über "Flucht, Vertreibung und Versöhnung" gefeilt, die sich komplementär zum Exilmuseum primär mit der Flucht nach Deutschland hinein beschäftigen soll (gerade auch während der unmittelbaren Nachkriegszeit). Herta Müller spricht von zwei Gegensätze(n)/ Facetten, die zusammengehören. Ich bin begeistert davon, was hier geschaffen wird. Und ich bin äußerst gespannt, wie man die Einzelschicksale berühmter Persönlichkeiten wie Bertold Brecht, Thomas Mann, Albert Einstein, Mascha Kaléko, Willy Brandt, Ernst Reuter, Billy Wilder und und und aber ggf. auch unbekannter , teils anonymer Flüchtlinge greifbar gestalten will. Die Stichworte "multimediale und szenographische Rauminstallationen" sowie "Bild-Erzählung" klingen jedenfalls äußerst vielversprechend.

    Sueddeutsche Zeitung

    Baunetz (mit Bilderstrecke)

    Tagesspiegel

    Ein interessanter Filmbeitrag des ZDF mit einem Modell des Siegerentwurfes

    Stiftung Flucht-Vertreibung-Versöhnung


    Wie bereits mehrfach angedeutet freue ich mich extrem über dieses Projekt! Die Ruine des Anhalter Bahnhofs hat mich ähnlich wie die Gedächtniskirche schon oft zum Denken angeregt. Man erahnt noch die alte Pracht aber die Ruinengestalt spricht eine deutliche Mahnung und macht neugierig. Die Geschichten dieses Bauwerks sind ebenso düster wie lehrreich. Von hier sind Menschen erfolgreich geflohen (aber eben zugleich entwurzelt worden, sodass sie im Exil oft lang anhaltend litten). Ebenso wurden Menschen von dort deportiert. Im Krieg wurde dann schließlich der Bau selbst empfindlich getroffen und später weitgehend abgetragen. Jetzt also eine Komposition, die Bahnhofsfragment und Leere baulich und inhaltlich neu fasst und inszeniert. Eine gelungenere Einbettung hätte ich mir nicht vorstellen können. Hoffentlich kommt das Geld bald zusammen und der Zeitplan kann halbwegs eingehalten werden.

  • Ja, genauso geht es mir auch - so richtig entscheiden zwischen 1.Preis und 3.Preis könnte ich mich nicht.


    Mittlerweile denke ich aber, dass der 3.Preis dem Zweck atmosphärisch gerechter wird und auch die Portalruine besser inszeniert wird. Mit der Aufnahme der Traufhöhe des Portals bekommt das Gebäude plötzlich eine historisch - dialektische Komponente.


    Ich freue mich schon auf die Ausstellung. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass dieser eher unscheinbare Museumswettbewerb, wie auch dessen Ergebnis, mich mehr fasziniert als das Tamtam um das Museum des 20.Jahrhunders.

  • 1)... Schon seit einigen Jahren wird in unmittelbarer Nachbarschaft im Deutschlandhaus an einer Dauerausstellung über "Flucht, Vertreibung und Versöhnung" gefeilt, die sich komplementär zum Exilmuseum primär mit der Flucht nach Deutschland hinein beschäftigen soll (gerade auch während der unmittelbaren Nachkriegszeit).

    2) Die Ruine des Anhalter Bahnhofs hat mich ähnlich wie die Gedächtniskirche schon oft zum Denken angeregt. Man erahnt noch die alte Pracht aber die Ruinengestalt spricht eine deutliche Mahnung und macht neugierig.

    zu 1)
    Ja, es wird seit Jahren "gefeilt".

    Polen hat schon Einspruch eingelegt.
    Ein eigenes Gebäude, das der großen Zahl von Opfern gerecht wird, scheint es nicht geben zu sollen.

    zu 2)
    ich mag diesen Ruinen-Kult ganz und gar nicht.
    Zumal hier nur die Reste des Abrisses einbezogen werden. Der Teil, der den Krieg überstanden hatte, war wesentlich größer - und schöner!
    Wenn die Ruine schon egänzt werden soll, dann wünsche ich mir eine saubere Rekonstruktion des beschäditen Restes und eine qualifizierte Einfassung.

  • ^ Was hätte das Portal denn dann für eine Aussage, wenn es "sauber und geleckt" und mit aufgemauerten Abbruchkanten als großes Rechteck vor dem Neubau steht? Das Portal war ein kleiner Bestandteil eines größeren Gebäudes und das sieht man ihm an, weil halt etwas fehlt.