Rechenzentrums-Hauptstadt Frankfurt

  • Die Design-Idee von RZ-Hochhäusern ist ja schon älter. Wenn ich Fachplaner darauf anspreche, wird im Regelfall immer etwas mit dem Kopf gewackelt. Ein wichtiges Problem ist wohl , dass bei herkömmlichen Rechenzentren das Dach die Aufstellfläche für Komponenten der Klimatechnik ist, die naturgemäß eine große Oberfläche brauchen, um den Wärmetausch zwischen Kühlmedium und Außenluft herzustellen. Entsprechend ist das gesamte Design inklusive zugehöriger Leitungen darauf ausgelegt, die "Klima-Ebene" auf dem Dach anzubinden. Wenn nun die Dachfläche erheblich kleiner wird, müsste man das Design der Kühlung völlig ändern, etwa indem man die vertikalen Außenflächen statt der horizontalen Dachflächen nutzt. (Diese Lösung bringt aber unter anderem Probleme durch die Thermik mit sich, weil die warme Luft von unten nach oben aufsteigt und damit die Kühlung in den oberen Etagen weniger effizient arbeitet.) Das wäre alles sicher kein Ding der Unmöglichkeit, macht aber eben erst mal viel Ingenieursarbeit nötig, bevor sowas zuverlässig in Serie klappt.

  • ^ Wenn ich ein RZ als Hochhaus konzipiere dann unterliege ich dabei nicht den Vorgaben wie bei einem HH für Büronutzung, will sagen pro Etage kann ich mehr Quadratmeter planen da kein natürliches Tageslicht zur Beleuchtung des Arbeitsplatzes notwendig ist und dann in der Konsequenz Teile der Fassadenflächen für PV-Module nutzbar sind. Auch stünde mehr Dachflächen für die Wärmetauscher-Einheiten zur Verfügung (inkl. mehrere Ebenen im Stahlfachwerk). Zusätzlich könnte man noch mit einer Verschattungsanlage die Effizienz des Wärmeaustausches verbessern (bspw. in Form von beweglichen PV-Modulen).


    Wenn man sich von der dezentralen Lösung weg orientiert dann könnten die RZ-Hochhäuser auch an ein Fernkältenetz angeschlossen werden. Dafür könnte man nachhaltig Kälte als 'Abfallprodukt' effizient bei der Müllverbrennung in der Nordweststadt produzieren. Setzt aber voraus das die Mainova ein Fernkältenetz aufbaut oder das vorhandene ausbaut. Dann brauchen die Fachplaner vom RZ-Betreiber auch nicht mehr mit dem Kopf wackeln. 😉


    Generell sehe ich - wieder - die lokale Politik gefordert das sie die Rahmenbedingungen setzt damit die Frankfurter Infrastruktur im Bereich Wärme, Kälte, Strom und Brauchwasser ausgebaut wird. Nur zu sagen was man nicht will, gestaltet leider nicht die Zukunft.

  • main1a: ein sehr kluger Beitrag zur Diskussion. Vielen Dank.

    Und wenn ich schon von kopfwackelnden Herren höre, dann sehe ich indische Taktierer vor mir. Solche Leute kenne ich aber auch hierzulande.


    Ich halte ein RZ im Hochhausformat für eine sehr sehr gute Idee. Man könnte es in einen Hinterhof ins Bankenviertel setzen. (Für alle Moserer: ich weiss sehr wohl, dass ein Hinterhof nicht ausreicht.)

    Hochhaus hat - siehe u.a. auch Ausführungen von main1a - auch Vorteile:

    kaum Fenster, kaum Tiefgaragenstellplaetze, schmalerer Kern, Kälteanlagen können auch in Etagen zwischendurch eingebaut werden (nicht nur auf dem Dach), Solaranlagen an der Fassade, Schattenfassade, Nordseite = Kaltseite, Wärmeabluft über Schlote, je höher die Zuführung desto kältere Frischluft, Notstrombatterien können auch segmentweise dezentral aufgestellt werden, ebenso Notstromaggregate dezentral, Anschlüsse an Fernwärmenetz und Fernkaeltenetz, auf dem Dach wäre sogar ein Kaltwasserpool denkbar.


    Kurz: warum soll ein Rechenzentrum nur 6 Etagen hoch sein und nicht 20?


    Weiterdenken ist angesagt!