2×155m Hochhäuser an der Paketposthalle [in Planung]

  • Im Grunde alles nix Neues, was eingewandt wird. Ob ein Bedarf an Büroflächen besteht, ist kein Belang, der bauplanungs- oder bauordnungsrechtlich dem Vorhaben entgegengestellt werden könnte. Das ergibt sich aus der Funktion des Baurechts als "Bauverhinderungsrecht", will sagen: es besteht ein Rechtsanspruch auf Erteilung der Baugenehmigung, sofern dem Vorhaben nicht öffentlich-rechtliche Vorschriften entgegenstehen. Um dem Vorhaben ein Überangebot entgegenhalten zu können, müsste es eine öffentlich-rechtliche Vorschriften geben, die sinngemäß besagt, in München ist die Errichtung weiterer Büroflächen nicht zulässig, weil der Bedarf an Büroflächen gedeckt ist. Eine solche Bedürfnisprüfung steht der Stadt München als Trägerin der Planungshoheit nicht zu, sie könnte den Bedarf nicht normieren, weshalb es insweit eine öffentlich-rechtlich Vorschrift nicht gibt noch geben kann, die es erlaubte, einem vermeintlichen Zuviel an Bürofläche die Baugenehmigung zu versagen.


    Jeder kennt das aus Kneipenvierteln: auch die 8. Shischa-Bar muss genehmigt werden (wenn sonst nichts dagegen spricht), auch wenn jeder weiß, dass sie wirtschaftlich zum Scheitern verurteilt ist, weil bereits die ersten drei Shischa-Bars den Bedarf decken. Es ist Sache allein des Bauherrn zu entscheiden, ob sein Vorhaben wirtschaftlich trägt, ob er die Risiken des Marktes richtig einschätzt oder vielleicht nicht. Das Risiko des Leerstandes ist das Risiko des Bauherrn.

  • Was der letzte Leserbriefschreiber behauptet, es ließen sich bei 150 m Höhe die Fenster nicht öffnen, ist Unsinn. Sollte er bei Gelegenheit auf Reise gehen, könnte er sich Frankfurt (liegt meistens auf dem Weg) vom Gegenteil überzeugen.

  • Selbst im O² Tower kann man etwas am Fenster öffnen, damit Frischluft reinkommt.


    Am absurdesten finde ich wieder mal das Argument, dass die Türme eine Frischluftsperre für die Innenstadt darstellen. QAnon lässt grüßen.


    Vielleicht sollte man denen mal sagen, dass die Klimaanlage solcher Hochhäuser die gesamte Frischluft in 10 km Umkreis absaugen wird. Zusätzlich werden alle Vögel im Umkreis durch die Klimaanlage sterben. Oder dass die Türme bei Erdbeben auf die Frauenkirche fallen werden. Außerdem ist es technisch unmöglich sollte Türme mit solch einem Gewicht in der fragilen Münchner Schotterebene zu bauen - Sie werden bald die schiefen Türme von München heißen.

  • Ich habe nichts einzuwenden, wenn Leute Hochhäuser persönlich unschön finden oder konkret den Standort für unpassend halten - und dies auch so kommunizieren. Das ist legitim und muss akzeptiert werden.


    Ganz und gar anders verhält es sich, wenn mit falschen Behauptungen lautstark um sich geworfen wird, persönliche Motive mit Fake News oder als Wahrheit verkaufte Lügen verschleiert werden. Leider hält es so manche Gossenzeitung für die große Aufklärung, solchen Menschen ein Sprachrohr zu sein und deren Behauptungen mehr oder weniger unkommentiert zu veröffentlichen. Dazu gehört das Thema Frischluftzufuhr, das vermutlich bald auch noch bei Protesten gegen den Bau einer Bushaltestelle herhalten muss; es gehört das Thema Büroflächenbedarf dazu, welches regelmäßig in umfangreichen Marktstudien untersucht wird und kaum hinreichend mit knappen Stammtischparolen wie "braucht´s gwis ned" abgearbeitet ist; dazu gehört das Thema Klimawandel, der zwar plötzlich ganz akut wird, jedoch dann unbedingt zu vermeidender Flächenfraß ausschließlich auf die Höhe projiziert wird; dazu gehört das Thema Verkehr, der offenbar deutlich drastischer zunehmen wird, sollten sich Gebäude stärker vertikal als horizontal ausdehnen.


    Was mir fehlt, ist die Suche nach dem konstruktiven Gespräch seitens der Kritiker. Ich höre immer nur, dieses und jenes verursache Sodom und Gomorra, Totalablehnung aus Prinzip. Ich würde mir eine Moderation der Stadt wünschen, regelmäßige Faktenchecks der Presse (im Prinzip wie das bei Trump geschehen ist), vllt. sogar eine neutrale, fundierte Website des Planungsreferats und seriöser Zeitungen wie der SZ, die Vor- und Nachteile von Hochhäusern, Möglichkeiten, Beispiele aufzeigt. Hier denke ich, sind innerhalb der breiten Bevölkerung z.T. große Informationsdefizite und so manches überholtes Vorurteil vorhanden. Die Debatte wird geführt werden müssen, Flächenknappheit, hohe Grundstückspreise und sehr gute wirtschaftliche Entwicklungsaussichten - Corona hin oder her - lassen sich nicht wegzaubern. Je zahlreicher Projekte veröffentlicht werden, desto lauter werden Kritiker rufen und desto wichtiger sind Fakten und eine darauf basierte Aufklärung.

  • ^^


    Im BR gab es vor kurzem einen Videobeitrag zweier Kunsthistoriker, die Schloss Nymphenburg als UNESCO-Weltkulturerbe eintragen lassen wollen. Die leicht durchschaubare Motivation dahinter ist das geplante Museum "Biotopia", welches bekanntlich anstelle eines 60er Jahre Anbaus im nördlichen Schlossgefüge entstehen soll und ihrer Ansicht nach die Symmetrie des Ensembles stört. Der Welterbestatus könnte das Museum in der geplanten Form verhindern. Unterstützung erhoffen sich die beiden von Herrn Brannekämper.


    Interessant ist nun, dass der Oberste Denkmalschützer und Generalkonservator Prof. Pfeil gerade diesem Bestreben wenig Bedeutung beimisst, befänden sich doch bereits eine Menge barocker Schlösser in der Welterbeliste - die Erfolgsaussichten sind seiner Meinung nach also verschwindend gering. Zugleich hatte er mit dem Biotopia Architekten Staab lange eine schlossverträgliche Überarbeitung des ursprünglichen Entwurfs ausgearbeitet.


    Zum Videobeitrag


    Potentielle Hochhäuser, die vom Schlossrondell zu sehen sein könnten (wie bereits das UpTown), dürften also kaum am Hindernis UNESCO scheitern und nur mit dieser könnte es harte Konflikte über die Höhe geben. Der bloße Denkmalschutz schützt mitnichten den freien Ausblick vom Schlossrondell, kann mitnichten eine maximale Höhe vorschreiben.


    Vielleicht auch deshalb die scharfe und reißerische Wortwahl Brannekämpers (Hochhäuser als städtebauliche Parasiten), mehr als Bellen bleibt ihm letztlich nicht.

    Die Aussage des städt. Planungsdirektors Hardi - es sei zwar gut, dass München so herrschaftliche Gebäude hat, dass aber gleich etwas zerstört sei, würde ein Hochhaus hervorschauen, könne er kaum nachvollziehen, immerhin leben wir nicht mehr in der Monarchie - trifft es für mich stattdessen ziemlich gut.


    Bleibt zu hoffen, dass die Stadtpolitik sich den permanenten Einmischungen Brannekämpers weiterhin widersetzt.

  • ^


    Allen Beteiligten ist klar, dass es im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens professionelle Höhenstudien zu den beiden Türmen geben wird. Diese selbst erstellten Amateurgrafiken der Denkmalschützer sind für die Zwecke einer objektiven und zielführenden Untersuchung der HH-Pläne dagegen völliger Unsinn. Schlimm genug, dass eine Zeitung diese abdruckt.

  • Scheint so, als sucht Eigentümer Büschl nun die Konfrontation mit den offiziellen und inoffiziellen Denkmalschützern. Finde ich gut. Endlich traut sich jemand, dieser Gruppe pseudo-elitärer Verwalter und Bewahrer deutlich zu widersprechen.


    SZ: "Denkmalschützer wollen aus München ein Museum machen"


    Viele Einwände gegen das Projekt scheinen ihm "mehr fundamental ideologisch geprägt zu sein, als einer konstruktiv-kritischen Auseinandersetzung zu entstammen".


    Stattdessen wären die wenigen Gegner nicht die Mehrheit der Münchner Bürger, nicht nur die Anwohner in Neuhausen, sondern auch Stadtrat und Stadtgestaltungskommission hätten den Masterplan ausdrücklich begrüßt.


    Auch sei keineswegs Profitmaximierung der Grund für die Höhe, da zweimal 155 Meter deutlich teurer in der Erstellung wären, als einfach viermal 60 Meter: Hätte er Zitat "geplant wie es ein paar Denkmalschützer" verlangen, wäre ein "langweiliges, gleichförmiges, austauschbares Stück Stadt" entstanden.


    Er sei bereit, in den Konflikt einzusteigen und diese Diskussion zu führen :daumen:.

  • Je intensiver nun die Debatte geführt wird, desto besser. Das Projekt muss innerhalb der Stadt einen viel größeren Bekanntheitsgrad erreichen, nichts wäre schlimmer, als wenn wieder nur ein paar wenige Fundamentalkritiker, insb. Brannekämper und Pfeil, meinungsbildend auftreten und das Projekt im Hinterzimmer beschneiden. Sollte es stattdessen nach ausführlichen öffentlichen Pro und Contra Diskussionen auf ein Nein hinauslaufen, dann ok, kann ich mit leben. Nach allen bisherigen Berichten und Veranstaltungen scheint die Zustimmung aktuell zu überwiegen.

  • MiaSanMia,

    Leider wird vieles gerade in der seriösesten Zeitung online unkommentiert weitergeleitet.


    2x155 m ist schädlich für das Klima wegen der Verwendung von Stahlbeton.

    Bei 5x60 m ist der Stahlbeton freundlicher für das Klima


    Was überwiegt jetzt :

    Aufheizung wegen Blockade der Frischluft

    oder:

    Abkühlung durch extrem lange Schatten


    Was überwiegt jetzt:

    Unwirtschaftlichkeit wegen zu vielen Aufzugschächten

    oder

    Gewinnmaximierung wegen Investoren Architektur

  • Zudem :

    Wieso erinnert der geplante Zustand des Projektes der Paketposthalle mehr an Bochum als der jetzige Zustand mit der momentanen Postnutzung, den Einbauen, Parkplätzen und den bestehenden Gebäuden an der Friedenheimer Brücke?

    Ich verstehe immer weniger....

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    Du beziehst dich auf Leserbriefe, nicht auf Artikel der Zeitung.


    Als freie Meinungsäußerung kann da jeder erstmal schreiben was er will. Verstehen muss man das natürlich nicht, stehen ja oft genug persönliche Motive dahinter, die mit scheinbaren Fakten versucht werden durchzusetzen ("Fake News").

  • stehen ja oft genug persönliche Motive dahinter, die mit scheinbaren Fakten versucht werden durchzusetzen ("Fake News").

    Da ist leider so. Die wenigsten Leserbriefe beinhalten differenzierte Sichtweisen, die Intention ist meistens nur Stimmungsmache aufgrund persönlicher Befindlichkeiten.

    Aus der Ferne finde ich das Projekt super und hoffe dass der Investor am Ball bleibt und die Debatte weiter angeheizt wird.