Spekulierstrang Spezial: Zukunft der großen Zeil-Warenhäuser

  • Das beide Warenhäuser (des selben Konzerns) nur wenige Meter Luftlinie voneinander entfernt an einem der teuersten Standorte des Landes ewig Koexistieren würden, war leider von Anfang an illusorisch. Dementsprechend war hier auch die Intervention unseres Ex-Bürgermeisters in Spe leider nur bedingt Sinnvoll. Klar hat es erst mal die betroffenen Mitarbeiter gerettet, aber es war auch jedem klar, dass es das eigentliche AUS nur ein weiteres Mal verzögert hat.

    Zumal Karstadt (wenn ich das recht in Erinnerung habe), die meisten Gebäude aka das Tafelsilber ja auch nicht mehr besitzt, sondern bereits vor Jahren verkauft hat und nur noch Mieter der Immobilien ist. Das ist/war zwar ne prima Geglegenheit für den aktuellen Manager mal um mal flott die Bilanz aufzupolieren und Dividende raus zu hauen, holt einen aber früher uns später leider auch immer wieder ein. Da können auch einige andere Unternehmen, wie z.B. Allianz und Commerzbank ein Lied zu singen – aber das ist eine andere Geschichte. Es wäre schon nahezu verrückt, wenn der gesamte Konzern in Schieflage ist und dringend neue Mittel benötigt, aber die beiden Zeil-Häuser unangetastet lässt und weiter astronomische Mieten dafür zahlt.

    Von daher ist glaube ich auch, dass die Schliessung eines der beien Häuser auf jeden Fall demnächst anstehen wird. Und da würde ich auch auf's Zeil-Zebra (Ex-Karstadt) tippen. Die Möglichkeit von Abriss und Neu-Entwicklung oder Zumindest einer Revitlaitsierung des späteren Hauptstandorts (wärend man den zweiten aus Ausweichquartier nutzt) klingt in der Tat verlockend. Allerdings glaube ich kaum, dass da aktuell die Mittel für locker gemacht werden können.

  • Für das Karstadt-Gebäude steht doch fest, dass es einer Neuentwicklung weichen wird. Das gehört schon länger Sahle, und die hatten sich auf ein Mischobjekt mit Einzelhandel und Hotel festgelegt. Ob das angesichts der Entwicklung beider Branchen noch aktuell ist, dürfte nochmal eine andere Frage sein, aber da kann der Eigentümer sicher flexibel agieren. Sahle ist ja primär Wohnungsentwickler.


    Der gesamte Gebäudeblock hat allerdings verschiedene Eigentümer, so dass eine komplette Neuentwicklung unwahrscheinlich erscheint. (Am meisten Bewegung dürfte neben dem Karstadt noch im Parkhaus stecken, das nach meinem letzten Stand Signa gehört.) Auch irgendwelche Ausweichpläne des Kaufhofs scheinen mir wenig wahrscheinlich, denn Sahle will seine Immobilie ab 2025 entwickeln, und eine Überarbeitung des Kaufhofs würde viel länger dauern. Natürlich ist das alles eine Frage von Verträgen und des wirtschaftlichen Umfelds. Aber dieses Umfeld könnte für Sahle genausogut dafür sprechen, eine Gelegenheit für den Projektbeginn schon 2023 zu nutzen.

  • Für die ehemaligen Karstadt-Mitarbeiter im "Zebra" gibt es m.W. noch einen Bestandsschutz ihrer Arbeitsverträge bis 2024. Man könnte sie an die Hauptwache versetzen, da braucht man sie aber nicht. Entsprechend wird man nicht ohne Neuverhandlungen mit BR und ver.di vor 2025 dort schließen können.


    Für einen Abriss und Neubau an der Hauptwache spricht, dass das Gebäude trotz mehrfach modernisierter Optik im Kern auf dem Nachkriegsbau aufsetzt - das bewirkt zu niedrige Etagenhöhen im Keller, daher auch die Zwischentreppe zum tiefergelegten Bereich mit Anschluss zur B-Ebene, eine ineffiziente Anlieferungsebene im EG, ....

    Einmal editiert, zuletzt von Xalinai () aus folgendem Grund: verfippt. Danke main1a.

  • Betrifft (noch) nicht die Standorte von Galeria auf der Zeil aber für die fünf anderen hessischen Standorte in Bad Homburg, Fulda, Gießen, Limburg und Sulzbach (MTZ) hat der Online-Händler buero.de sein Interesse bekundet diese zu übernehmen. Die Galeria-Standorte in Darmstadt, Frankfurt und Wiesbaden passen nicht in ihr Konzept. Lt. Markus Schön von buero.de formuliert er dieses Ziel: "Wir wollen das Warenhaus wieder zu einem Ort machen, an dem man ein Einkaufserlebnis erfährt." Die Standortanalyse kam zu diesem Ergebnis: "[…], dass die kleineren und mittelgroßen Städte prima zu uns und unserem Vorhaben passen würden." Aufhorchen läßt diese Aussage von Markus Schön: "In Frankfurt oder Wiesbaden haben Kunden einfach zu viele andere Optionen, einkaufen zu gehen." Ein weiteres Argument spricht aus seiner Sicht für kleinere und mittelgroße Städte, dass buero.de dort "eine unglaublich motivierte Mannschaft" [Anm.: gemeint sind die Galeria-Mitarbeiter] findet.

    Das damit eine Sortimentsanpassung und eine starke Vernetzung mit Online-Handel einhergeht versteht sich von selbst.


    Lt. dem Insolvenzverwalter Arnd Geiwitz steht ein harter Einschnitt hinsichtlich der Anzahl der Filialen bevor, meint das von den 131 Filialen nur ein harter Kern übrig bleiben wird (Q).


    Die Karstadt-Filiale im Zebra dürfte über kurz denn lang Geschichte sein. Das Signa in die Filiale an der Hauptwache, nachdem diese vor ein paar Jahren saniert wurde, in einen weiteren Umbau investiert, halte ich nur dann für wahrscheinlich wenn Galeria gleichzeitig eine Mieterhöhungen und lange Mietdauer akzeptiert. Das reduziert m.E. die Überlebenschance der Filiale an der Hauptwache sofern diese keinen 'outstanding profit' erwirtschaftet.


    Dass der Steuerzahler wieder für Galeria einstehen soll, davon bin ich nicht überzeugt denn in ein paar Jahren steht Galeria wieder auf der Matte um erneut um öffentliche Gelder zu bitten (was - despektierlich formuliert - zu einem erklecklichen Teil in die Vermietertaschen fließen dürfte).

    2 Mal editiert, zuletzt von main1a ()

  • Was meinst du mit "wenn Galeria gleichzeitig eine Mieterhöhungen und lange Mietdauer akzeptiert"? Gehört das nicht beides dem Benko? Das kann er sich doch recht frei überlegen, was linke Tasche an rechte Tasche überweisen muss und für wie lange.

  • Dann kommt Herr Benko für die Verbindlichkeiten von Galeria auf?

    Zur Abwechslung fließt mal Geld von der rechten in die linke Tasche und der Steuerzahler muss finanziell für Galeria nicht einstehen - Problem gelöst? 🤔


    Leseempfehlung zu dem Thema ein Interview in der FNP mit dem Wirtschaftsprofessor von der Johann-Wolfgang-von-Goethe-Universität Lars Schweizer.

    Auch wenn in der Frage und Antwort von René Brenko geschrieben wird (leider liegt ein Schreibfehler vor), so wird hier für mein Dafürhalten dein Pkt. gut beantwortet. Dieses galt auch schon bei der 1. Insolvenz von Galeria und nun erneut. Bitte nicht noch ein drittes Mal in zwei Jahren oder so.


    Nicht das wir uns mißverstehen: Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist eine staatliche Hilfe wie bei der 1. Insolvenz gut gewesen weil immer individuelle Schicksale dahinterstehen aber insgesamt war das neue Konzept leider nicht nachhaltig.

    Einmal editiert, zuletzt von main1a ()

  • Aufhorchen läßt diese Aussage von Markus Schön: "In Frankfurt oder Wiesbaden haben Kunden einfach zu viele andere Optionen, einkaufen zu gehen."

    Das ist das was ich immer schreibe: Die Markenproduzenten haben mit ihren BrandStores die Kaufhäuser nachhaltig geschädigt, ohne dabei selbst wirklich zu gewinnen.

    Das Kaufhaus bot dem Kunden den Vorteil, gerade im Textilbereich direkte Produktvergleiche im Moment der Kaufentscheidung treffen zu können. Wo das nicht mehr besteht, weil durch BrandStores oder deren Vorläufer, Shop-In-Shop Bereichstrennungen im Kaufhaus, hat der Kunde keinen Grund mehr das Kaufhaus aufzusuchen und bei diesem Besuch Zusatzumsatz in anderen Bereichen zu machen.

    Der Onlinehandel hat auch dazu beigetragen, soweit er genau dieses Defizit, den Produktvergleich, angegriffen hat.

    Die strategischen Fehler aus Sicht der Warenhäuser wurden aber bereits Mitte der 1980er getroffen, als man dem Drängen der großen Marken nach Ausdifferenzierung im Kaufhaus nachkam. Je stärker und früher die Markenpräsentation, desto früher der Untergang. Horten, Hertie, ...

    Wer heute noch (einigermaßen) erfolgreich große Textilhäuser mit Markenware betreibt, vermeidet diesen Fehler weitgehend.