Berlin und die Corona-Pandemie

  • Mod: Ich möchte nochmal auf das Thema dieses Threads hinweisen: Berlin und die Corona-Pandemie. Bitte haltet euch thematisch daran. Das soll hier kein allgemeiner Corona-Newsticker-whatever-Thread werden.

    Mod: Danke

    Nochmal zur Erinnerung.

    Und Links zu rechtslastigen Blogs sind hier auch nicht gestattet.

  • Ich habe hier ein Video aus dem italienischem Parlament(!) geteilt! Sind das Trolle?

    Nein, sicherlich kein Troll, sondern ein echter Experte: Der Abgeordnete Vittorio Sgarbi ist - obschon Kunsthistoriker! - immerhin eine anerkannte Größe in der Medizingeschichte, schließlich wurde er als Beamter im Denkmalamt Venetien mehrfach wegen Betrugs verurteilt, unter anderem weil er aufgrund von gefälschten Arzt-Attesten drei Jahre lang nicht zur Arbeit erschien - angeblich hatte er unter anderem die Hunde-Staupe und eine erstmals diagnostizierte "Hochzeits-Allergie".

    https://www.ilfattoquotidiano.…lica-delle-banane/112128/

  • Auch wenn ich normal nicht für allzu strenge Regelungen bezüglich Abschweifungen bin, braucht dieses riesige Thema mE tatsächlich eine gewisse Eingrenzung (zumal es entsprechende Threads auch in anderen Regionalbereichen des DAF gibt und sonst überall exakt das selbe diskutiert wird). Natürlich kann und sollte es hier (wie auch bei Architekturthemen) immer auch den Blick über den Tellerrand geben (und gerade in der Lounge finde ich auch etwas mehr Diskussion, Meinung und Kontext ok) aber nicht völlig ohne relevante Rückbezüge auf die Situation in Berlin.

  • Um dann mal bei Berlin zu bleiben. Die Einschränkungen und Auswirkungen der Coronakrise haben in Berlin bis Mitte April schon nahezu 30.000 Arbeitsplätze vernichtet, wenn man die Arbeitslosenstatistik ansieht.

    Mittlerweile dürfte die Zahl noch deutlich weiter geklettert sein.

    Q: Berliner Zeitung


    Die Kosten für den Wegfall der Arbeitsplätze, für Soforthilfen, Kredite, Steuerausfälle, ... wird die Gesellschaft tragen müssen. Ich will daran erinnern, dass das Geld, das die Politik derzeit verteilt nicht das Geld der Politiker, sondern unser aller Geld ist.


    Die Kosten die dadurch in Zukunft entstehen, werden vor allem von Jüngeren getragen, während es bei den Maßnahmen vorwiegend um den Schutz von Älteren geht. (Die Gefahr an oder mit Covid-19 zu sterben lag bei den über 80jährigen in Deutschland bis 4. April etwa bei 2 Fällen von 10.000, lt. Ionnadis, und hat sich seitdem auf etwa 4-5 erhöht.)

    Den Schutz der Älteren halte ich für richtig, das möchte ich betonen. Die Maßnahmen müssen allerdings angemessen sein.


    Worauf ich nun hinaus will, ist dass nicht einseitig die Bedürfnisse der Älteren beim Handeln im Vordergrund stehen dürfen, wie ich finde. Es werden in Berlin und Deutschland gerade viele Weichen für die Zukunft gestellt, dass ich unbedingt dafür bin die Herausforderungen, die auf die Jüngeren warten, genauso zu wahren, wie den Schutz der Älteren vor einer Coronainfektion.


    Das bedeutet in erster Linie natürlich den drohenden Klimakollaps im Blick zu haben. Die Trockenheit der Bäume in Berlin sehe ich als Zeichen in dieser Hinsicht. Deshalb wäre es für Berlin wichtig, dass Maßnahmen getroffen werden die Spree und Havel, das Grund- und Trinkwasser zu schützen. So als einen Punkt. So wie z. B. München mit dem Flächenankauf im Umland und entsprechender Bewirtschaftung lange schon seine Trinkwasserqualität schützt.


    Oder bei der Unterstützung von Verkehrsträgern mit Steuermitteln darauf zu drängen, dass sich z. B. Flugverkehr auf Kurzstrecken auf die Schiene verlagert. Individualverkehr weniger wird und keine Abwrackprämie reloaded die Berliner dazu animiert neue Autos zu kaufen, sondern das Geld für bessere Radwege, Parkhäuser für Fahrräder, einen komfortableren ÖPNV und etc. pp investiert wird. Mit Maßnahmen die den Wechsel sozial begleiten.


    "Back to normal" halte ich für einen Fehler, weil "normal was already a crisis", eine Krise die vor allem die Jüngeren betrifft, die nun auch noch die Kosten der Coronakrise zusätzlich schultern müssen.

  • Das größte Problem ist nicht dieser herbeifantasierte Klimakollaps, sondern der sich im Gange befindliche Wirtschaftskollaps und die Verhinderung der Totalüberwachnung (Abschaffung Bargeld, "Corona"App, Zensur und Unterdrückung von Kritik). Das ist es was zählt und nicht etwa, dass alle auf's Fahrrad umsteigen welches im Winter eh niemand nutzt.

    Das Grund- und Trinkwasser wird in Berlin übrigens sehr empfindlich geschützt.

  • Berlin hat mit der Trockenheit ordentlich zu kämpfen und der Grundwasserspiegel, wie auch die Trinkwasserversorgung sind bei bleibender Trockenheit gefährdet. Aber das ist Off Topic. Deshalb gehe ich nicht weiter und auch nicht auf Deinen ersten Satz ein.


    Das Coronakrankenhaus auf der Messe ist fertig. Es bietet zunächst 500 Betten, davon 100 mit Beatmungsgeräten. Die Ausstattung mit Medizintechnik wird 45 Mio. Euro kosten.

    Mitte Mai soll entschieden werden, ob das Provisorium noch vergrößert wird.

    Q: Berliner Zeitung


    Ich erinnere mich noch mit welchen Szenarien der Senat entschieden hat, die Klinik auf der Messe bauen zu lassen.


    Ach ja, das KaDeWE darf auf ganzer Fläche öffnen, nach einer Eilentscheidung des Berliner Landgerichts.

  • Ha, der beste Satz aus deinem Artikel: "Bei den Umbaukosten liege man unter den 31 Millionen Euro, die bewilligt wurden, schätzt Broemme. Das sei auch ein Novum bei Berliner Bauprojekten, konstatiert er."


    Es ist allerdings ein richtig fettes Novum, wenn der komplette Bau überhaupt nicht benötigt wird. Ich meine, dass ist eine noch viel härtere Geldverschwendung, als wenn etwas ein paar Millionen mehr kostet.

    siehe Auslastung der Krankenhäuser:

    https://www.bz-berlin.de/berli…ben-behutsame-oeffnung-an

  • Das Coronakrankenhaus auf der Messe ist fertig. Es bietet zunächst 500 Betten, davon 100 mit Beatmungsgeräten. Die Ausstattung mit Medizintechnik wird 45 Mio. Euro kosten.

    Mitte Mai soll entschieden werden, ob das Provisorium noch vergrößert wird.

    Q: Berliner Zeitung

    Ein teures Projekt! Trotzdem bin ich froh, dass wir ein ungenutztes "Pop-Up" Krankenhaus in der Stadt haben, anstelle von gefüllten "Pop-Up" Leichenkühlhäusern und Leichenkühlwagen wie in New York und in London!


    Das echte Problem ist allerdings, dass kaum Pflegepersonal zu finden ist, welches 500 Patient*innen in den 500 Betten tatsächlich betreuen könnte!


    Nunja, und die Attraktivität der Pflegeberufe allgemein wird sicher auch nicht durch Gesetzentwürfe gesteigert (siehe NRW) in denen Pflegepersonal per se zwangsverpflichtet werden können soll.


    Es wurde ja hier im Forum auch lebhaft darüber diskutiert, ob oder ob nicht jeder Bürger der Stadt ein Recht darauf haben soll, zentral in Berlin zu wohnen. Dieses Recht wird ja allgemein gerne abgesprochen (selbst von grünen Stadträten) und hier kommen wir wieder zum Knackpunkt: Die Krankenschwester, die eben nicht in Charlottenburg "um die Ecke" der Messe wohnt...


    Wie sagte eine Berliner Krankenschwester jüngst: "Ihr könnt Euch Euren Applaus irgendwo hin..." Recht hat sie...

  • Das größte Problem ist nicht dieser herbeifantasierte Klimakollaps, ........und nicht etwa, dass alle auf's Fahrrad umsteigen welches im Winter eh niemand nutzt.

    Durch den Klimawandel (den nur unverbesserliche ignorieren) haben wir kaum noch Winter mit Frost und auch mehr Leute die dann Fahrrad fahren. Das ist nebenbei gesund und Infektionen sind unwahrscheinlicher als in Bussen und Bahnen.

  • Wenn der Klimawandel nicht gebremst wird kommt es irgendwann zum Kollaps, so einfach ist das.

    Dass es durch die Coronakrise zu einer Rezession kommt und die Aussetzung von Grundrechten zunimmt steht außer Frage. Nur sollte man andere Themen darüber nicht vernachlässigen und so etwas wie den Rückgang des Flugverkehrs auch als Chance sehen.


    Wie der Klimakollaps dann aussehen könnte habe ich gerade zufällig gelesen:


    https://www.wetteronline.de/kl…d-haeufiger-2020-05-05-hz


    Dagegen ist die Corona-Pandemie tatsächlich harmlos.

    Einmal editiert, zuletzt von Rainer Tee () aus folgendem Grund: Ergänzung

  • Dagegen ist die Corona-Pandemie tatsächlich harmlos.

    In der Welt sterben in jedem Jahr 500 000 Kinder an Durchfallerkrankungen, weil sie keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben ( die Zahl der Erwachsenen die daran sterben liegt im Millionenbereich). Diese Menschen können einer Infektion nicht entkommen.


    In Europa sterben in jedem Jahr Tausende Patienten an nosokomialen Infekten (also im Krankenhaus erworbene Infektionen) , diese Zahl könnte weit niedriger liegen wenn es hier ein ähnliches Screening gäbe wie nun bei SARS-CoV-2, oder die Hygienevorschriften tatsächlich strikter umgesetzt werden.


    Während innerhalb eines Tages 7 Milliarden Euro für die SARS-CoV-2 Impfstoff Findung locker gemacht werden und weltweit Pharmafirmen mit Ihrem Rennen um wirksame Medikamente und/oder Impfstoffe werben, ziehen sich viele Pharmakonzerne still und heimlich aus der Forschung um neue Antibiotika komplett zurück, dabei wächst die Zahl von Menschen die an hochresistenten Keimen schwer erkranken oder daran versterben stetig an!


    Insofern gibt es im Grunde immer Situationen und Zustände auf der Welt, die vom gesundheitlichen Standpunkt aus betrachtet ernster als die Corona Krise sind, es interessiert nur niemanden...

  • Am unterhaltsamsten finde ich eigentlich die Abstandsfanatiker, die sich an der Kasse umdrehen oder einen auf der Straße anhalten und einen zum Reden nötigen, indem sie noch mal sagen müssen, dass man 2 Schritt zu nah steht ist. Dass sie dadurch das Risiko erhöhen, scheint ihnen nicht bewusst zu sein. Als ich letzte Woche in Leipzig am Bahnhof kurz im Supermarkt war, hat mich beim Rausgehen auch einer angemacht: "Können sie bitte Abstand halten?" Meinte nur "Können Sie bitte nicht einfach plötzlich vorm Ausgang stehen bleiben?" und bin weitergegangen. Hat Spaß gemacht :D.


    Es nervt zwar alles etwas, vor allem die Medien, aber ich kann damit leben. Ich genieße vor allem das Home Office. Keine Diskussionen über Heizung, Fenster, Radio...Kaffemaschine ist nicht alle 2 Tage kaputt (naja, eigentlich sind die Leute nur zu doof, sie zu benutzen), Kühlschrank riecht nicht nach Verwesung, Toiletten nicht dauernd besetzt, kein ständiges überflüssiges "Gesundheit" in der Heunschupfenzeit etc. Ach ja, keine insgesg. 1,5h An- und Abfahrtsweg sind natürlich auch was feines. Kann von mir aus noch so bleiben, bis das neue Büro fertig ist. Als dann noch - leider nur sehr kurz - Kurzarbeit angesagt war, war es fast wie Urlaub. Um die sonstigen Freizeitaktivitäten, deren Stattfinden man nicht selber steuern kann, ist es natürlich schade. Aber ich treffe mich mit Leuten und war letzte Woche in Leipzig.


    Dennoch finde ich, jeder Erwachsene ist für sich selber verantwortlich. Wenn man offiziell zur Risikogruppe gehört, sollte man so vernünftig sein, auch ohne Lock downs etc. zu Hause zu bleiben. Und wer es nicht riskieren will, soll dies eben auch tun. Wenn ich mit 80 mit meiner Sauerstoffflasche dennoch rausgehe und es mir hole, selbst schuld. Natürlich tuts mir leid für jeden, der jemanden dadurch verliert. Und hey...Seit gelebt wird, wird gestorben und ob Oma nun mit Corona stirbt oder an nem Schlaganfall, das spielt für die Angehören sicher keine Rolle.


    Gestern hieß es in irgendwelchen Nachrichten, dass wir die höchste Arbeitslosenquote seit Ende des Krieges haben. Na, welch Überraschung! Ob Oma will, dass ihre Kinder und Enkel nun unter Umständen keinen Job mehr haben, der Kauf des neuen Hauses mit Garten für die Enkel platz (bekomme ich auf Arbeit immer wieder mit), ihre Hochzeit absagen müssen etc. etc...Denke mal nicht...Ich sehe einfach nicht ein, wieso man aus Solidarität mit diesen Leuten und aufgrund irrationaler Moralvorstellungen, auf alles verzichten zu muss. Es ist nicht langfristig genug gedacht und falsche Solidarität mit denen, die dann doch betroffen sind sowie irrationale Moralvorstellungen, unter denen wir dann noch lange leiden werden müssen.

  • ^ Ich fasse mal zusammen: Wer elendig erstickt, gehört zu "diesen Leuten" und ist selber Schuld (und wäre ja eh irgendwann gestorben); Du genießt die Seuche wegen Homeoffice, hältst aber Abstandhalten für lächerlich. Und wer seine Hochzeit ein paar Monate verschieben muss, um Leben zu retten, ist Opfer einer "irrationalen Moralvorstellung". Aus Steuermitteln finanzierte Kurzarbeit ist richtige Solidarität, weil sie Dir fast sowas wie Urlaub ermöglicht; Rücksichtnahme auf Alte oder - sagen wir - 40-jährige Diabetiker ist "falsche Solidarität", weil Du auf nichts verzichten willst. Schauderhaft kalt, was Du da schreibst.


    Die Mutter eines Kollegen arbeitet in einem Heim für Demenzkranke, in dem die Seuche ausgebrochen ist. Von 12 Leuten aus ihrer Abteilung sind fünf innerhalb weniger Tage gestorben, drei weitere lagen auf der Intensivstation. Eine Kollegin der Mutter ebenfalls, sie selbst hatte eine Woche lang schwere Atemnot. Nun ist sie völlig am Boden zerstört und heult den halben Tag aus Trauer um ihre Schützlinge. Aber schön, wenn Du das alles für einen Witz hältst.


    Die Zahl der Arbeitslosen lag im April übrigens bei 2,6 Mio. Das sind zwar 0,7 Prozent mehr als vor der Krise, aber mitnichten die höchste Quote seit dem Krieg, wie Du behauptest. 2005 hatten wir 4,9 Mio. Arbeitslose. Die Rekordzahlen stammen aus den USA, wo Corona ungleich schlimmer wütet und auch die wirtschaftlichen Folgen ungleich größer sind - der Segen einer freien Marktwirtschaft, die ordentliche Sozialgesetze für "falsche Solidarität" hält (um Dich zu zitieren).


    Klar ist, dass der Lockdown tatsächlich fatale Auswirkungen haben würde, wenn er länger anhält. Da hast Du recht. Deshalb ist es wichtig, die Systeme langsam wieder hochzufahren - vor allem die Wirtschaft und das nicht-coronabezogene Gesundheitssystem. Genau das geschieht gerade. Und damit die Folge davon keine zweite Welle ist, müssen wir uns halt noch eine zeitlang an genau die Abstandsregeln halten, über die Du spottest.


    Und hey...Seit gelebt wird, wird gestorben und ob Oma nun mit Corona stirbt oder an nem Schlaganfall, das spielt für die Angehören sicher keine Rolle.

    Nachtrag: Dass es einen Unterschied macht, ob Oma mit 75 an Corona stirbt oder mit 95 an Altersschwäche - das erkennst Du aber schon an, oder?

  • Man merkt mE einfach, dass es Berlin und Gesamtdeutschland bisher verhältnismäßig wenig getroffen hat und die Schutzmaßnahmen somit in einigen Kreisen mehr gedultet und ertragen (oder auch als mehr oder minder offenes Geheimnis unterlaufen) statt wirklich akzeptiert werden. Da kann man jetzt lange über Gründe, Rechtfertigungen und Bewertungsansätze philosophieren aber so oder so kann man diesen Zustand kaum ändern.


    Ich befürchte, dass uns die Lehren aus anderen Ländern im schlimmsten Fall früher oder später noch ereilen könnten aber letztlich weiß das niemand wirklich. Falls es so kommt, haben wir im Unterschied zu den am schlimmsten von Übersterblichkeit betroffenen Regionen immerhin höhere medizinische Kapazitäten.


    Nur ganz kurz zu der seit kurzem immer offener kursierenden Aussage, die meisten Opfer wären ohnehin sehr bald verstorben: Unabhängig von der ethischen Komponente einer solchen Aussage ist diese Behauptung mW objektiv falsch. Zunächst einmal ist die Übersterblichkeit in einigen betroffenen Regionen viel zu hoch, als dass diese Aussage logisch zutreffen KANN. Aus den USA hatte ich zudem kürzlich mal eine Zahl von durchschnittlich rund 10 verlorenen Lebensjahren gehört. Leider habe ich keine Quelle und kann mich nicht genau an Kontext und Umfang der Untersuchung erinnern (ich meine, dass es um ganz NYC ging aber will meine Hand nicht dafür ins Feuer legen). Das ist also sicher erst mal eine isolierte, von vielen lokalen Faktoren abhängige Zahl und keine feste Größe. Aber selbst wenn es für Berlin 5 Jahre sein sollten, würde ich mir flapsige Bemerkungen über den Wert einer solchen Restlebenszeit lieber verkneifen. Schon weil hinter einer Statistik auch sehr viele hochtragische Fälle mit dramatischen Auswirkungen auf Angehörige Familien stehen können. Natürlich tut es auch weh, wenn man das Haus doch nicht kaufen kann oder insgesamt den Gürtel enger schnallen muss. Aber bislang geht es uns in Deutschland selbst in solchen Fällen noch verhältnismäßig gut, sodass zumindest niemand verhungern muss. Ein toter Angehöriger kommt hingegen nicht mehr zurück. Das ist dann existenziell im eigentlichen Wortsinn.

  • Die Mutter eines Kollegen arbeitet in einem Heim für Demenzkranke, in dem die Seuche ausgebrochen ist. Von 12 Leuten aus ihrer Abteilung sind fünf innerhalb weniger Tage gestorben, drei weitere lagen auf der Intensivstation. Eine Kollegin der Mutter ebenfalls, sie selbst hatte eine Woche lang schwere Atemnot. Nun ist sie völlig am Boden zerstört und heult den halben Tag aus Trauer um ihre Schützlinge. Aber schön, wenn Du das alles für einen Witz hältst.

    Und wenn wieder mal, wie schon so oft in den letzten Jahrzehnten, eine Grippewelle die Seniorenheime leerfegt passierte genau was?

    Dem Ben zu unterstellen ihm wären die Toten egal, ist unterste Schublade und ein Argument ad hominem.


    Klar ist, dass der Lockdown tatsächlich fatale Auswirkungen haben würde, wenn er länger anhält.

    10Mio sind in Kurzarbeit, Arbeitslosquote steigt, Geschäfte und Firmen sind pleite gegangen.

  • @Achritektenkind


    Bitte lege doch nicht jedes Wort auf die Goldwaage und lies auch zwischen den Zeilen. Ob nun "diese Leute", "jene Leute" oder wie auch immer. Ich habe hier keine wissenschaftliche Arbeit verfasst, wo auf eine unmissverständliche Formulierung geachtet werden muss.


    Die "falsche Solidarität" bezog sich nicht auf die Kurzabreiter, deren Gehalt durch den Staat aufgestockt wird. Das ist absolut nötig. Man verdient ja teilweise so schon kaum genug und wenn es dann nur noch 50% wären...Ich hätte es mir jedoch für einen Monat leisten können (tut mir leid, dass ich mich nicht dafür schäme), sodass ich die 50% Arbeit doch etwas genossen habe. Als Führungskraft musste ich dennoch immer wieder Überstunden machen, die ich mir nicht anrechnen lassen konnte und nach einer Woche war es auch schon wieder vorbei. Egal, wie gern man seinen Job hat, mir kann keiner erzählen, dass er etwas dagegen hat, für weniger Arbeit mehr Geld zu bekommen, wenn auch nur relativ. Mir gings darum, dass man von allen erwartet sein Leben einzuschränken und mit den langfristigen Konsequenzen zu leben, damit nicht nur ein paar betroffen sind. Das wäre ja schließlich unfair.


    Ich bin da einfach sehr rational und was ich damit meinte ist klar: Wer zur Risikogruppe gehört, soll so vernünftig sein und seine Lebensweise auf eigene Initiative den Umständen anpassen. Wer eben nicht so vernünftig ist, muss mit den Konsequenzen leben (oder sterben). Es ist doch im Grunde wie bei ungewollten Schwangerschaften oder Geschlechtskrankheiten. Es ist seit Ewigkeiten bekannt, wie man dies verhindern kann. Dennoch passiert es dauernd. Und nein, ich sage nicht, dass Schwangerschaften mit Krankheiten gleichzusetzen sind. Dasselbe gilt für Alkohol am Steuer etc. Manche lernens eben nie...Corona-Opfer sind nicht mehr wert, als die anderer Krankheiten oder Umstände.


    Das mit Oma und der Hochzeit war einfach nur eine Überlegung, wo vielleicht ihre Prioritäten liegen würden/könnten.


    Die Höhe der Arbeitslosenzahlen beruht nicht auf meiner eigenen Recherche, sondern ich habe es wie gesagt aus den Nachrichten. Ich habe das nicht weiter analysiert. Dass du da andere Zahlen hast, machts natürlich interessanter.


    Es ist einfach alles inkonsequent. Pflege- und Krankenhauspersonal ist draußen genauso dem ganzen ausgesetzt, wie alle anderen und schleppt es dann in die Einrichtungen. Es müsste also in die Einrichtungen mit einziehen, damit sie "sauber" bleiben. Kinder laufen überall ohne Mundschutz rum. Ja, es ist schwer, ihnen das beizubringen, aber müsste nun mal auch sein. Die Handläufer der Rolltreppen werden nicht desinfiziert. Die Trenner an den Kassen werden auch nicht gereinigt. Um nicht nur den Kassierer, sondern auch den Kunden zu schützen, müssten an der Kasse beide Handschuhe tragen. Schließlich sind sowohl die Handschuhe des Kassierers als auch das Geld, das der Kunde bekommt "verseucht". Klar, man kann nicht alles kontrollieren, aber dann braucht hier nicht auf obervorsichtig machen.

  • Mich nerven die Masken auch. Ich kann mich aber trotzdem damit arrangieren, eine zu tragen, bis es einen Impfstoff oder ein wirklich wirksames anti-virales Medikament gibt. Zumindest in Bus&Bahn machen sie auch Sinn, in teils riesigen Supermärkten mit 5m Deckenhöhen und luftumwälzender Klimatechnik nicht unbedingt, aber ich verstehe auch, dass man hier pauschalisieren muss, sonst fängt jeder Kiosk an zu diskutieren.

    Ich bin da einfach sehr rational und was ich damit meinte ist klar: Wer zur Risikogruppe gehört, soll so vernünftig sein und seine Lebensweise auf eigene Initiative den Umständen anpassen. Wer eben nicht so vernünftig ist, muss mit den Konsequenzen leben (oder sterben).

    Menschen, die am höchsten gefährdet sind, sind aber nunmal in den allermeisten Fällen alt bis sehr alt und dementsprechend körperlich und/oder geistig eingeschränkt bis stark eingeschränkt. Von schutzbedürftigen Menschen, die nicht einmal autark für sich selbst sorgen können, zu verlangen, autonom Risikovorsorge kontra eine Krankheit zu betreiben, an der sich selbst Pfleger&Ärzte reihenweise anstecken, ist so, als würdest du von einem Rollstuhlfahrer verlangen, sich gestikulierend und unter Lebensgefahr über die vielbefahrene Straße zu schieben, weil sowas wie ein Zebrastreifen für den normalen Berufsverkehr ja eine Zumutung wäre, weil man müsste ja dann auch für den jungen, gesunden Hüpfer anhalten, obwohl der ja auch ohne Zebrastreifen mal eben über die Straße hüpfen könnte. Unsere Gesellschaft ist auf die Inklusion Schwächerer ausgerichtet, nicht auf die Exklusion. Das wird auch von den Allermeisten akzeptiert. Nun steht für den Behinderten plötzlich der Tod auf dem Spiel und nicht mehr nur die unüberwindbare Bahnsteigkante und da soll ich das alles über den Haufen werfen und einem sozialdarwinistischen Apartheitssystem opfern, nur weil der -im europäischen Vergleich überaus milde- Lockdown einigen zu unbequem wird?


    Dein Vorschlag würde dazu führen, dass nicht nur alte, sondern auch immungeschwächte oder bronchial-symptomatische (Asthmatiker, Allergiker ect.) im Prinzip sogar schon "nur" übergewichtige Menschen, quasi eine hermetisch abgeriegelte Parallelgesellschaft bilden müssten. Das ist weder realisierbar, noch erstrebenswert und das hat auch mit "Vernunft" nichts zu tun, abgesehen davon, dass es zynisch ist "die Vernunft" als Hüterin über Leben und Tod zu stilisieren und das Überleben ganzer Bevölkerungsgruppen von so einem unpräzisen, interpretationsabhängigen- und von Deutungshoheiten bestimmten Konstrukt abhängig machen zu wollen.

    Es ist doch im Grunde wie bei ungewollten Schwangerschaften oder Geschlechtskrankheiten. Es ist seit Ewigkeiten bekannt, wie man dies verhindern kann.

    Schwangerschaften und Geschlechtskrankheiten kann ich wirkungsvoll verhindern, wenn ich keinen Sex habe. Covid-19 kann ich nur wirkungsvoll verhindern, wenn ich nicht atme.

    Die Trenner an den Kassen werden auch nicht gereinigt. Um nicht nur den Kassierer, sondern auch den Kunden zu schützen, müssten an der Kasse beide Handschuhe tragen. Schließlich sind sowohl die Handschuhe des Kassierers als auch das Geld, das der Kunde bekommt "verseucht".

    Kontaktinfektion macht nach neusten Erkenntnisse höchstens 10% aus, eher weniger. In der Heinsberg-Studie hat man die Wohnräume von Covid-Kranken ausführlich nach Viren auf Kontaktflächen abgesucht. Man hat jede Menge Viren gefunden, nur waren die alle tot. Es ist aktuell geschätzt ungefähr 50% Tröpfchen, 40% Aerosol und 10% Kontakt.