Karstadt schließt in Nürnberg - wie weiter?

  • Offenbar soll der Kaufhof an der Lorenzkirche geschlossen werden (wie auch die Filiale im Frankencenter).

    Spannend wird natürlich, was mit der Immobilie, die ja aus den 1950ern stammt und aus meiner Sicht eine echte Bausünde darstellt, nun wird.

    Nebenan gibt es ja die Pläne für das "Altstadt-Carree" auf dem ehemaligen Hertie-Gelände.

    Sollte sich hier hun auch etwas tun und es die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zulassen, bestünde hier ein riesen Chance für Stadtreparatur...


    d.


    https://www.infranken.de/ueber…rg-schliessen-art-5002349

  • Ich bin etwas traurig darüber, dass es der Karstadt und nicht der Kaufhof werden muss. Meiner Meinung nach ist das Karstadtgebäude nämlich halb so schlimm und der Kaufhof die Bausünde. Das Gebäude wäre nach einem Auszug nämlich garantiert abgerissen worden, beim Karstadt denke ich das nicht.

  • Vorallem hat der Kaufhof nicht annähernd das Sortiment, das der Karstadt bietet. Nichts wirklich besonderes, während z.B. die Feinkostabteilung beim Karstadt Dinge bietet, die man so in der Nähe nicht findet. Die Umnutzung von dem großen Ding stell ich mir schwierig vor, aber ich hoffe mal nicht dass es einen Abriss gibt. Nicht nur habe ich keine Hoffnung dass bessere Architektur folgt, auch würde die U-Bahn und die sehr exponierte städtische Situation an der Lorenzkirche jahrelang beeinträchtigt werden! Aber gut, ein Umbau scheint ja auch bei den Sorgenkindern Marktkauf Plärrer und City Center Fürth möglich zu sein.

  • Die Betriebskosten werden den Ausschlag gegeben haben. Der hässliche Kasten gegenüber der Ostermayerpassage wird einfacher zu unterhalten sein und ist durch sein eingeschränktes Sortiment bereits "konsolidiert". Langfristig wird das aber das Überleben des Konzerns nicht retten, denn wenn man seine stärke, das breite Sortiment, beginnt zurück zu bauen dann kommt irgendwann gar kein Kunde mehr. Ich halte die Entscheidung für falsch, allerdings sehe ich das städtebauliche Problem als noch viel gravierender an. Wenn die Bauarbeiten am ehem. City-Point beginnen und der Karstadt schließt, dann fehlt der Altstadt schon enorm an Anziehungskraft. Hier muss man letztlich wohl vollkommen neue Wege gehen.

  • Die Karstadt-Feinkostabteilung war der einzige vollwertige Lebensmittelmarkt. Sieht man von den Marktständen auf dem Hauptmarkt etc. ab, ist der Lebensmittelhandel in der Innenstadt spätestens von nun an ziemlich unterdurchschnittlich aufgestellt.

    Man denke als Vergleich nur an Frankfurts Kleinmarkthalle. Die bietet alles was das Herz begehrt und ist auch sozialer Dreh- und Angelpunkt. Da tut sich nun ein echtes Defizit auf...


    Offenbar gehört das Gebäude des Karstadt der RFR Holding (so steht es zumindest in der NN). Wenn dem so ist, kann ich mir einen langfristigen Leerstand schwerlich vorstellen. Deren Portfolio ist ja ziemlich hochwertig:

    http://rfr-holding.de/start/


    Aber eine Nachnutzung ist aufgrund der Gebäudestruktur alles andere als einfach. Einen Abriss halte ich wirtschaftlich fast für unmöglich, schließlich wurde das alles in einem Guss mit dem Verteilergeschoss und der U-Bahn errichtet. Ein tiefergehender Umbau mit Lichthöfen und Durchwegungen wäre da eher was...


    Wenn ich dennoch etwas positives dieser Situation abringen will, dann das immerhin ein Ende des kontinuierlichen Abstiegs mit Chance auf Neuanfang an dieser Stelle entstanden ist. Der Karstadt war funktional in den 1980ern ein echtes Highlight in der Innenstadt. Leider blieben echte Investitionen und auch Innovationen aus. Kleinere Umbauten im Inneren haben in meinen Augen die ursprünglich gute Ästhetik mehr und mehr verhunzt. Insbesondere das Erdgeschoss und die Feinkostabteilung waren mal sehr schlüssig durchdesignt und gut gemacht. In letzterem stimmt heute kaum eine Fließenfuge und es wirkt alles ziemlich improvisiert. Das Gebäude versinnbildlicht im Grunde sehr anschaulich den Abstieg des Unternehmens...


    d.

  • Im Stadtrat gibt es ja schon seit Jahren Überlegungen für eine Markthalle. Vielleicht wäre jetzt der richtige Zeitpunkt die zu konkretisieren?

    Was wären denn für dich völlig neue Wege nothor ? Ein Hotel z.B. wäre das für mich definitiv nicht, einerseits entstehen da im Moment schon genug und andererseits wäre das nur ein weiterer Schritt in Richtung Innenstadt für Touris, aber nicht für die Bevölkerung. Auch reine Wohn- und Bürobebauung würde die Stelle wohl eher veröden lassen. Eine Disco? Die Mainstreamschuppen in der Innenstadt wie Indabahn waren keine Erfolgsgeschichte, und den in der Szene glaube ich ganz gut angenommenen etwas alternativeren (4hertz, Badewanne) wurde von Seiten der Politik der Hahn abgedreht. Eine Gallerie? Die bräuchte dann einen Fokus der stark vom Neuen Museum und der Kunsthalle um die Ecke abweicht...

  • Genau so etwas, eine Markthalle, ein Ort der Begegnung und nicht nur des Konsums. Ich versuche mir die Altstadt als Ganzes vorzustellen und der Karstadt war für mich immer der konsumtechnische Nukleus. Wenn nun aber genau dieser nicht mehr funktionieren soll, dann scheint der Konsum insgesamt in großen Schwierigkeiten zu stecken. Also müsste man vielleicht weniger an "Sortimente" denken sondern viel mehr daran was die Leute denn genau anzieht. Eine Markthalle finde ich eine super Idee, soetwas wie das Perfetto im Tiefgeschoss, das aber viel größer, freundlicher, lichtdurchfluteter und großzügiger ist. Soetwas wie das "Eataly" in München vielleicht. Den Perfetto kenne ich immer nur voller Menschen, denkbar, dass der auch großmaßstäblicher funktionieren kann.


    Irgendwie hoffe ich, dass jemandem ein geniales Konzept einfällt, das irgendwo zwischen Kaufhaus, Gourmetmeile, Marktplatz und Erlebnispark changiert.

    Ich persönlich gehe immer gerne in die Altstadt, spazieren, die Atmosphäre genießen, Schauen und sich inspieren lassen, sich irgendwo niederlassen und was kosten oder ausprobieren. Wenn es irgendwie gelänge das, was die Leute in die Altstadt zum bummeln lockt, auch innerhalb so eines Komplexes zu entfalten, dann wäre das toll.


    Das Mercado z.B. ist ja auch erst vor Kurzem renoviert und modernisiert worden. Es ist ganz hübsch geworden, aber ist es besser? Seit es 2003 geöffnet hat waren soweit ich beobachtet habe noch kein einziges Mal alle Ladenflächen vermietet. Die öffentliche Fläche ist kleiner geworden und es gibt kaum noch Orte zum Sichhinsetzen und entspannen. Ich selbst bin eigentlich nie länger als 15 Minuten dort und kaufe auch sogut wie nie mehr als das, weswegen ich dort war. Außer Fußbodenfliesen, Werbeposter und Glaswände gibts dort ja auch nichts zu sehen. In der Altstadt ist das völlig anders.

  • Das Konzept für das Altstadt-Carree zeigt ja schon ein wenig die Richtung die Investoren bei große Flächen in solchen Lagen einschlagen: Nutzungsmischung.

    Und das ist im Grunde das was es in einer Innenstadt wie dieser braucht.

    Nach dem Krieg ging die Geschichte ja immer mehr in Richtung City-Funktion. Tagsüber wanderte in der Innenstadt Geld von Käufer zu Verkäufer, Abends ist dann Ruhe bzw. "tote Hose". Rendite wurde da noch zwischen 9 und 18:30 erarbeitet, 5,5 Tage die Woche. Ein Kaufhaus war dabei eigentlich ein riesiges Warenlager mit Servicegimmicks. Nur heute ist sowas nicht mehr wirtschaftlich und eben auch nicht attraktiv.


    In einer Lage wie dieser muss die Fläche heute also anders bespielt werden. Und tote Innenstädte nach Ladenschluss waren eigentlich nie erstrebenswert. Es braucht auch Dinge die Randzeiten bespielen, Angebote des täglichen Bedarfs, seltenes und hochwertiges was nicht überall zu finden ist. Innovatives was noch nicht jeder kennt.


    Für den Karstadt könnte das heißen:

    • Markthalle in den unteren beiden Stockwerken und/oder im Gesamtkonzept mit dem Verteilergeschoss
    • kurzfristig buchbare Arbeitsplätze (Konzepte wie das von Mind Space oder WeWork etc.) in Teilen der oberen Etagen
    • Showrooms für hochwertige Produkte
    • Gastronomie (die nicht nur die üblichen Ketten umfasst)
    • Passagen im EG mit kleinen Ladenflächen
    • hochwertige Mikroappartments ähnlich dem "Melter" in der Königstraße in Teilen der oberen Etagen
    • ...

    Das ließe sich sicher Ideenmäßig noch stark ausbreiten...


    d.

  • Klar, kann man nichts dran ändern, aber all das würde so viel besser am Kaufhof-Standort funktionieren. Der Ort wäre zum Beispiel perfekt für eine Markthalle. Aber abgesehen davon: Kann mir vielleicht jemand auf einem Satellitenbild einzeichnen, welche Gebäudeteile zu Karstadt gehören? Ich finde das nämlich wirklich mehr als unübersichtlich und schwer zu erkennen. Im Internet konnte ich nämlich keine solche Zeichnung finden.

  • Wie die NN schreiben, gehört die "alte" Kaufhof-Immobilie noch heute zur Galeria Karstadt Kaufhof Gruppe (Sigena?). Die "alte" Karstadt Filiale an der Lorenzkirche sei hingegen angemietet. Einen Mietnachlass wollte der Vermieter offenbar nicht gewähren, so heißt es aus dem Rathaus.


    Der neue OB König (seit 01. Mai im Amt, CSU) zeigt sich bestürzt, ist aber zuversichtlich, dass "diese Premiumimmobilie" nicht lange ungenutzt bleibe. Skeptischer zeigt sich da der Wirtschaftsreferent (ebenfalls CSU). Die Immobilie sei sehr verschachtelt und im Layout maßgeschneidert auf die Belange Karstadts. Ohne Umbau werde es hier wohl schwierig neue Mieter zu gewinnen.


    https://www.nordbayern.de/regi…chwerer-schlag-1.10196471


    Ich bin ebenso skeptisch was eine Nutzung im alten Layout angeht. Sicher kann man kurzfristig einzelne Stockwerke für Anbieter öffnen, aber wirtschaftlich ist das auf Dauer nicht - und dem Standort auch nicht angemessen.

    Da der Vermieter im Mietpreis offenbar unbeweglich blieb, scheint dieser das Risiko bzgl. Leerstand nicht zu scheuen - oder es zeugt vom Mut und Glauben daran, durch Umbau und Neuvermarktung die bessere Lösung zu erhalten. Es bleibt spannend...


    d.

  • Finde ich sehr ritterlich, dass OB König so ruhig bleibt. Wenn man zusieht wie sich das mit dem alten Schocken am Aufsessplatz nun schon seit Jahren zieht - gabs dort nicht auch direkten Zugang zu U-Bahn? Am Aufsessplatz kann ich mir noch weitaus experimentellere Nutzungen vorstellen als in der Innenstadt, wo das schnell peinlich und Geschäfts/rufschädigend werden könnte.

    Unterm Strich war wohl die unternehmerische Entscheidung seinerzeit, die Immobilien auszugliedern, zu verkaufen und dann zurück zu mieten langfristig unklug.


    Wie dem auch sei, so ganz losgelöst vom Boom des Online-Handels sollte man das nicht sehen. Hier sollte man realisieren was im Onlinehandel nicht geht. Das ist Begegnung, Erlebnis und Genuss. Und auch der Onlinehandel wird irgendwann mit dem ungebremsten Wachstum aufhören. Ich erwarte hier weitere Änderungen, z.B. den Stop von Auslieferungen an die Haustüre bzw. nur mit hohen Zusatzkosten. Die kostenlosen Retouren sind ja schon weitgehend Vergangenheit.


    Wenn ich auf meinem Arbeitsweg morgens die Vogelweiherstraße entlangfahre kommen mir zwischen 8:30 und 9:30 endlose Kolonnen an Amazon-Lieferfahrzeugen entgegen. Soll das die Zukunft des Einkaufsgenusses sein?

  • Ich finde es traurig, dass beide Filialen deutschlandweit schließen werden. Sowohl der Karstadt auch auch der Kaufhof haben meiner Meinung nach ein super Sortiment, wobei der Karstadt vielfältiger ist.

    Was aus den Gebäuden im Endeffekt wird, da bin ich auch gespannt. Schade finde ich allerdings, dass viele Filialen die schließen auch im Endeffekt leer bleiben. Man könnte so viele Ideen einbauen und umsetzen.

    Aber dann wiederum denke ich mir, aktuell ist es nicht zu übersehen, dass Online-Händler die Oberhand haben. Wenn geshoppt wird, dann nur noch online. Ob das positiv oder negativ ist, ist Ansichtssache.


    Ich bin gespannt was aus dem Gebäude wird und warte auch weitere Beiträge.

  • Wie in der NN zu lesen ist, will sich die Stadt in Verhandlungen mit den Vermietern einschalten. Im Falle des Innestadtstandorts sei man aber skeptisch etwas erreichen zu können, hier sei nicht mal ganz klar, mit wem man eigentlich sprechen müsse. Die RFR Holding als Eigentümerin sei ein recht verästeltes Konstrukt, ein klassischer Immobilienfonds der, so wird von Experten unterstellt, an Mietsenkungen wohl erstmal kein Interesse habe.


    Spannend an dem Artikel ist der kurze Blick in den Rückspiegel. So sei in den 1970ern mit Karstadt über die Fassade jahrelang gerungen worden. Das Kaufhaus sollte ursprünglich eher aussehen wir der ehemalige Horten in der Südstadt, mit vorgehängter Gitterfassade. Die Stadt wiederum wollte an der sensiblen Stelle etwas mit dem Umfeld kompatibles - und setzte sich nach offenbar heftigen Streitereien mit gegenseitigen Drohungen am Ende durch.


    https://www.nordbayern.de/regi…ude-abgerissen-1.10202463


    Ich hoffe so wäre es heute auch sofern es zu größeren Umbauten kommt (was ich über kurz oder lang vermute). Blickt man auf das entscheidende Kriterium für Rendite, die Bruttogeschossfläche, so ist der Karstadt kein Raumwunder. Es seien wohl ca. 26.000 qm Fläche, also rund 9.000 weniger als beim nicht weit entfernten, in Planung befindlichen Altstadt Karree. Dies hat allerdings eine wie ich meine sehr viel geringere Grundfläche. Die Ausbeute ist auf dem Grundstück also viel höher. Die dort angedachten 200 Mio. EUR Invest werden so natürlich vergleichsweise schnell wieder eingespielt.


    In den großzügigen Reserven der heutigen Bebauung (man denke nur an die offenbar völlig ungenützten Flächen unter den Dächern) liegt wohl der eigentliche Hebel der Stadt, mögliche Investoren zu locken...


    d.

  • Hier wird schon wild über einen Abriss spekuliert (natürlich ohne Anhaltspunkte). Einige Kommenatoren fordern einen Park stattdessen. Über der Ubahn, in so einer Spitzenlage, die Experten ^^

    Wohnungen sind laut dem Baureferenten mit so einem Zuschnitt nicht machbar, vielleicht könnten die aber ja tatsächlich mit einer Aufstockung geschaffen werden? Nur hoffentlich wird dann die Dachlandschaft nicht allzusehr verhunzt.

    Bei den Eigentumsverhältnissen habe ich aber keine Hoffnung darauf, dass es allzu bald weiter geht. Da sollte sich die Politik einschalten, ein jahrelanger Leerstand à la Schocken wäre fatal.

  • Ja, die Forderung nach einem Park ist wenig ernstzunehmen.

    Dennoch, ich fürchte auch das schlimmste, das Aussitzen der Lage durch den Stärkeren, das dürfte hier wohl der Hauseigentümer sein.

    Stark wäre jetzt ein Signal zu einer möglichen Enteignung der Immobilie durch die Stadt, da nicht nur Arbeitsplätze dran hängen sondern tatsächlich die Attraktivität und Funktionalität der Lorenzer Altstadt. Aber naja.


    Die Bemühungen der Stadt erscheinen mir sehr löblich, allerdings ein bisschen zu devot. Der U-Bahn-Anschluss, das großzügige Verteilergeschoss (das m.E. unter Denkmalschutz gehört) kostet womöglich der Stadt Unterhalt, damit der Allgemeinheit. Aber wenn Karstadt schließt und sich das ganze in einen Unort verwandelt, sollten die Eigentümer zur Kasse gebeten werden.

  • Zitat von nothor

    Stark wäre jetzt ein Signal zu einer möglichen Enteignung der Immobilie durch die Stadt,

    Ein solches Signal fände ich nicht stark, sondern nach nicht einmal einer Woche nach der Bekanntgabe der GKK-Schließungen höchst bedenklich. In unserem Land zum Glück nicht so einfach möglich. Sollten die Eigentümer irgendwelche Pflichten hinsichtlich der Funktionalität und Sicherheit im Untergeschoss besitzen, dürften diese in einem Vertrag mit der Stadt festgehalten sein. Für alles andere muss die Kommune aufkommen.