Visionen und Ideen für Chemnitz

  • Ich glaube so einen ähnlichen Thread gab es schon mal.


    Im März 2019 gab es von der Stadt auch mal eine "Aktion" bei der die Bürger nach Ideen und Visionen für die Zukunft von Chemnitz gefragt wurden. Bisher habe ich aber leider noch nichts genaues von daraus resultierenden konkreten Ergebnissen oder größeren Projekten mitbekommen.. (?)


    Ich finde das Thema und solche konkreten Bürgerbeteiligungsaktionen eigentlich immer wieder sehr interessant, weil es die Möglichkeit bietet, mit daraus hervorgegangenen, bis dato vielleicht "schlummernden" posititven Ideen die Grundlage und Ausgangslage für bestimmte Entwicklungen zu nehmen. Denn nur was als Idee erstmal irgendwo existiert, hat auch annähernd erst eine Chance zur Verwirklichung, wenn es genug Unterstützer und Anklang findet..


    Daher mal in das Forum: Was fehlt Euch in Chemnitz, was wünscht Ihr Euch für Chemnitz zukünftig? Auch wenn bestimmte Ideen auf den ersten Anschein vielleicht etwas "gesponnen" erscheinen mögen.. Und was hat sich zum Beispiel in den letzten Jahren doch schon zum Positiven gewandelt?



    Ich wünschte mir für die Zukunft zum Beispiel einen neuen oder mehrere größere Stauseen in Chemnitz oder im NAHEN Umland - so ähnlich wie man es vom Leipziger Seenland kennt. Zum Beispiel in Form ausgedienter gefluteter Steinbrüche oder zum Beispiel auch als Talsperren mit integrierten Wasserkraftwerk zur sauberen Stromproduktion. An geeigneten Stellen können solche Becken oder Talsperren vielleicht auch dem Hochwasserschutz dienen oder auch nur der Wasserbevorratung in trockenen Zeiten. Der oder die Seen sollten vor allem als offene Erholungsgebiete dienen mit genügend Bademöglichektien an Wiesen und Stränden. Für die Freizeit zum Beispiel auch die Möglichkeiten zum Camping, Bootsbetrieb und Angeln. Am See soll auch genügend Platz für die Natur mit ihren unterschiedlichen Tieren, Pflanzen, Wiesen und Wäldern bestehen. Mir scheint als kommen solche Angebote in Chemnitz etwas kurz. In direkter Nähe gibt es ja eigentlich nur den kleinen Oberrabenstein-Stausee, der aber leider wenig "offen" ist, da umzäunt und nur mit Eintritt zugänglich, im Sommer recht voll...


    Auch eine schöne "naturnahe" und abwechslungsreiche Flusslandschaft entlang der Chemnitz oder anderen Bächen kann reizvoll sein. Zum Beispiel mit anliegenden Teichen, die mit durchfließenden Wasser aus Fluss und Bach frisch gehalten werden und samt Liegewiesen an den Gewässern schöne Orte zur Erholung und Baden sein können. Das Chemnitztal mit seinem Radweg ist in diesem Punkt doch schon sehr interessant. Ein paar Wiesen mit Schafen oder Pferden im Stadtpark erscheinen wohl dagegen nicht möglich, würde so einen Stadtpark aber noch idyllischer machen. Ein "Grünband" entlang der Chemnitz mit Radweg ist von der Stadt ja immerhin wohl schon mal geplant. Im Zusammenhang mit so einer attraktiven grünen Landschaftsgestaltung speziell auch entlang der Flüsse und Gewässer wären vielleicht auch Projekte wie eine Landes- oder gar Bundesgartenschau ganz hilfreich. Aber erstmal ist ja Kulturhauptstadt dran, wo mir noch nicht ganz klar ist was das Genau alles beinhalten soll (?)?(

  • DIe Stausee-Idee gibt es in vereinfachter und relativ problemlos umsetzbarer Form schon lange, die Talsperre Euba wartet nur auf ihre Wiederbelebung. Auch die Aktivierung der Chemnitz ist ein zentraler Punkt in der Kulturhauptstadtbewerbung, ohne dass bei mir da jetzt spontan konkrete Projekte hängengeblieben wären. Es gab ja auch schon erste Ansätze in die Richtung, bspw. die Umgestaltung des Uferbereichs an der Aue.


    Grundsätzlich braucht es meines Erachtens aber gar nicht die großen, komplett neu entwickelten Pläne, die sich wegen langfristiger Planungsverfahren und in den nächsten Jahren fehlender finanzieller Mittel nur sehr schwer umsetzen lassen. Prinzipiell gibt es in Chemnitz bereits fast alle Möglichkeiten für ein attraktives großstädtisches Umfeld, die Altvorderen hatten da schon mal alles richtig gemacht. Diese teils brachliegenden Potentiale zu aktivieren wäre zuallererst nötig. Ideen wie die Kneipen-Meile gehen in die Richtung, aber mit ein, zwei Millionen für die früher so großartigen Parks würde man auch sehr vielen Menschen eine Freude machen. Und vor allem sollte man auch die Potentiale im Umland nutzen, die man durch externe Mittel für eine verbesserte Verkehrserschließung ins eigene Portfolio integrieren könnte. Ich denke da bspw. ans Aqua Marien in Marienberg oder den Rochlitzer Berg mit dem dortigen Kletterparcours. Zu beiden Zielen gibt es Bahnstrecken aus Richtung Chemnitz, wo sich lokale Akteure für eine Reaktivierung einsetzen. Aus dem Oberzentrum Chemnitz hört man dazu nichts.

  • Chemnitz hat großes Potential, was eine zukünftige Stadtentwicklung angeht: Es gibt zahlreiche Freiflächen und Brachen, die man (kreativ) nutzen kann, günstigen Wohnraum, tolle Stadtstrukturen, an die man anknüpfen kann, schöne Frei- und Grünflächen und spannende Kontraste, die eine Großstadt interessant machen. Was fehlt, sind Investitionen in die Stadt und das eine oder andere Leuchtturm-Projekt. Meiner Meinung nach, und das habe ich hier im Forum schön oft gesagt, fallen Sparzwänge sowie die Vernachlässigung der Stadt auf Landesebene der Stadt Chemnitz jetzt auf die Füße. Es heißt immer, Geld sei genug vorhanden. In Chemnitz ist dieses Geld aber nie wirklich angekommen und drückt sich auch im Stadtbild nicht aus - selbst zentrale Bereiche der Innenstadt sind 30+Jahre nach der politischen Wende noch immer vernachlässigt und öde. Leipzig hat in den frühen 2000er Jahren massiv in seine Infrastruktur investiert, Grün- und Freiflächen aufgewertet oder neu geschaffen, sich auf den ersten Blick "unnötige" Projekte wie die Freilegung der alten Kanäle geleistet und damit ganz massiv sein Image poliert und sich zu einer lebenswerten und sehenswerten Stadt entwickelt. Chemnitz kann das auch!

    Vision 1: Was ich mir für Chemnitz wünsche sind vor allem eine Kunsthochschule und ein Institut für Ostmoderne, ein interdisziplinäres Institut für Kunst, Literatur, Architektur, Soziologie und Geschichte - ein Alleinstellungsmerkmal der Stadt im gesamten deutschsprachigen Raum. Wie hier im Forum schonmal besprochen wurde, ist die Studierenden-Anzahl von knapp 10.000 Studenten der Größe der Stadt überhaupt nicht angemessen. Die TU hat einen super Ruf und ist - soweit ich das von Freunden und Bekannten mitbekomme - eine tolle Universität zum Studieren. Das Problem ist nur, dass Physiker, Maschinenbauer und Mathematiker nun rein aus ihrem Studium heraus nicht den großen Beitrag zu einer Stadtgestaltung/ Stadtentwicklung leisten können. Genau das verspreche ich mir von einer Kunsthochschule und dem Institut für Ostmoderne: Kunst im öffentlichen Raum, das Image einer Kunst-Stadt, neue Debatten und Formate, die in den letzten Jahren ein bisschen durch die Kulturhauptstadt-Bewerbung schon existieren und schließlich junge kreative Menschen, die auch hier bleiben und die Freiräume der Stadt entsprechend nutzen. Dazu würde ich mir ein modernes, mutiges Gebäude als Hauptgebäude wünschen; ein Gebäude das als Sehenswürdigkeit herhalten kann, ähnlich der Ars Electronica in Linz. Im Nachbar-Thread habe ich dazu im Modell zum Justiz- und Behördenzentrum einen Platzhalter neben dem Karl-Marx-Kopf vorgesehen. Ich kann mir aber auch die Schlossteich-Umgebung als Standort vorstellen.


    Vision 2: Als zweite Vision wünsche ich mir eine neue GGG, die eine aktive Stadtentwicklung betreibt und die zentralen Gebiete der Stadt durch den Neubau von Wohngebäuden verdichtet, Blockränder schließt und in ihren Wohngebäuden auch Platz für Gewerbe- oder kreative Nutzungen vorsieht. Auch wenn diese keinen Gewinn bringen, so bringen sie einen Mehrwert für die Stadt. Plattenbauten gehören zu Chemnitz und sollten auch, dort wo es Sinn macht, erhalten bleiben. Es macht aber keinen Sinn, ausgedehnte Plattenbau-Siedlungen am Rande der Stadt zu erhalten, während weite Bereiche der Innenstadt kaum bewohnt sind. Schon alleine aus Nachhaltigkeitsgründen wünsche ich mir hier ein Umdenken. Klar, das kostet einen Haufen Geld, ist aber eine Investition in die Zukunft der Stadt sowie eine Investition in die Stadt selbst - schließlich ist es ihr eigener Wohnungsbestand.

  • Ich glaube, die hohen Kosten von bestimmten Vorhaben/Projekten (die auch lange Bestand haben sollen) werden besonders in Chemnitz gern als "Totschlagargument" hervorgebracht. In Leipzig und Dresden fließen regelmäßig die Milliarden für Großprojekte und man macht es einfach.. andererseits muss man aber auch sehen: Ist zum Beispiel in den Chemnitzer Nahverkehr speziell das Chemnitzer Modell bisher doch recht freudig investiert worden.


    Konkrete Projekte müssen nicht nur "Kosten" sein, sie bedeuten auch Arbeitsplätze und Löhne und eben die Chance dabei möglichst "sinnvoll" und "nachhaltig" für die Zukunft zu investieren, so dass die Gesellschaft, hier die Stadt und ihre Bürger noch lange was davon haben. Dazu gehört zum Beispiel auch, dass die Bürger sich in der Stadt wohlfühlen und die Projekte zur Lebensqualität und Attraktivität der Stadt beitragen. Für mich gehören hierzu eben auch Dinge wie Stauseen, die - je nachdem wie "naturbelassen" oder ob mit Staumauern etc. - wohl ohnehin vergleichsweise wenig Folgekosten verursachen? Auf lange Sicht gesehen dürften bestimmte Ausgaben/Investitionen sich also "relativieren", je nachdem auch wie lange sie ihren besonderen Zweck gut erfüllen.


    Viel mehr Geld verplembern kann man da wiederum z.B. auch durch unnötig große Straßennetze, wenn eine Stadt vielleicht auch großteils unnötig nach draußen gewachsen ist, obwohl - wie du schon angesprochen hast - überhaupt innerstädtische Brachflächen erstmal belebt und bebaut werden könnten und somit neue Infrastruktur und die (Folge-)Kosten auch nicht unnötig aufgebläht werden müssen. Aber fairerweise muss man sagen, bedeuten auch solche "Projekte" Arbeitsplätze. Nur ist die Frage, ob das Projekt-Ergebnis langfristig sinnvoll, nützlich und auch ökologisch ist oder mehr ungewollte Kosten verursacht.

  • Ich habe auch überlegt, über in Richtung "neue GGG" zu schreiben, wollte dann aber nicht wieder die Evergreens aus über 10 Jahren im Forum hochholen. Die Stadt Chemnitz hätte mit dem riesigen Wohnungsbestand in dieser städtischen Geseelschaft in allen für eine Stadtentwicklung wichtigen Gebieten Möglichkeiten in der Stadtentwicklung, die wahrscheinlich deutschlandweit einmalig sind. Die hat man 30 Jahre lang nicht genutzt und stattdessen der Stadt irreparable Wunden zugefügt, und bis heute ist fast kein Wille zu erkennen, daran etwas zu ändern. Die Konzepte liegen alle vor, dürfen aber nicht umgesetzt werden. Dabei fordert niemand kurzfristig einen großflächigen Abriss von Plattenbauten. Man müsste nur festlegen, dass man bestimmte Plattenbauten am Brühl, der Theaterstraße oder dem Stadtrand eben durch Stopp der Neuvermietung in den nächsten Jahren oder Jahrzehnten langsam und schrittweise vom Markt nimmt, um dann gerade im Zentrum die Stadt umgestalten zu können und die Altbaugebiete zu stärken. Aber nichts tun ist so viel einfacher...

  • ^ Bei den für 2020 vorgesehenen Sanierungen zeigt sich schon wieder die Konzeptlosigkeit der GGG. Da werden am äußersten Rand der Stadt, in schrumpfenden Stadtteilen und unattraktiven Lagen, Plattenbauten saniert, obwohl der Leerstand innerhalb des Mietwohnungsmarktes der Stadt noch immer bei durchschnittlich 10% liegt und damit im Vergleich aller deutschen Großstädte den noch immer höchsten Leerstand darstellt. Bei Gebäuden die zwischen 1979 und 1990 gebaut wurden (=industrieller Wohnbau) liegt der Leerstand sogar bei knapp 20%.


    Ich verstehe nicht, warum man Gebäude in der Paul-Bertz-Straße oder der Helbersdorfer Straße mit Millionen-Beträgen saniert und hier nicht auf das Programm Stadtumbau und ein ganzheitliches Konzept setzt und sich den Rückbau von Wohngebäuden (110 Euro/m2 Wohnfläche), von unnötig gewordener Infrastruktur und die Aufwertung der freigewordenen Fläche (bis 100% der Gesamtkosten) bis 2027 fördern lässt und stattdessen über das SDP-Förderprogramm Neubauten im Denkmalschutzbereich plant, die ebenfalls zu einem gewissen Teil förderfähig sind - entsprechende Konzepte vorausgesetzt. Insgesamt investiert die GGG dieses Jahr 41 Mio. Euro in ihre Plattenbauten in zum Teil nicht kompetitiven und meiner Meinung nach nicht zukunftsfähigen Lagen - zum Vergleich: Der Neubau am Brühl hat 3,9 Mio. Euro gekostet, wovon 877.000 Euro von Bund und Land gefördert wurden. Die GGG hätte, wenn sie denn gewollt hätte, mit dem Geld allein dieses Jahr (+/-) 10 ansprechende Neubauten errichten können. 10 Neubauten im Brühlviertel könnten dort schon einen massiven Unterschied im Stadtbild machen und zu einer deutlichen Belebung führen.


    Anbei noch ein spannendes Konzept, aus dem die oben verwendeten Zahlen stammen mit einem recht passenden Zusatz:

    "So besteht auch quantitativ teilräumlich Neubaubedarf, beispielsweise in den stärker nachgefragten zentralen Gründerzeitquartieren. In qualitativer Hinsicht ist der Ersatzneubau an gleicher oder an anderer Stelle sinnvoll; unter dem Leitsatz „Neues modernes Bauen“ kann mit neuen Qualitäten und anspruchsvollem Städtebau das Wohnungsangebot verbessert werden."

    (Quelle: https://www.chemnitz.de/chemni…hnraumkonzept_2018_10.pdf)

  • Speziell was nun die Ansichten bzgl. Wohngebietsumbauprogramme etc. angeht bin ich da (mittlerweile) eher zurückhaltend. Oder anders, so wie es da zur Zeit läuft kann ich durchaus damit leben. Es gibt ja Entwicklung, aber es muss auch nicht zu schnell gehen, sodass man seine Stadt vielleicht kaum noch wieder erkennt.


    Man muss auch immer bedenken, dass da Leute mit Ihrer Geschichte und Ansichten drinnen wohnen, die sich auch in den Häusern wohlfühlen und eben die Wohngebiete auch ihre Geschichte haben und auch zur Idendität beitragen. Ich bin der Meinung, ein gewisser Anteil Plattenbauten und Altneubauten gehören auch einfach zu Chemnitz, dann weiß man, dass man wieder in der hießigen Bodenständigkeit angekommen ist. Diese Plattenbaugebiete sind mir ansich auch sympathisch, weil es muss nicht immer alles "schicki-micki" sein und dennoch sind Plattenbauten ansich auch gut genug zum Leben, ist eben alles auch Ansichtssache. Der Vorteil der Plattenbauten ist ja nun mal auch das viele Grün in direkter Nähe, ja ich weiß für Fans von "städtischer Urbanität" ist das eher nichts, nur kann zu viel Beton auch richtig unangenehm sein.


    Bloß überflüssige Infrastruktur kann man sich gerne auch bei großen Einfamilienhaus-Siedlungen auf der grünen Wiese sparen. Sorry, aber da kann man am besten gerne wieder anfangen zurückzubauen, weil es mir bei der "spießigen Sterilität", die man da beinah zu sehen bekommt manchmal schon schlecht wird.. sowas wäre vor 30 Jahren wirklich undenkbar gewesen, heute ist es Normalität. Nein, "natürlich nur übertrieben", aber sowas und die Gewerbebauten bitte auf die alten Brachflächen setzen, dann ist schon viel gewonnen.


    Ich glaube, in den letzten Jahren wurde dieser Ansatz in der Stadtentwicklung auch verstärkt berücksichtigt.


    Zusatz:

    Zitat von Arnold

    Ich verstehe nicht, warum man Gebäude in der Paul-Bertz-Straße oder der Helbersdorfer Straße mit Millionen-Beträgen saniert und hier nicht auf das Programm Stadtumbau und ein ganzheitliches Konzept setzt



    Stimmt, bei diesem speziellen Beispiel an der Paul-Bertz-Straße (direkt neben dem lauten Südring) kann man sich fragen, ob hier sinnvoll investiert wird zumal ja immerhin schonmal saniert wurde und ob die Investitionen woanders nicht besser gepasst hätten. Für diejenigen, die dort gerne und günstig wohnen, vielleicht schon. Wohingegen es je weiter weg vom Straßenlärm durchaus ein attraktives Wohngebiet sein kann.. was wie gesagt auch ein bisschen Geschmackssache ist.

  • ^ Definitiv! Die Platte gehört zu Chemnitz und muss auch als wesentliches Element der DDR-Architektur erhalten bleiben. Das ist der USP von Chemnitz und kann richtig vermarktet auch als touristisches Potential wirken. Ich finde auch innerstädtische Plattenbauten an vielen Stellen der Stadt erhaltenswert - beispielsweise an der Straße der Nationen, der Zwickauer Straße oder am Rosenhof (oft aber nicht in ihrer heutigen Gestaltung). Problematisch sind sie für mich in innerstädtischen Lagen nur dort, wo andere Entwicklungen blockiert werden - wie eben hinter der Parteifalte. Und auch die Randlagen haben natürlich ihre Berechtigung - gerade wegen der Menschen die da seit Jahrzehnten gerne leben - nur eben nicht in diesen Dimensionen. Problematisch wird es, wenn der enorme Leerstand in diesem Segment nicht ernst genommen wird und Geld investiert wird, was an anderer Stelle nachhaltiger eingesetzt wäre. Dazu müssen auch die zahlreichen Wohnraumanalysen mal Beachtung finden: die junge urbane Familie (die Chemnitz braucht!) zieht nun mal nicht in den Plattenbau neben das Vita-Center. Welche Wohnformen sind nachgefragt? An welchen Wohnformen mangelt es? Die vorher von mir zitierte Analyse beschäftigt sich genau mit der Frage.


    Was die Eigenheim-Standorte angeht: Ich bin persönlich kein Fan von Einfamilienhäusern in der Stadt, erkenne aber die Notwendigkeit an. Mit Eigenheim-Eigentum (das nunmal weite Teile der Bevölkerung als den großen Traum erachten) binde ich Bevölkerung für mehrere Generationen an die eigene Stadt. Das ist gerade in schrumpfenden/stagnierenden Städten definitiv notwendig. Und ich finde, sofern gewisse Gestaltungskriterien eingehalten werden - das durchaus optisch vertretbar. Als positives Beispiel würde ich den Eigenheim-Standort an der Hauboldstraße nennen. Am Luftbild sieht das noch sehr trist aus. Vor Ort ist aufgrund der recht homogenen modernen Gestaltung aber etwas entstanden, mit dem ich gut leben kann. Negativ-Beispiel wäre die Eigenheim-Siedlung zwischen Bernhard- und Charlottenstraße - sowohl von den Bauformen als auch von der Größe der Fläche.


    Mein Fazit dazu:
    > die Platte gehört zu Chemnitz und hat gewisse Potentiale
    > Erhalt und Investition in Plattenbauten dort, wo keine anderen Entwicklungen verhindert werden und/ oder die Lage trotzdem gewissen Zentralitätskriterien entspricht (aus meiner Sicht nahezu abgeschlossen)
    > Rückbau, Auflockerung und naturnahe Gestaltung am Stadtrand durch Rückbaukonzepte mithilfe entsprechender Förderprogramme
    > Neubau von Wohnraum mit modernen Wohnformen (Tageslichtbad, Wohnküche, Barrierefreiheit, individuelle Grundrisse, etc.) in zentralen Bereichen der Stadt

  • Plattenbauten sind sicherlich kein "USP" für Chemnitz. Es gibt große Plattenbauviertel, aber sie sind gegenüber dem Altbestand nicht so dominant wie in anderen Städten (bspw. Magdeburg, Rostock oder Neubrandenburg). Immerhin hatte die Stadt ja vorm Krieg mal deutlich mehr Einwohner. Das sieht man auch. Zumal man mit den Standardplatten niemand hinterm Ofen vorlockt, das wäre vergebene Mühe.

    Tatsächlich kann Chemnitz aber einige bemerkenswerte Nachkriegsensembles aufweisen. Angefangen mit der inneren Klosterstraße, dem Reitbahnviertel, der Wismut-Zentrale, der TU-Bau an der StraNa, die Hauptpost, Hotel Moskau, die Stadthalle oder eben auch die Parteisäge - da gibt es schon einiges vom Qualität. Auf die Platten von der Stange sollte man sich also bitte nicht versteifen. Damit ist kein Blumentopf zu holen.

  • ^ Da habe ich mich etwas ungenau ausgedrückt. Der DDR-Städtebau, gerade in den zentralen Bereichen der Stadt, der sich eben durch die Plattenbauten manifestiert, kann zum USP der Stadt werden, wenn es gut vermarktet wird. In kaum einer anderen ostdeutschen Stadt (eventuell noch Magdeburg und natürlich Berlin) ist der DDR-Städtebau derart "sichtbar" und dominant, auch wenn es, wie du richtig sagst, zum Großteil Wohngebäude von der Stange sind. Auch hier hätte ich mir, als die zentralen Plattenbauten am Rosenhof oder der StraNa saniert wurden, eine schlichtere Sanierung der entsprechenden Gebäude gewünscht - weniger bunt, weniger Plastik, näher am Original aber trotzdem optisch eine Verbesserung gegenüber den Originalbauten. Die von dir ausgesprochenen Ensembles sind dann aber schon auch recht einzigartig. Gemeinsam mit einem Institut für Ostmoderne könnte eine Aufarbeitung und Einordnung von Architektur und Kunst stattfinden, die dann auch in eine touristische Vermarktung führen kann.

  • Einige Punkte, die auch hier schon vorkamen, in halbwegs kurz & knapp:


    - Die Chemnitz mehr einbeziehen, Ideen dazu gibt es viele - dass auch im Innenstadtbereich die Ufer eher Schmuddelecken sind, wäre andernorts undenkbar

    - Hier schon benannte deutliche Erweiterung der Naturbademöglichkeiten - neues Flussbad in Altchemnitz oder Glösa, Seen im Umland etc.

    - Weitere Verdichtung der Innenstadt - Lücken schließen und Attraktivitätssteigerung der vorhandenen (Gewerbe)Flächen - Gestaltung und Öffnung Galerie Roter Turm, Gastro an den Stadthallenpark, Entschmuddelung der StraNa-Gewerbeflächen, (Teil)-Bebauung Uferstrand als Übergang zur Zwickauer Straße

    - Konsequente(re) Umsetzung der 1.001 Planungsstudien und Visionen, die viel Geld gekostet haben, meistens aber in der Planungsphase stecken bleiben

    - Selbstverständlich Aufwertung des Schloßteiches - Gastro, Toiletten, Sand, Veranstaltungen, Jux & Dollerei

    - Mut, getroffene Entscheidungen zu revidieren - Abriss der an den Stellen bildprägenden Parkhäuser Rosenhof, Am Wall, Johannisplatz - unter die Erde, darüber attraktive Architektur

    - Auch revidieren: Neuer Busbahnhof, stattdessen überdachtes Regional- und Fernbusterminal stadtauswärts der oberen Georgstraße

    - Ergänzung Bernsdorfer Hallenbad um Gastro, großzügige Aufenthaltszonen und mehr Familienfreundlichkeit

    - Ausbau Radverkehrsnetz - immer wieder Straßenbau ohne neue Radwege, das geht so nicht; Radstellplätze in bewachten Parkhäusern, vernünftiges Bike sharing

    - Grundlegendes Neudenken des Kulturkaufhauses - wenn das versehentlich jemand von außerhalb im Hauptjahr der Kulturhauptstadtbewerbung betritt, ist das abgegebene Bild nur peinlich

    - Ganzheitlicheres Immobilienmanagement - z.B. keine unattraktiven Eigentumswohnungsbauten ohne Anschluss an die Nachbarbebauung, Lücken schließen, bei Neubauten immer weitere Bebauung mitdenken

    - Echte Stadtstrategieentwicklung in den Bereichen Verkehr, Immobilien, Kultur, Unternehmensfreundlichkeit, Familienfreundlichkeit,... [ohne Rangfolge]


    - Und richtig gesponnen: Statt (oder zusätzlich zu) neuem Bernsdorfer Bad: Abriss der Platten an Mühlen- und Karl-Liebknecht-Straße, Mühlenstraße zw. Georg- und Brückenstr. (maximal) als reine Anwohnerstraße, Erweiterung des Stadtbades in Richtung Opernhaus/Kunstsammlungen mit Außenbecken, Wellness, weiteren Becken, Gastro etc., Umsetzung des Kulturquartiers und dadurch Schaffung eines Kultur- und Freizeitquartiers von Schloßteich bis Opernhaus mit Hotel (mit Bademantelgang in die Badelandschaft)


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