The Berlinian (vormals MYND | 146 m | in Bau)
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Ich finde die Höhe sehr passend. Der Turm harmoniert gut mit der Umgebung. Durch perspektivische Verzerrungen je nach Standpunkt wirkt ohnehin mal der eine, mal der andere Turm höher. Welchen Vorteil ein größerer Höhensprung im Vergleich zum Park Inn gehabt hätte, leuchtet mir nicht ein, außer dass für manche mehr Höhe prinzipiell und immer geiler ist.
Der Anschluss an die Galeria-Fassade hat wie erwartet etwas Verschrobenes, aber es sieht dennoch weniger dumm aus als von mir erwartet. Wahrscheinlich, weil der starke Material-Unterschied zwischen den Fassaden (hauptsächlich Stein vs. hauptsächlich Glas) ohnehin ein so großer Bruch ist, dass der unregelmäßige Versatz der horizontalen Gliederungen dagegen weniger ins Gewicht fällt. Wie es nach dem geplanten Umbau von Galerie mit dann mehr Fensterfläche wirkt, könnte spannend werden.
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Welchen Vorteil ein größerer Höhensprung im Vergleich zum Park Inn gehabt hätte, leuchtet mir nicht ein, außer dass für manche mehr Höhe prinzipiell und immer geiler ist.
Hochhäuser mit verschiedenen Höhen tragen zu mehr Abwechslung und Vielfalt im Stadtbild bei. Ein Cluster mit Abstufungen in der Höhe ist letztendlich auch ein Abbild einer pluralistischen Gesellschaft, wo auch nicht alle Menschen gleich groß sind oder die gleiche Meinung besitzen.
Wie es aussieht, wenn alle Hochhäuser die gleiche Höhe aufweisen, kann man gut am Hochhaus-Komplex in der Leipziger Straße sehen.
Link: https://de.wikipedia.org/wiki/Komplex_Leipziger_Stra%C3%9Fe
Die Hochhäuser in der Leipziger Straße stellen sozialistische Programmatik im besten Sinne dar. Alle Hochhäuser sind gleich hoch (und stehen stramm in einer Reihe). Genau so, wie in der Gesellschaft der DDR die Gleichheit der sozialistischen Klasse betont worden ist. Dementsprechend hat auch das Individuum in der sozialistischen Klasse keine Rolle gespielt (und auch keine Rechte besessen).
Um die Frage von Ziegel zusammenfassend zu beantworten:
Ein "pluralistisches" Cluster mit Abstufungen in der Höhe hat deutlich mehr Sex-Appeal als ein homogener, "programmatischer" Hochhaus-Komplex mit gleichen Gebäudehöhen.
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Die Hochhäuser in der Leipziger stellen sozialistische Programmatik im besten Sinne dar. Alle Hochhäuser sind gleich hoch (und stehen stramm in einer Reihe). Genau so, wie in der Gesellschaft der DDR die Gleichheit der sozialistischen Klasse betont worden ist. Dementsprechend hat auch das Individuum in der sozialistischen Klasse keine Rolle gespielt (und auch keine Rechte besessen).
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…. Oder dieses Beispiel hier: https://miyakoparis.com/lhistoire-du-front-de-seine/
Alle stramm entlang der Seine, wie sozialistische Soldaten. Nur dass dieses Quartier Ende der 50 er begonnen wurde unter dem stramm konservativen Präsidenten Charles de Gaulle und unter dem konservativen Präsidenten Giscard d‘Estaing vollendet wurde.
…oder diese fünf strammen Gesellen hier, aus Stockholm:
https://en.wikipedia.org/wiki/Hötorget_buildings#/media/File:Hoghus_1-5_2007a.jpg
Mir ist nicht bekannt, dass die Menschen in Stockholm oder Schweden ganz schrecklich leiden mussten weil das >Individuum keine Rolle gespielt hätte … <
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Architektur-Fan Der Vergleich führt in die Irre. Weder werden die Hochhäuser am Alex alle in einer Reihe stehen (dadurch ergibt sich ja die angesprochene perspektivische Vielfalt), noch haben sie alle die gleiche Fassade. Ich finde, dass die Fotos, die bisher im Forum zu sehen sind, spannende Blickbeziehungen zeigen und nicht die befürchtete Monotonie.
Hochhäuser, die irgendwelche Steuerspar-Kapital-Sammelgesellschaften mit Sitz in Luxemburg bauen (ich weiß es nicht, reine Vermutung) als Symbol der pluralistischen Gesellschaft zu werten, finde ich etwas weit hergeholt. Ist es nicht im Gegenteil eher so, dass sich Hochhäuser überall auf der Welt recht ähnlich sehen und dies Ausdruck der Vereinheitlichung von Kultur, Geschmack und Wirtschaft im Zuge der Globalisierung und Technisierung ist?
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Ist es nicht im Gegenteil eher so, dass sich Hochhäuser überall auf der Welt recht ähnlich sehen und dies Ausdruck der Vereinheitlichung von Kultur, Geschmack und Wirtschaft im Zuge der Globalisierung und Technisierung ist?
Ja, das ist leider so.
Um das zu verhindern, macht es Sinn, dass man jedes einzelne Hochhaus individuell ausarbeitet. Und deswegen erschließt sich mir nicht, warum du eine Individualisierung durch größere Höhensprünge in Frage stellst. Was soll das bringen, wenn alle Hochhäuser plus minus 20 Meter Gebäudehöhe im Vergleich zum das Park Inn haben? Mal davon abgesehen, dass es langweilig ist und sch..ße aussieht.
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Aber wäre denn dann nicht ein "Weiterbau der DDR" ganz in eurem Sinne? Es wäre ortsspezifisch, individuell und entspränge unserer Kultur.
Ob das am Ende schön wäre, steht natürlich auf einem anderen Papier.
Bei nem Kollhoff Turm würden wir die USA zitieren, bei einem zu ausgeflippten Architekturgulasch könnte man Berlin mit London oder Doha oder Warschau verwechseln...
Das neue Rathaus Berlin Mitte müsste doch eigentlich direkt ins Schwarze treffen mit der Argumentation und wenn man nicht wollte, dass weltweit alles vereinheitlicht würde.
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Was das Thema Höhenunterschiede angeht, lohnt ein Blick nach Frankfurt:
Link: Four Frankfurt III: der Bau - Seite 31 - Frankfurt am Main - Deutsches Architekturforum
Die vier Türme des Four Frankfurt haben Gebäudehöhen von 233, 173, 120 und 105 Metern. Vom größten zum kleinsten Turm gibt es eine Höhendifferenz von über 100 (!) Metern. Und das Four ist architektonisch wie städtebaulich wirklich sehr überzeugend.
Daher meine Frage: was soll diese merkwürdige Abneigung gegenüber Höhenabstufungen?
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Was soll diese merkwürdige Abneigung gegenüber Höhenabstufungen?
… ich persönlich habe überhaupt nichts gegen Höhenabstufungen und sie würden auch am Alex gut wirken. Ich war glaube ich einer der Ersten hier im Forum der auf dieses Problem der fehlenden Höhenabstufungen am Alex seinerzeit .. vor 13 Jahren … hingewiesen hat.
Ich habe allerdings etwas gegen diesen merkwürdigen ideologischen Rückschluß Deinerseits, dass gleiche Höhe mit Sozialismus gleichzusetzen ist und der Unfreiheit des Individuums. Das ist nicht überzeugend. Ich weiss nicht warum Du immer so krude Thesen aufstellen musst.
Ich habe versucht mit meinen verlinkten Beispielen Dir das Gegenteil aufzuzeigen.
Das Four in Frankfurt finde ich übrigens nicht gelungen, weder städtebaulich noch gestalterisch.
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OlympiaFlo Bei mir rennst Du mit dieser (womöglich nicht völlig ernst gemeinten) These ein Stück weit offene Türen ein. Ich erkenne tatsächlich einen gewissen Reiz darin, den Alex zeitgenössisch aber mit Ortsbewusstsein zu "vollenden".
Das erfüllen mE bisher beide Türme auf ihre Art, ohne sich zu stark ans Park Inn anzubiedern - oder aber sich umgekehrt zu bemüht zu inszenieren.
Ich bin äußerst gespannt, wie das dann fertig wirken wird. Und vielleicht ist es ja ganz gut, dass dieses Ensemble dann erstmal wirken kann, bevor neue Projekte konkret werden.
Beim Berlinian gefällt mir u.a. dass es einerseits eine gewisse Wertigkeit und schlichte Eleganz ausstrahlt - und zugleich mit der leichten Verjüngung sowie der Unterstrukturierung der Fassade doch auch ein Maß an Dynamik dagegen setzt. Beides aber eben eher Understatement als zu viel Geltungsdrang - etwa vergleichbar mit einem alten Audi A8, 7er BMW oder (optisch) meinem Favoriten dem Jaguar XJ, bevor sie dann für den globalen Markt prollig-protzig angepasst wurden.
Beim Covivo ist es für so ein Urteil noch etwas zu früh, aber das wäre hier ja ohnehin etwas OT. Jedenfalls bin ich aber auch dort eher guter Dinge. Und ich habe auch gar kein Problem, wenn nie ein Gehry o.ä. am Alex entstehen sollte. Eine gewisse Abwechslung braucht es mE schon, aber das Level des Berlinian finde ich jetzt nicht schlecht als erste Referenz.
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Ich denke, es ist kaum von der Hand zu weisen, dass Architektur auch Ausdruck allgemeiner gesellschaftlicher Entwicklungen ist. DDR-Architektur hatte durchaus eine starke politische Dimension, aber auch im Westen - oder Norden - gab es, unter anderen Vorzeichen, eine Entwicklung zu Massengesellschaften, die sich in Architektur niederschlug. Ein Beispiel aus Stockholm zu wählen, wo doch gerade Schweden mit seinem sehr weitgehenden Sozialstaatsmodell enge Beziehungen zur DDR unterhielt, kann man wohl als Eigentor bezeichnen, Camondo.
Heute, so sehe ich es, leben wir in einem Spannungsverhältnis, das schwer zu bewältigen ist. Einerseits wird alles globaler, Kapital, Arbeit, Kultur, alles ist zunehmendem Effizienzdruck ausgesetzt und neigt daher immer mehr der Standardisierung zu. Andererseits, und wohl als Folge dieser Standardisierungen, wird der Wunsch nach Individualität größer. Die Hochhaus-Entwürfe für den Alexanderplatz spiegeln das ein bisschen wieder. Es sind ganz normale Hochhäuser, wie sie überall stehen, die alle üblichen Normen erfüllen. An den Fassaden wird aber eine Prise Individualität ausgelebt. Zwischen Covivio-Turm und Mynd ist in dieser Hinsicht schon ein erheblicher gestalterischer Unterschied, was ich auch sehr gut finde. Bei den gezeigten Beispielen aus den 1960ern gab es den so eben nicht!
Aus der Norm über das übliche Maß hinaus ist Frank Gehry mit seinem ersten Pfeffermühlen-Entwurf ausgebrochen. Den fand ich deshalb nicht nur ästhetisch, sondern auch philosophisch schön. Das war nicht dekorierte Technik, sondern Kunst, die sich der Bautechnik bedient hätte. Dahinter stand ein Mensch, ein Künstler mit wahrhaft individueller, unverkennbarer Handschrift. Natürlich hätte sich dieser Gehry nicht ins Ensemble eingefügt, aber ich finde, dass Kunst sich nicht einfügen muss.
Leider hat der Kleingeist dieses Kunstwerk verhindert, darüber trauere ich viel mehr als über irgendwelche Höhenmeter.
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… Ein Beispiel aus Stockholm zu wählen, wo doch gerade Schweden mit seinem sehr weitgehenden Sozialstaatsmodell enge Beziehungen zur DDR unterhielt, kann man wohl als Eigentor bezeichnen, …
… momentmal die These von Architektur-Fan war, dass an der Gleichförmigkeit der Hochhäuser in der Leipziger Straße, der Sozialsismus und seine Programmatik am besten ablesbar wäre insbesondere in Bezug auf der Gleichförmigkeit der Höhe würde sich das auch in der Rolle des Individuums widerspiegeln.
Ich weiss jetzt nicht wieso Du meinst, dass in Schweden und seinem vorbildlichen Modell des Sozialstaats, ähnliche Zustände wie in der DDR geherrscht hätten ??? Zumal es ja auch noch eine Monarchie ist.
Von daher ist Dein Eigentorvorwurf irgendwie nicht passend, ums mal vorsichtig auszudrücken.
Bei Deinem Statement zu Gehry gehe ich d‘accord. Wahrscheinlich hätte er heute, nach all den Diskussionen, eine größere Realisierungschance als seinerzeit.
Aber wie immer in diesen Tagen hat das alles nichts mit dem thread hier zu tun, sondern mit dem Alex im Allgemeinen.
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Ich möchte hier kurz dazwischenrufen, weil ich finde jeder meiner Vorredner hat etwas Recht. Am Alex soll kein Cluster sondern ein Ensemble gebaut werden. Der Unterschied besteht darin, dass die Turmsetzungen dem Kollhoff-Plan entsprechend gezielt gesetzt wurden um einen gewünschten Stadtraum zu erzeugen. Mittlerweile kann man dies auch beim Covivio-Rohbau räumlich schon ganz gut erkennen. (Was man aber auch erkennt, dass das ParkInn in seiner heutigen Setzung im Gesamtensemble immer mehr zu einem Störkörper wird.)
Umso wichtiger ist, dass die Türme eine Art optische Verwandtschaft zueinander haben. Und hier kommt die Höhe ins Spiel. Die Türme müssen nicht zwingend einheitlich hoch sein, ein zufälliger Höhenwildwuchs (Cluster) ist dem Ensemble jedoch abträglich. Die Höhe sollte zum einen eine Beziehung zu anderen Türmen herstellen, wenn sich z. B. jeweils zwei Türme aufeinander beziehen (als Beispiel Berlinian und Covivio 146 m, Hines und Monarch 175 m, 2 x TLG 190 m, ParkInn oder Ersatz-ParkInn 130 m und Covivio2 daneben 130 m).
Die Abstufungen wurden von Kollhoff als Garantie erdacht, damit die Türme nicht zu fett und klobig werden. Man hat sich politisch gegen diese Abstufung entschieden, so muss man aber halt bedenken, dass die Höhe als ein Schieberegler für die Proportion aus Turm und Block dient. Ein nicht zu unterschätzendes Unterfangen.
Aus meiner Sicht geht es nun darum, dass Covivio und Belinian als erste verwandtschaftliche Türme den Innenkranz des Alexanderplatzes mit ihren Sockelgebäuden einklammern. Die Architektur macht mich vorsichtig optimistisch, hier könne man den Genius Loci des Alex durchaus getroffen haben. Was noch sehr entscheidend sein wird ist der Dachabschluss der oberen Geschosse. Die Proportionen der Gebäude werden es danken, wenn dieser die Bauten optisch gekonnt nach oben zieht und die Architekturen noch etwas veredelt.
Aber eines ist klar, der Alexanderplatz erlebt unbestreitbar eine Jahrhundertmetamorphose.


