Freiheits- und Einheitsdenkmal (in Bau)

  • Da im Mai mit dem Bau des Freiheits- und Einheitsdenkmals begonnen wurde, will ich einen Bauthread für das Projekt einrichten.

    Aktuell finden Abbruch- und Beräumungsarbeiten statt, der Presslufthammer ist ständig in Aktion. Hier gibt es ein paar Eindrücke:


    [leurl=https://abload.de/image.php?img=p1019804kqj3p.jpg][/url]




    Alle Fotos: Klarenbach

  • Hier gibt es aktuelle Fotos von der Baustelle des Freiheits- und Einheitsdenkmals. Die Abbrucharbeiten sind noch immer im Gang, mittlerweile kommt etwas schwerere Technik zum Einsatz. Überraschend für mich ist, wie schonend die Bauarbeiter mit dem Abbruchmaterial umgehen. Die Ziegelsteine werden einzeln abgeklopft und dann säuberlich aufgestapelt. Sie können also problemlos wiederverwendet werden.


    Zuerst kommt der Presslufthammer:



    Dann kommt der Bagger:





    Hier sieht man, wie die Steine abgeklopft werden.



    Das ist das Resultat:



    Alle Fotos: Klarenbach

  • Das alte Fundament und die jetzt erkennbare rechteckige Fläche muß bis zu einer Tiefe von ca 1,30 Meter abgetragen werden um dann die eigentliche Bohrebene für die Pfähle zu erreichen bzw. die Auflageebene der später alles wieder abdeckenden Lagerplatte. Die Tiefe entspricht der ungefähren Dicke der späteren Lagerplatte.


    Mit dem großen Gerät werden beim Abtragen natürlich auch Ziegelsteine unter der angestrebten Ebene beschädigt (gleiches gilt beim späteren Bohren durch Bestandsziegel) und ich vermute, daß man deshalb einige Ziegelsteine rettet um später wieder eine neue Decklage aufmauern zu können.

    Das wäre bautechnisch eigentlich nicht notwendig, da die Lagerplatte ja auf Bohrpfählen liegen wird und nicht auf den Resten des alten Fundaments. Das würde dann vermutlich lediglich eine Kosmetik im Sinne des Denkmalschutzes.


    Daß das Fundament vom Reiterstandbild aus hauptsächlich zwei gemauerten Blöcken bestand war mir bekannt, daß die Hohlräume dazwischen nicht verfüllt waren allerdings nicht.

    Könnte das bedeuten daß dieser Bereich ebenfalls begehbar war/ist?



    Gruß, Jockel

  • Es muß wohl 1999 gewesen sein, als ich im Denkmalsockel / Unterbau des Nationalsdenkmals an einem Konzert teilgenommen habe.
    Es gab im südlichen Teil des Sockels eine Eisenplatte, die einen Abstieg abdeckte.
    Dorst sind zunächst das Orchester und dann die Konzertbesucher über eine steile Leiter hinabgestiegen.
    Wir saßen im 4/5tel Dunkeln bei Kerzenlicht, etwas Helligkeit schien durch die Lüftungsschlitze von der Spreeseite hinein.
    Die Luft war erstaunlich frisch, gar nicht muffig, wie man erwarten könnte.
    Die Akustik unter den gemauerten Bögen war umwerfend! Dieses Konzert war ein Erlebnis! :love:

    In den gegen Osten liegenden Teil der Gewölbe durften wir nicht, weil dort eine seltene jugoslawische Fledermausart nistete.
    Ich war verblüfft darüber, dass man diesen armen Kriegsflüchtlingen diesen "Krach" zumutete. ;)

    Aber - um die Frage zu beantworten - nein, diese Hohlräume sind nicht verfüllt und könnten durchaus anderen Zwecken dienen.
    Es wurde damals sogar angedacht, dort eine Bar einzurichten, was dann wohl an den Fledermäusen gescheitert ist.
    Schade!:saint:

  • Explizit jugoslawische Fledermäuse? 😊

    Wenn da Leute auf der Stahlschale rumlaufen gibt das ja neben dem Lärm sicher auch Vibration bzw. Schwingungen wenn die Schale sich bewegt. Wahrscheinlich genug um die Fledermaus zu nerven, dass sie den Ort dann endgültig verlässt.

    Danke für die Fotos, Klarenbach.

    Bin kein Freund der Wippe und werde es nie werden. Fairerhalber muss man konstatieren dass sich die Traditionalisten, zu denen ich gerne aber nicht fundamentalistisch dazugehöre, mit dem Schloss ihre Wünsche verwirklicht sehen also muss man auch den Moderne-Favorisierern ihren Sieg gönnen...

    immerhin hat die Wippe einen großen Vorteil ggü. dem Nationaldenkmal. Es ist soviel flacher, dass der blick auf das Eosanderportal eindrucksvoller ist vom schinkelplatz aus.

  • < Ich glaube man sollte hier überhaupt nicht von "Siegern" und " Besiegten" oder der gleichen in diesem Terminus reden. Das ist kein Schlachtfeld!

    Die Stadt ist für all ihre Bewohner da und wenn man diesem Aspekt immer die nötige Aufmerksamkeit schenkt kann eigentlich nichts schiefgehen.

  • Der Meißelbagger frisst sich immer tiefer in die Gewölbe hinein und es sieht so aus, als sollten sämtliche Hohlräume unter der Platte beseitigt werden. Die abgetrennten Bruchstücke fallen nach unten.


    img_948513keo.jpg


    Die großen Schutthalden stammen zum großen Teil nicht von der Arbeit des Meißelbaggers, sie wurden hauptsächlich angeliefert. Sie dienen der Verfüllung der Hohlräume.


    img_9481ixk16.jpg


    Der gelbe Radlader (rechts) holt eine Schaufelladung nach der anderen ab und lässt sie durch ein Loch in die Tiefe rauschen.


    img_9498xok2q.jpg


    Aus diesem Grund ist auch die ehemalige Bootszufahrt zum Schloss abgeriegelt. Wenn der Radlader seine Ladung ablädt, kommt ein kleiner Sturm aus dem Gewölbebogen.


    img_9422yyk1k.jpg

    Fotos: Beggi

  • Am Rand des ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals ist noch ein Steinquarder der damaligen Anlage vorhanden. Darauf befindet sich ein Schild mit der Bedeutung "Denkmal". Laut Wikipedia verfolgt Denkmalschutz "das Ziel, Denkmale dauerhaft zu erhalten. Dem kulturellen Erbe einer Gesellschaft kommt die Funktion zu, anhand dinglicher und sinnlich wahrnehmbarer historischer Zeugnisse über die Geschichte der Gesellschaft zu informieren und im Bereich des Denkmalschutzes so ein lebendiges Bild der Baukunst und Lebensweise vergangener Zeiten zu erhalten." Wie sich die derzeitigen Arbeiten damit vereinbaren lassen, bleibt ein Rätsel.


    Unter der jetzigen Oberfläche aus bitumenhaltigen Materialien befindet sich außerdem noch das schöne Mosaik des Denkmalbodens. Dieses Mosaik und die darunter liegenden historischen Gewölbe werden für die Wippe teilweise zerstört. Laut einem Pressebericht der Berliner Zeitung regt sich nun Widerstand. Es wird ein sofortiger Baustopp gefordert.


    img_9483sajfn.jpg

    Foto: Beggi


    Eigentlich kann es sich nur um den Steinsockel des Denkmals am linken Rand handeln.


    1200px-berlin_nationaf5kw1.jpg

    Bild: wikipedia.org (gemeinfrei)

  • Wie ich hörte, will /wollte Annette Ahme mit ihren Freunden von der "Berliner Historische Mitte e.V. heute am National-Denkmalsockel demonstrieren:

    "Liebe Freunde, heute nun ist der Tag, an dem wir vor Ort einen ABBRUCH-STOPP verlangen wollen.

    Vor Ort entscheiden wir, wie genau wir vorgehen.
    Ein dreiteiliges Schild "Stopp Dem Abbruch" bringe ich mit."

  • Dumm, dass der Abbruch schon beendet ist. Auch geplant war er in diesem Umfang immer und ist mit dem Denkmalschutz abgestimmt. Ich verstehe dieses Querulantentum um das heilige Kaiser-Wilhelm-Denkmal beim besten Willen nicht.

  • Ich verstehe dieses Querulantentum um das heilige Kaiser-Wilhelm-Denkmal beim besten Willen nicht.

    Aha - "Querulantentum"! :P:thumbdown::evil:

    Der Denkmalschutz hat völlig verpennt, dass ein 6x6-Meter-Schacht in die Mitte des Denmalsockels gebaggert wurde.
    Ich kann mir nicht vorstellen, dass das zustimmungsfähig war.

  • Heute gab es eine Protestveranstaltung gegen die Sockelzerstörung vor Ort. Dazu aufgerufen hatte die Vorsitzende des Vereins Berliner Historische Mitte. Annette Ahme sprach von einem Frevel, denn vor nicht langer Zeit sei der Sockel des Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals aufwendig für viel Geld saniert worden. Von einem Abbruch des Sockels im Zusammenhang mit der Einheitswippe sei nie die Rede gewesen.


    Auch Parteien forderten einen sofortigen Baustopp. Das Parteispektrum reicht in diesem Fall von den Grünen bis zur AFD.


    Quelle: Berliner Zeitung vom 27.07.2020


  • Ich kann mir nicht vorstellen, dass das zustimmungsfähig war.

    Wie kommst du denn dadrauf? Meinst du etwa, das wäre denen nicht aufgefallen?


    Die Umbaumaßnahmen sind nach § 11 Abs. 1 Nr. 1 und Nr. 2 Denkmalschutzgesetz Berlin von der Denkmalbehörde zustimmungspflichtig. Dies wird im Rahmen der Baugenehmigung geprüft, welche bekanntlich nach langem Hin und Her erteilt wurde.

  • Wie kommst du denn dadrauf? Meinst du etwa, das wäre denen nicht aufgefallen?


    Die Umbaumaßnahmen sind nach § 11 Abs. 1 Nr. 1 und Nr. 2 Denkmalschutzgesetz Berlin von der Denkmalbehörde zustimmungspflichtig. Dies wird im Rahmen der Baugenehmigung geprüft, welche bekanntlich nach langem Hin und Her erteilt wurde.

    Wenn es aber politisch gewollt ist, dann wird der Denkmalschutz in der Pfeife geraucht. :P

    Zumal die geistigen Nachfolger der damaligen Abreißer an der Macht sind.

  • Zumal die geistigen Nachfolger der damaligen Abreißer an der Macht sind.

    Die CDU? Es handelt sich um ein Projekt des Bundes. Beschlossen wurde es vom Bundestag, zuständig für die Umsetzung ist Kulturstaatsministerin Grütters. Die "geistigen Nachfolger", die Sie meinen, haben sich in Person von Kultursenator Lederer gegen den Standort des Denkmals ausgesprochen – und zwar explizit mit Verweis auf den Schutz des Sockels. Aber lassen Sie sich in Ihren Ressentiments bloß nicht durch Fakten irritieren!

  • Dumm, dass der Abbruch schon beendet ist. Auch geplant war er in diesem Umfang immer und ist mit dem Denkmalschutz abgestimmt.

    Woher du diese (ich vermute mal von Schadenfreude geleitete) Weisheit nimmst bleibt leider unbelegt.


    Die auch hier im Forum gezeigten Veröffentlichungen von Milla & Partner (Entwürfe von 2011 und 2020) deuten lediglich auf (von mir weiter oben schon beschrieben) eine Abtragung der alten Reiterstandbild-Fundamente bis auf die sog. Bohrebene hin, das wäre eine ungefähre Tiefe von 1,30 Metern.

    Von dieser Ebene aus sollten die jeweils betroffenen Gewölbeteile lediglich durch- bzw. angebohrt werden.

    Ein Abbruch von Gewölbeteilen (in einigen Bereichen jetzt scheinbar in voller Tiefe) war laut der uns hier bisher vorliegenden Planungen nie beschrieben, schon garnicht der Teilabbruch des Mühlgrabengewölbes welches ja durch eine Auskragung der Lagerplatte ("Kragarm mit Aussparung, um die Gewölbe des Kanals nicht zu beeinträchtigen" < Zitat Planung von Milla & Partner) unangetastet bleiben sollte.

    Man kann nur hoffen, daß das Auffüllen der Hohlräume der (Rest-) Gewölbe lediglich temporär ist um eine Standfestigkeit der Bohrgeräte zu gewährleisten, sprich später wieder ausgebaggert wird.


    Die Sache mit den Mosaiken ist dann eine eigene irre Geschichte für sich.

    Niemand der Beteiligten widerspricht ernsthaft, daß die Mosaike lediglich während der Sanierung des Denkmalsockels, zum Zweck der Sanierung der Mosaiken selbst, nur temporär entfernt werden sollten um diese danach wieder denkmalgerecht zu verlegen.


    Nun wissen wir (spätestens seit den Planungen Milla & Partner 2020) daß ein Verlegen der Mosaike (welches auch von Milla & Partner in der Planung von 2011 vorgesehen war) nicht mehr vorgesehen ist.


    Jetzt sieht Milla & Partner das Entfernen / Nichtverlegen der Mosaike in einem persönlichen Wunsch von Frau Dr. Grütters / Entscheidung MBUB begründet. (siehe Milla & Partner - "Richtig und falsch - Irrtümer über das Denkmal der Deutschen Freiheit und Einheit, die sich hartnäckig halten.")


    Die Umplanung von 2020 macht nun ein denkmalgerechtes Verlegen der Mosaike unmöglich. (von mir in einem vorigen Beitrag schon beschrieben)

    Zu diesem Schluß sollen laut Berliner Zeitung auch Gutachter gekommen sein. (im Artikel letzter Absatz)


    Vom Denkmalschutz hört man zu diesem Vorgang überhaupt nichts.



    Ich verstehe dieses Querulantentum um das heilige Kaiser-Wilhelm-Denkmal beim besten Willen nicht.

    Dazu müsste man erstmal versuchen zu verstehen, daß es nicht um das Kaiser-Wilhelm-Denkmal ansich geht (oder irgendein von dir interpretiertes Heiligtum) sondern um einen denkmalgeschützten Denkmalsockel.

    Dazu müsste man dann aber auch generell versuchen zu verstehen, daß (ideologiefreier) Denkmalschutz nichts mit Querulantentum gemein hat. (nichtmal bei an anderen Orten vorhandenen Kaiser-Wilhelm-Denkmalen oder welchen z.B. von Marx und Engels)



    Gruß, Jockel

  • Auch am Freiheits- und Einheitsdenkmal gehen die Bauarbeiten weiter. Bis Ende August hat die Abbruchfirma Halter ihre Arbeiten beendet. Große Mengen an Sand wurden in das Fundament gekippt, um den Baugrund zu stabilisieren.

    Seit September ist nun die Firma Züblin vor Ort, die das eigentliche Denkmal baut. Seit gestern werden nun die Löcher für das Denkmal gebohrt. Hier gibt es Fotos von heute:






    Alle Fotos: Klarenbach

  • Nachdem nun große Teile des Sockels des ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals abgebrochen oder von der Pfahlbohrmaschine durchlöchert sind, befinden sich keine schweren Baumaschinen mehr auf dem Sockel. Ein kleiner Kran und einige Bündel Baustahl zeugen aber davon, dass hier weiterhin gearbeitet wird. Von außen ist kaum zu erkennen, was da geschieht.


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    Von einer erhöhten Position im Humboldt Forum aus, lässt sich ein Blick in das Loch im Sockel erhaschen. Seltsam viele dicke Rohre sind erkennbar, für die ich keine Erklärung habe. Entlüften oder Entwässern erscheinen mir unwahrscheinlich.


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    Der historische Sockel selbst erhält zusätzliche Seitenfundamente. Dabei werden alte Stahlkonstruktionen mit Nieten freigelegt (und zerschnitten), die vermutlich ebenfalls Horizontalkräfte abfangen sollten.

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    Auch bei einem noch vorhandenen Natursteinblock mit Backsteinfundament scheint diese Maßnahme bevorzustehen.


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    Fotos: Beggi

  • Am 03. Oktober 2022, am Tag der deutschen Einheit, soll es endlich soweit sein und das Berliner Freiheits- und Einheitsdenkmal eröffnet werden. In der zweiten Septemberhälfte soll bereits die Übergabe des Objekts vollzogen sein. Weit fortgeschritten sind die Arbeiten an der komplex gekrümmten Unterkonstruktion. Dieser vom Sockel entkoppelte Tragtisch wird durch das Unternehmen Yamato Living Ramps hergestellt, die auch eine Projektseite mit spannenden Aufnahmen der Bauarbeiten eingerichtet haben.

    Das Bauunternehmen Heinrich Rohlfing aus NRW (Link) hat in den letzten Monaten das 50 m x 18 m große Wippen-Konstrukt aus Stahl erbaut. In diesem Frühjahr werden die Einzelteile das erste Mal im Werk zur Prüfung zusammengesetzt und anschließend wiederum als Einzelteile mittels Spezialtransportern nach Berlin verfrachtet.


    Ergänzend zeige ich ein Bild des Sockels. Weitere Einzelheiten sind hier jedoch nicht zu erkennen.


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    Die abgebildete Fotografie ist durch mich am 04.03.2022 aufgenommen worden und bei Gebrauch mit ©RianMa zu kennzeichnen. Vielen Dank.