Kapstadt im Februar 2020

  • Es gibt sicher schönere Städte auf der Welt, aber kaum eine dürfte so reizvoll gelegen sein wie Kapstadt. Dazu wird die Stadt am Kap ganzjährig von schönem Wetter mit hoher Sonnenscheindauer und angenehmen Temperaturen auch im Hochsommer verwöhnt. Durch den Atlantik, dessen Wassertemperatur nie auf über 20 Grad steigt, erwärmt sich auch die Luft im Sommer selten auf 30 Grad oder drüber. Die vielen in traumhaften Buchten gelegenen Vororte wie Clifton, Camps Bay oder LLandudno könnten pittoresker kaum sein. Gepflegte Strände und Promenaden, tolle Restaurants, dahinter noble Appartementhäuser mit sog. Infinity-Pools und Nobelkarossen soweit das Auge reicht lassen einen schnell vergessen, dass man hier eigentlich in Afrika ist. In Kapstadt selbst ist man versucht, die Lebensqualität für Einheimische mit baulichen Veränderungen stets zu erhöhen und dabei auch den Blick auf Touristen nicht zu vernachlässigen. Beispielhaft dafür dürfte die Errichtung der Strandpromenaden Sea Point und Green Point sein (letzterer auch mit der Errichtung des Cape Town Stadium für die WM 2010) sowie an deren Ende befindlichen Waterfront, ein ehemaliger Stadthafen, der vor über 20 Jahren zu einer Vergnügungsmeile ausgebaut worden ist.


    Kapstadt ist zwar ein Hotspot für Touristen aus aller Welt, wirkt aber längst nicht so überlaufen wie europäische Großstädte im Sommer. Es dauert nicht lange, bis man Deutsche ausmacht, aber dennoch beschleicht mich das Gefühl, dass Kapstadt und Südafrika noch immer so was wie ein Nischendasein für deutsche Touristen darstellt. Für eingefleischte Afrika-Liebhaber kommt Südafrika eigentlich gar nicht in Frage, zu unafrikanisch eben, und Pauschaltouristen fliegen eher nach Thailand, Bali oder in die Karibik.


    Wo viel Licht, da auch meist viel Schatten: Durch die Apartheid wirkt Kapstadt baulich auch heute noch sehr entmischt. Viele ehemalige Viertel wurden ab den 60er-Jahren dem Erdboden gleichgemacht und deren Bewohner nach Hautfarbe zwangsumgesiedelt. Eine Ausnahme bildet Bo Kaap, das Viertel der sog. Kapmalaien, das fast wie durch ein Wunder erhalten blieb und heute - natürlich! - ein Touri-Hotspot ist. Eine weitere Folge der Apartheid sind die in Südafrika allseits bekannten Townships, die sich auf dem "Rücken" von Kapstadt jenseits des Tafelbergs befinden und in den sandigen Cape Flats vom Flughafen bis zu den Stränden von False Bay reichen. Die sozialen Missstände von Mitchel's Plain, Hanover Park oder Khayelithsa, mit knapp 400.000 Einwohnern das größte Township, haben in den letzten Jahren noch zugenommen. Zum einen durch rege Armutszuwanderung aus anderen Teilen Südafrikas und Afrikas, zum anderen durch ausufernde Gewalt militanter Drogenbanden, die jüngst sogar die Armee auf den Plan gerufen haben und Kapstadt insgesamt letztes Jahr in die Top 20 der Städte mit den meisten Morden weltweit gehievt hatte. Noch vor Johannesburg! Dem Abhilfe zu schaffen dürfte schwer werden, zumal Südafrika von einem Korruptionsskandal in den nächsten schlittert und Gelder für sozialen Wohnungsbau, Infrastruktur, Sicherheit und Bildung etc. in irgendwelche dunkle Kanäle fließen. Dass in weiten Teilen des Landes jeden Tag für ein paar Stunden der Strom abgeschaltet werden muss (noch nicht in Kapstadt), ist nur eine unangenehme Folge daraus.


    Aber davon bekommt der Kapstadt-Tourist in aller Regel nichts mit, wenn er nicht gerade eine der vielen geführten Touren durch die Townships bucht. Das ist sicher nicht verkehrt, um sich mal wieder zu "erden" und um beide Seiten von Kapstadt kennenzulernen. Die schöne Seite dominiert klar und lassen Kapstadt zu einem unvergesslichen Erlebnis werden. Die Stadt empfand ich als sehr entspannt, vielseitig, sicher und stets freundlich. Für einen Besuch auch mit kleinen Kindern sehr geeignet.




    Kapstadt und der Tafelberg von der ehemaligen Gefängnisinsel Robben Island gesehen. Die Wolken auf dem Tafelberg werden umgangssprachlich "Tischdecke" genannt und stellen ein Wetterphänomen dar: Durch die warme Luft am Fuße des Tafelbergs lösen sich die Wolken, die der Wind über die Berge peitscht ab einer bestimmten Höhe sekundenschnell auf, so dass in der Stadt oft den ganzen Tag über die Sonne aus vollen Rohren scheint, während es hinterm Tafelberg ganztägig bewölkt bleibt.

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    Die Innenstadt, besonders das Business District, wirkt insgesamt etwas abgeranzt.

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    Green Market Square

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    An deren Seite kampieren Flüchtlinge aus Afrika und machen auf ihre missliche Lage in Südafrika aufmerksam

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    Unweit entfernt befindet sich Company's Garden. Früher waren hier die Gärten der Holländisch-Ostindischen Handelskompanie, heute zählt ein Teil des Geländes zum Botanischen Garten.

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    Entlang besagten Gartens befinden sich historische Gebäude wie das Parlamentsgebäude

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    Oder die Stadtbibliothek

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    Kapholländischer Stil

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    Camps Bay von Lion's Head (668m) aus gesehen. Die Bergkette nennt sich die 12 Apostel.

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    Camps Bay von unten. Im Hintergrund Lion's Head


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    Hout Bay mit gleichnamigem Vorort von Chapmans Peak aus gesehen

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    Findet man nicht nur in Boulders Beach, sondern fast überall: BrillenpinguineIMG_6020_zpsnwtizvhn.jpg




    Die Winelands hier im Vorort Constantia. Landschaftlich wie in Italien mit nobel anmutenden Weingütern, die für jederman unentgeltlich offen stehen, zum Schauen oder Probieren: Man fühlt sich sofort willkommen.

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    Nur ein paar Kilometer von den Winelands entfernt: Township Khayelitsha. Im Hintergrund der Tafelberg.


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    Zurück ins Zentrum von Kapstadt:



    Waterfront

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    Die schönste Sicht auf die Stadt genießt man von den umliegenden Hügeln, wie hier von Signal Hill auf die Küste mit Green Point und dem Cape Town Stadium. Auf dem zweiten Bild mit Robben Island.


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    Downtown von Signal Hill


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    Kapstadt von Lion's Head


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    Das war's...

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    Bilder: Cowboy